Marco Reus: »Bei Borussia verläuft die bisherige Saison wie ein Traum«
Der 20-jährige hofft auf einen Einsatz gegen Borussia Dortmund
Andreas Plum
Seit dieser Saison spielt Marco Reus bei Borussia Mönchengladbach. Der Rechtsfuß, der vor der Saison vom Zweitligisten Rot-Weiß Ahlen an den Borussia-Park wechselte, hat in seinem ersten Bundesligajahr aktuell bis auf ein Spiel alle Spiele auf dem Platz gestanden und ist durchaus als Shootingstar zu bezeichnen. Unmittelbar nach dem Spiel gegen den SC Freiburg musste Reus am Innenband behandelt werden. Während Reus so bisher mit dem Training aussetzen musste, so ist ein Einsatz gegen Borussia Dortmund derzeit dennoch nicht ausgeschlossen. Vor dem Spiel gegen seinen Ex-Club sprachen wir mit dem 20-jährigen.
Fohlen-Hautnah: Marco, du wurdest unmittelbar nach dem Spiel gegen den SC Freiburg am Innenband behandelt und konntest seitdem nicht trainieren. Was hast du genau und wie hast du dir die Blessur zugezogen?
Marco Reus: An die genaue Spielszene kann ich mich nicht mehr erinnern und ich weiß gar nicht, wann das genau passiert ist. Ich habe irgendwann im Spiel Schmerzen gespürt. Mit zunehmender Spieldauer wurde es dann etwas schlimmer. Ich habe aber auf die Zähne gebissen. Nun ist das Innenband etwas gereizt.
Fohlen-Hautnah: Wie geht es dir jetzt und wie schätzt du derzeit die Chancen ein, am Samstag gegen Borussia Dortmund auflaufen zu können?
Marco Reus: Es ist schon wieder viel besser geworden. Ich habe die vergangenen Tage genutzt, um mich behandeln zulassen und um wieder fit zu werden. Man muss von Tag zu Tag schauen, aber so wie es aussieht denke ich, dass ich am Wochenende auf jeden Fall spielen kann. Es wird von Tag zu Tag besser und es sieht gut aus. Jetzt schauen wir mal, wie sich das unter Belastung verhält.
Ein kleiner Borusse braucht eure Hilfe
Fohlen-Hautnah: Du wurdest von DFB-Coach Rainer Adrion für das wichtige Spiel der U21-Nationalmannschaft gegen Island (Anm. d. Red.: Endstand 2:2) nominiert, was dich mit Sicherheit gefreut hat. Aufgrund deiner Blessur konntest du nicht nach Magdeburg reisen. Hast du das Spiel dennoch am TV verfolgt?
Marco Reus: Ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass ich für so ein wichtiges Qualifikationsspiel nominiert wurde. Schade, dass ich nicht mithelfen konnte, um das Spiel zu gewinnen. Natürlich habe ich das Spiel dennoch am TV verfolgt.
Wir hätten dringend einen Sieg gebraucht und das spiel hätte eigentlich auch gewonnen werden müssen, denn sie hatten beim Stande vom 2:1 zwei 100%ige Torchancen. Die haben sie leider nicht verwertet. Das ist sehr schade und nun müssen wir schauen, dass wir die nächsten Spiele gewinnen und dann auf Ausrutscher der Anderen hoffen.
Fohlen-Hautnah: Nach dem Hinspiel gegen den FC Schalke 04, bei dem DFB-Sportdirektor Matthias Sammer im Borussia-Park weilte und dich lobend hervorhob, bereits in die A-Nationalmannschaft geschrieben. Wie bist du damit umgegangen?
Marco Reus: Mich hat das eigentlich weniger interessiert und ich habe mir da auch keine Gedanken zu gemacht, was da diesbezüglich in der Presse geschrieben wurde. Ich habe wie immer versucht, weiter an mir zu arbeiten und auf dem Platz meine Leistung zu bringen. Alles Andere kann ich sowieso nicht beeinflussen. Was dann kommt, wird man sehen.
Fohlen-Hautnah: Im Spiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim weilte DFB Co-Trainer Hansi Flick auf der Tribüne. Vielleicht auch, um Marco Reus unter die Lupe zu nehmen. War dir das bekannt und ist das ein Anreiz, wo man sich im besonderen Maße zeigen möchte? Ist das zudem eventuell auch eine Art ‚Belastung‘?
Marco Reus: Ich wusste nicht, dass er auf der Tribüne saß. Ich mache mir da aber auch weder Gedanken, wenn irgendeiner vom DFB im Stadion ist, noch beeinflusst mich das. Ich versuche einfach in jedem Spiel das zu spielen, was ich spielen kann. Dann wird man sehen, wozu es reicht.
Fohlen-Hautnah: So langsam neigt sich dein erstes Bundesligajahr den Ende zu. Du bist sicherlich als Shootingstar zu bezeichnen. Wie siehst du deine Leistungsentwicklung im Allgemeinen und in der Rückrunde?
Marco Reus: Bei Borussia verläuft die bisherige Saison für mich sicherlich wie ein Traum. Ich freue mich immer noch über jede Spielminute, die ich erhalte. Ich versuche sowohl im Training als auch im Spiel meine Leitung zu bringen. Sicherlich ist es für mich gut gelaufen, aber das gilt für die ganze Mannschaft.
Ich wurde vom ersten Tag an toll aufgenommen. So konnte ich mich von Beginn an wohlfühlen, was natürlich auch Vieles leichter macht. Wie schon gesagt, ich versuche mich im Training und im Spiel aufzudrängen und meine Leistung zubringen. Wenn man dann selber gut spielt und als Mannschaft harmoniert und Erfolg hat, dann ist immer etwas möglich. Es läuft richtig gut.
Ich denke, dass wir uns im Gegensatz zum letzten Jahr deutlich verbessert haben. Wir spielen viel besser Fußball und sind unberechenbarer geworden. Gerade auch in den Auswärtsspielen haben wir unsere Konterstärke unter Beweis gestellt. Also ich bin eigentlich restlos glücklich und zufrieden.
Fohlen-Hautnah: Nun hast du bisher 23 Bundesligaspiele auf deinem Konto. Mal zwei taktische Auswechslungen gegen den 1.FC Köln in der 88. Minute und gegen Eintracht Frankfurt in der 90. Minute ausgeklammert, hast du sechzehn Spiele am Stück über 90 Minuten auf dem Platz gestanden. Siehst du dich aufgrund dessen vielleicht schon in der Bundesliga angekommen und etabliert?
Marco Reus: Das ist immer schwierig zu sagen. Die Mannschaft passt im Moment richtig gut zusammen. Das war auch schon in der Hinrunde der Fall. Natürlich sagt man sich selber schon, dass es wohl gut ist, was man macht, wenn man zu vielen Einsätzen kommt. Ich denke da aber eigentlich gar nicht drüber nach, ob ich jetzt in der Bundesliga etabliert oder angekommen bin. Ich muss aber einfach weiter Gas geben und meine Leistung abrufen, bestätigen und zeigen.
Fohlen-Hautnah: Vielleicht werden auch mal Zeiten kommen, wo es nicht so rund läuft. Kalkulierst du auch Rückschläge ein und wie würdest du dann mit diesen umgehen?
Marco Reus: Rückschläge gehören dazu und die werden wohl auch mal kommen. Man wird bestimmt mal ein Spiel oder auch mehrere Spiele nicht so gut spielen. Ich denke, es ist normal, dass es nicht nur bergauf geht. Die Frage ist eben dann, wie man damit umgeht. Ich denke, dass man aus Rückschlägen mehr lernt, als wenn immer nur gut spielt und ständig gelobt wird.
Fohlen-Hautnah: »Er ist ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft«, sagt Michael Frontzeck. Wie siehst du dein Standing innerhalb der Mannschaft?
Marco Reus: Ich sehe das ganz normal. In der Mannschaft ist jeder Spieler wichtig. Das zeigt sich im Verlaufe einer Saison. Ein gutes Beispiel dafür ist, dass Tony Jantschke eben gegen den 1.FC Nürnberg in die Mannschaft kommt, von Beginn an spielt und sehr ordentlich gespielt hat. Das hat gezeigt, dass jeder in der Mannschaft wichtig ist. Der Teamgedanke zählt und das ist bei uns momentan richtig gut.
Fohlen-Hautnah: Nun sind noch zehn Bundesligaspiele zu absolvieren. Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, wirst du wohl auch diese Spiele alle bestreiten. Michael Frontzeck sagt, dass er noch keine Anzeichen dafür sieht, dass du müde wirst. Wo steht deine ‚Tanknadel‘ …?
Marco Reus: Ich fühle mich topfit. Wir machen unter der Woche ein gutes und hartes Training, sodass wir am Wochenende körperlich voll fit sind. Ich fühle mich super gut und habe da bis auf diese derzeitige kleine Sache keine Probleme. Ich hoffe, dass das so bleibt und ich die Saison ohne Verletzung zu Ende spielen kann.
Fohlen-Hautnah: Von deiner Leistung her bist du anerkannt und zumindest von außen erkennt man, dass ihr als Mannschaft harmoniert und ihr euch alle versteht. Mit wem hast du dennoch die meisten Kontakte?
Marco Reus: Absolut. Wir verstehen uns untereinander alle super und unternehmen auch außerhalb des Trainings viel zusammen. Natürlich machen wir jungen Spieler, wie Moses, Fabian, Tony, Tobias und Roman, sehr viel zusammen. Also es ist ein super Verhältnis.
Fohlen-Hautnah: Kommen wir zum Schluss mal auf das kommende Spiel gegen Borussia Dortmund. Du hast dort in Jugend gespielt und deine Familie lebt noch in Dortmund. Ich denke, dass du einige Kartenwünsche erfüllen musstest…
Marco Reus: Natürlich. Ich habe einige Karten besorgt. Meine Familie und viele Freunde werden im Stadion sein. Sie freuen sich genauso wie auf das Spiel. Darauf bereiten wir uns in dieser Woche akribisch vor und fahren selbstbewusst zum BVB. Dann schauen wir mal, was dabei rumkommt.
Fohlen-Hautnah: Dabei wirst du auch auf deinen Ex-Mitspieler und guten Freund Kevin Großkreutz treffen. Habt ihr schon telefoniert und eine Wette abgeschlossen?
Marco Reus: Telefoniert und eine Wette abgeschlossen haben wir noch nicht. Ich denke aber, dass wir das unter der Woche noch machen werden.
Fohlen-Hautnah: Was würdest du tippen und wie siehst du die Chancen unserer Gladbacher Borussia, dort nicht als Verlierer vom Platz zu gehen?
Marco Reus: Ich tippe eigentlich keine Spiele. Dortmund ist eine gute Mannschaft und spielt in einem tollen Stadion. Wir wollen natürlich nicht mit leeren Händen nach Hause fahren und versuchen, unser Spiel durchzudrücken. Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen und das zeigen, was wir können. Dann schauen wir mal, was dabei rumkommt.
Wenn wir das abrufen und umsetzen, was wir in den letzten Wochen gezeigt haben, dann denke ich, haben wir gute Chancen, dort etwas Zählbares mitzunehmen.
Fohlen-Hautnah: Vielen Dank, Marco, für das nette Gespräch. Dann wünschen wir dir und hoffen, dass du gegen den BVB einsatzfähig bist. Für das Spiel am Samstag viel Erfolg.
Marco Reus: Dankeschön.
















![Validate my RSS feed [Valid RSS]](http://fohlen-hautnah.de/valid-rss.png)