Lars Stindl traf dreifach in Frankfurt und rettete dem VfL einen Punkt. Archivfoto: Dirk Päffgen.

Borussia Mönchengladbach geht auf der Zielgeraden des Jahres 2020 die Puste aus, das war in Frankfurt erkennbar. Doch dank des Dreierpacks von Lars Stindl und einer großen Moral ergatterte die Fohlenelf bei Eintracht Frankfurt beim 3:3-Remis in letzter Minute noch einen Punkt. 

Borussias Trainer Marco Rose musste im letzten Bundesliga-Auswärtsspiel weiterhin auf Ramy Bensebaini (positiver Covid-19-Test) und Jonas Hofmann (Aufbautraining nach Muskelbündelriss) verzichten. Dafür konnte Yann Sommer nach seinen Adduktorenproblemen wieder mitwirken und stand natürlich zwischen den Pfosten.

Dazu warf Rose die Rotationsmaschine an und ändere seine Startformation im Vergleich zum Remis gegen Hertha BSC Berlin auf sechs weitere Positionen: Valentino Lazaro, Denis Zakaria, Florian Neuhaus, Ibrahima Traoré, Patrick Herrmann und Breel Embolo machten Platz für Stefan Lainer, Christoph Kramer, László Bénes, Lars Stindl, Marcus Thuram und Alassane Plea.

Stindl belohnt guten Start mit einem Sahnetor

Die in Weiß spielende Fohlenelf ging gleich entschlossen in die Partie und setzte Nadelstiche. Erst setzte Wolf zum Sturmlauf an, wurde dann aber von Hinteregger gestoppt (1.), ehe Kramer im Anschluss an einen Freistoß geblockt wurde (2.). Eine Minute später hatte Ginter die Chance zur Führung, verzog nach Zuspiel von Thuram aber deutlich (3.).

Es war ein guter Beginn der Borussen, die gleich zeigte, in Frankfurt gewinnen zu wollen. Mit viel Ballbesitz ausgestattet suchte man den Weg nach vorne. Daran wurde Bénes nach einer knappen Viertelstunde von Hasebe gehindert. Stindl übernahm die folgende Freistoß-Aufgabe, zirkelte die Kugel aus 22 Metern um die Mauer herum ins rechte Eck – 1:0 für den VfL (14.)!

Silvas Doppelpack dreht das Spiel

Ein tolles Tor von Stindl, über das man sich aber nicht lange freuen konnte. Denn acht Minuten später traf Silva zum 1:1. Lainer blockte einen Schuss von Hinteregger im Strafraum mit der Hand, Schiedsrichter Cortus zeigte auf den Punkt. Von dort aus verlud André Silva Sommer und schob zum Ausgleich ein (22.). Und zwei Minuten später war die Partie dann komplett gedreht. Nach einem schnell ausgeführtem Freistoß hebelte Barkok die Borussen-Abwehr mit einem langen Ball auf Silva aus. Der Portugiese zeigte allein vor Sommer keine Nerven und schloss trocken zum 2:1 ab (24.).

Barkok mit der Vorentscheidung 

Da war die Fohlenelf in der Defensive alles andere als wach. Und die haarsträubenden Abwehrschnitzer setzten sich fort. Der nächste davon wurde durch die Eintracht erneut eiskalt bestraft. Bénes leistete sich einen Fehlpass, den sich die SGE sofort schnappte. Silva lief auf die Abwehrkette der Gladbacher zu und bedient Barkok, der zum Solo ansetzte. Geschickt verzögerte er den Abschluss, ließ so neben Elvedi und Ginter auch Sommer ins Leere rauschen und vollendete zum 3:1 (32.).

Es warne erneut zwei kapitale Böcke der Fohlenelf, die die Eintracht nutzte und nun mit zwei Toren Vorsprung 3:1 in Front lag. Und die Borussen? Denen hatte der Rückstand sichtlich zugesetzt, das war klar zu erkennen. Es ging wenig in der Offensive, abgesehen vom Doppel-Versuch von Thuram (35., 36.). Die Borussen suchten nach der passenden Antwort, bis zur Pause gelang die aber nicht mehr – weil die Fohlenelf sichtlich angezählt war. Nach einer mehr als guten Anfangsphase bekam die Fohlenelf nach den beiden Toren innerhalb von 180 Sekunden den Zahn gezogen. 

Rose reagierte und nahm zum zweiten Durchgang gleich zwei Wechsel vor: Lazaro und Zakaria kamen für Wolf und Bénes. Fünf Minuten nach Wiederanpfiff war dann Plea alleine auf dem Weg zum Anschlusstreffer, wurde aber aufgrund einer korrekten Abseitsstellung zurückgepfiffen (51.). In dieser Phase hatten die Borussen zwar mehr Ballbesitz, lagen aber noch zurück, weil die SGE aus weniger mehr machte.

Auf der Gegenseite war anzusehen, dass den Borussen Körner fehlten, um dem Spiel noch eine entscheidende Wende geben zu können. Rose brachte dann Embolo für Plea, der angeschlagen vom Platz musste (63.). Doch auch mit dem zuletzt erfolgreichen Schweizer gab es wenige Anzeichen für ein Comeback in die Partie für den VfL.

Frankfurt hatte wenig Mühe, den Vorsprung zu verwalten und hielt die Borussen weg von ihrem Tor. Unterdessen hatten die Hessen die Möglichkeit auf das vierte Tor, doch Ex-Borusse Younes traf die Kugel nicht richtig und schoss freistehend am Winkel vorbei (64.). Drei Minuten später hatte Sommer mit dem Abschluss von Abraham wenig Mühe (67.).

Lars Stindl rettet Borussia einen Punkt

Auch in der Schlussviertelstunde ging bei den Borussen zunächst nicht mehr viel. Und das, obwohl man nach dem Platzverweis von Abraham mit einem Feldspieler mehr spielte. Doch dann verwandelte Stindl nach einem Foul an Embolo so gerade einen Elfmeter und brachte die Borussen in der Schlussminute noch einmal heran. Die Fohlen quetschten dann nochmal alles aus sich heraus und kamen in der sechsten Minute der Nachspielzeit doch noch zum Ausgleich. Traore brachte die Kugel ins Zentrum, wo Stindl komplett frei stand. Seinen Kopfball aus acht Metern parierte Trapp noch, im Nachsetzen war Stindl abermals zur Stelle und köpfte bedrängt von mehreren Frankfurtern zum 3:3-Ausgleich (90.+5).

Kurze Zeit später war Schluss in Frankfurt. Mit großem Willen und Moral hatten die Borussen einen nicht mehr für möglich gehaltenen Punkt ergattert. Der Akku ist leer, dennoch haben sie am Ende alles aus sich herausgequetscht und sich dafür belohnt – das ist toll und nötigt Respekt ab.

Die Kurzstatistik zum Spiel:

Eintracht Frankfurt: Trapp – Abraham, Hasebe, Hinteregger – Durm, Sow, Rode, Kostic – Barkok, Younes (71. Kohr) – Silva (83. Ilsanker)

Weiter im Kader: Schubert (ETW), Chandler, da Costa, Tuta, IKamada, Zuber, Dost

Borussia Mönchengladbach: Sippel – Lainer, Ginter, Elvedi, Wendt (82. Traoré) – Kramer, Bénes (46. Zakaria) – Stindl – Wolf (46. Lazaro), Thuram – Plea (63. Embolo)

Weiter im Kader: Sippel (ETW), Jantschke, Lang, Poulsen

Tore: 0:1 Stindl (14.), 1:1 Silva (22., Handelfmeter), 2:1 Silva (24.), 3:1 Barkok (32.), 2:3 Stindl (90.), 3:3 Stindl (90.+5)

Gelbe Karten: Hasebe, Abraham, Kohr, Rode / Lainer, Zakaria, Embolo

Gelb-Rote Karte: Abraham (81. wiederholtes Foulspiel)

Bes. Vorkommnisse: Keine

Schiedsrichter: Benjamin Cortus (Nürnberg)

Zuschauer: Fehlanzeige (Deutsche Bank Park)