Hängende Köpfen bei den Borussen nach der herben Niederlage. Foto: picture alliance/dpa | Marius Becker

Eine hohe Niederlage, Verletzungen und eine erschreckende Leistung: Borussia ging in Leverkusen völlig unter und konnte definitiv von einem gebrauchten Abend sprechen. Erneut fehlte es der Fohlenelf an Konstanz, ein altbekanntes Problem aus der vergangenen Saison. 

Die Anfangsphase komplett verschlafen 

Vor dem Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach bei Bayer Leverkusen sprach Adi Hütter von einem »absoluten Schlüsselspiel, das möglicherweise die Richtung vorgibt«. Die Fohlen wollten am Samstagabend bei der Werkself an die starke Leistung gegen Bayern München anknüpfen und vor allem den Schwung mitnehmen. Doch es kam bekanntlich alles anders. 

»Wir haben ganz schlecht ins Spiel gefunden, nach 10 Minuten steht es schon 0:2«, fasste Lars Stindl die Anfangsphase kurz und knapp zusammen. Dabei fielen die Gegentore in Leverkusen teilweise schon erschreckend einfach, die Hintermannschaft erwischte ebenso wie das komplette Team keinen guten Tag. 

»Wir haben zwei frühe Gegentreffer bekommen und hatten insgesamt sehr viele unglückliche Situationen – wie die vielen verletzungsbedingten Wechsel. Beim ersten Gegentreffer war der Ball sehr weit weg von mir, dann habe ich mich umgedreht, der Ball ist an mein Bein geprallt und ging dann rein. Das sieht natürlich unglücklich aus. Beim zweiten Gegentor war Patrik Schick frei vor mir. Da war es schwierig für mich zu lesen, wohin der Ball geht. Ich möchte mich da nicht rausreden, aber es war für uns alle ein gebrauchter Abend«, schilderte Yann Sommer seine Sicht zu den Gegentoren. 

Fehlende Konstanz bereitet wieder Sorgen 

Letztlich sprach der Schweizer von einem »komplett gebrauchten Abend für uns, wir waren in vielen Belangen schlechter als der Gegner«. Das verrät auch ein Blick in die Statistik, denn die Fohlen brachten es lediglich auf elf magere Torschüsse. Zwar gab Leverkusen nur einen Versuch mehr ab, war mit vier Treffern dann aber gnadenlos effektiv im Gegensatz zu den Borussen. 

Nicht umsonst sprach Lars Stindl ein altes Problem an, das auch schon in der letzten Saison vorhanden war. Nach einem starken Spiel schafft es Borussia nicht, entscheidend nachzulegen und geht möglicherweise zu leichtfertig an die nächste Aufgabe heran. »Es geht darum, die Konstanz auf den Platz zu bekommen nach dem guten Spiel letzte Woche, aber wenn wir das nicht schaffen, haben wir gegen solche Mannschaften keine Chance. Wir haben uns vielleicht ein Stück weit auf der Leistung gegen Bayern ausgeruht«, bestätigte Lars Stindl den Eindruck. 

Borussias Kapitän selbst hatte kurz vor der Halbzeit die Chance, die Fohlen durch einen Elfmeter wieder ins Spiel zu bringen. Doch der 32-Jährige gab sich nach der vertanen Chance entsprechend selbstkritisch: »Den Elfmeter darf ich so nicht schießen, das passt zu so einem Tag. Wenn man so einen Tag hat muss man solche Chancen nutzen um wieder ins Spiel zu kommen. Allgemein bin ich sehr unzufrieden mit dem gesamten Auftritt.« Zudem sprach Stindl davon, dass er und die komplette Mannschaft »Woche für Woche an unsere Grenzen gehen müssen«. 

Lainer droht lange auszufallen 

Sorgen bereiten den Fohlen aber allen voran die vielen Verletzungen am Samstagabend. Marcus Thuram, Alassane Plea, Matthias Ginter und allen voran Stefan Lainer mussten angeschlagen den Platz verlassen. Der Österreicher wird den Borussen möglicherweise lange nicht zur Verfügung stehen, ein Knöchelbruch steht im Raum. »Bei Stevie Lainer sieht es nach einem Knöchelbruch aus, aber es müssen natürlich noch Untersuchungen gemacht werden. Es war ein sehr böses Foul, wie ich finde. Marcus Thuram und Alassane Plea haben sich wahrscheinlich beide am Knie verletzt«, so Max Eberl. 

Welche Auswirkungen das nun auf einen möglichen Abgang von Thuram hat kann aktuell wohl noch niemand genau sagen, zumal Borussias Sportdirektor im Interview mit ‚Sky‘ eine Anfrage für den 24-Jährigen Franzosen bestätigte. Immer wieder wird ‚Tikus‘ mit einem Engagement bei Inter Mailand in Verbindung gebracht. 

Ob Adi Hütter also in Zukunft auf die Dienste seines Stürmers setzen kann steht noch in den Sternen. Fakt ist aber, dass der Österreicher alles andere als zufrieden war. »Insgesamt war Leverkusen sehr stark. Der Gegner war in vielerlei Hinsicht viel giftiger und aggressiver – taktisch, läuferisch. Das hat mir überhaupt nicht gefallen. Es war ein sehr ernüchternder Tag, mit den Verletzungen ein fürchterlicher Tag«, fasste der 51-Jährige den gebrauchten Abend zusammen. 

Defensive schlägt Alarm 

Zwar ist die Saison noch sehr jung und sicherlich noch lange nichts verloren, doch es ist schon jetzt ein erster Weckruf für die Fohlenelf, die bereits nach zwei Spieltagen wieder in alte Muster zu verfallen droht. »Niederlagen gehören zum Sport dazu, wir müssen das Spiel als Mannschaft gut analysieren, die Köpfe oben behalten und nächsten Sonntag in Berlin wieder Vollgas geben«, blickte Yann Sommer wieder nach vorne. 

Hütters Mission, die Defensive der Fohlenelf zu stabilisieren, ist also noch längst nicht geglückt, vielmehr ist es ein extrem weiter Weg den alle Beteiligten hier noch vor sich haben. Schon nach zwei Spieltagen musste Borussia fünf Gegentore einstecken, die Alarmglocken sollten nach dem Spiel in Leverkusen nicht überhört werden…