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Max Eberl: »Wir haben Gedanken im Kopf«

Borussias Sportdirektor will die Mannschaft wenig, aber gezielt verstärken

Alexander Plum

Jeden Mittwoch ist es Zeit für die Sendung ‚Borussia hautnah‘ des Mönchengladbacher Radiosenders Radio 90.1. So auch am gestrigen frühen Abend, wo Moderatorin Petra Koch Sportdirektor Max Eberl begrüßte. In einem netten Gespräch, sprach der 36-jährige, unter Anderem über den bisherigen Saisonverlauf, über die Planungen für die neue Saison und über das kommende Derby gegen den 1. FC Köln. Im Folgenden haben wir das Interview mit Max Eberl in den Kernpunkten zusammengefasst.

Petra Koch: Max, fangen wir mal mit der Situation bei der Borussia an. Sieben Gegentore in zwei Spielen. Das ist nicht so schön …

Max Eberl: Es waren zwei Spiele, die uns absolut nicht gefallen haben, das ist klar. Wenn du in Dortmund 3:0 und zu Hause gegen Wolfsburg 0:4 verlierst, dann sind das keine schönen Momente. Man muss die beiden Spiele aber ein bisschen differenzieren muss. In Dortmund waren wir wirklich chancenlos. Wenn man das Spiel gegen Wolfsburg als Verantwortlicher objektiv nachbetrachtet, dann hatten wir in diesem Spiel viele Möglichkeiten und auch Möglichkeiten, um ins Spiel zurückzukommen.

Dabei denke ich an die Chance von Raul zum 1:1 oder die Chance von Juan zum 1:2-Anschlusstreffer. Hätten wir diese Chancen verwertet, dann wäre die Müdigkeit der Wolfsburger auch mehr zum Tragen gekommen, als es dann der Fall war. So bleibt allen aber natürlich die letzten zehn Minuten im Hinterkopf, wo  Wolfsburg noch  unglaubliche Konterchancen hatte.

Wenn man aber die ganze Saison nimmt, dann sind wir in dem Reigen, den wir uns vor der Saison als Zielvorgabe gegeben haben. Wir wollen eine Saison spielen, in der wir von den Abstiegsplätzen entfernt sind und wo wir nach unten immer Luft haben. Das haben wir bisher geschafft. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Im Spiel am Freitag gegen Köln hast du natürlich die Möglichkeit, eine Mannschaft auf Augenhöhe zu treffen.

Dort wollen wir den Trend der letzen Spiele stoppen. Die Spiele gegen Dortmund und Wolfsburg haben auch gezeigt, dass wir als Verein eben noch nicht so weit sind, wenn du gegen zwei Topteams der Bundesliga mit Qualität und mit einem lauf spielst. Wir wollen Schritt für Schritt in diese Richtung gehen, dann auch solche Mannschaften zu schlagen, aber es bedarf seien Zeit.

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Petra Koch: Machst du dir Sorgen, dass es jetzt auch so einen Negativlauf wie in der Hinrunde werden könnte, oder besteht diese Sorge nicht?

Max Eberl: Man muss in der Bundesliga immer sehr, sehr aufmerksam sein. Jedes Spiel kann da eine neue Richtung aufzeigen. Wenn ich unsere bisherige Rückrunde nehme, dann war das eine normale. Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt mehr Punkte geholt, als in der Hinrunde. Man muss immer vorsichtig und man darf sich nicht zu sicher sein. Das sind wir auch nicht.

Trotzdem braucht man keine Sorgen haben. Man muss den Blick auch immer nach unten richten. Da haben wir nie etwas anderes getan und wir haben nie von etwas Anderem geträumt. Wir haben seit der schlechten Phase konstant Platz 11 und 12 gehalten. Das ist der Bereich, den wir uns vorstellen und wo wir auch am Ende sein möchten.

Natürlich muss man aufpassen, dass man nicht in einen Strudel hineingerät, so wie uns das in der Hinrunde passiert ist. Wir haben jetzt zwei, drei Spiele vor der Brust, wo wir absolut in der Lage sind zu punkten. Wenn wir das schaffen, dann werden wir die Saison auch so zu Ende spielen, wie wir uns das vorgenommen haben.

Petra Koch: Wenn man das so sieht, dann habt ihr auch ein paar schöne Brocken vor der Brust, wobei ihr gegen gute Mannschaften ja generell oft nicht schlecht ausseht.

Max Eberl: Genau. Ich denke, dass wir in dieser Saison schon gezeigt haben, dass wir auch mit den vermeintlich großen Mannschafen gut mithalten können. Dazu muss natürlich alles passen. Wen ich jetzt an die Auswärtsspiele in München oder Leverkusen denke, wo wir fußballerisch mindestens ebenbürtig waren.

In München haben wir durch den Freistoß und in Leverkusen durch die Qualität verloren. Die Art und Weise, wie wir die Beiden bespielt haben, war schon bemerkenswert. Nicht zu vergessen der Auswärtssieg in Hamburg oder auch das 4:3 gegen Bremen. Das sind natürlich Mannschaften, die wir schon gut bespielen können. Es muss dazu bei uns aber eben alles passen. Zu der Phase haben wir richtig vor Selbstbewusstsein gestrotzt und hatten in unserem Spiel Selbstverständlichkeiten.

Diese Spiele kommen jetzt wieder. Wir haben jetzt noch richtig schöne Gegner vor der Nase. Mit diesen Gegner wollen wir und ja auch messen. Das Schöne ist eben, dass in der Bundesliga alles möglich ist. Deswegen war vor der Saison unsere Prämisse, von Spiel zu Spiel zu denken, weil es nichts bringt, nachts zu überlegen, wie viele Punkte noch zum Klassenerhalt reichen oder was man noch holen muss. Lass uns von Spiel zu Spiel denken und lass uns sukzessive diesen Schritt gehen um dann auch die Resultate zu erzielen, die wir uns alle wünschen.

Petra Koch: Jetzt wollt ihr ja sukzessive weiter. Das heißt, dass die Mannschaft im Sommer verstärkt wird …

Max Eberl: Die Frage ist klar. Ich als Sportdirektor muss natürlich auch zusammen mit Michael und mit dem Steffen Korell planen, wie es weiter geht. Man macht sich Gedanken. Es laufen einige Verträge aus, wo wir auch schon gesagt haben, wo wir nicht weitermachen werden.

Wir haben Gedanken im Kopf, wie wir die Mannschaft und den Kader weiter verbessern wollen und ergänzen können, aber das sind Gedanken, die ich mir momentan mache. Michael konzentriert sich voll und ganz auf die Mannschaft. Ich denke, dass das zum jetzigen Zeitpunkt auch wichtig ist. Trotzdem denke ich, und das ist normal, dass die Mannschaft im Sommer ein Stückweit anderes Gesicht bekommen wird.

Wobei wir schon das Ziel haben, die Identität und das Gesicht der Mannschaft  so beizubehalten, weil auch noch sehr viele junger Spieler da sind, die ihr Potenzial noch gar nicht ausgeschöpft haben. Michael Bradley, Logan Bailly, Marco Reus und Tobias Levels sind da zu nennen. Es gibt zahlreiche junge Spieler, die noch Potentiale haben. Diese Spieler wollen wir eben auch mit wenigen und gezielten Verstärkungen fördern.

Petra Koch: Das heißt keine zehn, sondern zwei, drei oder vier Verstärkungen…?

Max Eberl: Das sind diese schönen Spekulationen, die dazugehören. Ich werde hier keine Zahl sagen.

Petra Koch: Heißt aber auch, dass im Sommer noch etwas Erfahrung, sprich ein Älterer auf den Platz soll?

Max Eberl: Was heißt älter… Wenn ich jetzt als Beispiel einen Tobias Levels nehme. Er ist 22, ist in Gladbach gereift und nimmt eine sehr, sehr gute Entwicklung. Ein Dante ist mit 26 ein Stückweit Führungsspieler. Also wir haben auch Spieler, die nicht so alt und schon Führungsspieler sind.

Das Alter ist für mich nicht ganz entscheidend. Die Qualität des Spielers und die Qualität, die wir für unser System brauchen, ist das Endscheidende. Wenn du dann noch eine Persönlichkeit gewinnst, die schon über mehr Erfahrung verfügt und auch schon was erlebt hat, dann hilft das jedem einzelnen Spieler.

Petra Koch: Ihr habt einen Stürmer, der 37 Jahre ist. Der Vertrag läuft aus. Möchtest du zu Oliver Neuville schon etwas sagen?

Max Eberl: Ich hatte diese Situation ja schon mit 30 wo ich mich entschieden habe, aufzuhören. Auch ich habe mir ein ¾ Jahr Gedanken gemacht. Damals sehr, sehr früh, aber ich hatte in Gladbach mit dem Jugenddirektorposten natürlich auch eine super Perspektive.

Für den Oli ist das auch so eine ähnliche Situation. Er weiß, dass wir mit ihm für die neue Saison nicht weiter planen. Wir würden ihn gerne im Verein halten. Da haben wir eine Vision, eine Phantasie, wie das sein kann. Die Entscheidung muss natürlich der Oli treffen. Ich denke, dass er sich dahingehend mit seiner Lebensgefährtin sehr intensiv beschäftigt, ob er nochmal spielen möchte, oder ob er eben diese Möglichkeit annimmt.

Ich verstehe, dass einem so eine Entscheidung nach 20 oder 21 Profijahren schwer fällt und natürlich auch ein Einschnitt in seinem Leben bedeutet. So sind wir aber in einem offenen Austausch und haben miteinander auch keine Probleme.

Petra Koch: Das hieß aber dann, wenn Oli also zum Ende der Saison geht und mit Moses Lamidi ja auch nicht verlängert wird, dass im offensiven Bereich zwei fehlen. Also wird in diesem Bereich auch gesucht?

Max Eberl: Es ist schon so, dass man natürlich in dem Bereich auch schaut. Wir haben natürlich eine Mannschaft, wo wir auch das Gefüge haben, mit dem wir sehr zufrieden sind. Es laufen wie gesagt im Sturm zwei Verträge aus. Dann gibt es noch Roberto Colautti, wo noch keine generelle Entscheidung gefallen ist.

Da macht man sich natürlich Gedanken und will den Kader natürlich auch verstärken. Ob das dann ein Stürmer ist, oder ob das ein offensiver Mittelfeldspieler ist, der diese offensiven Qualitäten hat… Also wir können auch noch über das Mittelfeld diskutieren.

Petra Koch: Max, kommen wir zum Derby. Das ist so ein Spiel, auf das ich mich eigentlich immer freue. Leider kommen von keinen Fans, sondern von irgendwelchen Chaoten immer so Aspekte rein, die man alle gar nicht will. Da muss einem eigentlich das Herz bluten, oder?

Max Eberl: Ja, weil es einfach ein Fußballfest ist. Ob es früher auf dem Bökelberg oder im Müngersdorfer Stadion war, oder ob es jetzt im RheinEnergieStadion oder im Borussia-Park ist; es sind Spiele, auf die man sich als Spieler und als Fan freut. Die Stadt ist elektrisiert und man wird drauf angesprochen.

Es ist schade, dass man über andere Dinge, die um den Fußball herum passieren, sprechen muss. Ich weiß, dass man es aus der Öffentlichkeit heraus ansprechen muss aber ich sage, je mehr wir das vermeiden, umso besser ist es, weil dann diese Plattform nicht gegeben ist. Dass das aber nicht geht, ist mir auch klar.

Ich hoffe und bin da eigentlich sehr guten Mutes, dass wir ein normales Fußballspiel erleben werden, wo wir auf dem Platz hoffentlich Kampf und Bereitschaft, ein offenes Visier sehen werden und dass das Drumherum natürlich mit den normalen dazugehörigen Sachen, aber ohne irgendwelche Eskalationen und Polizeiaufmärsche oder dergleichen ablaufen wird. Dann denke ich, ist man wieder auf dem richtigen Weg.

Ich denke, dass die Bilder des letzten Derbys mit den Wasserwerfern, die Bilder aus Stuttgart und Berlin auch diese Leute abschrecken und sagen, dass der Bogen langsam überspannt wird. Wir wollen den Fußball nicht so verkommen lassen, dass die Väter und Mütter mit ihren Kindern nicht mehr ins Stadion können. Das wäre ein Albtraum. Ich wünsche mir, dass diese Nichtfans, denn es sind Chaoten, sich etwas anderes suchen. Das am besten ganz weit weg von den Stadien.

Petra Koch: Es wäre ja auch bitterschade, wenn man ein Fußballspiel ohne Emotionen machen müsste, weil eben aufgrund dieser gruppe von Vollidioten, die nichts anderes im Sinn haben als Randale zu machen, alles verboten werden müsste. Aber müssen nicht eigentlich auch die normalen Fans, die euch sehen wollen, sagen, ‚der wars‘ …?

Max Eberl: Ich denke, das müssen wir alle gemeinsam machen. Die Vereine, der Verband, die Medien, die Zuschauer und die Fans. Wir alle gemeinsam müssen diese Sache bereinigen und das Problem gemeinsam lösen und nicht dem anderen zuweisen. Wir wollen alle einen sauberen Sport, wir wollen alle die Emotionen haben, wir wollen kein anonymes Stadion haben, wo 10.000 Leute einfach nur so da sitzen, wir wollen die Väter und Mütter mit ihren Kindern im Stadion haben, aber auch die Fans und Supporters, die eben zu einem Verein auch dazugehören.

Das ist der Traum, für den wir alle arbeiten müssen. Dann werden wir da auf einen guten Weg kommen. England hat es uns vorgemacht. Dort ist im Stadion überhaupt nichts mehr zu sehen. Ich wünsche mir, dass wir das in Deutschland auch schaffen. Ich möchte aber die Stehränge beibehalten, weil ich das eben als eine gute Institution finde, denn das gehört einfach zum Fandasein. Das ist ein Wunsch, den ich habe und das wir einfach schöne Fußballfeste  feiern können, wo das Spiel mit der Anfeuerung, mit den Emotionen und mit Enttäuschung und Freude im Vordergrund steht. Dann war das ein Erlebnis für jeden.

Petra Koch: Treffen da aus sportlicher Sicht nun zwei Mannschaften auf Augenhöhe aufeinander?

Max Eberl: Ja, das denke ich. Ich weiß nicht, was Köln vor der Saison für Ansprüche hatte. Unsere waren ja, wirklich eine stabile Saison zu spielen und die Mannschaft, die wir in den letzten 1,5 Jahren geformt haben, weiterzuentwickeln. So sehe ich Köln als Außenstehender eigentlich auch.

Natürlich haben sie mit dem 10 Millionen-Transfer Lukas Podolski einen Transfer getätigt, der natürlich auch andere Ansprüche geweckt hat, aber ich denke, dass der sukzessive Weg, den wir gehen, eine Mannschaft zu formen und ihr eine Identität zu geben, aus meiner Sicht der bessere Weg und ein sicheres Fundament ist. Trotzdem zeigen der Saisonverlauf und der Tabellenstand, dass wir auf Augenhöhe sind. Es wird ein interessantes und prickelndes Spiel.

Petra Koch: Besteht in dem Spiel die Gefahr, dass man nach zwei Niederlagen ein bisschen überpaced?

Max Eberl: Ich denke, dass auch Köln nicht mit breiter Brust kommt. Wenn ich ihren bisherigen Saisonverlauf und auch das letzte Spiel in Mainz nehme, dann werden sie auch nicht mit breiter Brust kommen. Somit sind es eben zwei Mannschaften, die in der nahen Vergangenheit nicht gerade so gepunktet und nicht so gespielt haben, wie sie sich das vorgestellt haben.

Deswegen habe ich da keine Angst. Man darf nicht überpacen, sondern man muss als Spieler mit kühlem Kopf aber brennenden Herz an das Spiel rangehen. Wenn du eben nach dem Spieltag weiterhin drei Punkte vor Köln stehst, dann wäre ich von dem heutigen Stand zufrieden ohne natürlich zu wissen, wie das Spiel verläuft und ob ein Punkt dann vielleicht doch enttäuschend war. Wir wünschen uns natürlich auch sechs Punkte Vorsprung, aber der Wunsch und der Traum darf die Realität nicht verwischen. Ich bin leider sehr pragmatisch.

Petra Koch: Was gibt man Jungs, wie Bobadilla, die diese Derbys noch nicht so gut kennen, mit auf den Weg?

Max Eberl: Ich denke, dass die Erfahrung, die der Michael gemacht hat und die Steffen Korell und ich gemacht haben, natürlich an die Jungs weiter gegeben wird. Dass, was ich gerade gesagt habe. Man darf nicht überpacen und es muss als Mannschaft funktionieren. Die Fans erwarten einiges. Sie erwarten Einsatz. Das erwarten wir auch. Dass ist das, was man in so einem Derby braucht und das muss man den Spielern mit auf den Weg geben.

Petra Koch: Max, vielen Dank für den Besuch und nicht nur viel Köln, sondern auch für den Rest der Saison viel Glück.

Max Eberl: Sehr gerne.