Marcus Thuram sah völlig zurecht die Rote Karte, seine Aktion war mehr als daneben. Foto: Dirk Päffgen

Borussias Niederlage im letzten Heimspiel des Jahres gegen Hoffenheim war ebenso unnötig wie die ekelhafte Spuck-Aktion von Marcus Thuram. Der Platzverweis des Franzosen war definitiv der berühmte Genickbruch in der Partie und brachte die Fohlen auf die Verliererstraße. Nach Schlusspfiff meldete sich Thuram via Instagram zu Wort. 

Borussia Mönchengladbach und die Schlussphase eines Fußballspiels, diese Beziehung wurde auch im letzten Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim wieder ganz besonders auf die Probe gestellt. Zwar führten die Fohlen bis zur 75. Minute 1:0, doch wirklich sattelfest wirkte das nicht mehr, es lag ein Treffer in der Luft. Und es kam, was in dieser Saison wie so oft kommen musste: Borussia kassierte einen Treffer. 

»Uncool und asozial«

Ab diesem Zeitpunkt entglitt der Fohlenelf zunehmend die Partie, Marcus Thuram bescherte seiner Mannschaft den endgültigen Genickbruch. Was dem Franzosen in jener 79. Minute durch den Kopf gegangen ist, ist wohl für einen Außenstehenden nur schwer begreifbar. Der 23-Jährige spuckte seinem Gegenspieler Stefan Posch aus wenigen Zentimetern ins Gesicht, eine ekelhafte Szene. In Zeiten von Corona bekommt das ganze nochmals einen ganz anderen, faderen Beigeschmack. 

»Spucken ist so eine Unart von uns Fußballern und auch von mir. Das sieht uncool aus und ist asozial, das muss man einfach mal so sagen«, bezog Christoph Kramer nach Spielende deutlich Stellung. Der Weltmeister von 2014 entging unter der Woche einem Verfahren des DFB, weil er in Richtung seines Gegenspiels gespuckt hatte, dieser aber doch noch weit entfernt war. 

Kramer weiter: »Die Aktion von Thuram geht nicht, da müssen wir nicht drüber reden. Insgesamt sieht das sehr bitter aus. Allgemein haben wir uns als Fußballer das Spucken angewöhnt, das sieht nicht schön aus und wir haben damit auch nicht die beste Vorbildfunktion. So eine Aktion ist nur schwer zu erklären«. Der 29-Jährige bezog also klar Stellung zur unnötigen und ekelhaften Aktion von Marcus Thuram. 

Rose entschuldigt sich im Namen von Borussia 

Marco Rose ging nach Spielende in die Offensive und entschuldigte sich bei Stefan Posch und der TSG Hoffenheim. »Im Namen des Vereins und persönlich als Trainer möchte ich mich für den Vorfall um Marcus Thuram und die Rote Karte entschuldigen. Sowas gehört nicht auf den Fußballplatz. Das ist weit über alle Grenzen hinausgegangen und gehört sich nicht«, so Borussias Trainer. 

Erklären konnte sich aber auch Rose die Aktion nicht, denn »Thuram ist ein feiner Spieler und Mensch, er ist sehr reflektiert und sehr gut erzogen«. Ein Erklärungsversuch: »Ihm sind in dieser Szene möglicherweise die Sicherungen durchgebrannt«. Intern wird der Vorfall sicherlich noch aufgearbeitet werden, beziehungsweise er muss aufgearbeitet werden. Der Imageschaden für den Verein ist jetzt schon riesengroß, den sportlichen Schaden werden die Fohlen auch noch zu spüren bekommen. Denn der ‚Übeltäter‘ Thuram wird Borussia wohl wochenlang fehlen und zudem noch mit einer Geldstrafe sanktioniert werden. 

Thuram meldet sich zu Wort 

Der Franzose selbst meldete sich auch noch am Abend via Instagram zu Wort. »Heute ist etwas vorgefallen, das nicht meinem Charakter entspricht und niemals passieren darf. Ich habe einem Gegenspieler gegenüber falsch reagiert und etwas ist versehentlich und nicht absichtlich passiert. Ich entschuldige mich bei allen: Bei Stefan Posch, der TSG Hoffenheim, bei meinen Mitspielern, bei meiner Familie und allen die meine Reaktion miterlebest haben. Natürlich werde ich alle Konsequenzen akzeptieren«, so Thuram in dem sozialen Netzwerk. 

Sicherlich eine starke Geste, dass sich der 23-Jährige noch am Abend zu Wort meldete. Allerdings betont er, seinem Gegenspieler »versehentlich« ins Gesicht gespuckt zu haben. Bei allem Respekt, aber so etwas passiert nunmal nicht aus Versehen, sondern mit voller Absicht. Sebastian Hoeneß, Trainer von Hoffenheim, nahm jedenfalls auf der Pressekonferenz die Entschuldigen von Marco Rose an. »Die Entschuldigung von Marco Rose für die Szene um Marcus Thuram nehme ich stellvertretend für den Verein an. Es ist allerehrenwert, diese öffentlich auszusprechen.«

Spiel nach Platzverweis entschieden 

Fußball gespielt wurde übrigens am Samstagnachmittag auch noch, doch das geriert nach der Unsportlichkeit von Thuram fast schon in den Hintergrund. »Wir müssen nicht darüber reden, dass es mit zehn Spielern ein anderes Spiel ist. Wir bekommen die Räume nicht mehr zu und wir sind schon darauf ausgelegt, dass wir so wie jede andere Mannschaft elf Spieler haben«, erklärte Kramer. 

Letztlich mussten die Fohlen mit einer Niederlage leben die unnötig war, denn die TSG war bis zum Ausgleich nicht wirklich im Spiel drin. Vor allem nach der ersten Halbzeit war die knappe Führung viel zu wenig, Borussia verballerte wieder einmal beste Chancen. »Ich denke, das war eine unnötige Niederlage, wenn man sieht, wie wir in der ersten Halbzeit angetreten sind. Wir haben uns riesige Chancen herausgespielt, waren überlegen und habe viele Bälle gewonnen. Wir hätten bereits in der ersten Hälfte den Deckel draufmachen und mit einem zwei oder drei zu null in die Pause gehen können«, fand auch Valentino Lazaro. 

Der Österreicher spielte für Oscar Wendt als Linksverteidiger und machte seine Aufgabe sehr ordentlich, setzte immer wieder Akzente nach vorne und stand auch defensiv sehr stabil. Durch den Platzverweis von Thuram hat »Hoffenheim mehr Luft bekommen und wir hatten den Gedanken im Kopf, dass wir schon wieder Punkte hergeschenkt haben«. 

Hohe Belastung keine Ausrede 

In den letzten Tagen und Wochen wirkten die Fohlen sichtlich angeschlagen und scheinen bei weitem nicht mehr die nötige Frische zu haben. Als Ausrede wollte Christoph Kramer das aber nicht gelten lassen. »Hoffenheim hat wie wir auch viele Spiele in den Knochen. Die Belastung darf gegen einen Gegner, der die gleiche Belastung hat, keine Ausrede sein. An der Fitness mangelt es nicht«, stelle Kramer klar. Auch Lazaro fand, dass »die intensiven Wochen keine Ausrede« sein dürfen. 

Marco Rose sieht »im neuen Jahr eine Menge Arbeit« auf sich und seine Mannschaft zukommen. Die Fohlen müssen in der Bundesliga schleunigst wieder in die Spur kommen. Eine gute Gelegenheit vor dem Jahreswechsel nochmal Selbstvertrauen zu tanken ist sicher das Spiel im DFB-Pokal bei der SV Elversberg. »Danach sind ein paar besinnliche und ruhige Tage für den Kopf und auch für die Beine sicherlich mal für alle ganz gut«, brachte es Christoph Kramer wieder einmal auf den Punkt…