»Mit Borussia ist auch diese Saison wieder zu rechnen«
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- Erstellt am Donnerstag, 07. März 2013 08:54
- von Andreas Plum
Thomas Eichin im Interview
14 Jahre lang war Thomas Eichin Geschäftsführer des Eishockey-Clubs Kölner Haie, ehe er im Dezember einen Vertrag als Sportdirektor bei Werder Bremen unterschrieb und damit die Nachfolge von Klaus Allofs antrat. Am kommenden Samstag kehrt der 46-Jährige, der insgesamt 180 Bundesliga-Spiele für den VfL absolvierte, nun an seine alte Wirkungsstätte zurück. Vor dem Aufeinandertreffen sprachen wir mit dem ehemaligen Borussen-Profi.
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| Ex-Borusse und Werder-Sportdirektor Thomas Eichin im Dress der Weisweiler Elf. Foto: Andreas Plum, Fohlen-Hautnah.de |
Fohlen-Hautnah: Herr Eichin, zunächst einmal herzlich Willkommen zurück im Profifußball. Mussten Sie lange überlegen, als die Anfrage von Werder Bremen kam und was hat für ihre Entscheidung den Ausschlag gegeben?
Thomas Eichin: Vielen Dank. Ich musste nicht lange überlegen und habe natürlich sofort meine Bereitschaft erklärt sofern dann aber auch zwischen den Kölnern Haien und Werder Bremen eine Lösung gefunden wird.
Das war die Vorrausetzung und die ist dann ganz schnell gefunden worden. Natürlich freue ich mich zurück in der Bundesliga und bei so einem renommierten Verein wie Werder Bremen zu sein.
Fohlen-Hautnah: Wie schauen Sie auf ihre Zeit bei den Kölner Haien, mit den Sie Höhen und Tiefen erlebt haben, zurück und was hat sie dazu bewogen, nach so langer Zeit zu ihrem als Profi ausgeübten Sport zurückzukehren?
Thomas Eichin: Ich hatte bei den Kölner Haien eine sehr schöne Zeit und erfolgreiche Zeit. Ich habe dort alles mitgemacht, was für ein Vereinsmanagement wichtig ist, konnte mich dort verwirklichen, viele Dinge anpacken und möchte diese Zeit nicht missen. Aber nach vierzehn Jahren Eishockey wurde es dann einfach Zeit, wieder zum Fußball zu kommen. Eishockey habe ich zwar auch sehr geliebt, aber Fußball ist natürlich meine erlernte Sportart und ich bin froh, wieder dabei zu sein.
Fohlen-Hautnah: Geschäftsführer beim Eishockey-Club Kölner Haie und nun Geschäftsführer Sport bei Fußball-Club Werder Bremen. Nach so kurzer Zeit: Wie unterscheidet sich schon jetzt ihre jetzige Arbeit von der vorherigen bzw. was ist anders?
Thomas Eichin: Komplett kann ich das natürlich noch nicht feststellen. Was natürlich anders ist, ist der höhere Medienaufwand, der hier herrscht. Ich werde mich dran gewöhnen müssen, dass zum Teil ein halber Tag für Medienanfragen draufgeht. Sicherlich ist das jetzt zu Beginn etwas mehr und wird weniger werden. Das ist etwas anders als beim Eishockey, aber ansonsten ist es auch eine Mannschaftssportart. Die Geschäftsstellen sind ähnlich aufgebaut. Bei den Kölner Haien war ich für alles zuständig, bei Werder habe ich den "Teilbereich" Lizenzabteilung Sport und Öffentlichkeitsarbeit.
Fohlen-Hautnah: In Bremen angekommen, ging es sozusagen direkt von Null auf Hundert, sprich Sie hatten keine allzu große Eingewöhnungszeit. Was waren ihre ersten Amtshandlungen?
Thomas Eichin: Am ersten Tag gab es die Pressekonferenz und abends waren dann Vertreter aus Kiew da. Da musste ich dann direkt mit meinen Geschäftsführer-Kollegen die Verhandlungen bezüglich Marco Arnautovic aufnehmen. Also es ging alles ganz schnell. Ich wurde quasi direkt ins kalte Wasser geschmissen. Aber das ist kein Problem, sondern war gut für mich.
Durch die drei Niederlagen in Folge hab ich gerade mit den Medien einiges zu tun, um auch die negative Stimmung ein bisschen rauszunehmen. Zudem lerne ich natürlich die Geschäftsstelle kennen und arbeite mich jeden Tag in einen gewissen Teilbereich rein, um dann - ich denke in ein bis zwei Wochen - in allen Bereichen im Thema zu sein.
Fohlen-Hautnah: Sie sind also zumindest aktuell wohl eher als 'Krisenmanager' gefragt...
Thomas Eichin: Das ist richtig. Aber das ist nichts Ungewöhnliches für mich. Das habe ich auch schon in Köln gemacht. Dort war ich schlussendlich das Gesicht nach draußen, das Dinge verantwortet und vertreten hat. Hier ist das jetzt nicht anders und das ist in Ordnung.
Fohlen-Hautnah: Am kommenden Wochenende kehren sie nun mit Werder Bremen an ihre alte Wirkungsstätte zurück. Was ist ihnen aus ihrer Zeit bei der Borussia in Erinnerung geblieben und wie schauen sie auf diese zurück?
Thomas Eichin: Borussia war meine Anfangszeit als Profi und dort habe ich mich entwickelt. Natürlich schaue ich sowohl als Profi aber als auch Mitarbeiter der Geschäftsstelle auf eine sehr schöne Zeit zurück und freue mich immer wieder, wenn ich in den Borussia-Park komme. Ich kenne noch viele Leute im Verein und freue mich auch auf das Wiedersehen am Samstag.
Fohlen-Hautnah: Sie haben also auch noch Kontakte zur Borussia?
Thomas Eichin: Natürlich. Mit Rainer Bonhof und insbesondere mit Uwe Kamps. Des Öfteren treffe ich aber auch Max Eberl oder verschiedene Mitarbeiter der Geschäftsstelle. Das wird zwar jetzt weniger, da ich ja nicht mehr in Korschenbroich wohne, aber ich habe schon noch die eine und andere Verbindung nach Mönchengladbach.
Fohlen-Hautnah: Eine Verbindung ist auch Borussias Traditionsmannschaft, die Weisweiler Elf, für die sie ab und an das Trikot überstreifen. Wird man sie trotz der knapp bemessenen Zeit auch in Zukunft mal mit ihren 'alten' Mannschaftskollegen auflaufen sehen?
Thomas Eichin: Dazu kann ich jetzt noch nichts sagen. Ich habe das jetzt zwei Jahre gemacht und habe dort viele alte Weggefährten wiedergetroffen. Es waren tolle Wochenenden, die ich da verbringen durfte. Es war einfach schön. Natürlich wird es jetzt schwierig. Aber vielleicht klappt es ja mal wieder, wenn die Weisweiler Elf im Raum Bremen oder so spielt. Dann hoffe ich, dass sie mich anrufen und ich mitspielen kann.
Fohlen-Hautnah: Das Aufeinandertreffen dürfte also für sie ein besonderes Duell sein... Mussten sie für Familie und Freunde Karten besorgen?
Thomas Eichin: Natürlich wird meine Familie im Borussia-Park dabei sein. Und ich gehe davon aus, dass sie für Werder Bremen und meine Person die Daumen drücken werden. Ich freue mich natürlich auf das Spiel. Aber ich werde mich damit nicht zu lange aufhalten denn für uns ist es ein wichtiges Spiel, in dem es um drei Punkte geht. Ich bin jetzt zu 100 Prozent Werder Bremen und entsprechend werde ich dort auch auftreten.
Fohlen-Hautnah: Derweil hat sich beim VfL seit ihrem Weg einiges getan. Haben sie das Geschehen auch nach ihrer aktiven Zeit verfolgt und wie sehen sie die sportliche Entwicklung des Vereins?
Thomas Eichin: Natürlich habe ich Borussia jeden Tag verfolgt, das ist doch ganz klar. Ich finde es alles sehr positiv, wie sich der Verein entwickelt sowie positioniert hat und wie einig er in sich ist. Die Jungs, sowohl im sportlichen Bereich als auch auf der Geschäftsstelle und im Vorstand, machen einen sehr guten Job.
Fohlen-Hautnah: Was ist der Mannschaft in dieser Spielzeit noch zuzutrauen?
Thomas Eichin: Borussia hat in dieser Saison eine kleine Wandlung mitmachen müssen. Sie haben ganz entscheidende Leistungsträger abgegeben und hatten zu Saisonbeginn etwas Schwierigkeiten. Jetzt haben sie sich wieder gefangen. Es ist immer so, dass es eine Zeit braucht. Aber ich denke, mit Borussia ist auch diese Saison wieder zu rechnen.
Fohlen-Hautnah: Zu ihrer aktiven Zeit beim VfL waren sie größtenteils Rechtsverteidiger. Wie beurteilen sie ihren heutigen Nachfolger Tony Jantschke?
Thomas Eichin: Tony macht einen sehr, sehr guten Job. Er ist ein Spieler, der aus dieser Mannschaft nicht wegzudenken ist. Es ist ein kompletter Spieler mit für mich einer sehr hohen Spielintelligenz. Tony macht fast immer das Richtige. Das ist schon bewundernswert. Es ist ja nicht umsonst der Fall, dass er an für sich in dieser Mannschaft gesetzt ist.
Fohlen-Hautnah: Trauen sie ihm auch eine Karriere in der A-Nationalmannschaft des DFB zu?
Thomas Eichin: Für mich ist das schon ein Kandidat, der durchaus die Möglichkeiten hat, da mal ranzuschnuppern. Er macht einen guten Job - und das schon eine ganze Zeit lang. In der Nationalmannschaft spielt auf dieser Position natürlich der eine oder andere Hochkaräter. Aber ich finde schon, dass Tony eine sehr, sehr gute Entwicklung genommen hat.
Fohlen-Hautnah: Worauf muss sich Werder abschließend am Samstagabend einstellen bzw. was erwartet Thomas Schaaf und seine Mannschaft für eine Aufgabe?
Thomas Eichin: Borussia hat auch durch den Sieg in Frankfurt wieder viel Selbstvertrauen getankt. Es ist eine Mannschaft, die taktisch sehr diszipliniert spielt, die viel läuft und die auch Zuhause durchaus in der Lage ist, die Räume extrem eng zu machen. Darauf werden wir uns einstellen müssen. Wir werden am Samstag Geduld haben müssen und werden sicherlich versuchen, unser Spiel aufzuziehen. Dann schauen wir mal, ob wir damit im Borussia-Park etwas reißen können. Sicherlich sind wir aber eine talentierte Mannschaft die in der Lage ist, jeder Mannschaft Paroli zu bieten. Und das werden wir am Samstag versuchen.
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