Nach dem Spektakel von Hoffenheim
»...dann muss man mindestens einen Punkt mitnehmen«
16.04.2017 12:15 Uhr
Bedröppelte Borussen nach der 3:5-Niederlage in Hoffenheim. Foto: Dirk Päffgen
Geschrieben von Andreas Plum
16.04.2017 12:15 Uhr

Es war ein verrücktes Fußballspiel in Hoffenheim. Gleich acht „Eier“ legten die Protagonisten beider Teams am Ostersamstag in die Nester. Borussia Mönchengladbach hatte am Ende gleich fünf und verteilte drei. Die Borussen gingen so beim Offensivspektakel unter dem Strich leer aus. Und das, weil sie vor allem in der Defensive viel zu viel anboten. Die Protagonisten hatten allen Grund sich zu ärgern.

Nach Schlusspfiff in der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena waren sich alle Protagonisten beider Seiten einig: Diese Partie war Werbung für den Fußball und vor allem für den neutralen Zuschauer ein Leckerbissen. »Das war Fußball vom Allerfeinsten. Alle, die heute im Stadion waren, können sagen, dass sie bei einem tollen Fußballspiel waren«, befand Dieter Hecking und Max Eberl ergänzte: »Es war ein sehr gutes Bundesligaspiel, mit allem was dazugehört«.

Weder die TSG, noch die Borussen igelten sich in der Defensive ein. Es war von Beginn an ein Spiel mit offenem Visier. »Es war heute ein sehr gutes Spiel, in dem beide Mannschaften ihre Qualitäten vor allem in der Offensive ausgespielt haben«, sagte Lars Stindl.

Bei den Borussen gehörte es zum Matchplan, die Kraichgauer gleich früh zu attackieren und das Spiel an sich zu reißen. »Wir haben die Partie offensiv ausgelegt, sind früh angelaufen und haben versucht, Druck auf die Defensive der Hoffenheimer auszuüben«, erklärte Jonas Hofmann.

Allerdings ging der Schuss früh nach hinten los, denn die Gastgeber nutzten gleich in der Anfangsphase ihre erste Torchance, brachten sich in Front und legten nach dann den zweiten Treffer nach. Beide Tore fielen allerdings mit freundlicher Unterstützung der Borussen, die den Gastgebern beide Mal viel zu viel Raum und Zeit gaben.

Nach dem Ausgleich die mögliche Wende verpasst

Die Messe schien bereits früh zugunsten der Gastgeber gesungen, doch was die Borussen auszeichnet ist vor allem eins: Große Moral. »Wir haben uns nie hängen lassen, haben alles gegeben«, sagte Tobias Strobl.

»Nach dem 0:2 mussten wir mehr riskieren, das war klar«, sagte Hofmann. Das taten die Borussen und belohnten sich noch vor der Pause mit dem 2:2-Ausgleich. Ein Doppelschlag binnen vier Minuten hatte die Borussen wieder zurück ins Spiel gebracht.

Und hätten dann ihrerseits eigentlich erstmals in Führung gehen können, ja wenn nicht müssen. »Wir hatten nach der Pause die Möglichkeit in Führung zu gehen und das Spiel in unsere Richtung zu lenken«, sagte Stindl, der für den zwischenzeitlichen Ausgleich gesorgt hatte. Doch Ibrahima Traoré und vor allem André Hahn ließen beste Möglichkeiten liegen. »Nach der Halbzeit waren wir ein bisschen am Drücker und hatten Pech mit dem Pfostentreffer«, haderte Hofmann.

»Nach dem 2:2 hatten wir die Chance, durch André in Führung zu gehen, leider hat der Pfosten dieses Tor verhindert«, ärgerte sich Oscar Wendt und Dieter Hecking sagte: »Nach dem 2:2 hatten wir eine Phase, in der wir das dritte Tor hätten machen können. Wenn wir in Führung gegangen wären, hätte das Spiel vielleicht einen ganz anderen Verlauf genommen«.

»Nach dem 2:2 hatten wir durch Ibo und Andrés Pfostenschuss sogar richtig gute Möglichkeiten, in Führung zu gehen«, stimmte Strobl zu und meinte: »Hätten wir eine dieser Chancen genutzt, wäre das Spiel vielleicht ganz anders verlaufen«.

»Wenn wir 3:2 in Führung gegangen wären, hätten wir dieses Ergebnis auch noch einmal anders verteidigen und auf Konter lauern können«, sah es Hofmann ähnlich.

Doch es kam bekanntlich anders als erwünscht. Statt erstmals in diesem Spiel in Führung zu gehen, erzielte Hoffenheim das dritte Tor und legte eine Viertelstunde vor Schluss das vierte nach. Abermals lagen die Borussen zwei Tore im Hintertreffen, gaben sich aber weiterhin nicht geschlagen. Mo Dahoud war es, der die Fohlenelf nur drei Minuten nach dem vierten Gegentreffer wieder heranbrachte.

Die Borussen legten noch einmal alles in die Waagschale, kämpften und wollten den Ausgleich. Doch gelingen wollte dieser nicht mehr. Hoffenheim machte derweil kurz vor Schluss mit dem fünften Treffer alles klar, so dass die Borussen am Ende mit leeren Händen dastanden. »Am Ende haben wir alles gegeben, um noch zum Ausgleich zu kommen, haben dadurch hinten aufgemacht. Hoffenheim hat das mit dem fünften Treffer bestraft«, sagte Wendt.

Europa nach wie vor in Reichweite

Viel vorwerfen kann man den Borussen unter dem Strich eigentlich nicht. Bis auf das zu offene Visier, das der Nagelsmann-Truppe erst fünf Treffer ermöglichte. »Fünf Gegentorte haben wir schon lange nicht mehr bekommen und tun weh. Wenn man auswärts drei Tore schießt, muss man mindestens einen Punkt mitnehmen«, haderte Hofmann.

»Insgesamt dürfen wir auswärts nicht so viele Tore kassieren. Letztendlich ist die Enttäuschung sehr groß, dass wir uns für den großen Aufwand, den wir heute betrieben haben, nicht belohnt haben«, sagte Stindl.

»Über die Art und Weise, wie wir heute aufgetreten sind freue ich mich, über das Ergebnis natürlich nicht. Im Endeffekt war es aber ein tolles Fußballspiel, leider mit dem schlechteren Ende für uns«, resümierte Hecking und schaute zuversichtlich nach vorne: »Wenn meine Mannschaft diesen Elan, den sie heute gezeigt hat, in die letzten Saisonspiele mitnimmt, werden wir den einen oder anderen Sieg definitiv noch holen. Wir werden dann am Ende der Saison sehen, für was das reicht«.

»Man hat das Gefühl gehabt, wir hätten etwas mitnehmen können. Wir hatten die Chancen dafür und haben uns immer wieder rangekämpft, nachdem wir Rückschläge einstecken mussten«, sagte Eberl und fügte an: »Aber wenn man so Fußball spielt wie wir vergangene Woche in Köln und jetzt in Hoffenheim, werden wir am lange Ende auch noch die Punkte machen, die uns hoffentlich noch etwas ganz Schönes bringen«.

Die Möglichkeiten dazu sind nach wie vor da. Nach wie vor sind es lediglich zwei Punkte Rückstand auf Platz sechs, weil die Mitkonkurrenten im Kampf um Europa allesamt Federn ließen und ebenso ihre Spiele verloren haben. Auf der anderen Seite hätten die Borussen mit etwas Zählbarem weiten Boden gutmachen können. Hätte, hätte, Fahrradkette. Es gilt, diese ärgerliche Niederlage schnell abzuhaken und sich in den kommenden Spielen wieder auf eine defensive Grundordnung zu besinnen.

Dieter Hecking gab seiner Mannschaft nach der Niederlage in Hoffenheim erstmal zwei Tage frei. Am kommenden Dienstag beginnt dann die Vorbereitung auf das Heimspiel gegen Borussia Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr). 

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