Baustelle Borussia: Wie endet die große Saison-Analyse?

Roland Virkus analysiert in diesen Tagen ausführlich die Saison 2022/ 23. Foto: Dirk Päffgen

Noch ein Spiel absolvieren die Profis von Borussia Mönchengladbach im Rahmen ihrer Saisonabschluss-Tour. Dann geht es ab Donnerstag in die Analyse der abgelaufenen Spielzeit. Roland Virkus kündigte an, dabei alles auf den Prüfstand zu stellen. Gemeinsam mit der Schotes Firmengruppe blicken wir auf die aktuelle Baustelle Borussia.

Schlechteste Spielzeit seit zwölf Jahren 

Die 60. Bundesliga-Spielzeit ist Geschichte. Wieder einmal heißt der Deutsche Meister FC Bayern München, der dem BVB die Schale am letzten Spieltag noch aus der Hand gerissen hat. Auf den letzten zu vergebenen internationalen Platz hat es am 34. Spieltag dann noch Bayer Leverkusen geschafft, trotz 0:3-Niederlage beim VfL Bochum, der so direkt die Klasse hielt.

Am linken Niederrhein hatte man mit all dem wenig zu tun. Gerade mit Blick auf die Europa League-Plätze fehlten den Fohlen am Ende sieben Punkte. Als Zehnter, wenigstens vom den rheinischen Rivalen aus der Domstadt, überquerte das Team die Ziellinie. Mit 43 Punkten spielten die Borussen unter Daniel Farke die schwächste Saison seit zwölf Jahren. Man muss nicht lange um den heißen Breit reden und kann sagen: Diese Spielzeit war alles andere als rund, sie war enttäuschend. Alleine schon deshalb, weil das stets erklärte Ziel des einstelligen Tabellenplatzes nicht erreicht wurde. 

Im Klub ist man mit der Spielzeit gewiss auch nicht zufrieden, weshalb Roland Virkus eine eingehende Analyse ankündigte – mit aktuell noch offenem Ende. Dabei wird am linken Niederrhein alles auf den Prüfstand gestellt. Anders als im letzten Jahr, als Adi Hütter direkt nach dem letzten Spiel seinen Hut nahm, erhält Farke noch die zwei Spiele der Saisonabschluss-Tour. Aus dieser recht seltsamen Vorgehensweise im Jahr 2022 lernten die Fohlen und schoben die Entscheidung, verständlicherweise, noch auf die nächsten Tage hinaus. Es spricht allerdings einiges dafür, dass die aktuelle Tour auf die letzten beiden Spiele von Farke auf der Trainerbank umfassen. 

Borussia ist auf Transfererlöse angewiesen 

Man kann und darf durchaus darüber diskutieren und geteilter Meinung sein ob es denn sinnig ist, den 46-Jährigen (Vertrag bis Sommer 2025, Anm. d. Red) nach einer Spielzeit wieder auszutauschen, statt ihm den Neuanfang bzw. Umbruch anzuvertrauen. Doch Fakt ist:  Der zu Saisonbeginn mit viel Euphorie gekommene Westfale hat die ihn ihn gesteckten Hoffnungen und Erwartungen nicht erfüllen können, so ehrlich muss man sein. Von der bei der Antritt entfachten Aufbruchstimmung war schon früh nichts mehr übrig. Und nicht zuletzt die Pfiffe gegen ihn im letzten Heimspiel gegen Bayer Leverkusen zeigen, dass der Kredit bei vielen Fans aufgebraucht ist.

Späte Wechsel, unbeständige beziehungsweise schlechte (Abwehr-) Leistungen, das Festhalten an weggehenden Spielern, Systemfragen und viele Spieler, die nicht besser wurden ergaben am Ende Platz zehn, der nicht befriedigend ist. Farke erreichte mit einem Punkteschnitt von 1,28 weniger als Adi Hütter (1,38) erreicht. Die Gemengelage ist schwierig, das Vertrauen zu Farke scheint mehr als angeknackst. Zuletzt vermieden vor allem die sportlichen Verantwortlichen Bekenntnisse zum aktuellen Trainer. Auch Farke selbst beschäftigte sich nicht mit diesen Gerüchten, sondern legte den Fokus immer auf das nächste Spiel. Deshalb wäre es für Borussia äußerst riskant, mit dieser Konstellation in die nächste Saison zu starten. Denn legen die Fohlen einen Fehlstart hin, wird eine Trennung spätestens dann unausweichlich sein. Allerdings ist es dann mutmaßlich bereits zu spät, weil ein neuer Trainer keinen Einfluss mehr auf die Kaderplanung nehmen kann. 

Der Geldspeicher ist derzeit am linken Niederrhein alles andere als prall gefüllt, weshalb die Fohlen wieder Transfererlöse erzielen müssen. Kandidaten sind Manu Koné, Nico Elvedi aber auch Alassane Plea. Ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Zukunft sind eben auch nationale und internationale Nachwuchsspieler. Ob Farke diesen Weg mitgehen möchte, ist fraglich. Vor allem bei jungen Spielern stagnierte in der abgelaufenen Spielzeit die Entwicklung. Virkus muss deshalb wieder kreativer und schneller sein als andere Vereine. Unter Umständen kann er erst dann ‚zuschlagen‘, wenn ein Spieler des sogenannten ‚Tafelsilbers‘ den Klub verlässt. Dazu kommt, wenngleich für Yann Sommer ein Nachschlag aus München kommt, der erhebliche Absturz in der TV-Tabelle, der die Einnahmen nochmals verringert. All das macht den Umbruch im Kader extrem schwierig.

Es braucht nun clevere Entscheidungen 

Generell anders laufen soll es auch innerhalb des Klubs. So berichtet die ‚Rheinische Post‘, dass es auch im Management Änderungen geben soll. Roland Virkus soll eine Unterstützung erhalten, die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt waren. Neu wäre das nicht. Bereits zu Zeiten von Eberl hatte es derartige Überlegungen gegeben, die dann nicht umgesetzt worden sind. Das Ergebnis ist bekannt: Eberl hatte in einigen Bereichen möglicherweise zu viel Einfluss und ‚Narrenfreiheit‘. Deshalb ergibt es durchaus Sinn, dass sich Virkus Verstärkung an die Seite holt und die Kompetenzen gebündelt werden. Apropos: Bei der Analyse soll auch die sportliche Führung in den Fokus rücken. Ob sich dort etwas ändert ist allerdings eher unwahrscheinlich. Schließlich ist Borussia nicht dafür bekannt, große Risiken einzugehen. 

Das Ergebnis der Gespräche in den kommenden Tagen dürfte auf jeden Fall spannender werden, als es die Saison 2022/ 23 war. In den nächsten Wochen müssen die Verantwortlichen schnellstens die Kurve bekommen, sodass die Fohlen auf dem Platz wieder erfolgreichen Zeiten entgegenblicken. Dieser Prozess benötigt Zeit, dessen sind sich wahrscheinlich alle bewusst. Mit den richtigen Entscheidungen und Lösungen gelingt es der Führung sicherlich auch, die Fans wieder komplett auf ihre Seite zu ziehen und ein Kollektiv zu bilden. Denn welche Wucht Borussia nach wie vor hat, stellte sich nach Abpfiff des Augsburg-Spiels einmehr mehr unter Beweis: Das komplette Stadion sang ‘die Seele brennt’. Szenen, wie wir uns so wieder öfter wünschen…

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