Karim Matmour – Der fleißige Arbeiter und die Rückkehr in den Breisgau
Vor dem Spiel SC Freiburg vs. Borussia Mönchengladbach
Andreas Plum
Mittlerweile befindet sich Karim Matmour in seinem zweiten Jahr bei Borussia Mönchengladbach und ist dabei nach wie vor ein wichtiger Bestandteil in der Fohlenelf. Ob unter Jos Luhukay, Christian Ziege, Hans Meyer, oder aktuell unter Michael Frontzeck – unter jedem Coach war und ist der Algerier erste Wahl. Am kommenden Sonntag trifft der 24-jährige mit der Borussia auf seinen Ex-Club SC Freiburg.
40 Bundesligaspiele hat der algerische Nationalspieler bereits auf der Habenseite, und auch deshalb fällt sein bisheriges Fazit bei den ‚Fohlen‘ positiv aus. »Ich bin mit meiner bisherigen Zeit in Mönchengladbach sehr zufrieden. Ich habe im letzten Jahr mein erstes Jahr in der Bundesliga absolviert, und dabei verschiedene Positionen gespielt. Das war nicht so einfach, aber ich habe dabei jedoch auch viel gelernt«, berichtet Matmour.
Dass der stets gut gelaunte und sympathische 24-jährige dennoch Luft nach oben hat, und sich verbessern kann weiß der in Straßburg geborene Algerier. »Du kannst dich überall, und auch im Leben jeden Tag immer verbessern«, sagt der offensive Mittelfeldspieler.
Unermüdlich läuft der Algerier, der es bisher auf einen Saisontreffer gebracht hat, auf der rechten Außenbahn rauf und runter, und ist dabei stets ein fleißiger Arbeiter. Der berühmte ‚Killerinstinkt‘ fehlt ihm dabei jedoch in letzter Konsequenz noch ein wenig. »Ich muss vor dem Tor noch effizienter werden. Das weiß ich. Ich arbeite täglich hart daran, mich überall zu verbessern«, berichtet Matmour.
»Wenn sich jeder in der Mannschaft etwas verbessert, dann machen wir auch als Kollektiv einen großen Schritt nach vorne. Dann wird es für mich persönlich auch noch besser laufen«, weiß Karim Matmour.
Gerade in der letzten Saison, wo Matmour teilweise als einzige Spitze agierte, blieb es bei seinem hohen Aufwand systembedingt zu meist bei wenig Ertrag. In dieser Saison hat der Algerier im Spiel unter Michael Frontzeck auch andere Aufgaben. Der Mittelfeldspieler soll seine Schnelligkeit ausspielen, und für seine Mitspieler und insbesondere für Tobias Levels Räume schaffen.
»Wir haben Außenverteidiger, die auch viel und gut flanken können. Manchmal gehe ich Wege, um nach innen zu ziehen, um dann für die Mitspieler und auch für die Mannschaft Raum zu schaffen. Wenn ich also mal in die Eins- gegen Einssituation gehe, nach innen ziehe, und so die Verteidiger binde, dann schaffe ich zum Beispiel für Tobias Levels Raum zum Flanken«, erklärt der Algerier.
Alleine durch Räume schaffen und durch das gute Zusammenspiel mit Tobias Levels, dass die beiden genauso wie Flanken im Training üben, konnte der derzeitige Borussen-Kapitän in der Bundesliga zwei Torvorlagen verbuchen.
Die Torausbeute von Karim Matmour hingegen könnte durchaus schon deutlich besser aussehen, als im letzten Jahr, wäre ihm ein reguläres Tor in Bremen aufgrund von Abseitsstellung nicht aberkannt worden. Auch eine Torvorlage stünde schon zu Buche, wenn Schiedsrichter Peter Gagelmann in Nürnberg zum Arbeitsgerät gegriffen hätte …
Karim Matmour weist absichtliches Abheben grundsätzlich von sich und hofft zugleich, dass die Schiedsrichter nun nicht ein besonderes Augenmerk auf ihn richten. »Ich hoffe nicht, dass die Schiedsrichter nun bei mir zu genau hinschauen. Ich bin ein fairer Spieler, und überhaupt nicht der Typ Spieler, der Schwalben oder so etwas provoziert«, stellte der Algerier klar. »Er ist ein Spieler, der extrem schnell ist, und da wird es immer diese Grenzsituationen geben«, sagt Michael Frontzeck über seinen Schützling.
Karim Matmour, der Zinedine Zidane als sein Vorbild nennt, ist stets zu einer Analyse bereit, und stellt sich sowohl nach Siegen als auch nach Niederlagen den Fragen der Journalisten, doch am vergangenen Dienstag wollte der Single einfach nur nach Hause …
»Ich war einfach traurig. Was die letzten beiden Spiele passiert ist, haben wir einfach nicht verdient. Das nervt mich für die Mannschaft, für den Verein, und für unser fantastisches Publikum, das wir hier im Borussia Park haben. Das waren einfach zwei unverdiente Niederlagen. Wir spielen gut, betreiben hohen Aufwand, und verlieren am Ende. Das ist einfach frustrierend. Jetzt haben wir es analysiert, und daraus lernen wir«, berichtet Matmour.
»Wenn man das letzte und dieses Jahr spielerisch vergleicht, dann erkennt man da deutliche Unterschiede. Wir sind in diesem Jahr viel besser, und es macht Spaß zu spielen. Bei mir persönlich ist das so«, berichtet der stets gut gelaunte Matmour.
Am kommenden Sonntag trifft der 24-jährige nun zum ersten Mal nach seinem Wechsel im Jahre 2008 auf seinen alten Verein SC Freiburg. Dort hat er schnell den Sprung von den Amateuren zu den Profis geschafft. »Das ist für mich natürlich ein ganz besonders Spiel, auf das ich mich seit Monaten sehr freue. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt, bin dort Profi geworden, und habe dem Verein viel zu verdanken«, freut sich Matmour auf das Wiedersehen.
Die Verbindung zu seinen ehemaligen Mitspielern ist indes genauso wenig abgebrochen, wie der Kontakt zu seiner Familie, die nach wie vor in Straßburg lebt, und zu seinen Freunden. So musste Karim Matmour eine Vielzahl von Karten besorgen. »Meine Familie und viele Freunde werden kommen. Insgesamt habe ich 30 Karten besorgt. Ich werde sie nicht viel sehen können. Vielleicht fünf Minuten, aber mehr wird leider nicht gehen«, berichtet der Algerier.
Neben dem guten Draht zu seinem Ex-Club hat Borussias Mittelfeldspieler auch die Fans in guter Erinnerung behalten. »Ich hatte immer ein spezielles und gutes Verhältnis mit den Fans. Ich kann und werde sie nicht so schnell vergessen. Ich hoffe und denke also nicht, dass sie mich auspfeifen«.
Auch wenn er sein Torkonto im Breisgau mit Sicherheit aufbessern möchte, so würde sein Jubel dem Verein zu Ehren verständlicherweise ein Stückweit doch eher verhalten ausfallen. »Ich glaube nicht, dass ich da in großen Jubel ausbreche, wenn ich ein Tor schieße. Dafür habe ich vor dem Verein zu viel Respekt, auch wenn ich jetzt Borusse bin und gewinnen will«.
Wie es Borussia Mönchengladbach am Sonntag im Breisgau angehen sollte, weiß Karim Matmour. »Freiburg hat in dieser Saison zu Hause Probleme. Sie haben bisher in ihrem Stadion noch nicht gewonnen. Das müssen wir nutzen. Dennoch müssen wir aufpassen, denn wir ihnen zu viel Raum bieten, dann sind sie blitzschnell vorne, und der Schuss kann nach hinten losgehen. Wir haben die Qualität, dass Spiel zu gewinnen. Wenn wir nicht zu offen sind, sondern kompakt stehen, dann ist das möglich«.
Mit einem Sieg möchte auch Karim Matmour die Situation der Borussia verbessern. »Wenn du in Freiburg gewinnst, dann bist du vielleicht wieder auf dem 7. Platz und alles ist fast vergessen«, berichtet Matmour.
Während für den 24-jährigen also zunächst am Sonntag ein Sieg zählt, so definiert der Algerier mit französischen Pass seine weiteren Ziele wie folgt.
»Meine derzeitigen Ziele sind, dass ich mich mit Algerien für die WM 2010 qualifiziere, und mit Borussia so schnell wie möglich den Klassenerhalt unter Dach und Fach bringe. Ich fühle mich in Mönchengladbach wohl, und es kommt für mich überhaupt nicht in Frage, woanders hinzugehen«.
Dem sympathischen Karim Matmour ist nun zunächst zu wünschen, dass es am Sonntag an alter Wirkungsstätte zu einem Torjubel, wenn auch etwas verhalten, kommt …
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