Zwei Punkte zu wenig
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- Erstellt am Sonntag, 10. März 2013 14:32
- von Andreas Plum, Marc Schöne und Tobias Blümel
Nach dem Remis gegen Bremen
Zwei Punkte verloren. In diesem Fazit war man sich bei Borussia Mönchengladbach nach dem Remis gegen Werder Bremen einig. Dabei hatten die Borussen durchaus die Möglichkeit als Sieger vom Platz zu gehen. Doch das gelang nicht und so verpasste man es, sich näher an die internationalen Plätze ranzupirschen.
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| Traf einmal und vergab die Großchance zum Sieg - Peniel Mlapa. Foto: Dirk Päffgen, für Fohlen-Hautnah.de |
»Es ist schwierig, das Spiel einzuordnen«, gab Max Eberl zu später Stunde in den Katakomben des Borussia-Parks zu Protokoll. Doch eigentlich gibt es keine zwei Meinungen darüber, dass man es gegen eine verunsicherte Bremer Mannschaft verpasst hat, sich nach den Ergebnissen der Konkurrenz mit einem Dreier näher an die begehrten Plätze zu spielen. »Klar ist es so, dass du vor allem Zuhause gewinnen musst, wenn du um die Europapokal-Plätze mitspielen willst. Wenn du das nicht schaffst, wird es umso schwieriger«, war sich Martin Stranzl hinterher bewusst.
Dabei hatte Lucien Favre die 'Mission Heimsieg' gerade in Sachen Aufstellung mutig angegangen. Gegen die bis dato mit 48 Gegentoren zweitschlechteste Abwehr der Bundesliga hatte der Schweizer mit der Hereinnahme von Granit Xhaka und Juan Arango die offensivere Variante gewählt und so die Marschroute für seine Mannschaft vorgegeben.
Bremen unter Druck setzen und die alles andere als sattelfeste Defensive bearbeiten lautete die Devise. Zwar suchten die Borussen von Beginn an den Weg nach vorne, zwingend in Szene setzen konnten sie sich aber dennoch nicht. Dennoch zappelte das Spielgerät nach einer Viertelstunde erstmals in den Maschen der Bremer. Eine Szene, die für reichlich Aufregung und Diskussionsstoff sorgte.
Erst erkannte Schiedsrichter Wolfgang Stark den Treffer an und zeigte zur Mittelinie, um ihn dann etwa zwei Minuten später nach Rücksprache mit seinem Assistenten wieder zurückzunehmen. Eine richtige Entscheidung, wie die Fernsehbilder zeigen sollten. »Der Schiedsrichter hat alles richtig gemacht. Es war Abseits«, war Martin Stranzl gleicher Meinung.
Patrick Herrmann, der die Kugel nach Hacken-Zuspiel von Amin Younes und Umspielen von Mielitz im leeren Tor untergebracht hatte, stand bei der Ballabgabe im Abseits. »Ich habe gewusst, dass ich ein bisschen zu weit vorne stehe. Aber in dem Moment habe ich gedacht, dass hinter mir noch einer gestanden und das Abseits aufgehoben hat. Leider war es nicht so«, erinnerte sich Patrick Herrmann. »Da die Fahne erst unten geblieben ist, ich habe gejubelt und war felsenfest davon überzeugt, dass ich ein Tor gemacht habe. Eine komische Situation. Aber man muss akzeptieren, dass es Abseits war«.
Eine Tatsache, die Starks Assistent zunächst nicht registriert hatte. »Er war sich nicht sicher, ob der Spieler den Ball mit der Hacke weitergeleitet hat. Ich konnte das von meiner Position aus klar sehen. Er hat gesagt, dass der Spieler Hermann in diesem Fall im Abseits stand«, erklärte Wolfgang Stark. »Wir haben Borussias Spielführer informiert, der Assistent war beim Trainer und hat ihn unterrichtet und alle auf dem Platz haben das sofort akzeptiert«.
»Von außen ist ein bisschen Hektik reingekommen, weil die Zuschauer nicht wussten, was genau passiert ist«, so Stark weiter. »Die Spieler haben nach dieser Situation fair weiter gespielt. Kompliment, sie haben es im Sinne des FairPlays gut angenommen«.
»Es hat zwar lange gedauert und es ist für die Leute im Stadion dann schwierig zu verstehen, was passiert ist. Aber er hat richtig entschieden«, sagte Max Eberl. »Es war alles korrekt«.
»Es war Abseits. Das müssen wir klar sagen und das akzeptiere ich. Aber es hat zu lange gedauert, dass muss ich klar sagen«, so Lucien Favre. »Das war schwer. Aber ich habe es lieber so. Ich habe es nicht gern, wenn ein Spiel aufgrund einer Schiedsrichterentscheidung anders läuft. Das hasse ich«.
Mit Recht nicht gefallen hat den Schweizer dann im weiteren Verlauf die Herangehensweise seiner Schützlinge, die sich gegen die defensiv aufmerksamen Bremer zwar bemühten, sie aber wenig bis gar nicht forderten. »Wir haben gegen eine kompakte Mannschaft gespielt. Es war schwer Lücken zu finden. Aber trotzdem haben wir in der ersten Halbzeit zu überhastet gespielt«, monierte Favre. »Wir hatten zu wenig Bewegung, um diese Mannschaft zu stören. Es hat Tempo gefehlt und manchmal waren wir beim Gedanken nach vorne einen Schritt zu spät«.
Auch die Tatsache, dass die Borussen zu viel mit langen Bällen operierte, missfiel dem Fußballlehrer. »Das ist nicht unser Spiel und das habe ich in der Halbzeit versucht zu korrigieren«, sagte Favre.
Dennoch hätte sich seine Mannschaft kurz vor dem Pausenpfiff in Person von Patrick Herrmann in Führung bringen können. Doch der Youngster zielte aus kurzer Distanz über das Toreck. »Eine riesen Chance. Die muss ich einfach reinmachen, ganz klar«, suchte Herrmann gar nicht nach Ausreden.
Nach dem Seitenwechsel agierten der Flügelflitzer und die Borussen nach der Umstellung durch ihren Coach zwar etwas besser, kamen aber dennoch offensiv kaum zur Geltung. »In der zweiten Halbzeit haben wir von Anfang an ruhiger und flach gespielt. Dennoch hatten wir unnötige Ballverluste«, haderte Favre. »Dadurch ist Unruhe entstanden, weil wir Angst vor einem Konter hatten«.
Dennoch brachten sich die Fohlen in Front. Favre bewies ein glückliches Händchen und wechselte mit Peniel Mlapa den Torschützen ein. »Nach einem Eckball köpfte der Angreifer zur Führung. Ein schönes Kopfballtor«, lobte Eberl. »Er kam rein, hat viele Räume geschaffen und war ein belebendes Element«.
Lange freuen konnten sich die Borussen über die Führung allerdings nicht. Nur wenige Minuten später schlug Bremen zurück. »Das Gegentor tut weh, wir sind nicht konsequent mitgelaufen«, monierte Stranzl und Favre ärgerte sich: »Wir lesen das Spiel nicht, das war ein Antizipationsfehler«.
Aber die Fohlen warfen nicht die Flinte ins Korn und bemühten sich weiter. »Das war natürlich ein Schlag. Aber die Mannschaft hat gut reagiert und eine weitere Torchance kreiert, die wir leider nicht genutzt haben«, sagte Favre. In der Nachspielzeit hätte Peniel Mlapa für den Dreier sorgen können, doch der Angreifer vergab die riesen Möglichkeit. »Schade, dass er das 2:1 nicht macht. Das wäre fantastisch für alle gewesen«, so Favre. »Aber das ist so, wie müssen das akzeptieren und arbeiten, arbeiten, arbeiten«.
»Ich glaube, Peniel ist von uns allen der Unglücklichste im Stadion und ärgert sich am meisten darüber Aber das ist Fußball«, so Max Eberl und Martin Stranzl sagte: »Peniel hatte das zweite Tor auf dem Fuß, hat ihn aber nicht rein gemacht. So etwas passiert. Er macht sich selbst am meisten Vorwürfe«.
So mussten sich die Borussen am Ende mit einem Punkt zufrieden geben. »Es wäre auf jeden Fall viel mehr drin gewesen«, sagte Patrick Herrmann. Gerade in Sachen Europa hätte ein Sieg mehr als gut getan. »Der Dreier hätte mit Blick auf die Tabelle gut getan, aber es hat nicht sollen sein«, sagte Stranzl. »Das Spiel ist vorbei und wir müssen es abhaken«.
Dennoch sind die Borussen in Sachen Europa noch nicht völlig weg vom Fenster. »Wichtig ist, dass du nicht verlierst sondern immer wieder Punkte mitnimmst und dabei bleibst«, sagte Max Eberl. »Im Grund genommen ist die ganze Liga momentan ein Ping-Pong. Wir sind mit dabei«. Und nun gilt es in der kommenden Woche gegen Hannover 96 in einem weiteren Heimspiel einen Dreier in Angriff zu nehmen und auch einzufahren.
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