Max Eberl auf der Pressekonferenz - Foto: Dirk Päffgen
Eberl: »Können auf zweistellige Millionenerträge nicht verzichten«
Den „neuen“ Dahoud schon da?
Geschrieben von Andreas Plum & Marc Schöne | 20.04.2017 - 19:42 Uhr

Erst Ende März musste Borussia Mönchengladbach erneut einen „herben“ Verlust in den eigenen Reihen veröffentlichen. Mo Dahoud verlässt die einzig ‚wahre Borussia’ zum Saisonende und wechselt zu Borussia Dortmund. Schnell äußerten sich Unmut und Unverständnis im Fan-Lager. Doch sowohl Trainer Dieter Hecking als auch Sportdirektor Max Eberl äußerten sich vor dem Heimspiel am Samstag gegen den BVB über dieses Gefühl eines eventuellen „falschen“ Zeitpunktes des Wechsels sowie über Wichtigkeit des Systems, Spieler zu verkaufen um Gelder für die Weiterentwicklung der Borussia zu generieren.

Erst 2013 beherrschte der Wunsch-Wechsel von Robert Lewandowski zum FC Bayern München die Schlagzeilen. Doch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprach im Juni 2013 ein Machtwort und pochte auf die Erfüllung des Vertrages des polnischen Top-Stürmers. Ein Machtwort, das sich der BVB finanziell leisten konnte? Max Eberl und Borussia Mönchengladbach können sich solche „Machtspiele“ finanziell nicht leisten.

»Wir sind nicht in der luxuriösen Lage - wie es vielleicht Dortmund bei Lewandowski war - zu sagen, dass wir die Spielerverträge reihenweise auslaufen lassen und auf zweistellige Millionenbeträge verzichten«, sagte Eberl. Klar hat man dann vielleicht kurzfristig sportlichen Erfolg, steht dann aber irgendwann vor dem Nichts. Dann müssen wir erklären, warum wir keine Spieler und kein Geld mehr haben. Diese Thematik führt uns in eine Sackgasse«. 

»Wenn uns Spieler verlassen ist es immer der falsche Zeitpunkt. Das hat aber wahrscheinlich mehr mit der Subjektivität zu tun. Dennoch waren unsere Einschätzungen bei Alexander Baumjohann und Sinan Kurt nicht gänzlich falsch«, so Eberl weiter. »Das war einfach ein Gefühl. Alle anderen Wechsel wie die von Marco Reus, Marc-André ter Stegen und Granit Xhaka konnte man im Nachhinein ein Stück weit verstehen. Junge Spieler können genau diesen Wechsel in die Elite bei uns erreichen. Gladbach ist ein Verein geworden, der erfolgreich spielt und Spieler entwickelt, die für das Top-Niveau in Europa infrage kommen«.

Die Entwicklung von Borussia Mönchengladbach geht also weiter und auch in Zukunft wird man sich wohl von Leistungsträgern verabschieden müssen und hoffen, dass sich neue Talente entwickeln. »Man muss uns vertrauen, dass wir alles dafür tun, um den Verein zukunftsorientiert aufzubauen und nicht eben nur die Kurzfristigkeit sehen«, verspricht Eberl und erklärt das Konzept der Borussen: »Sicher können wir zu einem Transfer auch mal nein sagen. Aber wir können bei Top-Talenten, die wir mit dem Aspekt geholt haben, uns sportlichen Erfolg zu bringen, aber auch immer mit der „Gefahr“, dass sie uns auch mal für viel Geld verlassen können, nicht auf Geld verzichten«.

Bénes der ‚neue Dahoud’?

Wenn Leistungsträger die Fohlenelf verlassen, klafft eine Lücke auf, die nicht immer nahtlos geschlossen werden kann. Spätestens dann beginnt der Wettlauf mit der Zeit, diese Position bestmöglich zu besetzen und erneut einen Leistungsträger zu entwickeln. Im Fall von Mo Dahoud besteht jedenfalls Hoffnung, die Lücke bestmöglich aus den eigenen Reihen zu schließen.

»Wir verlieren ein sehr gutes Talent an Borussia Dortmund. Ich bin mir aber sicher, dass wir den ‚neuen’ Mo Dahoud bereits hier haben«, ist sich Trainer Dieter Hecking um die Personalie Lászlo Bénes sicher. »László war für mich die unbekannte Größe, als ich hier im Januar angefangen habe. Aber man konnte schnell erkennen, welche Qualität er auf den Platz bringen kann. Ich habe mich dann über ihn erkundigt. Nach sehr guten Trainingseindrücken auch seitens seiner Mannschaftskameraden und der Rückmeldung von Arie van Lent aus der U23, wo Bénes immer über den Durchschnitt spielte, bewies er in den 20 Minuten gegen Bayern München, dass er da mithalten kann. Gegen Berlin hat er es dann eindrucksvoll bestätigt. Seit dem ist er sehr nah dran an der ersten Elf und den ersten 18, die im Kader stehen«. Und vielleicht in naher Zukunft immer oder öfters unter den ersten Elf...

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