Tobias Sippel vertrat Yann Sommer nach dessen Roter Karte ab Minute 15. Foto: Dirk Päffgen.

Mit 2:2-Unentschieden trennte sich Borussia Mönchengladbach von Hertha BSC Berlin. Und der Punkt ist am Ende auch verdient, musste man doch 75 Minuten in Unterzahl spielen und dabei zunächst einem Rückstand hinterherlaufen. Marcus Thuram und Lars Stindl trafen für die Fohlenelf, bei der Yann Sommer die Rote Karte gesehen hatte. 

Borussias Trainer Marco Rose musste in der Bundeshauptstadt weiterhin auf Mamadou Doucouré, Torben Müsel und Julio Villalba (alle Aufbautraining), Jonas Hofmann (Covid-19) und auch auf Nico Elvedi verzichten (Wadenprobleme) verzichten. Auf der anderen Seite stand Ramy Bensebaini nach seiner abgesessen Gelbsperre wieder zur Verfügung. Und der Algerier begann auch gleich von Beginn an und bildete mit Matthias Ginter und Denis Zakaria die Dreierabwehrkette. Jordan Beyer musste dafür auf die Bank, Oscar Wendt rückte dafür einen nach vorne. Zudem musste im Vergleich zum Sieg gegen Freiburg neben Beyer auch Hannes Wolf auf die Bank.

Kurtz nach dem Anpfiff die erste Schecksekunde für die Borussen, als Plea nach einem Zusammenprall mit Zeefuik kurzzeitig liegen bleib. Doch der Franzose, seit Januar ohne Ligatreffer, konnte Gott sei Dank weitermachen (1.). Drei Minuten später der erste schöne Angriff mit Thuram, doch Stark hatte aufgepasst und lenkte den Angreifer vom Tor weg (4.). Dann gab den ersten Guendouzi Warnschuss für die Hertha ab, aber Sommer war da (6.). Gleiches galt beim Schuss von Cunha (8.).

Erst kein Strafstoß für Borussia, dann Rot für Sommer

Drei Minuten dann eine knifflige Situation im Strafraum. Thuram und Stark gingen nach Kampf um den Ball beide zu Boden, Schiedsrichter Ittrich entschied auf kein Foul an Thuram. Auch aus dem ‚Kölner Keller‘ gab es da keine Beanstandung (10.).

Wiederum drei Minuten später gab es glatt Rot für Yann Sommer. Der Keeper hatte Córdoba nach einem langen Ball vor dem Strafraum abgeräumt. Ein Foulspiel war es allemal, das hätte ohne Zweifel Gelb gegeben. Ob es aber das klare Verhindern einer Torchance (Córdoba driftete nach Außen) war und dementsprechend Rot, darf diskutiert und durchaus angezweifelt werden.

Hertha nutzt die Überzahl zur Führung, Borussia antwortet schnell

Wie dem auch sei: Ab Minute 17 spielten die Borussen mit einem Feldspieler weniger, Tobias Sippel stand zweifachen den Pfosten und Marco Rose hatte auf Viererkette umgestellt. Viel konnte die Hertha aus der Überzahl zunächst nicht machen – bis zur 23. Minute. Córdoba bediente Ascacibar am Strafraum. Der Argentinier zog ab und versenkte den noch leicht abgefälschten Ball zum 1:0 in den Maschen (23.).

Bitter für die Borussen, die aber nur vor Minuten später zurückschlugen. Thuram schickte Plea mit einem perfekten Pass auf die Reise. Der Franzose drang von Albrechts in den Strafraum ein, umspielte Schwolow und schob zum 1:1 ein (27.).

Stindl trifft vom Punkt zur Führung

Ein Ausgleich zur richtigen Zeit, denn Hertha war nach der Führung am Drücker. Doch dann drehten die Borussen das Spiel komplett. Nach einem tollen Angriff passte Plea gen ein die Tiefe zu Thuram, der von Stark im Strafraum nur mit einem Foul zu stoppen war – klarer Fall von Elfmeter. Stindl übernahm die aufgäbe und versenkte die Kugel sicher zur 2:1-Führung (38.). Mit diesem Ergebnis ging es dann zum Pausentee. Nach ereignisreichen ersten 45 Minuten konnten die Borussen in Unterzahl also erstmal durchschnaufen.

Hertha kommt früh zum Ausgleich

Zum zweiten Durchgang schickte Rose seine Elf unverändert auf den Rasen, während sein Gegenüber Pál Dardai gleich dreimal wechselte. Córdoba gehörte nicht zu den eingewechselten, besorgte für die neuformeirte ‚Alte Dame‘ aber früh den Ausgleich. Ascacibar zog aus der Distanz ab, Sippel wehrte den komplizierten Schuss zur Seite ab, wo eben Córdoba lauerte und zum 2:2 einschob (49.). In Köln wurde der Treffer nochmals auf eine mögliche Abseitsstellung überprüft – was nervig lange dauerte – doch der Treffer zählte (49.). Zehn Minuten später ein unangenehmer Flatterball von Guendouzi, den Sippel mit einem starken Reflex entschärfte (60.). Kurze Zeit später nahm Rose den ersten Wechsel vor und brachte Lazaro für Stindl.

Kein Elfmeter für die Fohlen!?

Unterdessen zog die ‚Alte Dame‘ die Zügel an und wollte den Dreier. Die Hertha feuerte nahezu aus allen Lagen, aber ohne Erfolg. Nach etwas über einer Stunde stand es nach Torschüssen 20:6 (9:1 nach der Pause) für die Gastgeber, doch weiterhin stand es 2:2. Und das auch weil, die Borussen tief standen und den Laden dicht hielten. Achtzehn Minuten vor Schluss dann eine strittige Entscheidung, bei der es durchaus Elfmeter für die Fohlen hätte geben können, ja wenn nicht müssen. Plea steckte in den Strafraum durch zu Thuram, der von Klünter im Zweikampf zu Boden gebracht wurde. Klünter hatte Thuram klar mit der Hand das Standbein weggezogen. Itrrich ließ aber weiterspielen und auch der Videoassistent in Köln sah keine klare Fehlentscheidung und griff demzufolge nicht ein – unverständlich (75.).

In der Schlsusphase war Hertha dem Siegtreffer ein Stück näher als die Borussen, doch die hielten mit vereinten Kräften dagegen und brachten schlussendlich das Remis über die Zeit. So stand am Ende ein Punkt, den sich die Borussen durch eine tolle Moral und Kampfeswillen auch verdient haben. Sicherlich hätte ein Sieg gutgetan, aber in Anbetracht der Umstände kann man den Punkt mal mitnehmen. Wenngleich es auch Situationen gab, in denen das Schiedsrichterteam alles andere als zugunsten der Borussen gepfiffen hat… 

Die Kurzstatistik zum Spiel:

Hertha BSC Berlin: Schwolow – Klünter, Stark, M. Dárdai – Zeefuik (46. Radonjic), Ascacibar (57. S. Khedira), Guendouzi, Mittelstädt  (46. Plattenhardt)- Lukébakio (46. Piatek), Matheus Cunha – Córdoba

Weiter im Kader: N. J. Körber (ETW), Alterte, Pekarik, Torunarigha, Leckie

Borussia Mönchengladbach: Sommer – Ginter, Zakaria, Bensebaini (77. Hermann) – Wendt (17. Sippel), Neuhaus, Kramer, Lainer – Stindl (60. Lazaro), Plea – Thuram (77. Embolo)

Weiter im Kader: Beyer, Jantschke, Lang, Wolf, Traoré

Tore: 1:0 Ascacibar (23.), 1:1 Plea (27.), 1:2 Stindl (38., Foulelfmeter), 2:2 Córdoba (49.)

Gelbe Karten: Zeefuik, Mittelstädt / Kramer

Bes. Vorkommnis: Keine

Schiedsrichter: Patrick Ittrich (Hamburg)

Zuschauer: Keine (Olympiastadion Berlin)