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“Ich fühle mich im Zentrum am Wohlsten” Michael Bradley im Radio 90.1 Interview

bradley_kader.jpgAndreas Plum

Immer mittwochs ist es Zeit für die Sendung „Borussia hautnah” des Mönchengladbacher Radiosenders Radio 90.1. So auch gestern, wo sich erstmalig unser Neuzugang, Mittelfeldspieler und US-Amerikaner Michael Bradley in Begleitung von Borussias Pressesprecher Markus Aretz, der als Dolmetscher fungierte, den Fragen von Moderatorin Petra Koch stellte. In einem sehr netten Gespräch gab der auch dort sympathisch rüber kommende 21-Jährige einen kleinen Einblick zu seinen ersten Tagen bei der Borussia, zog den Vergleich zwischen dem amerikanischen, niederländischen und deutschen Fußball und wünschte sich zwischenzeitlich, wie es sich für einen US-Boy gehört, dass Lied „Born in the USA” von Bruce Springsteen. Im Folgenden haben wir das Interview mit Michael zusammengefasst.

Zunächst stellte Petra Koch den 21-Jährigen ein Stückweit vor, ehe Petra Koch mit der Frage Begann, wie er sich denn hier nun schon eingelebt hat.

Michael Bradley: Ich bin sehr glücklich, hier zu sein. Die ersten Wochen waren ein wenig aufregend, denn die Ergebnisse waren nicht so, wie man sich das vorgestellt hat. Zu dem gab es den Trainerwechsel und ich bin viel gereist. Inzwischen fühle ich mich aber gut, habe mich gut eingelebt, und freue mich, in Mönchengladbach zu sein.

Petra Koch: Du hast den Trainerwechsel gerade schon angesprochen… Jetzt, seit Hans Meyer da ist, spielst Du. Wie fühlst du dich im Moment und bist Du schon in der ersten Liga angekommen?

Michael Bradley: Es ist natürlich immer eine Umstellung und man braucht Zeit, wenn man in eine neue Stadt und in einen neuen Verein kommt, aber der Verein, die Trainer, die Mannschaft und einfach jeder im Verein haben mich gut aufgenommen. Ich fühle mich von Tag zu Tag wohler und auch in der Mannschaft fühle ich mich wohl. Meine eigene Leistung ist in Ordnung aber ich denke, sie kann noch besser sein.

Petra Koch: Du hast als junger Bursche in Amerika gespielt und bist dann in die Niederlande zum SC Heerenveen gewechselt. Worin liegen die Unterschiede zwischen dem Fußball in Deutschland und Amerika und zwischen dem Fußball in den Niederlanden und Deutschland?

Michael Bradley: Ich denke, der Fußball in den Niederlanden ist ein wenig taktischer ausgeprägt. Alle Mannschaften in den Niederlanden sind taktisch sehr gut ausgerichtet. Wenn du dann nach Deutschland kommst, dann hast du das hier zwar auch, aber die Bundesliga ist härter, das Spiel ist schneller und die Qualität ist auch viel besser in Deutschland. Daran muss man sich gewöhnen und wenn man das vergleicht mit den USA, dann ist die Liga in Amerika zwar im Kommen, aber sie braucht noch Zeit, bis sie auf dem Niveau einer Liga in Europa ist.

Petra Koch: Wir haben dich jetzt in den vier Spielen, seit Hans Meyer da ist, gesehen. Bei wie viel Prozent bist Du und was können wir von Dir noch erwarten?

Michael Bradley: Ich versuche auf dem Platz immer mein Bestes für die Mannschaft zu geben, so dass das Resultat stimmt. Das ist ja das Wichtigste. Denn danach wird abgerechnet. Die Resultate sind jetzt mit den beiden Siegen seit dem Hans Meyer da ist, etwas besser geworden. Ich versuche für mich persönlich auf jede Kleinigkeit zu achten, um diese zu verbessern, um dann eben auch der Mannschaft auf dem Platz mehr geben zu können.

Petra Koch: Du hast in den Niederlanden 15 Tore gemacht. Das hört sich ja nach einem offensiven Mittelfeldspeiler an… Siehst du dich zum Beispiel eher als offensiven „10er”, oder wo fühlst Du dich am Wohlsten?

Michael Bradley: In Heerenveen hatte ich einen Trainer, der mich eher im offensiven Mittelfeld gesehen hat. Das habe ich gerne gemacht und war auch in Ordnung für mich. Ich fühle mich selbst am Wohlsten, wenn ich wirklich im Zentrum des Spiels bin und wenn ich dort Bälle erobern und auch nach hinten hin arbeiten und dann die richtigen Momente suchen kann, wo ich mich mit nach vorne einschalte. Ich persönlich sehe mich im Mittelfeld schon etwas mehr zurückgezogen.

Hans Meyer über Michael Bradley: Die jungen Spieler, also auch Michael, müssen im Moment Verantwortung übernehmen, obwohl sie dieser aufgrund ihres Alters noch gar nicht gerecht werden können. Natürlich ist ein Michael Bradley richtig talentiert, aber er ist eben kein Franz Beckenbauer, der schon mit 19 Jahren in einer gestandenen Mannschaft es richtig überragend macht, oder eben wie ein Johan Cruyff, der mit 18 Jahren in den Niederlanden über den Dingen stand. Das ist es nicht, aber ich hoffe sehr, dass der Junge, der einen richtig guten Charakter hat und der auch ein guter Fußballer ist, uns nochmal richtig weiterbringt.

Petra Koch: Ja, was sagst du dazu, Michael?

Michael Bradley: Ich hoffe natürlich, dass ich dem Verein, so wie es auch der Trainer sagt, helfen werde. Ich habe mich auch kürzlich lange auf Niederländisch, was wir beide sprechen, mit dem Trainer unterhalten, und da hat er mir genau gesagt, wie er mich sieht. Er sagte mir, dass er weiß, wie schwer es ist, sich für einen jungen Spieler in eine Mannschaft reinzufinden und sofort Verantwortung zu übernehmen. Ich sehe das als Herausforderung für mich. Ich weiß, was ich kann, und ich kann noch mehr zeigen, was der Mannschaft dann auch hilft. Das möchte ich einbringen.

Petra Koch: Wie schwer ist es denn, es junger Spieler in einem Team, wo viele junge Spieler sind, Verantwortung zu übernehmen, und wie weit seid ihr da in der Hinsicht?

Michael Bradley: Na, es ist immer schwierig, die richtige Balance zu finden. Da braucht man junge und zwischen erfahrene Spieler. Es ist wichtig, die richtige Mischung zu finden. Das muss aber nicht unbedingt das oder ein Problem sein, wenn man zu viele junge Spieler hat. Wir haben auch viele junge Spieler, die ehrgeizig und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Die zweite Halbezeit in Bielefeld, wo sechs Spieler 21 Jahre oder jünger auf dem Platz waren, hat das gezeigt. Das hat gut funktioniert. Es muss sich sicherlich noch ein wenig einspielen und finden, aber ich glaube, dass das kommt, und dass wir das auch gegen Bayern und in den nächsten Spielen zeigen.

Petra Koch: Dieser Sieg in Bielefeld… Wie wichtig war der jetzt auch für euren Kopf?

Michael Bradley: Der war sehr wichtig. Man muss da nur auf die Tabelle schauen, wie wichtig er war. Das man uns nicht mehr auf den Abstiegsplätzen, sondern über dem Strich sieht, ist total wichtig für unsere Köpfe. Wir haben uns das Spiel auch noch mal angeschaut und eine Videoanalyse gemacht. Da haben wir auch einige Szenen gesehen, die nicht in Ordnung waren, aber auch Dinge gesehen, die wir gut gemacht haben. Daraus müssen wir jetzt die richtigen Schlüsse draus ziehen und daran anknüpfen und aufbauen.

Petra Koch: In Bielefeld sagten schon einige Leute auf der Tribüne, dass man nun auch die Bayern schlägt. Wie viel Träumerei ist das und kann man die Bayern schon schlagen?

Michael Bradley: Natürlich können und wollen wir sie schlagen. Darum spielen wir Fußball. Jedes Team kann in der Bundesliga jedes Team an einem guten Tag schlagen. Bayern ist ein sehr gutes Team und wir müssen schauen und sicherstellen, dass wir gut organisiert sind. Die guten Dinge, die in Bielefeld gut waren, müssen wir in das Spiel mitnehmen und für die ganzen 90 Minuten auf dem Platz zeigen. Wir müssen füreinander und miteinander kämpfen und wenn wir dann diese Dinge beherzigen, dann denke ich, dass wir gegen Bayern München eine gute Chance haben.

Petra Koch: Du bist geboren in Prinston, New Jersey. Das ist etwa eine Stunde von New York entfernt. Dann bist du über Heerenveen nach Mönchengladbach gekommen. Das muss schon ein Schock sein, wenn man in der Nähe von New York lebt, und dann in kleinere Städte kommt, oder?

Michael Bradley: Natürlich ist das ein Unterschied, aber wenn du einen Traum hast und das machen willst, wofür du lebst, nämlich Fußballspielen, dann ist das kein Problem.

Petra Koch: Du bist ja sehr früh, sprich mit 17 Jahren, von zu Hause weg. Wie schwer ist das dann für so einen jungen Mann, dann auch so weit von zu Hause weg zu gehen?

Michael Bradley: Nein, dass ist nicht sehr schwer. Ich sagte ja bereits, dass wenn du jung bist und einen Traum hast, dann machst du alles, um ihn auch zu verwirklichen. Ich hatte die Möglichkeit, in den USA auf ein Fußballinternat zu gehen, und habe das auch gern gemacht. Als sich dann die Chance ergab, nach Europa zu gehen und Berufsfußballer zu werden, habe ich das als Herausforderung gesehen, um meinem Ziel näher zu kommen. Dass ich dann nach Heerenveen gehen konnte, war großartig und auch hier in Mönchengladbach zu sein, macht mich glücklich.

Petra Koch: Wenn man dann in so eine fremde Umgebung kommt… Wer hilft einem denn da?

Michael Bradley: Die wichtigste Sache ist, dass alles das stimmt, was sich auf dem Platz abspielt. So lange es also auf dem Fußballplatz klappt, kommt das Andere, wie Auto und Wohnung besorgen, von ganz alleine und stellt auch kein Problem dar. Natürlich ist es schön, wenn man Hilfe bekommt, wie das auch hier in Mönchengladbach der Fall war, aber dass sind eigentlich nur die Kleinigkeiten. Wichtig ist, wie gesagt, dass es auf dem Platz stimmt.

Petra Koch: Was macht man denn dann so als junger Spieler, wenn man dann nicht Fußballspielen muss, sprich Freizeit hat, und sich in einer noch fremden Umgebung befindet?

Michael Bradley: Ich ruhe mich dann aus, relaxe, schaue einen Film und bereite mich auf das nächste Training bzw. auf das nächste Spiel vor. Also ich mache dann nichts Besonderes.

Petra Koch: Dein Vater ist Nationaltrainer der USA und Du spielst unter ihm bzw. hast auch unter ihm bei den New York Metro Stars gespielt. Wie schwer ist es denn, beim eigenen Vater Fußball zu spielen?

Michael Bradley: Nein, dass ist nicht schwer und das ist auch kein Problem. Das wird mehr von den Medien rein getragen und es wird immer diese Frage gestellt, ob es ein Problem ist, dass mein Vater der Trainer ist. Das ist es aber nicht. Wenn man gut Fußball spielt und den Respekt vor den Mannschaftskameraden hat, und das ist bisher so gewesen, dann ist und war das nie ein Problem.

Petra Koch: Du hast von deinen Träumen gesprochen… Das Du also deinen Traum verwirklichen wolltest, wenn du hier nach Europa kommst und Fußball spielst. In Amerika gibt es ja nun noch viele andere Sportarten, die populärer sind. Wolltest Du immer Fußballspielen?

Michael Bradley: Ja, Fußball war und ist immer dass, was ich geliebt habe und auch noch liebe. Das wollte ich immer machen und es war ein Traum von mir, dies professionell zu tun. Wenn Du jung bist, dann spielst du mit deinen Freunden in Amerika eine Vielzahl von anderen Sportarten, aber für mich war es immer der Fußball, den ich am meisten mochte und auch mag.

Petra Koch: Deinen Traum hast du nun zum Teil verwirklicht, nämlich in Europa Fußball zu spielen. Wie weit geht dein Traum und was träumst Du noch?

Michael Bradley: Na, ich bin noch jung und arbeite weiter hart an mir. Und wenn das weiter so geht, dass ich mich immer ein Stück verbessere, dann könnte ein Traum sein, irgendwann mal für einen großen Verein in Europa zu spielen. Zu dem möchte ich mit der Nationalmannschaft Erfolg haben und die Weltmeisterschaft spielen. Aber im Moment konzentriere ich mich darauf, dass ich jeden Tag hart und konzentriert arbeite. Dann wird alles andere ganz von alleine kommen.

Petra Koch: Zum Schluss die Frage. Nun kommt Bayern München. Freut man sich da auf so ein Spiel und auch darauf, gegen so klasse Spieler wie Frank Ribéry zu spielen und was sind die Schwachpunkte von Bayern München, wenn sie denn welche haben…?

Michael Bradley: Ja natürlich. Für einen Spieler sind das genau so wie für die Fans besondere Spiele, gegen solche Vereine, wie gegen Bayern München, zu spielen. Aber nicht nur gegen sie zu spielen macht Spaß, sondern auch, wenn man gegen sie gewinnt. Das wollen wir am Samstag versuchen. Die Bayern haben ja auch schon gegen verschiedene Mannschaften ihre Probleme in der Saison gehabt. Bei uns muss die Organisation auf dem Platz stimmen und funktionieren. Zu dem muss Disziplin da sein und alle müssen mit- und füreinander kämpfen. Dann kann es auch ein Spiel geben, wo wir mithalten und ein positives Ergebnis erreichen können.

Das war das komplette Interview mit dem sehr sympathischen Michael Bradley. Ein junger Bursche, der seine Qualitäten auf und auch bestimmt neben dem Platz hat. Er hat sie bereits angedeutet und wünschen wir uns, dass er sich weiter so entwickelt, verletzungsfrei bleibt und Borussia Mönchengladbach sowie den Fans noch viele gute Spiele und Freude bereitet.