»Voll reinhängen, hart arbeiten und aufdrängen«

Sven Michel will bei Borussia den nächsten Schritt machen

In Sven Michel präsentierte Borussia Mönchengladbach kurz vor Weihnachten den bisher einzigen Winter-Neuzugang. Der 22-Jährige kommt von Regionalligist Sportfreunde Siegen und soll sich zunächst mit Borussias zweiter Mannschaft auf die Rückrunde vorbereiten, um dann in der täglichen Trainingsarbeit bei den Profis seine Visitenkarte abzugeben. Generell will der Linksfuß aber von der ersten Sekunde an hart arbeiten, um sich schnellstmöglich für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Möchte beim VfL den Sprung zu den Profis schaffen - Sven Michel. Foto: Picture-Alliance, für Fohlen-Hautnah.de

Weihnachten - bekanntlich auch die Zeit der Geschenke. Für Sven Michel hatte das Christkind dann eine Ausnahme gemacht und bereits vor der eigentlichen Bescherung an Heiligabend den Gabentisch gefüllt und den ersten Profivertrag unter den Weihnachtsbaum gelegt.

Beim VfL nämlich, unterschrieb er kurz vor dem Fest einen Zweieinhalbjahresvertrag, beginnend ab Januar 2013, und wird somit künftig dem Profikader des VfL angehören.

Da muss man dann auch kein Prophet sein um zu erahnen, dass dem Youngster damit wohl das schönste Geschenk bereitet wurde. »Kurz vor Weihnachten habe ich meine Freundin kennengelernt und bei Borussia den Vertrag unterschrieben. Beides zusammen ist phänomenal«, strahlt Michel.

Zuvor hatten sich die Verantwortlichen beider Clubs ein wochenlanges Tauziehen um den begehrten Angreifer geliefert. Und daran, dass sich der 22-Jährige trotz zahlreicher Angebote schlussendlich für einen Wechsel vom Siegerland an den linken Niederrhein entschied, gab es für ihn keinerlei Zweifel. »Das Komplettpaket hat einfach gestimmt und hat mich vollends überzeugt«, unterstreicht Michel.

Und das taten dann gerade auch die Gespräche mit Borussias Sportdirektor Max Eberl. »Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit Herrn Eberl. Er hat mir alle Abläufe im Verein erklärt und mir die Perspektiven aufgezeigt«, verrät der Angreifer, der sich den Europa League-Sieg gegen AEL Limassol live im Stadion angesehenen hatte, und schwärmt: »Als ich dann in den Borussia-Park kam, habe ich mir gedacht: Das ist es! Hier willst du mal spielen und den Sprung zu den Profis schaffen«.

Dazu, dass ihm das gelingt, wird Lucien Favre eine entscheidende Rolle spielen. Schließlich ist es der Schweizer, der junge Spieler in der Entwicklung vorantreibt, dann auch mal ins kalte Wasser wirft und bei entsprechender Leistung auf sie baut. »Natürlich war das auch ein schwerwiegender Punkt«, nennt Michel einen weiteren Aspekt für seinen Wechsel zum VfL, stellt aber nochmals klar: »Entscheidend war das Komplettpaket«.

Ein kompletter Spieler ist Sven Michel unterdessen natürlich noch nicht, dennoch ging die Entwicklung des Youngsters gerade in den letzten Jahren mit großen Schritten voran. Binnen zwei Jahren hat es der Offensivspieler von der Landesliga bis in die vierthöchste deutsche Spielklasse geschafft.

Angefangen hat alles im Freudenberger Stadtteil Alchen, ein rund 3.000 Einwohner zählendes Seelendorf im Kreis Siegen-Wittgenstein. Im zarten Alter von sechs Jahren schnürte er als kleiner Steppke bei der TUS erstmals seine Fußballschuhe, ehe es über Fortuna Freudenberg und SUS Niederschleden im Sommer 2010 zu den Sportfreunden nach Siegen ging.

Siegens damaliger Co-Trainer der zweiten Mannschaft, Daniel Cartus hatte den Angreifer seinerzeit ins Siegerland gelockt, während der aktuelle Sportfreunde Coach Michael Boris den Rohdiamanten weiter geschliffen hat. »Natürlich bin ich beiden sehr dankbar«, sagt der Angreifer mit großer Überzeugung. »Daniel Cartus hat mich entdeckt und Michael Boris hat mich weiterentwickelt. Er hat mir die Schwächen aufgezeigt und mit mir daran gearbeitet. Ohne ihn wäre ich jetzt vielleicht nicht da, wo ich bin«.

Und das ab Januar 2011 also bei Bundesligist Borussia Mönchengladbach. »Es ging bis jetzt alles wirklich sehr schnell. So richtig realisiert habe ich das auch noch nicht«, fehlen dem Linksfuß vor Freude fast die Worte. »Ich muss erst mal richtig bei Borussia ankommen, um alles zu verarbeiten«.

Ein steiler Weg nach oben. Davon, dass das auch in Zukunft so bleibt, ist der Youngster indes überzeugt. »Ich bin ein Kämpfertyp, hänge mich in jedem Spiel voll rein und stecke nie den Kopf in den Sand. Ich gebe nie auf und versuche immer, das Bestmögliche aus mir herauszuholen«, nennt der 22-Jährige einer seiner Eigenschaften.

»Deshalb bin ich davon überzeugt, dass mein Weg weiter nach oben geht. Darüber mache ich mir jetzt aber keine Gedanken. Ich werde mich bei Gladbach voll reinhängen, hart arbeiten und aufdrängen. Dann wird man sehen, wohin der Weg führt. Es liegt an mir«.

Derweil verwundert es nicht, dass er die Sportfreunde Siegen stets in bester Erinnerung behalten wird. »Ich bin dem Verein sehr dankbar. Es war eine wunderschöne Zeit, die ich genauso wie die Fans, die für mich sogar eigene Lieder einstudiert haben,  nie vergessen werde«, sagt der gebürtige Alchener. »Der Weggang ist mir auch nicht leicht gefallen, aber ich möchte weiterkommen und den nächsten Schritt machen. Dazu werde ich jeden Tag voll reinhängen und dann wird man sehen, wozu es reicht«.

Dann ist es auch allzu verständlich, dass der Jubel bei einem Tor gegen seinen Ex-Club, sollte es in der Rückrunde mit Borussias U23 zu einem Wiedersehen kommen, wohl eher spartanisch ausfallen würde. »Natürlich würde ich mich dann für mich und meine Mannschaft freuen, aber aus Respekt und Dankbarkeit würde ich mich rumdrehen, zur Mittellinie gehen und mich dann nach dem Spiel in der Kabine umso mehr freuen«, sagt er.

Bisher hat Michel auf dem Platz Taten folgen lassen, seine Qualitäten unter Beweis gestellt und sich mit seinem Torriecher in der Regionalliga bis an die Spitze der Torschützenliste geschossen. »Ich bin nicht so der Dribbler, sondern eher vor dem Tor eiskalt. Da denke ich, brauche ich nicht viele Chancen. Dazu habe ich einen starken linken Fuß und ich bin ich kampfes- sowie willensstark, will immer gewinnen«, beschreibt sich Michel und weiß, was noch ausbaufähig ist: »Mein rechter Fuß, meine Schnelligkeit und das Kopfballspiel können noch besser werden«.

»Ich kann sowohl auf der linken als auch auf der rechten Mittelfeldseite spielen. Über links habe ich auch meine ganzen Tore geschossen. Und auch im Sturmzentrum kann ich spielen«, nennt Michel seine Einsatzräume.

Auf dem Platz also ein Arbeiter mit Siegeswillen. Und neben dem Platz? »Da bin ich ein ganz ruhiger Typ, der viel mit seiner Familie und Freundin macht, gerne Essen und Angeln geht oder auch mal PlayStation spielt«, sagt Michel. »Aber ich weiß, woher ich komme und bin bzw. bleibe immer der gleiche Mensch«.

Und vielleicht trifft Michel dann in der Rückrunde nicht nur auf der Spielkonsole, sondern auf dem Fußballplatz auf einen seiner guten Bekannten und nimmt eine ähnliche Entwicklung. Patrick Helmes nämlich, aktuell in Diensten des VfL Wolfsburg, begann seine Karriere ebenso beim TUS Alchen und schaffte es über die Sportfreunde Siegen bis in die Bundesliga und auf die große Bühne des Fußballs.

»Ich kenne Patrick Helmes von klein auf und verstehe mich gut mit ihm. Wir haben früher öfters zusammen auf dem Bolzplatz gespielt und sprechen öfters. Er hat mir zu meinem Wechsel gratuliert«, verrät Michel und fügt an: »Wir sind zwar völlig unterschiedliche Stürmertypen. Aber an dem, was er erreicht hat, kann ich mir sicherlich ein Beispiel nehmen. Das sollte aber jeder. Und mit Wille und Kampfgeist kann man das auch erreichen«.

Vielleicht bringt ihm beim VfL dabei ja auch die Rückennummer Elf, die ihn bei seinen bisherigen Stationen immer begleitet hat, das nötige Glück. »Mit der Elf bin ich nach oben gekommen«, sagt Michel. Eine Rückennummer wurde ihm beim VfL zwar noch nicht zugeteilt, aber die Elf wäre frei. »Ob ich sie bekomme, ist eine andere Frage«, sagt er. Wohlwissend, dass er bei den Borussen dann in große Fußstapfen treten würde. »Die Nummer hat Marco Reus getragen«, weiß der 22-Jährige. Das wäre natürlich ein großer Brocken. Aber mit Fleiß kann man vieles und vielleicht auch derartiges erreichen«.

Auch ansonsten begleitet ihn die Elf durch sein Leben. »Ich bin zwar nicht abergläubisch, aber die Elf ist so etwas wie meine Glückszahl«, sagt der Angreifer und erklärt: »Mit ihr bin ich nach oben gekommen, am Elften habe ich meine Freundin kennengelernt und mich mit Borussia geeinigt. Alles irgendwie schöne Zufälle«.

Bei den Fohlen will der sympathisch und bodenständig wirkende Neu-Borusse, dem seine Familie sehr wichtig ist, aber nichts dem Zufall überlassen, sondern sich mit Ruhe und Akribie für höhere Aufgaben empfehlen.

»Ich möchte den nächsten Schritt machen und es zunächst in den Kader schaffen. Dann muss es langfristig das Ziel sein, es in die erste Elf zu rücken. Dafür bin ich ja gekommen«, umschreibt Michel selbstbewusst seine Nah- und Fernziele. »Dazu werde ich mich jeden Tag voll reinhängen und versuchen, Lucien Favre die Entscheidung so schwer wie möglich zu machen. Dann wird man sehen, wozu es reicht«.

Dazu wird der 22-Jährige zunächst am 03. Januar mit seiner Freundin in Borussias Mannschaftshotel Quartier beziehen, um sich dann in Ruhe eine Wohnung zu suchen. Und einen Tag später beginnt dann das ‚Abenteuer Borussia‘ nicht wie zunächst vermutet mit den Profis im Trainingslager in Dubai, sondern mit dem Trainingsauftakt bei Borussias U23. »Das ist für mich gar kein Problem«, versichert der 22-Jährige. »Wenn die Jungs aus Dubai wiederkommen und ich dann bei den Profis mittrainiere, werde ich mir bei den Jungs alles abschauen und aufsaugen was ich kann und mich voll reinhängen«.

Und ehe Sven Michel den nächsten Schritt mit der Aufgabe beim VfL beginnt, wird er in den Tagen zwischen dem Jahreswechsel noch etwas abschalten. »Ich lasse die Seele noch etwas baumeln, genieße die Zeit mit meiner Familie sowie meiner Freundin und gehe noch etwas laufen«, sagt Michel. »Und dann freue ich mich riesig auf meine neue Aufgabe bei Borussia und bin heiß auf das erste Training«.

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