21. SPIELTAG: HAMBURGER SV – BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH 3:2 (2:1)

2:3 - Schlussoffensive kommt beim HSV zu spät

von Andreas Plum

Sorgte kurz vor Schluss für den Treffer zum 2:3 - Raffael. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de
Sorgte kurz vor Schluss für den Treffer zum 2:3 - Raffael. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de

Mit 2:3 unterlag Borussia Mönchengladbach am Sonntag beim Hamburger SV. Trotz 1:0-Führung durch Fabian Johnson gaben die Borussen das Zepter aus der Hand, leisteten sich vor allem defensiv zu viele Fehler, wachten zu spät auf und gingen am Ende nicht unverdient als Verlierer vom Platz.

Borussias Trainer André Schubert musste in der Hansestadt auf Patrick Herrmann, André Hahn, Tony Jantschke (alle drei Aufbautraining), Nico Schulz (Kreuzbandriss), Álvaro Dominguez (Rücken-OP), Martin Stranzl (Schlag auf die Wade) und Nico Elvedi (Grippe) verzichten und nahm im Vergleich zum Sieg gegen Bremen lediglich eine personelle Änderung in der Startelf vor: Granit Xhaka, der seine Rotsperre abgesessen hatte, rückte für den erkrankten Elvedi in die Fohlenelf und nahm seine angestammte Position im defensiven Mittelfeld ein. Stattdessen rückte Håvard Nordtveit in die Viererabwehrkette und verteidigte auf rechts.

Johnson sorgt für die verdiente Führung

Bei richtigem Hamburger Schmuddelwetter mit Temperaturen um drei Grad Celsius gehörte den in Grün spielenden Borussen der erste Torschuss. Nach Ecke von Hazard war es Dahoud, der aus der Distanz abzog – kein Problem für HSV-Schlussmann René Adler (03.). Generell bestimmte die Fohlenelf mit 60 Prozent Ballbesitz die Anfangs, ließ die Kugel laufen und suchte den Weg nach vorne. Zwingende Torchancen ergaben sich jedoch zunächst nicht. Eine weitere Ecke gab’s, brachte jedoch nichts ein (12.). Eine Minute später meldete sich der HSV erstmals zu Wort. Hunt bediente Drmić auf der linken Seite. Der Schweizer zog aus zwölf Metern direkt ab, Sommer war hellwach und faustete die Kugel weg (13.).

Gerade einmal 17 Sekunden nach der Chance des ausgeliehenen Borussen machte es Johnson im Gegenzug nach einem schönen Konter besser und erzielte die Führung für den VfL. Raffael bediente Hazard auf der rechten Seite. Dessen Flanke kam leicht abgefälscht bei Johnson an. Der US-Boy war im Fünfer schneller als Jung und drückt die Kugel zum 1:0 über die Linie (14.).

Eine verdiente Führung für den VfL, die eigentlich für zusätzliche Sicherheit hätte sorgen sollen. Doch kurzzeitig entglitt den Borussen das Ruder und der HSV hätte gut und gerne postwendend zum Ausgleich gelangen können. Denn erst spielte Holtby die Kugel nach Ballverlust von Xhaka im Strafraum zu ungenau auf den gut postierten Hunt (18.), ehe Sommer vor dem heraneilenden Drmić noch rechtzeitig die Finger dazwischen hatte (19.).

Hamburg dreht die Partie binnen 3 Minuten

Dann gönnte sich die Partie eine Verschnaufpause. Beide Mannschaften ließen es etwas ruhiger angehen. Torchancen demzufolge Fehlanzeige. Insgesamt agierten die Borussen aber zu passiv, luden den HSV zu Chancen ein und schliefen mitunter in der Defensive. Die Quittung dafür folgte wenige Minuten vor dem Seitenwechsel. Nach einer Ecke herrschte Chaos im VfL-Strafraum. Erst köpfte Cléber die Kugel im Anschuss an eine Ecke an die Latte, ehe Dahoud einen Spahic-Kopfball auf der Linie klärte, aber genau vor die Beine von Jung spielte. Der zog aus acht Metern links ab, Hinteregger fälschte die Kugel unglücklich in die eigenen Maschen zum 1:1-Ausgleich ab (38.). Und dann folgte zu allem Übel drei Minuten später auch noch die Führung für den HSV. Nach langem Abschlag von Adler landete die Kugel genau im Lauf von Rudnevs, der sich alleine auf die Reise machte und aus 15 Metern flach ins lange Eck vollendete – 2:1 für den HSV (41.)!

Ein Nackenschlag für die Borussen, mit dem es in die Kabinen ging. Und den hatte sich die Fohlenelf selbst zuzuschreiben, denn vor allem in der Defensive war mal alles andere als auf Ballhöhe, leistete sich zu viele Fehler bzw. Ballverluste und lag demnach folgerichtig trotz 1:0-Führung im Hintertreffen.

Fohlenelf weiter mit zu vielen Fehlern und wenig Ideen

Die unveränderte Fohlenelf kam entschlossen aus der Kabine und versuchte gleich Druck aufzubauen. Zu nennenswerten Abschlüssen kam man aber nicht. Andererseits boten die Borussen dem HSV weiterhin zu viel an. So wie beim Zuspiel von Hunt auf Drmić, der das Spielgerät Gott sei Dank über das Gehäuse jagte (53.). André Schubert reagierte und brachte Traoré für Dahoud (57.). Mit dem Wechsel waren einige Umstellungen verbunden: Christensen rückte auf die Sechs, Nordtveit verteidigte fortan zentral und Johnson auf rechts. Derweil besetzte Traoré den rechten, Hazard den linken Flügel.

Doch fruchten sollten all diese Umstellungen zunächst nicht. Im Gegenteil. Vielmehr war es weiterhin der HSV, der die Borussen beschäftige und dem dritten Tor näher waren als die Fohlenelf dem Ausgleich. Die Gastgeber hatte nach über einer Stunde alles im Griff und wenig Mühe, den Vorsprung zu verteidigen, denn von den Borussen kam offensiv einfach zu wenig. Stindl versuchte es dann nach Zuspiel von Hazard mal aus der Distanz, bekam aber nicht genug Power hinter seinen Schuss (68.).

Iličević macht den Deckel drauf, Raffael verkürzt

Langsam aber sicher lief den Borussen die Zeit davon. Wollte man zumindest einen Punkt mit an den linken Niederrhein mitnehmen, musste man einen deutlichen Gang zulegen und vor allem mehr Ideenreichtum im Spiel nach vorne entwickeln. Dann hatte Hazard den Ausgleich nach einem tollen Pass von Xhaka auf dem Fuß und verfehlte das Ziel mit seinem Drehschuss nur um Zentimeter (74.). Auf der Gegenseite verpasste Rudņevs die endgültige Entscheidung und köpfte die Kugel um einige Meter am Tor vorbei (75.). Fünf Minuten später machte dann Iličević zu Gunsten des HSV den Deckel auf die Partie. Nach einer Ecke von Hunt, die Spahić verlängerte, war es der eingewechselte Iličević, der am zweiten Pfosten nahezu unbehelligt zum 3:1einköpfen konnte (80.).

Damit war die Messe im Hamburger Volksparkstadion gesungen. Zwar sorgte Raffael zwei Minuten vor Schluss noch für den 3:2-Anschlusstreffer und der eingewechselte Hrgota köpfte die Kugel nur um Haaresbreite am Tor vorbei, doch am Ende standen die Borussen mit leeren Händen da – die gute Schlussoffensive kam einfach zu spät.

Die Kurzstatistik zum Spiel:

Hamburger SV: Adler – Sakai, Cléber, Spahić, Ostrzolek – Jung, Holtby – N. Müller (66. Iličević) , Hunt (90. Kačar), Drmić – Rudņevs (79. Diekmeier)

Weiter im Kader: Drobný (ETW), Schipplock, Ekdal, Lasogga

Borussia Mönchengladbach: Sommer – Nordtveit, Christensen, Hinteregger (89. Hrgota), Wendt – Dahoud (57. Traoré), Xhaka – Hazard (83. Hofmann), Johnson – Stindl, Raffael

Weiter im Kader: Sippel (ETW), Brouwers, Korb, M. Schulz

Tore: 0:1 Johnson (14.), 1:1 Hinteregger (38., Eigentor), 2:1 Rudnevs (41.), 3:1 Iličević (80.), 3:2 Raffael (88.)

Gelbe Karten: Cléber, Drmić, Jung / Nordtveit

Bes. Vorkommnisse: Keine

Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)

Zuschauer: 56.706 (Volksparkstadion)

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