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HomeAbseitsSaison 2010 / 2011Thomas Broich: »Ein Teil von mir hängt immer noch am Verein«

Thomas Broich: »Ein Teil von mir hängt immer noch am Verein«

Der 30-jährige Ex-Borusse ist derzeit zu Besuch in Gladbach

Seit vergangener Woche befindet sich Thomas Broich in Deutschland. Der 30-Jährige, von 2004 bis 2006 in den Diensten von Borussia Mönchengladbach, spielt bekannterweise mittlerweile in Australien und wurde dort jüngst Meister mit Brisbane Roar. In diesen Tagen präsentiert der gebürtige Münchener auch in Mönchengladbach seinen Dokumentarfilm "Tom Meets Zizou - Kein Sommermärchen". Dazu weilte der Mittelfeldspieler am Montag im Borussia-Park, um im Vorfeld des Länderspiels der DFB-Elf gegen Australien den Socceroos beim Abschlusstraining einen Besuch abzustatten und sprach im Anschluss über seine Zeit der Borussia, über seinen Dokumentarfilm und über das Länderspiel.

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Thomas Broich im Gespräch - Foto: Andreas Plum, Fohlen-Hautnah.de

Thomas Broich über ...

seine Zeit bei der Borussia, ob er diese noch verfolgt und über die momentane sportliche Situation ...

Die Zeit hier in Gladbach war für mich die prägendste Zeit - sowohl positiv wie negativ. Alles was ich heute erreichen durfte und alles was ich erleiden musste, fing hier an. Deshalb habe ich sehr gemischte Erinnerungen. Heute ist es so, dass ich die Bundesliga natürlich aus der Ferne noch verfolge. Erstaunlicherweise habe ich jetzt wieder eine ganz andere Leidenschaft für die Bundesliga entwickelt.

Ein Teil der Liga zu sein war für mich am Ende einfach keine schöne Erfahrung mehr. Aus der Ferne bin ich jetzt wieder viel im Internet und schau mir über Livestream die Spiele an. Insgesamt kann ich die Bundesliga wieder genießen, was gegen Ende meiner Zeit in Deutschland nicht mehr möglich war. Da bin ich zuhause die Türe rein und die Liga konnte mir total gestohlen bleiben.

Ich finde es schade finde, dass es für Gladbach wieder so endet. Grundsätzlich habe ich hier gerne gespielt und ein Teil von mir hängt auch immer noch am Verein. Bei Borussia ist es ja fast wie eh und jeh. Es geht immer rauf und runter und es ist immer chaotisch. Man würde sich ja wünschen, dass sich das auch mal ändert. Da muss man mal abwarten. Es wäre schön, wenn man mal wieder an alte Zeiten anknüpfen könnte, aber im Moment geht es primär darum, drin zubleiben. Leider sieht das nicht gut aus.

die Erinnerungen an den Bökelberg und an den Borussia-Park ...

Die Erinnerungen an den Bökelberg sind besser. Da lief es für mich persönlich sportlich besser. Natürlich hatten wir auch ein paar fantastische sportliche Siege im Borussia-Park. Insgesamt ist es schön für mich, wieder an die alte Wirkungsstätte zurückzukehren. Ich habe noch genau die Ordner wiedergetroffen, die schon vor sechs Jahren da waren.

die Tatsache, dass er nie Nationalspieler geworden ist ...

Darüber bin ich nicht wirklich traurig. Traurig bin ich darüber, dass ich das ein oder andere frustrierte Jahr erleben musste. Dieses ganz große Ziel Nationalspieler zu werden, hat mich nie so ganz ausgeprägt. Ich finde es nach wie vor irgendwie schön, die Nationalmannschaft auch aus der Ferne zu verfolgen.

seinen Dokumentarfilm „Tom Meets Zizou", der in diesen Tagen Premiere feiert ...

Das sind ein fantastisches Projekt und ein sehr persönlicher Film. Es ist für mich sehr kräftezehrend, das Ganze jetzt auch mal gesehen zu haben. Es ist sehr, sehr persönlich, denn Joscha (Aljoscha Pause, d. Red.) ist wirklich nah an mich herangekommen. Für mich war das nochmal die Möglichkeit, meine Karriere vor mir ablaufen zu sehen und auch meine Entwicklung als Mensch. Da gab es auch so das ein oder Andere, wo ich heute sicher nicht stolz drauf bin - im Gegenteil, ich muss mich wirklich noch richtig dafür schämen.

Das schlimme ist, dass man wirklich sagen kann: Ja so war ich. Das ist nicht immer schön. Auf der anderen Seite kann ich aber auch sagen: Gott sei Dank bin ich jetzt so und nicht mehr. Das ist auch nicht ganz unverständlich. Es war auch sicherlich nicht alles schlecht. Ich hatte sicher auch gute Ansätze, habe das vielleicht dann ein bisschen überdreht. Mittlerweile würde ich gerade als Person Dinge natürlich auch anders machen.

Der Film ermöglicht mir zurückzublicken und auch noch mal zu sehen, wie es aufwärts ging und warum es dann auch gescheitert ist. Es ist schon schade. Ich habe da auf jeden Fall etwas liegen lassen. Ich hätte es mir selber schon einfacher machen können, aber am Ende bin ich irgendwie froh, dass es so gekommen ist. Ich habe viel dadurch gelernt, habe mich viel mit selber auseinandersetzten müssen und bin in Brisbane jetzt ein ziemlich glücklicher Mensch.

Insgesamt glaube ich, ist es auch keine ganz große Überraschung, dass ein junger Kerl, der so gehypt wurde, dann auch mal abgeht. Das haben wir leider Gottes minutiös dokumentiert und aufbereitet. Für mich leider Gottes, weil so jeder nochmal sehen kann, wie ich damals so war. Aber von einem anderen Standpunkt aus. Es ist ein interessantes Projekt, weil der Zuschauer dann auch die Möglichkeit bekommt, so was hautnah mitzuerleben.

die Flutkatastrophe in Australien, die im Januar auch vor Brisbane nicht Halt machte ...

Das war schon schlimm für die Menschen in Brisbane. Ich bin weitestgehend verschon geblieben. Unsere Tiefgarage stand unter Wasser und wir hatten eine Woche kein Strom und keine Wasserversorgung. Das war es, aber andere Stadtteile hat es da viel, viel schlimmer erwischt. Da haben die Menschen teilweise alles verloren und da wurden teilweise komplette Häuser weggeschwemmt. Das war eine harte Zeit für die Stadt und da hat es irgendwo auch geholfen, dass wir sportlich so erfolgreich waren. Da konnten wir so ein bisschen für positive Schlagzeilen sorgten. Ansonsten war es um den Januar herum schon sehr, sehr trist in Brisbane.

Borussias Neuzugang Mathew Leckie ...

Ich habe schon gegen ihn gespielt. Er ist sehr schnell, hat Zug zum Tor und ist auch im Eins-gegen-Eins sehr stark. Man kann schon sagen, dass er zu den größten und vielversprechendsten Talenten in Australien gehört. Ich bin einer der sagt, dass er eine ganz große Zukunft vor sich hat, aber er muss natürlich noch viel lernen. Es ist immer schwer zu sagen, ob er es in der Bundesliga schafft, aber das Potenzial hat er.

das Länderspiel Deutschland gegen Australien und für wen da sein Herz schlägt ...

Ich bin schon noch durch und durch Deutscher. Ich hatte jetzt ein fantastisches Jahr in Australien und kenne auch ein paar von den Jungs ganz gut. Ich werde live im Stadion sein, hoffe ganz einfach, dass es ein gutes Spiel wird und dass die Austrailer am Ende nicht wieder so eine Packung bekommen wie bei der Weltmeisterschaft.


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