André Hahn, hier noch im VfL-Dress, kommt mit dem FCA in den Borussia-Park. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de

Von 2014 bis 2017 spielte André Hahn bei Borussia Mönchengladbach. In dieser Zeit trug der Offensivmann in 95 Pflichtspielen das Borussen-Jersey und erzielte 19 Tore. Am Samstag kommt der 30-Jährige nun mit dem FC Augsburg in den Borussia-Park und spricht im Vorfeld des Duells unter anderem über seine Zeit in Gladbach, Zukunftspläne und die kommende Partie.

Fohlen-Hautnah: André, zunächst einmal vielen Dank, dass Du Dir für unser Magazin die Zeit nimmst. Wir hoffen, Dir und Deiner Familie geht es gut und alle sind gesund…

André Hahn: Uns geht es wirklich allen gut, es ist alles so, wie es sein soll. Die Zeit ist zwar nicht so schön, aber Hauptsache alle sind gesund. 

Fohlen-Hautnah: Wie gehst Du denn mit den Corona-Regeln außerhalb des Fußballplatzes um und wie seht Ihr als Familie die Maßnahmen, die in Bezug auf Weihnachten und Silvester im Raum stehen?

André Hahn: Natürlich ist es gerade nicht leicht, dass man eingeschränkt ist. Es muss aber nunmal sein, wir halten uns alle an die Regeln. Wir passen mit allem ein bisschen auf und gehen auch nur noch einmal pro Woche einkaufen. Auch Treffen mit Freunden haben wir sehr, sehr begrenzt. Wenn treffen wir uns nur mit einem befreundeten Pärchen, damit die Kinder mal spielen können. Die Familie sehen wir sehr selten, auch weil die Eltern meiner Frau zur Risikogruppe gehören. Wir haben alles auf ein Minimum runtergefahren. 

Fohlen-Hautnah: Inwiefern wird die Pandemie Deiner Meinung nach denn unser Leben und auch den Fußball verändern? 

André Hahn: Das ist schwer zu sagen, eine Aussage wäre sehr spekulativ. Man wird es erst merken und sehen, wenn es soweit ist. Natürlich ist es schöner, vor ausverkauften Haus zu spielen und wir vermissen die Fans, aber man muss die Sache ernst nehmen und jeder sollte dafür Verständnis haben. Wir wollen das alle schnell hinter uns bringen, dafür müssen wir alle an einem Strang ziehen. Natürlich wird sich das alles aber auf die Gehälter und auch Transfersummen auswirken, denn den Vereinen fehlen Einnahmen. Aber wie es letztlich kommt, müssen wir abwarten und wird die Zeit zeigen. 

Fohlen-Hautnah: Der FCA rangiert nach 7 Spieltagen auf dem 10. Platz. Ist das genau die Region, wo der Klub sich sieht oder andersherum gefragt: Was traust Du euch zu?

André Hahn: Wir haben eine riesige Qualität und unser Ziel ist es, den Klassenerhalt schnellstmöglich fix zu machen. Wir haben schon die ersten zehn Punkte gesammelt, die am Ende sehr wichtig sind. Wir wollen dort weitermachen und so schnell es geht, die nötigen Punkte zusammen haben, damit wir mit der unteren Region nichts zu tun haben. Natürlich müssen wir aber erstmal abwarten, wie die Hinrunde weiter verläuft. Ich traue uns auf jeden Fall zu, dass wir um Platz 10 mitspielen können. Wenn wir im Winter dort immer noch stehen und auch noch nach oben etwas angreifen können, dann machen wir das auch. Aber zuerst geht es für uns und den Verein um den Klassenerhalt. Umso näher wir an der oberen Tabellenhälfte sind, umso schöner ist das für uns.

Fohlen-Hautnah: Unterdessen hast Du mit Augsburg hast Du den zweitbesten Saisonstart der Vereinsgeschichte hingelegt. Wie selbstbewusst kommt der FCA denn am Samstag nach Mönchengladbach?

André Hahn: Wir wissen um die Qualität, die wir haben und was wir können, das konnten wir in dieser Saison schon oft unter Beweis stellen. Natürlich haben wir eine breite Brust und kommen nicht nach Gladbach, um uns hinten reinzustellen. Wir wollen etwas aus Mönchengladbach mitnehmen, dafür stehen wir auf dem Platz und dafür spielen wir Fußball. Dass es ein schwieriges Spiel wird und Gladbach gut drauf ist, das wissen wir auch. Ich bin davon überzeugt, dass unser Trainerteam uns gut einstellen wird und dass wir die richtigen Mittel finden werden. 

Fohlen-Hautnah: Am starken Saisonstart hattest auch Du einen großen Anteil: 3 Tore, 1 Vorlage und jüngst gegen Mainz ein Doppelpack. Es läuft also. Was ist aktuell Dein Erfolgsgeheimnis?

André Hahn: Bei mir persönlich läuft es gerade ganz gut, aber durch mich alleine haben wir die Punkte nicht geholt. Ich bin aber natürlich froh, dass ich der Mannschaften helfen konnte. Aktuell genieße ich die Zeit mit der Familie und ich bin vom Kopf her befreiter in die Saison gegangen und habe mich nicht zu sehr unter Druck gesetzt. Ich habe mir gesagt, dass die letzten Jahre zwar schwierig waren, aber ich vor allem die Ruhe bewahren muss. Ich weiß was ich kann, versuche Vollgas zu geben und dann wird meine Zeit kommen. Im DFB-Pokal und im ersten Bundesligaspiel habe ich direkt getroffen und dann kam meine Chance. Mein Erfolgsgeheimnis ist wahrscheinlich, dass ich befreit und vom Kopf her relaxt in die neue Saison gegangen bin. 

Fohlen-Hautnah: Heiko Herrlich vertraut Dir aktuell. Es scheint also, als wäre er genau der richtige Trainer für Dich…

André Hahn: Heiko Herrlich ist ein super Typ. Er ist zwar streng, aber man kann mit ihm sehr gut und ehrlich reden, er sagt einem immer die Meinung. Das mag ich persönlich sehr, denn dadurch weiß man wo man dran ist. Das berühmte Ding mit ‚Zuckerbrot und Peitsche‘ hat er sehr gut drauf. Ich denke, in seine Art und Weise, wie er Fußballspielen lässt und die Spielertypen, die er mag, passe ich gut rein. Ich spüre das Vertrauen vom Trainer und dem Trainerteam, dadurch fällt einem das Spiel auch leichter. 

Fohlen-Hautnah: Mit Tobias Strobl und Reece Oxford spielen mit Dir gleich drei Ex-Borussen in Augsburg. Inwiefern hilft das auf die Vorbereitung auf Samstag? Vor allem weil Tobias Strobl ja letzte Saison noch für Borussia kickte…

André Hahn: Natürlich ist es nicht schlecht wenn man jemanden hat, der den Verein und die Struktur noch kennt. Aber ich denke, dass es insgesamt kein riesiger Vorteil ist. Die Vereine machen in der Vorbereitung auf ein Spiel so einen guten Job, deshalb wird das keine große Rolle spielen. 

Fohlen-Hautnah: Dein Gastspiel in Hamburg dauerte nur ein Jahr, nun bist Du bereits seit zwei Jahren in Augsburg. Fühlst Du Dich dort jetzt zu Hause?

André Hahn: Ja, ich bin sehr schnell in Augsburg angekommen. Den Verein und die Strukturen habe ich noch aus meiner ersten Zeit gekannt, das macht die Sache natürlich leichter für mich. Ich kenne das Umfeld und die Stadt. Es ist immer schön, wenn man irgendwo hin kommt und sich auskennt. Ich fühle mich in Bayern wirklich sehr wohl und mir geht es hier sehr gut. Es passt soweit alles. 

Fohlen-Hautnah: Mal was anderes. Seit Jahren machst Du immer weißes Tape um Deine Handgelenke, es ist so etwas wie Dein Markenzeichen geworden. Was steckt da genau hinter? 

André Hahn: Eigentlich steckt da nichts Besonderes hinter. Damals in Oberneuland habe ich damit angefangen und habe das bei einem Mitspieler an einem Arm gesehen. Ich habe mir dann einfach mal beide getaped. Seitdem ging es mit meiner Karriere steil bergauf und ich habe es fortgeführt. Das war dann wie ein kleiner Glücksbringer für mich. Inzwischen ist es auch Routine geworden. Wenn ich das mal nicht mehr mache, fühle ich mich nackt an dem Arm. Wenn ich jetzt auf den Platz gehe und sehe, dass meine Handgelenke noch nicht getaped sind, dann muss ich das noch schnell machen. Ich fühle mich sonst einfach nicht wohl. 

Fohlen-Hautnah: Dein Vertrag beim FC läuft zwar noch bis Sommer 2022 – aber kannst Du dir vorstellen, nochmal zu verlängern und Deine Karriere in Augsburg zu beenden oder würdest du nochmal was anderes machen wollen? Es macht jedenfalls den Anschein, dass der FCA genau der richtige Klub für Dich ist…

André Hahn: Das liegt nicht nur an mir sondern auch am Verein und den Verantwortlichen. Aber ich habe auf jeden Fall vor, noch bis zum 34. oder 35. Lebensjahr Fußball zu spielen. Für mich wäre es sehr schön, in Augsburg zu verlängern. Die Familie und ich fühlen uns sehr wohl. Es passt alles, deshalb kann ich mir auch vorstellen zu verlängern. Aktuell versuche ich jedoch, meine Leistung zu bringen und der Mannschaft zu helfen und das zu geben, was ich kann. Alles Weitere liegt dann nicht mehr in meiner Hand. 

Fohlen-Hautnah: Apropos: Hast Du schon Ideen, wie es nach der Karriere weitergehen kann? 

André Hahn: Der Lebensmittelpunkt wird der Frankfurter-Raum sein, dort haben wir ein Haus gekauft und meine Frau kommt gebürtig aus der Region. Sobald mein ältestes Kind dort eingeschult wird, also in zwei Jahren, zieht sie mit den Kindern auch dorthin. Was ich genau nach der Karriere mache weiß ich noch nicht. Sicherlich habe ich zwei, drei Ideen, aber da ist noch nichts spruchreif. Man macht sich aber natürlich schon seine Gedanken, was man schon jetzt für die Zeit nach der Karriere aufbauen und vorarbeiten kann . 

Fohlen-Hautnah: Kommen wir mal zur Borussia. Seit Deinem Weggang aus Mönchengladbach hat sich dort viel getan. Wie bewertest Du die Entwicklung von Borussia und was traust Du ihr in dieser Spielzeit in der Liga und international zu?

André Hahn: Der Verein hat sich großartig entwickelt. Die Infrastruktur mit Hotel und Museum am Stadion ist schon großartig. Wir wissen auch seit Jahren, dass Max Eberl dort einen überragenden Job abliefert. Auch über den neuen Trainer Marco Rose höre ich nur Gutes, deshalb traue ich der Borussia eine Menge zu. Sie haben zwar die Doppelbelastung, aber dafür eine riesige Qualität im Kader. Ich wünsche der Borussia natürlich, dass sie in der Bundesliga möglichst weit oben steht, International weit kommt und drücke ihnen, außer am Samstag, immer die Daumen. 

Fohlen-Hautnah: Wie bewertest Du denn den Start in die Champions League? Im Vorfeld hat der Borussia angesichts der Gruppe niemand so recht etwas zugetraut, jetzt ist sie Tabellenführer. Hat Dich das überrascht, oder kann es sogar ein Vorteil sein, der Underdog zu sein?

André Hahn: Dass sie so gut starten, war eine kleine Überraschung. Dennoch wusste ich um die Qualität der Mannschaft und rechne auch nach wie vor damit, dass sie in der Gruppe weiterkommen können. Mit Gladbach hatte ich auch zwei Hammergruppen in der Champions League. Es hat immer Spaß gemacht, sich mit den Großen zu messen. Es ist immer ein Vorteil der Underdog zu sein und den Gegner zu überraschen. Mich freut es riesig, dass sie so gut in die Champions League gestartet sind und drücke nach wie vor die Daumen. Ich glaube schon, dass die Gruppe nach dem Start machbar ist. 

Fohlen-Hautnah: Wie schaust Du generell auf Deine Zeit bei den Fohlen zurück? Immerhin hast Du in 95 Pflichtspielen 19 Tore geschossen und 11 Vorlagen gegeben. 

André Hahn: Auf die Zeit schau ich sehr gerne zurück. Es waren grandiose Spiele dabei und die Mannschaft war super. An die Fans, das Stadion und das Umfeld schaue ich natürlich auch gerne zurück und rede auch gerne über diese Zeit. Dadurch verfolge ich Gladbach immer noch und schaue mit einem Grinsen und Freude auf die Zeit zurück. Ich habe nicht eine Sache, die ich nicht genossen habe und bin stolz, für Borussia gespielt zu haben. 

Fohlen-Hautnah: Zu wem aus der aktuellen Mannschaft pflegst Du denn noch Kontakt und gibt es vor dem Spiel auch mal so etwas wie eine Wette?

André Hahn: Ich habe zwischendurch mit Patrick Herrmann noch Kontakt, aber wir schließen keine Wetten ab. Sicherlich werden wir vor dem Spiel aber nochmal ein paar Nachrichten austauschen. Wir wollen beide drei Punkte haben und werden alles dafür geben. 

Fohlen-Hautnah: Bist Du Chris Kramer eigentlich noch böse, dass Du zu seinen Gunsten 2014 aus dem WM-Kader gestrichen wurdest?

André Hahn: Da bin ich ihm überhaupt nicht böse, wir haben danach ja sogar noch in Gladbach zusammengespielt. Es war weder seine Entscheidung, noch seine Schuld. Ich freue mich für ihn, dass er dieses Abenteuer und diese Erfahrung mitmachen durfte. Klar, ich wäre auch gerne dabei gewesen, aber wir spielen auf unterschiedlichen Positionen. Damit habe ich aber schon lange abgeschlossen. Aber ich freue mich, auch ihn am Samstag wiederzusehen. 

Fohlen-Hautnah: Wie ist das für Dich, schon seit längerem vor leeren Rängen spielen zu müssen und wie fandest Du die Pappfiguren-Aktion von Borussia? 

André Hahn: Ich fand die Idee ganz cool und habe tatsächlich überlegt, mir auch eine Figur zu holen. Natürlich bekommt man dadurch nicht die Atmosphäre ins Stadion zurück, aber es sieht nicht so leer aus. Ich fand es eine schöne Aktion und immer wenn man ein Gladbach-Spiel gesehen hat, hatte man ein kleines Schmunzeln im Gesicht. 

Fohlen-Hautnah: Wenn Du drei Wünsche frei hättest, was würdest Du dir wünschen? Egal ob privat oder im Fußball… 

André Hahn: Ich würde mir natürlich wünschen, dass meine Familie und ich lange gesund bleiben und Corona endlich verschwindet. Außerdem möchte ich noch lange und gesund auf dem Fußballplatz stehen. 

Fohlen-Hautnah: Abschließend noch eine Frage: Welche Schlagzeilen möchtest Du am Ende der Saison lesen? 

André Hahn: „Die Augsburger Überraschungsmannschaft hat eine grandiose Saison gespielt.“