»Nicht umstoßen lassen«

Nach der ersten Heimniederlage gegen Hoffenheim

Es war eine bittere Woche für Borussia Mönchengladbach. Erst das späte Ausscheiden im DFB-Pokal gegen den FC Bayern München, dann die unglückliche und unnötige Niederlage gegen die TSG 1899 Hoffenheim, bei der sich gerade zum Schluss der kräftezehrende Pokalfight bemerkbar machte. Natürlich schaute man dann nach der ersten Heimniederlage nach dreizehn Monaten in frustrierte Gesichter der Protagonisten, den Kopf in den Sand steckten sie aber dennoch nicht.

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Bekam den Vorzug vor Mike Hanke - Igor de Camargo. Foto: Dirk Päffgen, für Fohlen-Hautnah.de

Gerade einmal 142 Sekunden hatte es gedauert, ehe die Borussen gegen Hoffenheim einen nahezu sicher geglaubten bzw. durchaus möglichen Sieg oder zumindest eine Punkteteilung aus den Händen gegeben hatten und im Anschluss in der Kabine ihren Frust deutlich machten.

Allen voran Marco Reus und Marc-André ter Stegen hatten unmittelbar nach dem Spiel in den Katakomben deutlich Luft abgelassen. »Ich habe nicht mitbekommen, was beide gemacht haben, aber ich habe versucht, beide zu beruhigen. Ich habe ihnen gesagt, wenn wir gut spielen, sind wir alle zusammen. Auch jetzt müssen wir zusammenhalten«, sagte Dante.

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»Wir dürfen nicht schauen, wer welchen Fehler gemacht hat. Die Jungs sind einfach nur enttäuscht. Ich auch, weil wir zehn Minuten ein bisschen Scheiße gespielt haben«, so der Brasilianer weiter.

»Ich kann nicht sagen, dass es ein verdienter Sieg war«, hatte Hoffenheims Trainer Markus Babbel mit seiner Analyse den Nagel durchaus auf den Kopf getroffen. Derweil brauchten die Borussen nach der sicherlich kräftezehrenden Pokal-Partie gegen den FC Bayern einige Zeit, um richtig in Schwing zukommen. »Die ersten fünfzehn Minuten waren nicht so gut«, sagte Lucien Favre. »Nachher wurde es besser und wir haben das 1:0 gemacht«.

In der Tat wurde es nach zähem Beginn besser, allerdings dauerte es bei seiner Mannschaft bis zur 27. Minute, ehe sich die erste richtige Möglichkeit ergab. Doch de Camargo, der den Vorzug vor Mike Hanke bekam, wusste diese ebenso nicht zu nutzen, wie Marco Reus, der in Minute 37 zunächst das Ziel verpasst hatte.

Eine Minute später machte es die Rakete dann aber besser und brachte den VfL mit seinem fünfzehnten Saisontreffer in Führung. Und kurze Zeit später hätte es bereits 2:0 stehen können, doch Arango scheiterte vier Minuten vor dem Pausenpfiff mit seinem Hammer an der Unterkante der Torlatte. »Ich denke, dass wir gut angefangen und nichts weg gegeben haben. In der ersten Halbzeit hatte Hoffenheim keine Möglichkeiten, wir dafür zwei, drei, von denen wir nur eine reinmachen«, haderte Roel Brouwers.

So gingen die Borussen mit einem knappen Vorsprung in die Kabine. »Ich habe in der Halbzeit gesagt, dass wir probieren müssen, das 2:0 zu machen«, hatte Favre seiner Mannschaft für den zweiten Durchgang mit auf den Weg gegeben. »Das hat die Mannschaft sehr gut gemacht, leider ist es nicht gefallen«.

In der Tat machten es die Borussen gut und übernahmen auch das Kommando. »Wir hatten Hoffenheim super im Griff und hätten nur das 2:0 machen müssen«, sagte Tony Jantschke. »Die Chancen waren da, aber wir haben es leider nicht geschafft. Das müssen wir uns vorwerfen lassen, dass wir den Sack nicht zugemacht haben«.

»In der zweiten Halbzeit haben ein paar Sachen gefehlt. Wir haben nicht immer richtig gespielt und hatten ein wenig zu viele unnötige Ballverluste«, monierte Favre. »Aber trotzdem hätten wir ein 2:0 machen können«.

Sicherlich wäre die Messe im Borussia-Park dann auch zu Gunsten der Borussen gesungen gewesen. »Wenn wir das 2:0 gemacht hätten, wäre die Sache gegessen gewesen. Das haben wir leider versäumt«, stimmte Herrmann genauso zu, wie Roel Brouwers. »Wir müssen in der zweiten Halbzeit das 2:0 machen, dann ist es vorbei«, nickte der Niederländer. »Das haben wir nicht gemacht und dann weiß man, dass Hoffenheim kommt. Sie wussten ja auch, dass wir am Mittwoch 120 Minuten gespielt haben und haben dann den Druck erhöht«.

Das taten die Gäste dann auch mit zunehmender Spieldauer, als sie gemerkt hatten, dass bei den Borussen sichtlich die Kräfte nachließen und sie nicht konsequent genug auf den zweiten Treffer drängten. »Wir haben es 70 Minuten lang gut gemacht, am Ende war dann vielleicht ein wenig die Power weg«, hatte Daems schwere Beine ausgemacht. »Man hat schon in den Minuten vor dem Ausgleichstor gespürt, dass es uns nicht mehr so gelungen ist, auf Hoffenheim Druck auszuüben«.

»Ich war überrascht, dass sie schon von Anfang an so frisch gewirkt haben. Nach hinten heraus hat man dann aber gemerkt, dass sie am Mittwoch ein anstrengendes Spiel hinter sich hatten«, sagte TSG-Coach Markus Babbel.

Und das machte sich seine Mannschaft zu nutzen und schlug, wenn auch mit ein bisschen Glück, erstmals zu. Firmino setzte zum Schuss an, Brouwers fälschte unhaltbar für ter Stegen ab, sodass die Kugel ins Netz trudelte. »Ich konnte gar nicht mehr aus dem Weg gehen. Er schießt, berührt mich und erwischt Marc auf dem falschen Fuß«, erinnerte sich Brouwers an den Ausgleich. »Das Pech kommt dann auch noch dazu«.

Dann nahm das Unglück seinen Lauf. »Nach dem Ausgleich war es sehr schwer. Man hat sofort gespürt, dass die Köpfe nach unten gingen«, sagte Favre. Und seine Spieler hatten den Gegentreffer noch nicht ganz verdaut, da klingelte es ein weiteres Mal. Nach einer Ecke war Vukčević am kurzen Pfosten zur Stelle und vollendete zur Führung für die TSG. »Ich denke, dass wir da in den Gedanken noch beim 1:1 waren«, vermutete der VfL-Coach. »Du hast drei Punkte in der Tasche, bekommst dann aber das 1:1. Dann musst du ruhig bleiben und zuhause auch mal ein 1:1 akzeptieren«.

Doch am Ende mussten sich die Borussen eben geschlagen und die erste Heimniederlage nach dreizehn Monaten hinnehmen. Sicherlich eine unnötige Niederlage, die schwer im Magen lag und die die Borussen zu Recht ärgerte. »Die Niederlage war total unnötig. Wenn man so ein Spiel wie das vom Mittwoch in den Knochen hat, muss man frühzeitig die Entscheidung suchen«, grummelte sich Jantschke. »So hat man mit zunehmender Spieldauer gemerkt, dass bei uns die Kräfte schwanden. Die Hoffenheimer hatten noch Luft und haben dann gedrückt. Jetzt haben wir die erste Heimniederlage. Aber es nützt ja nichts, wir müssen den Kopf oben halten«.

»Dass wir am Mittwoch über 120 Minuten gehen mussten, darf für die Niederlage keine Ausrede sein - auch wenn man am Ende gemerkt hat, dass ein wenig die Kraft fehlt«, meinte Herrmann. »Es ist sehr frustrierend. Wir haben zuhause lange nicht mehr verloren. Irgendwann musste es mal wieder passieren. Dass das heute passiert, ist natürlich extrem ärgerlich, wenn man 1:0 führt«.

»Wir haben zwar alles versucht und gekämpft, aber am Ende hat man die 120 Minuten gespürt. Aber es darf nicht passieren, dass wir verlieren. Wir haben die Tore zu einfach kassiert und müssen einfach das 2:0 machen«, haderte Brouwers und fügte an: »Wir sind alle enttäuscht, denn es war unnötig zu verlieren«.

»Die Niederlage ist ganz klar eine Enttäuschung, denn wir hätten dieses Spiel niemals verlieren dürfen. Wir waren 70 Minuten viel besser. Schade, dass wir nicht das 2:0 gemacht haben«, analysierte Favre. »Wir haben gut gespielt und hatten sechs, sieben Torchancen, haben aber leider nur einen Treffer erzielt. Das ist schade, aber wir müssen das akzeptieren«.

Akzeptieren müssen die Borussen diese Niederlage wohl oder übel. Und zudem vor allen Dingen analysieren und schnell aus den Köpfen bekommen, um dann in der kommenden Woche wieder anzugreifen. »Wir müssen daraus lernen. Wir müssen jetzt zusammenhalten, uns gegenseitig helfen, konzentriert bleiben, unsere Spiele machen und zeigen, was wir können«, ging Dante mit gutem Beispiel voran. »Wir müssen trotzdem positiv denken und den Kopf oben behalten«.

»Niederlagen gehören dazu. Im Fußball und im Leben hast du auch mal schlechte Zeiten. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir 51 Punkte haben«, erinnerte Favre zu Recht an die nach wie vor tolle Ausgangsposition des VfL. »Wir wollen weiter punkten und Spiel für Spiel nehmen«.

Dabei wartet auf den VfL dann in der kommenden Woche das Auswärtsspiel bei Hannover 96, wo man wieder alles in die Waagschale legen mit aller Frische und klarem Kopf bei der Sache sein muss, um weiter Kurs auf die Champions League zu nehmen. »Es kann sicherlich auch mal passieren, dass man verliert, aber wir spielen eine richtig gute Saison und dürfen uns jetzt nicht umstoßen lassen«, gab Brouwers die Parole aus.

»Wir sind oben dabei und wollen das auch gerne bleiben. Mit der Qualität, die wir diese Saison gezeigt haben, können wir das schaffen«, ergänzte der Innenverteidiger und gab die Marschrichtung vor: »Dafür müssen wir drei Punkte holen - am besten schon nächste Woche in Hannover«.

»Wir müssen das so schnell wie möglich verdauen. Klar ist es extrem schwer, wenn du gegen Bayern erst nach Elfmeterschießen und dann gegen Hoffenheim unverdient verlierst. Aber im Fußball ist es manchmal so«, sagte Favre.

Und damit die Borussen in Hannover wieder wie gewohnt hochkonzentriert und in alter Frische zu Werke gehen, gab der VfL-Coach seinen Mannen drei Tage bis zum Mittwoch frei, um den Akku aufzuladen und um eben den Kopf frei zu bekommen.

Davon ab müssen oder können die Borussen nach der ersten Heimniederlage alles, aber sich nach dieser bisher nach wie vor tollen Saison nur in der Tat nicht umstoßen lassen. Umstoßen können sie wieder in der kommenden Woche - und zwar den 'Bock' in Hannover. Für den Vfl gilt es tatsächlich, weiter den Kopf oben zu behalten. Also Mund abwischen, weiter geht's!

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