Paauwe, Gohouri, Dorda und Heubach im Kader… Vorbericht Borussia vs. FC Bayern München
Nach dem Borussia Mönchengladbach sich beim 2:0 Auswärtssieg in Bielefeld gegen einen unmittelbaren Konkurrenten wieder neues Selbstvertrauen geholt und sich ein Stückweit Luft verschafft hat, gibt sich also nun am kommenden Samstag der amtierende deutsche Meister FC Bayern München, bei dem sowohl Christian Ziege von 1990 bis 1997 als auch Max Eberl bis 1992 und Uwe Gospodarek (1989 bis 1995) spielten, im mit 54.067 Zuschauern seit Monaten ausverkauften Mönchengladbacher Borussia Park die Ehre.
Vor der Saison gab es beim deutschen Meister einen personellen Umbruch. Meistertrainer Ottmar Hitzfeld beendete seine zweite Amtszeit und Torwartlegende Oliver Kahn seine Karriere bei den Bayern. Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann kehrte aus dem sonnigen Kalifornien zurück und übernahm an der Säbener Straße. Nicht nur aufgrund seiner Verpflichtung entstand großer Rummel beim deutschen Meister. Auch die berühmten und zunächst eingeführten Figuren auf dem Dach des Gebäudes an der Säbener Straße, die Umstrukturierung des Trainingsgeländes sowie die Einführung des großen Trainerstabs Klinsmanns sorgten für großes Medieninteresse.
Im Gegensatz zur letzten Saison, wo man eine erhebliche Transfersumme in die Hand nahm und Spieler verpflichtete, hielt sich Manager Uli Hoeneß zu Beginn dieser Saison zurück. Lediglich vier Neuzugänge wurden unter dem neuen Coach Klinsmann geholt. Dabei kam unter anderem der Nationalspieler Tim Borowski vom SV Werder Bremen ablösefrei an die Isar und der 32-Jährige Italiener Massimo Oddo wurde vom AC Mailand zunächst ausgeliehen. Ex-Borussia Marcell Jansen wechselte, nach dem er bei Jürgen Klinsmann keine Perspektive mehr sah, auch den „Fluss” und ging vom deutschen Meister an die Elbe zum Hamburger SV.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten, wo die Mannschaft von Jürgen Klinsmann aufgrund ihrer Ansprüche äußerst mäßig in der Tabelle stand und zwischenzeitlich zweimal hintereinander gegen Hannover und zu Hause Bremen (2:5) verlor, hat sich das Team im Verlaufe der Spieltage stetig gesteigert und steht nun nach fünf Siegen in Folge nach dem zwölften Spieltag auf dem dritten Platz der Tabelle. Mit sieben Siegen, drei Unentschieden sowie mit zwei Niederlagen hat man mit 24 Punkten lediglich einen Punkt Rückstand auf Tabellenführer Bayer Leverkusen. Auch auf internationalen Parkett läuft es gut für den Rekordmeister. In Gruppe F der Champions League liegt man nach vier Spielen punktgleich mit acht Punkten hinter Olympique Lyon auf Platz zwei der Tabelle und benötigt lediglich ein Unentschieden, um das Achtelfinale zu erreichen. Zu dem befindet man sich im Achtelfinale des DFB-Pokals, wo man auf den VFB Stuttgart trifft.
Unter anderem hinter den in dieser Saison auftrumpfenden und überraschenden Hoffenheimern stellt der FC Bayern mit 27 Toren den aktuell viertbesten Sturm der Liga. Einen echten Torjäger hat der FC Bayern München zurzeit nicht, und so sind die erzielten Treffer sehr auf das Team verteilt. Mit jeweils vier Treffern bilden die Stürmer Miroslav Klose und Luca Toni sowie die Mittelfeldspieler Tim Borowski und Frank Ribéry die erfolgreichsten Schützen.
In diesen Tagen trainiert ein alter Bekannter aus Bundesligazeiten auf Probe bei den Bayern. Stürmer Landon Donovan, 26-Jähriger US-Amerikaner, Spieler des Jahres in der Major League Soccer, Mannschaftskollege von Michael Bradley im US-Team und früher bei Bayer Leverkusen aktiv, befindet sich für zehn Tage bei den Bayern. Über eine Verpflichtung wird nach den ersten guten Trainingseindrücken nachgedacht und sein Aufenthalt schürt die Wechselabsichten von Lukas Podolski, der bislang nicht so zum Zuge kam und auch unzufrieden ist. Über eine Rückkehr zum 1.FC Köln wird spekuliert.
Jürgen Klinsmann lässt sein Team im 4-4-2 System mit zwei defensiv ausgerichteten Mittelfeldspielern auflaufen. Das Sturmduo bilden in der Regel Miroslav Klose und der Italiener Luca Toni. Im Abwehrzentrum sind Martin Demichelis und der Brasilianer Lúcio. Auf der linken Außenbahn ist Nationalspieler Philipp Lahm nach dem Abgang von Marcell Jansen der einzige Linksverteidiger und gesetzt. Rechts spielt bisher Leihgabe Massimo Oddo. Im Mittelfeld zieht der französische Weltklassespieler Frank Ribéry die Fäden neben Kapitän Marc van Bommel und Sebastian Schweinsteiger. Das Mittelfeld komplettiert im defensiven Bereich Zé Roberto.
Für das Spiel bei der Borussia hat Jürgen Klinsmann nahezu seinen kompletten Kader einsatzbereit und kann in Bestbesetzung antreten. Sebastian Schweinsteiger und Philipp Lahm sind nach ihren Blessuren wieder einsatzbereit und werden auch am Samstag aller Voraussicht nach in der Anfangsformation stehen, nach dem sie am Mittwoch einen 90-Minütigen Test in Form eines Trainingsspiels gegen die Zweitvertretung des FC Bayern absolviert und bestanden haben. Mit beiden Spielern plant Klinsmann von Beginn an, wie er nach dem Mittwochtraining durchblicken ließ. Demnach stehen in jedem Fall lediglich Hamit Altintop (Mittelfußoperation) und Willy Sagnol nicht zur Verfügung. Hinter Lukas Podolski, den nach wie vor Rückenprobleme plagen, steht noch ein Fragezeichen. „Da müssen wir von Tag zu Tag schauen”, sagte Klinsmann am Mittwoch auf der Internetseite des Vereins.
Die Personaldecke bei Borussia Mönchengladbach ist nach wie vor dünn und so hat Trainer Hans Meyer gerade im Abwehrbereich erhebliche Personalsorgen. Sieben Spieler stehen aktuell auf Borussias Verletztenliste. Definitiv stehen der Borussia auch weiterhin Jan-Ingwer Callsen-Bracker, Sebastian Schachten, Sebastian Svärd und Alexander Voigt, die zwar allesamt auf dem Weg der Besserung sind, nicht zur Verfügung. Dazu kommt Oliver Neuville, der sich im Spiel von Borussias U23 am vergangenen Sonntag einen Muskeleinriss im rechten Oberschenkel zuzog und somit ebenso nicht einsatzfähig ist. Auch Jean-Sébastien Jaurès und Thomas Kleine, die nach ihren Operationen noch ausfallen, sind definitiv bis Weihnachten außer Gefecht.
Dagegen sind Patrick Paauwe und Steve Gohouri nach ihren überstandenen Verletzungen wieder im Kader für das Spiel gegen die Bayern. „Beide Spieler sind gesund und ich bin auch froh, dass Patrick Paauwe wieder dabei ist. Wenn er 70 Minuten dafür sorgt, dass Luca Toni, Frank Ribéry und Zé Roberto nicht an den Ball kommen, dann hat er richtig seine Arbeit erfüllt”, sagte Meyer heute. So könnte der 66-Jährige auch im Gegensatz zum Spiel bei Arminia Bielefeld sein Team gegen die Bayern umstellen und Patrick Paauwe könnte wieder in die Anfangsformation rücken. Christian Dorda wird wohl auch im Spiel gegen die Bayern auf der linken Abwehrseite verteidigen.
„Wenn im Aufgebot zum Beispiel ein Spieler wie Gohouri ist, der so lange verletzt war, und wo ich längst drauf warte, dann ist es eher wahrscheinlich, dass der junge Mann Dorda wieder im Team dabei ist”, sagte Hans Meyer auf der heutigen Pressekonferenz.
Dagegen ist von den drei Youngsters, die im Kader für das Spiel bei Arminia Bielefeld standen, lediglich noch Christian Dorda für im Kader für das Spiel gegen den Rekordmeister vertreten. Für Oliver Stang, der ebenso nicht berücksichtigt wurde wie Tony Jantschke, ist Innenverteidiger Tim Heubach von Borussias U23 im 18er Kader. Frederic Löhe, Oliver Stang und Moses Lamidi werden am Freitag mit Borussias U23 im Spiel bei Rot-Weiß Essen auslaufen.
Für Tim Heubach, der ab nächster Saison einen Profivertrag in der Tasche hat, ist es ein überragendes Gefühl, wie er selber sagte. „Da habe ich natürlich direkt ein Bombenspiel erwischt und da freue ich mich auch riesig drauf. Einen echten Grund, warum ich im Kader bin, hat er mir nicht genannt, aber natürlich profitiere ich auch von der momentanen Verletztensituation. Er hat einfach die Kaderliste runter gelesen, und da stand ich halt drauf. Im Kader überhaupt dabei zu sein und die ganze Atmosphäre im ausverkauften Borussia Park mitzubekommen, ist schon eine tolle Sache. Mit Roel und Steve haben wir gute Innenverteidiger und so gibt es auch keinen Grund zu wechseln und ich freue mich einfach, dabei sein zu können. Wenn du dann nun in der Mannschaftsbesprechung über Gegner wie Luca Toni und Miroslav Klose sprichst, dann ist das schon eine tolle Sache”, war der 20-Jährige Verteidiger heute von seiner Nominierung begeistert.
Der 18er Kader für das Spiel:
Uwe Gospodarek, Christofer Heimeroth, Gal Alberman, Alexander Baumjohann, Roel Brouwers, Michael Bradley, Roberto Colautti, Filip Daems, Rob Friend, Steve Gohouri, Tobias Levels, Marko Marin, Karim Matmour, Marcel Ndjeng, Patrick Paauwe, Johannes van den Bergh, Christian Dorda, Tim Heubach.
Borussias Heimbilanz ist im Gegensatz zu der Gesamtbilanz gegen den 21-maligen deutschen Meister FC Bayern München positiv gestaltet. Bisher empfing die Borussia den FC Bayern vierzigmal im heimischen Stadion. Dabei konnten die „Fohlen” 17 Duelle für sich entscheiden und 14 Partien endeten Unentschieden. Neunmal gab es für die Borussia keine Punkte. Letztmalig konnte Borussia Mönchengladbach im ebenso ausverkauften Borussia Park konnte am 30.10.2004 gegen die Bayern gewinnen. Unter dem damaligen Interimscoach Horst Köppel, der dort sein erstes und einziges Spiel als Verantwortlicher an der Seitenlinie absolvierte, gab es einen 2:0 Heimerfolg. Die Tore schossen damals Marcelo Pletsch und Joris van Hout. Der heutige Co-Trainer und ehemalige Sportdirektor Christian Ziege stand in dem Spiel neben Oliver Neuville in der Anfangsformation. Im letzen Aufeinandertreffen unterlagen die Fohlen am 27.01.06 mit 1:3. Wesley Sonck steuerte den einzigen Treffer bei.
Voraussichtliche Aufstellungen:
Bor.M’gladbach: Gospodarek- Levels, Brouwers, Daems, Dorda- Paauwe, Alberman- Marin- Bradley, Baumjohann- Friend
Bayern München: Rensing- Oddo, Demichelis, Lúcio, Lahm- Zé Roberto, van Bommel- Schweinsteiger, Ribéry- Klose, Toni
Schiedsrichter: Michael Weiner (39 Jahre, Giesen) DFB-Schiedsrichter seit 1998 und FIFA-Schiedsrichter seit 2002. In der laufenden Saison kam Weiner bereits sechsmal zum Einsatz und leitete dabei auch die Partie der Borussia beim Hamburger SV (0:1). Für seine bisher gezeigten Leistungen erhielt Weiner die Kickerdurchschnittsnote 2,67.
Die Borussia trifft auf einen nahezu schier unerreichbaren und übermächtigen Gegner, gegen den die Mannschaft eigentlich nur verlieren kann. Man hat keine Chance, also sollte man sie nutzen. Wie sagte Hans Meyer dieser Tage so schön: “Niemand erwartet in dem Spiel etwas von uns. Jeder rechnet doch damit, dass wir das Spiel verlieren.” Auch die Bayern sind jedoch verwundbar, wie zum Beispiel ihre Niederlagen in Hannover und das 3:3 gegen Bochum gezeigt haben. Somit ist auch für die Borussia, die gestärkt mit den drei Punkte aus Bielefeld in das Spiel gehen sollte, etwas Zählbares möglich. Wünschen wir der Mannschaft vor einer tollen Kulisse die nötige Unterstützung, viel Erfolg und ein gutes Gelingen!

















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