Freudige und erleichterte Borussen nach dem Sieg in München. Foto: Ulrich Hufnagel / Hufnagel PR

Mit dem Sieg gegen den FC Bayern München ist Borussia Mönchengladbach erfolgreich in die Rückrunde gestartet. Die drei Punkte waren und sind wichtig und schön. Doch Grund zur Euphorie gibt es gewiss nicht. Der Sieg war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Jetzt gilt es dranzubleiben. 

Ohne Zweifel, Siege sind wohltuend und besonders schön, wenn man sich nicht gerade zwingend erwarten kann. So wie der Sieg von Borussia Mönchengladbach beim FC Bayern München nicht zwingend zu erwarten war. Im Münchner Schneetrieben haben die Borussen gezeigt, was sie in Sachen Laufbereitschaft, Einsatz- und Kampfeswillen im Stande sind zu leisten.

Zunächst nicht in die Gänge gekommen, haben sie aus einem Torschuss Kapital geschlagen und waren dann mutig gegen einen FC Bayern, der sich trotz einiger Ausfälle personell nicht hat schämen müssen. Es gibt wohl einige Trainer, dessen „2. Garde“ gerne so aussehen würde, wie die von Julian Nagelsmann, der an diesem Abend dennoch einige Nationalspieler auf dem Rasen hatte. Aber es hat etwas mit ihnen gemacht, als die Borussen binnen vier Minuten ein 0:1 in ein 2:1 gedreht hatten. Wenn Thomas Müller dann hinterher von einem unverdienten Sieg spricht, ist das wohl gekränkte Eitelkeit eines Rekordmeisters, der wohl gerne nicht gespielt hätte. Wer am Ende gewinnt, hat einiges richtig gemacht, der Verlierer eben nicht. 

Bayern war nachdenklich, die Borussen haben in der Folgezeit alles reingeworfen und haben auch mit dem Glück des Tüchtigen, einem starken Yann Sommer und ebenso starken Stefan Lainer den Sieg gemeinschaftlich nach Hause gebracht. Das war nicht zu erwarten, doch an diesem Abend hat es eben weitestgehend gestimmt bei den Fohlen. Dass dennoch immer Luft nach oben besteht, wissen die ‚Jungs‘ und Trainer Adi Hütter.

Was aber nachdenklich macht, ist das Auftreten von Marcus Thuram. Also Joker in die Partie gekommen zeigte der Franzose ebenso wenig Nachhaltiges wie einen Tag später im Test gegen Viktoria Köln. In München einem Ball nach Ballverlust mehr oder weniger hinterherzuschleichen, ist schon mehr als fragwürdig. Da darf die Frage erlaubt sein, ob er denn noch mit vollem Einsatz und Gedanken am linken Niederrhein oder schon woanders ist. Ebenso wie bei Matthias Ginter und Denis Zakaria muss Max Eberl auch bei Thuram ein klares Statement einfordern.

Solche, aber im positiven Sinne, haben die Comebacker Jordan Beyer und Tony Jantschke gegeben. Der ‚Fußballgott‘ zeigte sich mit all seiner Erfahrung und ließ auf seiner Seite kaum etwas anbrennen. Gleiches galt für Christoph Kramer, der im Mittelfeld mit für Ruhe und Akzente im Spielaufbau sorgte. Beyer erledigte seine Aufgabe solide.

Mit dem Sieg in München haben sich die Borussen nun etwas Luft und Ruhe verschafft. Da eine Schwalbe bekanntlich noch keinen Sommer macht, ist Obacht und scharfer Sinn weiter angesagt. Erfreulich und gut ist, dass die Protagonisten den Sieg und ihre Lage selbst richtig einschätzen und wissen, dass noch wenig erreicht ist und es vor allem Konstanz in der Leistung und im Punkten bedarf, um weiter nach vorne zu kommen.

Die kommenden Spiele sind Heimspiele gegen Leverkusen und Union Berlin. Dort müssen mindestens vier, ja eigentlich sechs Punkte her. Auch wenn die Unterstützung der Fohlen-Fans fehlen wird. Mit 22 Punkten sind es weiterhin nur vier Punkte auf Platz 16. Sechs auf den rheinischen Rivalen aus der Domstadt, der nach dem Sieg in Berlin auf Platz sechs geklettert ist.

Der Sieg in München war schön und wichtig zugleich, aber er muss bereits abgehakt und die Blicke nach vorne gerichtet sein. Jetzt muss man mit frischen Selbstvertrauen weiter dran ziehen und am kommenden Wochenende nachlegen. Sonst war dieser Sieg wenig wert. Dass das gegen Leverkusen ebenso nicht einfach wird, ist klar. Aber das war die Aufgabe in München – wie sowieso jede in der Bundesliga – auch nicht. Der Sieg in München war ein kleiner Schritt – jetzt müssen weitere folgen, um sich weiter nach oben zu schieben.