Marco Rose hat sich im Vorfeld intensiv mit Donezk beschäftigt. Foto: Dirk Päffgen

Die Schlagzahl in diesen Tagen und Wochen ist weiterhin hoch für Borussia Mönchengladbach. Bereits drei Tage nach dem Erfolg gegen RB Leipzig in der Bundesliga heißt es: Europa is calling. Und mit dem Auswärtsspiel in Kiew bei Schachtar Donezk wartet auf die Fohlenelf in der Champions League am Dienstagabend eine unangenehme Aufgabe. Am Montagabend machten Marco Rose und Jonas Hofmann auf der Pressekonferenz klar: »Wir verstecken uns nicht.«

Ohne Pause in die Ukraine 

Gerade einmal 38 Stunden und 45 Minuten nach dem Schlusspfiff des Spiels gegen RB Leipzig standen die Borussen am Montagvormittag schon wieder auf dem Trainingsplatz. Grund war das Abschlusstraining zum Spiel in der Königsklasse bei Schachtar Donezk. Um 14 Uhr machte sich der VfL-Tross dann von Düsseldorf aus auf den Weg in die Ukraine.

Mit in der Sondermaschine X38962 saßen auch Tony Jantschke und Nico Elvedi. Letzterer musste gegen Leipzig das Feld aufgrund von muskulären Beschwerden nach der ersten Halbzeit verlassen. Zwar sei die Verletzung nicht so dramatisch, wie Marco Rose am Montag durchblicken ließ, dennoch sei Einsatz zumindest noch mit einem Fragezeichen behaftet. »Grundsätzlich gibt es Entwarnung, aber er spürt seinen Muskel noch«, sagte Marco Rose vor dem Abflug am Montag.

Fragezeichen bei Jantschke und Elvedi 

Sollte der Schweizer keine 100-prozentige Einsatzbereitschaft signalisieren können, stünde Ramy Bensebaini erneut bereit. Der Algerier vertrat Elvedi bereits in den zweiten 45 Minuten gegen Leipzig und löste diese Aufgabe herausragend. Oscar Wendt dürfte dann wieder auf der linken Abwehrseite zum Einsatz kommen.

Ob Tony Jantschke gegen Donezk zum Einsatz kommen kann, steht noch nicht fest. Der Defensiv-Allrounder musste gegen Leipzig ebenfalls aufgrund von Muskelproblemen passen. Es sieht »ganz gut aus«, so Rose. Es geht eben Schlag auf Schlag in diesen Wochen und die Belastung für die Borussen ist hoch, weshalb Marco Rose auch in der Ukraine rotieren wird.  Auf wie viel Positionen, ließ der Fußball-Lehrer am Montag natürlich noch offen. »Taktisch sind wir sehr flexibel. Die Mannschaft kann hinten mit einer Dreier- und einer Viererkette spielen. Insgesamt wollen wir gegen Schachtar gut und aggressiv verteidigen«, ließ sich Rose noch nicht in die Karten schauen. Dennoch: Es geht auch darum, »gute Lösungen mit dem Ball« zu finden. 

Unterdessen wartet auf die Borussen in Kiew eine sehr unangenehme Aufgabe. Der amtierende ukrainische Meister steht nach dem 4:1-Sieg gegen den FC Mauripol mit 16 Punkten (4 Siege, 4 Remis) aktuell auf Rang zwei der Premier Liga und holte aus den ersten beiden Champions League-Partien 4 Punkte. Vor allem der 3:2-Sieg bei Real Madrid darf durchaus als Überraschung gesehen werden. »Es wird eine sehr unangenehme Aufgabe für uns. Häufig sind die Aufgaben, die andere zu den einfachsten zählen, in Wirklichkeit die schwierigsten. Ich glaube, bei Donezk ist genau das der Fall«, warnt VfL-Chefcoach Marco Rose.

Borussia seit sechs Europapokal-Auswärtsspielen ungeschlagen 

Auch die Fohlenelf war gegen Madrid einer Überraschung nahe, doch wie bekannt musste man sich am Ende mit einem Remis begnügen. Besonders aber das Auftreten und die Leistung gegen die Königlichen besonders bis zur 2:0-Führung hat unterstrichen, dass die Borussen zurecht in der Königklasse an den Start gehen. An diese Leistung will man nun in Kiew anknüpfen und etwas Zählbares mit nach Hause nehmen.

Und das wird auch nötig sein, damit das Ziel, nach der Gruppenphase auch weiterhin durch Europa reisen zu können, aufrecht zu erhalten. »Es geht jetzt in die entscheidende Phase, daher ist das Spiel sehr wichtig für uns«, weiß Rose.

Wie auch schon in Mailand wird es in Kiew keine Unterstützung von VfL-Fans geben. Generell wird das Spiel im Olympiastadion ohne Zuschauer stattfinden. Angesichts der aktuellen Pandemie-Situation in der Ukraine hat das zuständige Gesundheitsministerium seine ursprünglich erteilte Zulassung von Fans zurückgezogen. Dabei fühlen sich die Fohlen auswärts in Europa wohl. 

In den letzten sechs Europapokal-Auswärtsspielen blieb Borussia ungeschlagen, schaffte neben vier Unentschieden auch zwei Siege. Die letzte Niederlage liegt schon fast vier Jahre zurück, beim FC Barcelona gab es in der Champions League-Saison 2016/17 eine 0:4-Niederlage. Mit den Ukrainern gab es in der Historie noch kein Duell, beide Vereine treffen zum ersten Mal aufeinander. 

Rose und Hofmann sehen Chance für Borussia 

Rose hat sich mit seinem Trainerteam natürlich trotzdem auf Donezk vorbereitet und ist gewarnt, nicht nur aufgrund der ersten beiden Gruppenspiele des Tabellenführers. »Wir haben durchaus wahrgenommen, dass Schachtar gut verteidigt. Sie arbeiten sehr kompakt und geschlossen gegen den Ball. Wir wissen aber auch um ihre Stärken im Umschaltspiel«, so Borussias Trainer zur Partie am Dienstagabend. Zwar müssen die Fohlen »sehr aufpassen, aber sehen unsere Chancen, hier zu bestehen«. 

Dennoch ist »Donezk keine Mannschaft, die nur verteidigt«, denn die Ukrainer können auch »starke Gegner mit ihrem Ballbesitz weh tun«. Das musste vor allem Real Madrid spüren, denn die Spanier verloren das erste Spiel in der Gruppe B. Und dass die Fohlen mit den ‚Königlichen‘ mithalten konnten ist bekannt, deshalb möchte und muss sich die Fohlenelf laut Rose auch absolut nicht verstecken. »Wir wollen eine offene Partie daraus machen und sie in den richtigen Momenten auf unsere Seite ziehen. Dafür brauchen wir eine sehr, sehr gute Leistung.«

Wichtig ist eben auch, dass die Elf vom Niederrhein den Schwung aus den letzten Partien mitnimmt, vor allem das wichtige 1:0 gegen Leipzig. Denn gegen RB gab es nicht nur den ersten Sieg überhaupt, die Fohlen schafften es auch endlich mal wieder eine Führung über die Zeit zu retten. »Wir haben am Wochenende gezeigt, dass wir zu Null spielen und ein Spiel hinten raus erfolgreich gestalten können«, wird Borussias Trainer wieder ähnliches von seinen Schützlingen verlangen. 

Dazu kommen eben auch die zwei starken Auftritte aus den ersten beiden Gruppenspielen, aus denen die Gäste am Dienstagabend viel mitnehmen können. »Wir nehmen viel Selbstvertrauen aus den ersten beiden Spielen mit. Wir hatten zwei große Teams am Rande der Niederlage. Das spricht für uns. Wir verstecken uns nicht vor großen Namen und spielen mutig – das wollen wir auch morgen zeigen«, ist Jonas Hofmann voller Selbstvertrauen. Helfen könnten gegen Donezk vor allem die Standards. Grund: »Wir sind körperlich etwas überlegen. Donezk hat viele kleine und wendige Spieler. Entsprechend sind Standards eine gute Möglichkeit für uns, das haben wir in den vergangenen Wochen bereits gezeigt.«

Erfrischend offensive Töne von Borussia die zeigen, dass sich die Fohlen auch für den morgigen Abend wieder etwas vorgenommen haben und zumindest nicht punktlos wieder aus der Ukraine abreisen möchten. Selbstvertrauen, dass sich Borussia hart erarbeitet hat und das eben auch dazu beiträgt, dass das Überwintern im Europapokal bisher gar nicht so unrealistisch ist…