Norbert Meier bei Radio 90.1: »Bei Borussia hatte ich eine wunderbare Zeit«
Der 51-jährige ist aktuell mit Fortuna Düsseldorf in Liga 2 erfolgreich
Andreas Plum
Jeden Mittwoch ist es Zeit für die Sendung „Borussia hautnah“ des Mönchengladbacher Radiosenders Radio 90.1. So auch am gestrigen frühen Abend, wo Moderatorin Petra Koch mit Norbert Meier einen Ex-Borussen begrüßte. Der heute 51-jährige absolvierte zwischen 1989 und 1992 50 Bundesligaspiele und war im Anschluss bei den ‚Fohlen‘ bis 2001 als Trainer im Jugend- und Amateurbereich und für vier Monate als Cheftrainer (Nov. 97 – März 98) tätig. In einem netten Gespräch sprach der heutige Coach von Fortuna Düsseldorf über seine derzeitige Aufgabe und über seine Zeit bei der Borussia. Im Folgenden haben wir das Interview mit Norbert Meier zusammengefasst.
Petra Koch: Guten Tag Herr Meier. Schauen wir zunächst mal nach Düsseldorf. Als Aufsteiger derzeit mit Fortuna Düsseldorf Platz vier in der 2. Bundesliga. Das ist bisher sehr ordentlich gelaufen, oder?
Norbert Meier: Im Moment ist das alles klasse für uns. Dass ist ja ganz klar. Wir sind am allerletzten Spieltag aus der 3. Liga in die 2. Liga aufgestiegen. Ich denke, danach hat ganz Düsseldorf gedürstet, nämlich nach zehn Jahren wieder in den bezahlten Fußball zukommen.
Man muss sich das ja nur mal alleine aus Sicht der Fans vorstellen. Wenn du montags zur Arbeit gegangen bist, und Fortuna war phasenweise bis in die Oberliga abgerutscht, dann weiß man natürlich auch aufgrund der örtlichen Nähe, dass auch viele Fans anderer Vereine bei dort waren.
Jetzt sieht das schon wieder anders aus. Fortuna hat für sein Image sicherlich eine Menge getan. Die Mannschaft spielt gut und es macht bei der Fortuna richtig Spaß.
Petra Koch: Das kann ich mir vorstellen. Die Stimmung ist im Umfeld aktuell sicherlich riesig. Das Stadion füllt sich ja auch immer mehr, oder?
Norbert Meier: Es kommen natürlich neben den Fans, die immer da gewesen sind und dem Verein die Treue gehalten haben, jetzt auch andere wieder. Wichtig ist, dass wir immer wieder Werbung in eigener Sache betreiben.
Momentan sieht es da ganz gut aus, aber uns steht noch eine lange und schwere Restsaison bevor. Wir haben dreizehn Spiele gespielt. Damit ist noch nicht mal die Hälfte der Spiele absolviert, aber momentane Punktestand und die Leistungen der Mannschaft sind absolut in Ordnung.
Petra Koch: Wie sehr müssen Sie bei dieser guten Phase schon auf die Euphoriebremse treten?
Norbert Meier: Grundsätzlich trete ich auf keine Bremse. Da lassen wir freien Lauf. Jetzt wäre es auch der falsche Zeitpunkt und das falsche Zeichen, wenn wir auf eine Euphoriebremse treten würden. Gerade im Bezug auf das Umfeld.
Das unsere Fans euphorisiert sind und darüber diskutieren, wie weit es gehen und was passieren kann, ist völlig normal und eine herrliche Geschichte. Da haben mansche lange drauf gewartet. Für uns geht es aber immer wieder darum, die Konzentration auf das nächste Spiel zu lenken.
Wenn uns jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass wir zum Beispiel wieder nach Kaiserlautern fahren, in Aachen spielen und gegen andere spielen dürfen, dann hätten wir das blind unterschrieben. Soweit ist es nun gekommen und jetzt heißt es, das auf der einen Seite zu genießen und sich auf der anderen Seite aber auch der Ernsthaftigkeit bewusst zu sein.
Petra Koch: Ich nehme an, Sie werden schon dafür sorgen, dass die Jungs auch diese Ernsthaftigkeit im Kopf behalten. Wie sind Sie denn eigentlich als Trainer?
Norbert Meier: Da hätten Sie Spieler fragen sollen. Sich selbst einzuschätzen ist immer ganz schwer. Ich bin wie ich bin.
Johannes van den Bergh über Norbert Meier: Er ist ein Mischung aus autoritär und locker, was auch ganz gesund ist, so glaube ich. Einerseits ist er sehr akribisch und ein Trainer, der die Dinge sehr konzentriert analysiert und anspricht.
Auf der anderen Seite hat er auch mal ganz gerne einen trockenen Spruch auf den Lippen, der dann in Besprechungen auch regelmäßig für Lacher sorgt, wenn es denn angebracht ist.
Wenn wir nicht das machen, was er uns vorgibt oder wenn wir nicht zeigen, was wir können, kann er richtig stinkig werden.
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Petra Koch: Akribisch und auch mal locker…?
Norbert Meier: Na man merkt schon, dass Johannes wieder spielen möchte. Er war drei Wochen verletzt und hat sich gut überlegt, was er sagt. Er zu mindestens viel dafür getan, dass er für das Wochenende eine Alternative sein wird.
Ansonsten denke ich, dass diese Mischung auch das ist, was heutzutage angesagt ist, wenn man im Trainerbereich tätig ist. Aber nicht nur da, sondern da kann man auch in den Bereich der Familie gehen.
Auf der einen Seite musst du auch mal so ein bisschen das Kumpelhafte raushängen lassen und auf der anderen Seite musst du auch wissen, wann Ernsthaftigkeit angebracht ist. Das ist bei mir so. Wenn Training und Spiel laufen, dann ist ernsthaftes arbeiten angesagt. Da kann man aber trotzdem auch Spaß bei haben.
Bei dem Ganzen geht es ja um junge Menschen, die natürlich auch mal ein bisschen Freude haben und die dementsprechend akzeptiert und respektiert werden wollen. Sie müssen aber eben auch was dafür tun, dass der Trainer auch diese Lockerheit reinbringen kann.
Petra Koch: Jetzt trainieren Sie ja schon seit einer ganzen Weile junge und ältere Fußballer. Hat sich da was auch im Umgang im Laufe ihrer Trainerzeit verändert?
Norbert Meier: Es waren immer Menschen, es werden immer Menschen bleiben und mit Menschen muss man dementsprechend umgehen. Wir brauchen da jetzt nicht anfangen, von früher zu reden und sagen, dass da alles besser war.
Ich habe manchmal auch von drei Metern das Tor nicht getroffen. Wir erinnern uns aber ausschließlich immer gerne an die Dinge, die gut waren. Auch bei uns gab es viele Dinge, die nicht so gut waren.
Heute ist das ähnlich. Ich glaube, dass es gerade in der heutigen Zeit ganz wichtig ist, dass Spieler auch merken, dass sie Fehler machen dürfen und dass man als Spieler auf und außerhalb des Spielfelds auch den nötigen Mut entwickelt, seine Meinung zu sagen.
Wir erwarten ja von Spielern Verantwortung auf dem Platz und nur wer da richtig mündig ist, der kann das auch umsetzten. Ich glaube, da hat sich nicht viel verändert.
Petra Koch: Heiß aber auch, dass sie gerne auch Typen in der Mannschaft haben, die auch mal sagen, wenn etwas nicht passt…
Norbert Meier: Ja. Die wollen wir ja alle haben. Die Spieler dürfen jederzeit zu mir kommen. Außer wenn ich meine Mannschaftssitzungen abhalte. Da ist dann absolute Ruhe geboten und da spreche ich und kein anderer.
Aber ich glaube, dass es da so einen gewissen Unterschied zu früher gibt. Bevor ich früher zu Otto Rehhagel in die Kabine gestiefelt wäre… Da waren die Zeiten schon anders. Heute kann es dir schon passieren, dass auch ein 18-Jähriger, der zweimal mit trainiert hat fragt, warum er nicht spielt.
Petra Koch: Erklären Sie es ihm?
Norbert Meier: Nein. Das ist auch nicht die Gängigkeit, aber es ist alles schon da gewesen. Da muss man dann auch mal auf gewisse Dinge hinweisen aber ansonsten hat natürlich jeder das Recht, den Trainer zu gewissen Zeiten zu kontaktieren, wenn es um die eigene Person geht. Das ist völlig legitim.
Petra Koch: Mal eine Frage zum Trainerdasein. Ich nehme an, dass in so einer Phase wie jetzt, wo die Mannschaft funktioniert und wo die Ergebnisse stimmen, sehr viel Spaß macht, Sie haben ja aber auch Zeiten erlebt, wo es Krisen gab. Wie schön ist es, Trainer zu sein?
Norbert Meier: Es wird immer schön sein und bleiben. Fußballspielen war für mich neben meiner Familie immer ein ganz wichtiger Lebensinhalt. Das hat mir viel gegeben und das hat mir viel gebracht.
Als Spieler war es so und das wird auch als Trainer so bleiben. Wenn ich merke, dass ich nicht mehr heiß genug auf den Sport bin, dann werde ich etwas anderes machen.
Petra Koch: Sie sind ja dann von der aktiven Zeit in den Trainerjob gewechselt. Wie kam es dazu?
Norbert Meier: Gerd vom Bruch, der ja damals Trainer war, hat mich dazu eigentlich animiert. Er hatte ein Problem, weil er mich nicht mehr so oft aufstellen wollte. Da er sich wohl gedacht, dass er den Meier jetzt mal die zu dem Zeitpunkt nicht so erfolgreiche A-Jugend unterjubelt.
Ich hatte bei Borussia eigentlich nur für zweieinhalb Jahre unterschrieben und wollte dann nach meiner aktiven Karriere wieder zurück nach Norddeutschland, aber Gerd hat das dann geschickt gemacht. Er hat mich dann die A-Jugend gegeben und ein Jahr später war ich Jugendcheftrainer. Das hat mir gefallen.
Die Kinder wurden größer und sie wollten dann nicht mehr nach Norddeutschland, weil sie mittlerweile ihre Freunde am Niederrhein hatten. So hat das alles angefangen. Also nochmals herzliche Grüße an Gerd vom Bruch.
Petra Koch: Zunächst haben Sie die Jugend, die Amateure und dann lediglich vier Monate die Profimannschaft trainiert. Haben Sie da an sich gezweifelt oder haben Sie eher die Borussia verflucht?
Norbert Meier: Ich habe weder die Borussia verflucht, noch habe ich an mir verzweifelt. Zudem Zeitpunkt war ich ein sehr junger Trainer und habe möglicherweise noch zu sehr das Spielerdenken gehabt. Das ist einfach so. In den Trainerjob muss man reinwachsen. Das hat nichts mit der Behandlung der Spieler zu tun aber man muss gewisse Dinge mit dem nötigen Abstand sehen. Das war damals eine Lehrzeit für mich.
Damals war ich verrückt und hab ich bei SAT 1 hingestellt und vor dem Spiel gegen den Karlsruher SC völlig ohne Not gesagt, dass ich am Montag nicht mehr Trainer bin, wenn wir nicht gewinnen. Das war zwar völlig ohne Not, habe aber die Mannschaft damit wecken können und wir haben 5:1 gewonnen.
Dann haben wir hier zu Hause gegen Bielefeld und gegen Werder Bremen zwei Spiele gehabt, die wir über ganz weite Strecken mit zehn Mann bestreiten mussten und haben zweimal null zu null gespielt. Dann war es eben so, dass der damalige Vorstand gesagt hat, dass wir jetzt nicht mehr weitermachen. Wilfried Jacobs sagte damals gesagt oder sagt auch heute noch, dass ich eigentlich schon der richtige Mann war, nur zur falschen Zeit.
Petra Koch: Ich habe mal mit Spielern gesprochen, die unter ihnen trainiert haben. Die waren alle ganz begeistert.
Norbert Meier: Das ist ja nun auch schon eine Zeit her und wenn da mal was gewesen ist, dann sollte das eigentlich auch vergessen sein. Die meisten waren ja auch noch Mitspieler von mir. Angefangen von Uwe Kamps, Thomas Eichin, Michael Klinkert, Jörg Neun, Stefan Effenberg nicht zu vergessen und viele andere. Das war eine richtig gute Zeit. Ich habe ja hier in Gladbach bis auf Busfahrer und Zeugwart alles gemacht.
Petra Koch: Wir haben nun schon ein bisschen über ihre Zeit bei der Borussia gesprochen. Wie erinnern Sie sich denn überhaupt an die Zeit bei der Borussia?
Norbert Meier: Natürlich sind das schöne Erinnerungen. Wir haben hier viel bewegt. Ich habe auch, wie schon gesagt, im Jugend- und Amateurbereich gearbeitet. Wir haben mit der A-Jugend die Qualifikation für die Bundesliga geschafft. Damals noch mit Jens Truckenbrod, Sebastian Deisler, Andrej Voronin, Marco Villa, Marcel Ketelaer.
Wir sind dann mit der Amateurmannschaft sofort in die Oberliga aufgestiegen und haben uns für den DFB-Pokal qualifiziert. Also ich denke, dass wir hier eine Menge bewegt haben. Damals ging es noch bei Wind und Wetter mit unseren Kleinbussen zum Rönneter. Da konnten wir nicht duschen und mussten wieder zurück.
Dann kam irgendwann Hans Meyer und hat gesagt, pass auf, eure Alm brauche ich zum trainieren. Das ist für euch vorbei. Das waren aber für mich auch normale Dinge, weil es zählt zu allererst nur die erste Mannschaft, dann kommt erst mal gar nichts, noch mal die erste Mannschaft und dann die anderen. Dann haben wir teilweise sogar am Bökelberg auf dem ehemaligen Parkplatz trainiert. Also das war damals auch am Haus Lütz schon eine Menge Improvisation.
Heute hat sich da natürlich sehr, sehr viel verändert. Wenn man sieht, dass ein Leistungsnachwuchszentrum mit den und den Möglichkeiten vorhanden ist. Wir hatten damals noch unseren Fohlenstall. Da hatten wir auch alle Hände voll zu tun.
Es hat sich eine Menge verändert, aber Menschen, so glaube ich jedenfalls, verändern sich eigentlich nicht so sehr. Es war eine wunderbare Zeit aber jetzt bin ich in Düsseldorf. Da habe ich auch eine Menge zu tun und freue mich jeden Tag, wieder nach Düsseldorf zu fahren, um die Arbeit aufzunehmen. Mit dieser Mannschaft macht es einfach Spaß.
Petra Koch: So soll es ja auch sein. Sie sind aber dann nicht so sehr der Romantiker der sagt, dass er die Raute immer noch im Herzen trägt?
Norbert Meier: Überall wo man gewesen ist, hat man nach wie vor gute Kontakte. Ich gehe auch immer wieder gerne in den Borussia Park und ich gehe auch gerne nach Duisburg oder nach Bremen, aber mein Herz ist immer da, wo ich arbeite. Das ist bei Fortuna Düsseldorf und ich hoffe, dass es noch lange anhält.
Petra Koch: Das sieht ja im Moment ganz gut aus, wenn man so weit oben steht. Was trauen Sie ihren Jungs in dieser Saison zu?
Norbert Meier: Ich traue meine Jungs eigentlich alles zu, aber ich muss immer wieder dafür sorgen, dass sie auf dem Teppich bleiben, das wir die Konzentration hoch halten und das nicht irgendeiner meint, abheben zu müssen.
Es war eine lange Zeit, in der Fortuna aus dem bezahlten Fußball weg war und wir sollten bei aller Euphorie immer den Blick für die Realität bewahren und wissen, dass noch schwere Spiele vor uns liegen. Es wäre sehr, sehr schade, wenn es nur ein Kurzzeitintermezzo wäre.
Petra Koch: Schauen Sie ab und zu auch mal auf die Borussia und was trauen Sie ihr zu?
Norbert Meier: Natürlich. Zwar nicht mehr so viel, was auch normal ist, da ich ja selber in dem Beruf tätig bin, aber Ergebnisse etc. bekomme ich mit. Zunächst einmal freue ich mich, dass man wieder in die Spur gekommen ist. Ich freue mich da auch für Michael Frontzeck. Er ist ein sehr netter Trainerkollege und wir verstehen uns gut. Ich wünsche ihm wirklich nur das Beste, das Borussia in der Bundesliga auch bestmöglich abschneidet.
Wie das aussehen kann… Ich denke, wenn man die letzten Jahre verfolgt hat, dann ist es auch für die Fans so, dass sie mal sorgenfrei durch eine Saison durchkommen wollen. Auf der anderen Seite denke ich, dass so ein Traditionsverein dann auch weitere Ansprüche entwickelt. Das ist normal. Ich denke aber nicht in diesem Jahr.
Petra Koch: Blicken wir zuletzt auf das kommende Wochenende. Was erwarten Sie von ihrem Spiel bei 1860 München und vom Spiel der Borussia gegen den FC Schalke 04?
Norbert Meier: Wir treten ja überall an um zu gewinnen, aber bei 1860 München sind auch elf oder vierzehn Spieler, die das verhindern wollen. 1860 ist eine Mannschaft, die gerade in Bielefeld gepunktet und sich so ein bisschen aus dem Sog herausgerissen hat.
Da werden wir wieder richtig gefordert. Wir müssen sehen, dass wir die Kräfte bündeln und dass jeder bereit ist, bis an seine Grenzen zu gehen. Das hat die Mannschaft bisher gut umgesetzt und dann hoffe ich auf ein gutes Ergebnis.
Borussia muss den Trend, den sie jetzt eingeschlagen haben, fortsetzten. Ich denke, sie gewinnen 1:0.
Petra Koch: Da sind wir doch mal gespannt. Herr Meier, ihr Wort in Gottes Ohr. Es war ein interessantes Gespräch, das Spaß gemacht hat. Dann hoffen wir drauf, dass es bald das Duell Fortuna gegen Borussia gibt. Wir würden uns freuen, wenn das dann auch in der 1. Liga wäre.
Norbert Meier: Vielen Dank. Das nehmen wir gerne mit.






















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