Interview mit Hans-Günter Bruns Teil II: »Bei Borussia hatte ich eine tolle Zeit«
Der 54-jährige ist stolz auf seine Wahl in die Jahrhundertelf der Borussia
Andreas Plum
Im ersten Teil des Interviews sprachen wir mit dem Ex-Profi von Borussia Mönchengladbach und heutigen sportlichen Leiter von Rot-Weiß Oberhausen über seine derzeitige Aufgabe beim derzeitigen Tabellensechsten der 2. Bundesliga. Im letzten Teil sprachen wir mit dem 54-jährigen über seine Zeit bei den ‚Fohlen‘ und über die Entwicklung des Vereins.
Fohlen-hautnah: Kommen wir mal zur Borussia. Sie haben zwölf Jahre bei den ‚Fohlen‘ gespielt. Was ist aus der Zeit bei Ihnen in bester Erinnerung geblieben? Es dürfte ja eine durchweg schöne Zeit gewesen sein.
Hans-Günter Bruns: Bei der Borussia hatte ich bis auf das letzte Jahr einfach eine tolle und sehr schöne Zeit. Das kann und muss man so sagen. Ich habe bei Borussia mit Dr. Helmut Beyer, Helmut Grashoff, Dr. Gerhards, Karl-Heinz Drygalski und Jupp Heynckes eine Menge toller Menschen kennengelernt. Das waren schon Leute, die wirklich Top waren.
Wir hatten eine total familiäre Atmosphäre. Alle waren patente Leute, die zusammengestanden haben. Das hat auch mit Sicherheit den damaligen Erfolg in Mönchengladbach ausgemacht. Schon damals waren andere Vereine finanziell weiter, aber es haben bei Borussia auch andere Dinge gezählt und Erfolg gehabt.
Ich war dann nach meiner aktiven Zeit zwar noch ein paar Mal da, habe dann jedoch ein wenig den Kontakt verloren. Zur Wahl der Jahrhundertelf am Bökelberg war ich dann natürlich auch da. In diese Elf bin ich ja dann auch gewählt worden.
Das war für mich im Grunde genommen auch der größte sportliche Erfolg, auf den ich sehr stolz bin. Denn in die Mönchengladbacher Jahrhundertelf gewählt zu werden ist fast gleichbedeutend, in die Nationalmannschaft berufen zu werden. Wenn man bedenkt, wer da alles in Gladbach gespielt hat, dann ist das für mich persönlich eine größere Ehre gewesen, als die vier Spiele, die ich in der Nationalmannschaft gespielt habe.
Fohlen-hautnah: Nun eine Frage, die uns von einem Ihrer ganz persönlichen Fans aus Kanada erreicht hat. Es gab 1985 mit der Borussia zwei besondere Spiele im Achtelfinale des UEFA-Cups gegen Real Madrid. Zunächst konnte man in Düsseldorf mit 5:1 gewinnen, ehe man das Rückspiel mit 4:0 verlor, und somit ausschied.
Sie kamen im Rückspiel nicht zwar nicht zum Einsatz. Was waren jedoch die Gründe, dass man in Madrid erstens wohl doch zu passiv agierte, und dann ausschied?
Hans-Günter Bruns: Wir waren zu dem Zeitpunkt, wo ich auch Nationalspieler wurde, sehr gut drauf. Wir haben als junge Mannschaft in Düsseldorf ein unglaubliches Spiel abliefert und Madrid regelrecht demontiert. Das 5:1 war dabei noch ein Geschenk, denn Madrid hätte 7:1 oder 8:1 verlieren müssen.
Ich war beim Rückspiel aufgrund der zweiten Gelben Karte nicht dabei. Ohne da jetzt überheblich zu sein sage ich einfach mal, dass wir in Madrid nicht so hoch verloren hätten, wenn ich mitgespielt hätte. Es hat in dem Spiel einfach die Ordnung gefehlt und wir standen auch nicht so gut, wie wir es eigentlich konnten.
Man muss dann aber auch sagen, dass wir trotzdem unglaublich viele Torchancen hatten. Ewald Lienen und Frank Mill sind in dem Spiel zusammen sechsmal alleine aufs Tor zugelaufen und haben das Tor nicht gemacht. Ich glaube, dass das im Endeffekt der ausschlaggebende Punkt für das Ausscheiden war.
Zur Halbzeit stand es 2:0 und fünfzehn Minuten vor Schluss immer noch. Wir hatten gerade im zweiten Abschnitt Kontermöglichkeiten, die wir einfach hätten nutzen müssen. Dann wäre das Spiel durch gewesen. Im Endeffekt glaube ich auch, dass dieses Spiel speziell Frank Mill und Ewald Lienen im Bezug auf ihre weitere Zukunft bei Borussia den Kopf bei Jupp Heynckes gekostet haben. Jupp war da nach dem Spiel schon sehr sauer und hat dann auch ein paar Tage, außer mit mir, weil ich ja nicht dabei war, nicht mit der Mannschaft gesprochen.
Dazu fällt mir auch eine schöne Anekdote von ihm zu ein. Im darauf folgenden Spiel, ich meine das war in Uerdingen, hat er lediglich die Aufstellung in die Kabine gehängt und ging wieder raus. Wir dachten, er holt nur etwas und kommt wieder. Doch er kam nicht wieder… Also da war er, wohl gemerkt drei Tage später, noch sehr sauer. Die Mannschaft hat dann eine Reaktion gezeigt und gewonnen.
Fohlen-hautnah: Sie sind auch für einen der wohl bekanntesten Pfostentreffer der Bundesligageschichte bekannt. Dieser ist Ihnen im Jahr 1983 im Spiel beim FC Bayern München passiert.
Dabei starteten Sie ein Solo über das gesamte Spielfeld, und setzten den Ball zunächst an den rechten Pfosten. Dann sprang der Ball von dem linken Innenpfosten zurück ins Spielfeld. Beschreiben Sie diese Szene? Ein Moment, der Ihnen noch in Erinnerung geblieben ist?
Hans-Günter Bruns: Das war eine der unglaublichsten Aktionen, die ich je im Fußball miterlebt habe. Ich hatte davor schon mal einen Weitschuss an die Latte geschossen und dann kam dieser Sololauf. Dieser Torschuss ist ja dann auch zum ‚Nichttor des Jahres‘ ernannt worden.
Im ersten Moment konnte ich das erst mal gar nicht fassen. Für mich war der 100%ig drin, als der Ball an den linken Innenpfosten und dann zum anderen Pfosten ging. Wie der Ball dann wieder raus gekommen ist, begreife ich bis heute nicht. Vor allen Dingen ist man da ja auch läuferisch total platt.
Das war ja ein Lauf über 80, 90 Meter. Ich bin da ja von der eigenen Torauslinie bis in den gegnerischen Strafraum gelaufen und war heilfroh, dass ich noch alle Sinne zusammenhatte und eigentlich einen gezielten Schuss gemacht habe. Es war nicht zu begreifen, dass der Ball noch raus kam.
Fohlen-hautnah: Wie ist heute der Kontakt zwischen ihnen und der Borussia? Gibt es da Verbindungen zu aktuellen und ehemaligen Mitspielern und Verantwortlichen?
Hans-Günter Bruns: Zu ehemaligen Mitspielern eigentlich nicht mehr viel. Ewald Lienen habe ich zuletzt beim Abschiedsspiel von Uwe Kamps gesehen. Zwischendurch sehe ich den ein oder anderen immer mal wieder. Ich freue mich drauf, im Testspiel den Michael und auch Uwe Kamps wieder zu sehen. Das waren damals tolle Jungs.
Fohlen-hautnah: Borussia hat im Borussia Park einen Stammtisch für ehemalige Spieler eingerichtet. Hier sind an Spieltagen in der Business Lounge einige Spieler zu anzutreffen. Haben Sie trotz ihrer mit Sicherheit knapp bemessenen Zeit auch schon mal die Gelegenheit nutzen können, sich ein Spiel im Borussia Park anzusehen?
Hans-Günter Bruns: Nein, noch nicht. Dass ist natürlich so gut wie unmöglich, weil wir ja auch von Woche zu Woche Spiele haben. Die Termine überschneiden sich aufgrund dessen häufig. Von daher ist das zeitlich eher nicht zu realisieren.
Dazu beobachte ich auch an Wochenenden Spieler und von daher bleibt mir da keine Zeit, auf Fußballplätzen ohne Bezug zu Rot-Weiß Oberhausen unterwegs zu sein.
Fohlen-hautnah: Wie sehen Sie die Entwicklung der Borussia über die Jahre hinweg?
Hans-Günter Bruns: Die sehe ich eigentlich sehr positiv. Ich sehe es dabei auch positiv, dass sich da, so hoffe ich, mal wieder etwas aufbaut. Da ist ja aus meiner Sicht in den letzten zehn, zwölf Jahren die Borussia Mentalität völlig abhanden gekommen. Die schlimmste Zeit fand ich unter Dick Advocaat. Was da abgelaufen ist, ist in keiner Weise nachzuvollziehen.
Ich hoffe, dass man jetzt mit Michael, Max, Steffen Korell usw. wirklich wieder zu einer Kontinuität kommt und nicht jedes Mal zwölf neue Spieler kauft, sondern dass man ganz gezielt versucht, die Mannschaft weiterzuentwickeln. Ich glaube, dass dafür jetzt die nötigen Leute vorhanden sind. Jetzt muss man ihnen nur den Rücken stärken und auch die Zeit geben, dass weiter fortzuführen.
Dass Borussia in dieser Saison etwas mit dem Abstieg zu tun haben wird, kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe sie zu Beginn der Saison im TV gesehen und wie sich die Mannschaft mit so viel Potenzial da präsentiert hat, wird sie mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Ich verfolge Borussia immer und drücke die Daumen, dass sie jedes Spiel gewinnen. Gerade auch Michael, mit dem ich zusammengespielt habe, drücke ich die Daumen. Er ist ein ganz feiner Kerl mit Fußballsachverstand.
Fohlen-hautnah: Wie sich aus Ihrer Sicht der Fußball im Gegensatz zu früher verändert?
Hans-Günter Bruns: Wie schon angesprochen, die Medienpräsenz. Dazu hat sich das Umfeld der Vereine unheimlich verändert. Natürlich hat sich im sportlichen Bereich das Tempo erhöht und die Athletik ist viel ausgeprägter.
Wobei aus meiner Sicht viel zu starr gespielt ist. Viele Mannschaften ersticken da in ihrem eigenen System. Die Spieler haben da überhaupt nicht mehr die Möglichkeit, ihre individuellen Fähigkeiten einzusetzen. Deshalb ist das ja heute auch so ein Einheitsbrei. Man sieht ja kaum noch Unterschiede.
Selbst so eine Mannschaft wie Bayern München kann sich kaum noch absetzen, weil alle das gleiche spielen und sich den Ball hin und her schieben. Es gibt kaum noch individuelle Aktionen.
Fohlen-hautnah: Was sind abschließend ihre weiteren persönlichen Ziele bei und mit RWO? Können Sie sich eine Fortführung ihrer jetzigen Arbeit über ihre derzeitige Vertragslaufzeit hinweg vorstellen?
Hans-Günter Bruns: Ich habe noch einen Vertrag bis 2011. Dann bin ich fünf Jahre bei RWO und man muss schauen, wie sich alles so entwickelt hat. Alles Weitere werde ich dann entscheiden, wenn es so weit ist.
In welcher Form ich dann weiter mache, weiß ich jetzt noch nicht. Vielleicht sage ich auch, dass ich wieder Trainer sein möchte. Das weiß ich, wie gesagt, aktuell noch nicht und da möchte ich mich auch gar nicht festlegen. Ich bin der totale Fußballer und lebe Fußball. Von daher kann ich mir auch nicht vorstellen, dass ich da gar nichts mehr machen werde.
Fohlen-hautnah: Vielen Dank, Herr Bruns, für das interessante und informative Gespräch. Für ihre Arbeit bei Rot-Weiß Oberhausen wünschen wir weiterhin viel Erfolg.
Hans-Günter Bruns: Vielen Dank und gern geschehen.
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