Joshua Holtby: »Borussia war mein Leben. Ich werde weiter Fan sein«

Joshua Holtby beendete mit 27 Jahren seine Karriere bei der Borussia. Foto: Heiko van der Velden/amafuma.de

Mit nur 27 Jahren hat Joshua Holtby seine Profi-Karriere beendet. Bei Borussia Mönchengladbach, dort wo alles begann, wurde sein Vertrag nicht verlängert. Und da es für ihn nur ‚Borussia oder nichts’ hieß, hat sich Holtby, nicht ganz unfreiwillig, für einen neuen Weg im ‚normalen‘ Leben entschieden. Der gebürtige Erkelenzer will beim SF Uevekoven wieder das haben, was er zuletzt verloren hat: Spaß am Fußballspielen.

Es war schon eine überraschende Meldung, die Joshua Holtby da am 19. Juni 2023 über seinen Instagram-Account vermeldete: »Heute ist der Tag, an dem ich meinen Ruhestand aus dem Leben als Profifußballer verkünde und an dem ein neues Kapitel beginnen wird.«

»Nach 8 Jahren Blut, Schweiß und Tränen bin ich jetzt an einem Punkt im Leben, an dem ich wichtige Entscheidungen treffen muss, was die Zukunft meiner Familie und meine eigene Zukunft angeht«, so Holtby weiter.

Eine Verlängerung nur für ein Jahr war keine Option

Eine Zukunft, die SF Uevekoven in der Bezirksliga und eben nicht mehr Profifußball heißt. Allerdings macht Holtby keinen Hehl daraus, dass er gerne weiter bei Borussia gespielt hätte. Bei seinem Herzensklub, bei dem 2002 alles begonnen hatte. »Ich habe mich bei Borussia immer sehr wohlgefühlt und hatte auch an der Rolle als älterer Spieler sehr viel Spaß. Man wollte auch mit mir verlängern, aber nur für ein Jahr und in der Rolle, dass ich der vierte ältere Spieler sein werde. Das war dann keine Option für mich, weil ich nicht wollte, dass ich dann unter der Saison gefrustet bin, weil ich nicht spiele und der Mannschaft nicht helfen kann«, begründet der 27-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion.

»Und dann muss man auch ehrlich sagen, dass ich keine anderen Angebote hatte. So habe ich mich dann für das Karriereende und einen anderen Wege entschieden. Ich kann mit der Entscheidung gut leben, auch wenn es schade ist, dass mein Weg als Profifußballer jetzt zu Ende ist«, so Holtby. »Borussia war mein Leben. Ich bin seit Kindheitstagen ein großer Borussia Mönchengladbach-Fan. Der Klub hat mir immer viel bedeutet. Und deshalb tut es auch etwas mehr weh, dass das Ende so gekommen ist, wie es gekommen ist. Ich bin aber sehr dankbar für die Zeit und werde weiter auch Fan sein.«

Eines Tages in der Weisweiler Elf aktiv?

Zukünftig wird Holtby also in der Bezirksliga beim SF Uevekoven ‚kicken‘. »Ich will einfach wieder Spaß am Fußball haben und ihn lieben. Das ist mir in den letzten Jahren auch aufgrund der ganzen Umstände abhanden gekommen«. Und womöglich sieht man Holtby dann auch alsbald mal in der Weisweiler Elf. »Ich weiß nicht, ob ich qualifiziert wäre, dort spielen zu dürfen. Da spielen viele Legenden. Spieler, denen ich früher zugeschaut habe. Ich hätte auf jeden Fall Spaß daran. Mal schauen, ob da einer auf mich zukommt.«

Rückblickend auf seine Karriere ist Holtby zufrieden. »Ich durfte mit Fußball meinen Lebensunterhalt verdienen und meinen Traum Leben. Es waren gute und weniger gute Erfahrungen dabei. Ich habe viel gelernt und glaube schon, dass ich grundlegend alles wieder genauso machen würde.«

»ich glaube, dass andere im jungen Alter auffälliger, stabiler und einfach besser waren«

Bei der Frage, warum es denn nicht wie bei seinem Bruder Lewis zu Einsätzen oberhalb der Regionalliga gereicht hat, ist der 27-Jährige ehrlich zu sich selbst. »Mein Bruder war schon in früheren Jahren besser und noch fleißiger als ich. Er ist mit 17 Jahren Profi und sehr jung Nationalspieler geworden. Daran sieht man, wie viel Qualität er besitzt«, befindet Holtby. »Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, dann hatte ich in der U19 einfach nicht die Qualität, um fest bei den Profis mitspielen zu dürfen. Ich war und bin immer von mir überzeugt und habe meine Leistungen gezeigt, aber ich glaube, dass da andere im jungen Alter auffälliger, stabiler und einfach besser waren und dass das Gesamtpaket einfach nicht ausreichend genug war. Da muss man dann ehrlich zu sich sein und man muss damit umgehen können.«

Den Trainer und/oder Manager Holtby wird es erstmal nicht geben

Anders als manch anderer Ex-Profi strebt Holtby aktuell keine Karriere als Manager oder Trainer an. »Es war eigentlich mein Ziel, bei Borussia zu bleiben und meine Trainerscheine zu machen. Das geht nun nicht mehr und so werde ich mich zumindest in naher Zukunft auf andere Dinge konzentrieren«. Holtby, der mit seiner Familie in Düsseldorf lebt, wird eine Umschulung zum Groß- und Außenhandelskaufmann absolvieren.

Ansonsten wird Holtby die Zeit mit der Familie genießen und als Fan weiter auf die Borussia schauen. Und was traut er den Fohlen in der kommenden Spielzeit zu? »Gerardo Seoane hat in Bern und Leverkusen super Jobs gemacht. Zuletzt lief es dann dort nicht mehr so gut. Aber ich glaube schon, dass er ein guter Trainer ist«, sagt Holtby. »Er hat einen großen Umbruch mit einigen jungen Spielern zu bewältigen. Deshalb ist es schwer, da eine Prognose abzugeben. Ich bin gespannt, was Borussia in der neuen Saison zeigen wird und schaue als Fan zu.«

»Was mich stört ist, dass es ein Business geworden ist«

Dass unterdessen Eugen Polanski als Nachfolger von Farke im Gespräch war, wundert Holtby nicht. »Auf keinen Fall. Im Seniorenbereich hatte ich letztes Jahr in Eugen Polanski einen sehr guten Trainer. Ich finde, dass er eine super Ansicht davon hat, wie man Fußball spielt. Er ist noch ein sehr junger Trainer«. »Er kann natürlich, wie er ja auch selbst sagt, noch viel lernen kann. Aber ich finde trotzdem, dass er einen super Job macht. Er wird seinen Weg gehen.«

Der Weg in Bezug auf den Profifußball ist für Joshua Holtby indes zu Ende, ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Zum Schluss hat Holtby noch einen Wunsch. »Ich finde, dass sich der Fußball allgemein super entwickelt hat, Aber was mich stört ist, dass es ein Business geworden ist«, bemängelt er. »Die Menschlichkeit wird oftmals außer Acht gelassen. Man wird in Ester Linie als Nummer und Spieler, nicht als Mensch gesehen. Das stört mich ein bisschen, ist traurig und schade. Ich hoffe, dass sich das wieder ändert und auch die persönliche Note wieder mehr in den Vordergrund rückt.«

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