Nach dem Sieg gegen den HSV - Vereinzelte Pfiffe bringen Eberl auf die Palme
»Das geht mir hier echt auf den Sack«
16.12.2017 12:28 Uhr
Es ging zur Sache zwischen den Borussen und dem HSV. Foto: Dirk Päffgen.
Geschrieben von Andreas Plum & Alexander Plum
16.12.2017 12:28 Uhr

Erleichterung bei Borussia Mönchengladbach nach dem Sieg gegen den Hamburger SV. Zum Abschluss der Hinrunde holten die Borussen nochmal drei Punkte und konnten so den Negativtrend der letzten Spiele stoppen. Verdient war der Sieg gegen der Bundesliga-Dino allemal, aber alles andere als souverän.

Freitagabend, Schmuddelwetter und ein Gegner, der wie schon gewohnt gegen den Abstieg spielt und mit einer Heimniederlage an den linken Niederrhein gereist war. Auf der anderen Seite die Borussen, die seit drei Spielen auf einen Sieg warteten und mit einer Niederlage im Breisgau in das letzte Punktspiel des Jahres gingen. Ein Sieg war quasi Pflicht gegen den HSV, der abermals mit dem Rücken zur Wand stand.

Da war es zu vermuten, dass die Gisdol-Truppe nicht mit "Hurra-Fußball" daher kommt und sich stattdessen tief formiert, womit die Borussen bekanntlich große Probleme haben. Doch an diesem Abend weit gefehlt. Der Fohlen-Express überrollte den HSV gleich zu Beginn, fuhr Angriff um Angriff und ging verdient früh in Führung. Man sah, dass die Borussen nach der Pleite von Freiburg wieder ihr wahres Gesicht zeigen wollten. »Wir hatten einen super Start, haben viel Druck aufs das Tor ausgeübt, hatten viele Ecken und Torchancen«, sagte Thorgan Hazard, der die wichtige Führung besorgte und Lars Stindl lobte: »Wir hatten uns vor dem Spiel natürlich vorgenommen, anders aufzutreten als unter der Woche in Freiburg. Das ist uns sehr gut gelungen.«

Erst nicht nachgelegt

In der Tat. Das, was die Borussen in der Anfangsphase auf den Rasen brachten, war einfach stark. Ärgerlich, dass man es dann aber versäumte, nachzulegen. »Danach hätten wir sogar direkt das zweite und dritte Tor nachlegen können – haben die Chancen aber nicht genutzt«, haderte der Kapitän. »Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt, in der wir vielleicht sogar schon das zweite Tor hätten nachlegen müssen«, sagte Matthias Ginter.

Weil das nicht gelang, witterte der HSV Morgenluft und versteckte sich nicht. »Zu Beginn der zweiten Halbzeit haben wir uns schwer getan, Hamburg kam in dieser Phase besser ins Spiel«, sagte Jannik Vestergaard und befand: »Wir haben uns dann aber vorne gute Aktionen erarbeitet und das Spiel für uns entscheiden können«. Wenn man dann so wie Hazard nach der Pause die Chancen aber nicht nutzt, klingelt es mitunter hinten. So kam es dann auch, als André Hahn an alter Wirkungsstätte im Gegenzug für den Ausgleich sorgte. »Im Fußball ist es dann eben so: Wenn man vorne kein Tor macht, fängt man sich hinten einen Gegentreffer«, brachte es Ginter auf den Punkt.

Vereinzelte Pfiffe bringen Eberl auf die Palme

Irgendwie hatte der Ausgleich in der Luft gelegen. »Es hat mich etwas geärgert, dass wir uns nach der Pause so tief hinten reinfallen gelassen und Hamburg ins Spiel kommen lassen«, monierte Dieter Hecking. »Dadurch ist auch der Ausgleich zu Stande gekommen.«

Und mit diesem kamen die Borussen zunächst überhaupt nicht klar. »Das 1:1 war so ein bisschen ein Nackenschlag, weil wir wirklich überlegen waren und viele Chancen hatten«, sagte Max Eberl.

Die Borussen gerierten nach dem Ausgleich aus dem Konzept und wirkten irgendwie verunsichert. »Dann war es etwas unruhig im Stadion und wir haben etwas die Kontrolle verloren«, sagte Ginter. Unmut machte sich im Borussia-Park breit und es gab teilweise Pfiffe von den Rängen. Was vor allem Max Eberl mächtig aufstieß und auf die Palme brachte. »Es ist eine bodenlose Frechheit, dass hier gegen unsere Spieler gepfiffen wird, wenn wir bei 1:1 mal einen Rückpass spielen. Das geht mir hier echt auf den Sack«, eschauffierte sich der Sportdirektor. »Die, die gepfiffen haben, haben wahrscheinlich die zweite Liga und alle Torturen nicht miterlebt. Dann sollen sie doch zu Bayern oder PSG gehen. Wir bieten ehrlichen Fußball, mit zwei 18-Jährigen im defensiven Mittelfeld.«

»Jeder Fan hat das Recht zu pfeifen, wenn er ins Stadion geht. Ich fand aber, dass das heute nicht angebracht war«, drückte sich Hecking etwas milder aus.

»Das ist schade für die Mannschaft. Die Fans müssen der Mannschaft helfen. Wenn sie pfeifen, helfen sie ihr nicht. Aber so ist der Fußball. Wenn du gewinnst, bist du gut, wenn nicht, dann bist du nicht gut«, sagte Hazard. »Ich hoffe, im nächsten Spiel werden sie es nicht machen. Du kannst nicht immer nach vorne spielen. Manchmal musst du auch den Ball halten. Das müssen die Fans verstehen.«

Im richtigen Moment die Tore gemacht

Doch spätestens, als Raffael für die erneute Führung sorgte, verstummten die Pfiffe wieder und alle lagen sich in den Armen. Und die Borussen blieben diesmal dran und machten dann von Person von Raffael fünf Minuten nach der erneuten Führung den Deckel auf die Partie.

So stand unter dem Strich zwar kein glanzvoller, aber verdienter Sieg. »Es war sicherlich nicht alles toll, wir haben noch in vielen Bereichen Luft nach oben, aber es waren auch gute Aktionen dabei«, resümierte Vestergaard. »Am Ende bin ich sehr froh über diesen Sieg. Die Bundesliga ist sehr eng. In der Rückrunde erwarten uns wieder 17 schwierige Spiele.«

»Nach den Niederlagen in Wolfsburg und Freiburg war das ein wichtiger Sieg für uns. Wir wollten zum Ende des Jahres einen Heimsieg. Es war kein perfekter Sieg. Aber im Fußball ist es wichtig, zu gewinnen. Das haben wir getan«, so Hazard. »Wir hätten früher das 2:0 machen können. Ich hatte eine große Chance dazu, im Gegenzug fällt das 1:1. Aber am Ende haben wir gewonnen. Das ist wichtig.«

»Die Mannschaft hat nach dem Ausgleich eine super Reaktion gezeigt. Ich finde, dass wir es in Gänze richtig gut gemacht haben. Wir haben aggressiv gesielt und relativ wenig zugelassen«, sagte Eberl. »Nach dem 1:0 hatten wir eine Phase, in der wie es vielleicht zu weit sacken lassen haben. Das haben wir nach dem 2:1 deutlich besser gemacht. Da haben wir weiter hoch verteidigt. Ich finde, dass wir heute als Kollektiv spielerisch, kämpferisch und läuferisch echt alles in die Waagschale geworfen haben.«

Und genau das müssen die Borussen auch am kommenden Mittwoch tun. Dann geht es im DFB-Pokal im Borussia-Park gegen Bayer Leverkusen. Eine Werkself, die unter Ex-Borusse Heiko Herrlich seit elf Spielen ungeschlagen ist. Doch die Borussen wollen eine Runde weiterkommen und sich dabei für die 1:5-Klatsche revanchieren. Das wird ein anderes Spiel. Das ist Pokal«, weiß Hazard und gab die Marschrichtung vor: »Wir wissen um das 1:5. Das war nicht gut. Aber wir wollen im Pokal überwintern und ich hoffe, dass wir das letzte Spiel des Jahres 2017 gewinnen.«

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