»Gut verteidigt und den Sieg zusammen erreicht«

Glückliche Borussen nach dem Sieg in Frankfurt

Dank des vierten Saisontreffers von Luuk de Jong, der zugleich den achten Saisonsieg bescherte, hat Borussia Mönchengladbach bei der Vergabe der internationalen Plätze weiter ein Wörtchen mitzureden. Doch allen voran in der zweiten Halbzeit überzeugten die Borussen mit Kampf sowie Leidenschaft und brachten so den 1:0-Sieg bei Eintracht Frankfurt unter Dach und Fach. Dementsprechend schaute man hinterher in durchweg erleichterte Gesichter der Protagonisten.

 
Kopfball ins Glück: Luuk de Jong sorgte für den Sieg in Frankfurt. Foto: Dirk Päffgen, für Fohlen-Hautnah.de

Wenngleich es im Fußball für einen Sieg maximal drei Punkte zu vergeben gibt, so war das Spiel des VfL in Frankfurt dennoch irgendwie ein sogenanntes '6-Punkte-Spiel'. Siegen und den Anschluss an die begehrten Plätze halten oder ohne etwas Zählbarem nach Hause fahren und zumindest vorerst im Mittelfeld "versauern".

Natürlich hatten die Borussen ersteres im Sinn und gingen auch dementsprechend von Beginn an engagiert zu Werke und versuchten Nadelstiche zu setzen.

Auf der anderen Seite verteidigten sie aufmerksam und ließen gegen die starke Eintracht wenig zu. »Frankfurt hat viel Druck gemacht. Technisch und spielerisch sind sie hervorragend und brandgefährlich«, sagte Lucien Favre.

»Wir wussten, dass Frankfurt auch gut Fußball spielen kann«, sagte Håvard Nordtveit. »Aber wir standen hinten kompakt, haben die Zweikämpfe angenommen, sind viel gelaufen und haben gekämpft«.

Gerade auch der Norweger sorgte wieder mit einer von ihm ansonsten gewohnt starken Vorstellung dafür, dass die Hessen gerade auch im Mittelfeld wenig zu bestellen hatten. »Ich denke, dass es heute ein ganz gutes Spiel von mir war. Die ersten Spiele des Jahres waren nicht der normale Nordtveit, aber in den letzten beiden Spielen lief es immer besser«, zeigte sich der Norweger erleichtert. »Jetzt habe ich ein gutes Gefühl, dass der Wikinger zurückkommt«.

Unterdessen machten der Norweger und die Borussen die Räume geschickt eng und zeigten sich gegen den Ball hellwach, sodass vielversprechende Angriffe der Frankfurter gleich im Keim erstickt wurden. »Frankfurt hat viel Druck gemacht, aber ich finde, dass nichts Zwingendes dabei war«, meinte Marc-André ter Stegen.

Und während sich die Eintracht an der perfekten Grundordnung der Fohlen die Zähne ausbiss, so schlugen die Gäste vom Niederrhein nach einer Ecke von Nordtveit eiskalt zu. Thorben Marx verlängerte am ersten Pfosten, wo Luuk de Jong den richtigen Riecher hatte und zur Führung einköpfte. »Die Verlängerung war entscheidend, sonst hätte Luuk nicht das Tor gemacht. Thorben Max hat das sehr gut gemacht«, lobte Favre den Vorlagengeber. »Luuk hat dann richtig antizipiert und das Tor gemacht«.

Doch auch unabhängig vom vierten Saisontreffer war der Niederländer präsent und machte eine gute Partie. »Es ist für einen Stürmer immer wichtig, ein Tor zu machen. Aber wenn ein Stürmer kein Tor macht, dann heißt das nicht, dass er nicht gut gespielt hat und umgekehrt«, sagte Favre.

»Ein Stürmer wird an Toren gemessen. Es ist für Luuk wunderschön, ein entscheidendes Tor gemacht zu haben. Aber er arbeitet unheimlich viel für die Mannschaft und ist unglaublich viel in Bewegung«, war Max Eberl gleicher Meinung. »Die Ecke war so einstudiert. Dann steht er da, wo ein Stürmer zu stehen hat«.

»Die erste Halbzeit war ziemlich pari«, befand Eintracht-Trainer Armin Veh und hatte damit durchaus Recht. Dennoch hatten die Fohlen zur Pause knapp die Nase vorn.

Natürlich zogen die Adlerträger nach dem Seitenwechsel deutlich die Zügel an und drängte den VfL weit in die eigene Hälfte. »Mein Kollege hat seine Mannschaft zur zweiten Halbzeit umgestellt. Sie haben dann mit einer Raute im Mittelfeld gespielt und das sehr offensiv«, so  Favre.

Und mit der anderen Spielweise der Gastgeber hatte seine Mannschaft dann sichtlich Probleme. »Wir hatten dann viel Mühe damit, den Ball zu halten und hatten sehr viele Ballverluste, weil wir unter Druck waren«, analysierte der Schweizer. »Wir waren am Limit aber daran waren wir selbst schuld, weil wir die Bälle zu früh und zu einfach verloren haben, statt einfach zu spielen um mehr Ballbesitz zu haben«.

So konnten die Borussen für nahezu keine Entlastung sorgen. »Wir haben es in der zweiten Halbzeit verpasst, weiter Druck zu machen«, wusste ter Stegen. »Irgendwo hat dann vielleicht auch ein bisschen die Kraft gefehlt«.

»Wir haben es 65 Minuten eigentlich ganz gut gemacht. Dann haben wir es nach vorne nicht mehr so gut gemacht und es war hart umkämpft«, sagte Martin Stranzl und Håvard Nordtveit monierte: »In der zweiten Halbzeit waren wir etwas zu hektisch. Da müssen wir mit mehr Ruhe spielen und die Bälle halten«.

»Jeder will nach hinten arbeiten und helfen. So kam es, dass teilweise alle Mann dreißig Meter vor dem eigenen Tor sind. Wenn du dann eine Balleroberung hast, wird es natürlich schwer, weil dann eben niemand vorne ist«, sagte Stranzl. »Deswegen muss die Aufteilung besser funktionieren, dass die zwei Offensivleute ein bisschen weiter vorne bleiben. Es ist gar nicht notwendig, dass sie so weit zurückkommen«.

»Im Großen und Ganzen haben wir nicht so viel zugelassen«, sagte Eberl. »Gerade in der ersten Halbzeit haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht. Was wir uns aber vorwerfen müssen ist, dass wir in der zweiten Halbzeit zu wenig Ballbewegung nach vorne hatten. Da hätten wir mutiger sein müssen«.

Doch trotz 70 Prozent Ballbesitz kam die Eintracht nicht zum Torerfolg. Ein Verdient der Borussen, die sich mit vereinten Kräften gegen den Ausgleich stemmten und leidenschaftlich verteidigten. »Wir wollten diesen Sieg mit aller Macht – und darum waren wir nach der Pause vielleicht zurückhaltender, weil keiner einen Fehler machen wollte«, vermutete sagte Eberl.

Am Ende hatten die Borussen auch das nötige »Quäntchen Glück« auf ihrer Seite, wie der Sportdirektor feststellte und nahmen die drei Punkte mit den linken Niederrhein. Gerade nach zuvor sechs Spielen ohne Dreier auch ein Sieg für die Moral. »Mit dem Sieg können wir zufrieden sein. Wir haben gut verteidigt und den Sieg zusammen erreicht. Es ist wichtig, dass wir 1:0 gewonnen haben. Das ist wichtig für den Kopf«, resümierte Favre.

Und das gerade nach den Spielen, die zuletzt nicht nach Wunsch liefen. »Im Vergleich zu den letzten Wochen war es ein guter Schritt nach vorne«, befand ter Stegen.

»Die vier Punkte, die wir gegen Dortmund und Frankfurt geholt haben sind eine super Reaktion auf das Europapokal-Aus in Rom. Es ist das richtige Signal«, freute sich Max Eberl. »Es wird jetzt einige Spiele auf des Messers Schneide geben wie in Frankfurt. Wenn du fleißig bist, wirst du auch das Quäntchen Glück haben, und die Punkte sammeln, um bis zum Ende oben bei zu bleiben«.

So bleibt man in Bezug auf Europa auf Schlagdistanz. »Wenn du oben dran bleiben oder nächstes Jahr wieder international spielen willst, musst du vor allem die Heimspiele gewinnen und die direkten Konkurrenten schlagen. Gegen Dortmund ist uns das leider nicht gelungen. Deswegen war es umso wichtiger, dass wir heute gegen Frankfurt drei Punkte geholt haben«, resümierte Stranzl.

»Der Sieg heute war sehr wichtig. Alles ist noch eng beisammen. Aber es kommen noch viele wichtige Spiele. Da müssen wir auch Punkte holen«, forderte Luuk de Jong. »Ich, die Mannschaft und der ganze Verein hoffen, dass wir wieder in Europa dabei sind«.

Damit das gelingt, gilt es eben zunächst in der kommenden Woche im Borussia-Park gegen Werder Bremen nachzulegen. »Wir müssen jetzt gegen Bremen unsere Leistung bestätigen und nachlegen«, forderte Martin Stranzl und fügte an: »Diesem Druck müssen wir uns selber auferlegen, wenn wir nächstes Jahr dabei sein wollen«. Und so gab Lucien Favre die Marschrichtung vor: »Wir werden weiter um jeden Punkt kämpfen«.

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