Max Eberl muss gerade auch in diesem Sommer bei Transfers kreativ sein. Foto: Poolfotos/Dirk Päffgen.

Während in Europa die Top-Ligen auf die Zielgerade einbiegen, ruht der Ball in der Fußball-Bundesliga, die Profis von Borussia Mönchengladbach genießen ihren Urlaub. Max Eberl hingegen, hat noch zu tun. Der Kader soll für den „Tanz auf drei Hochzeiten“ verstärkt werden.

Dass Borussia Mönchengladbach in der kommenden Spielzeit in der Champions League spielt, tut dem Klub gut. Sportlich allemal, aber auch finanziell ist die Teilnahme an der Königsklasse des europäischen Fußballs ein Segen für die Borussen, die die Corona-Pandemie »bis ins Mark getroffen hat«, wie Geschäftsführer Stephan Schippers oft genug betont hat.

Doch am linken Niederrhein kann man eben auch rechnen und man geht mit seinen Mitteln vernünftig um, so dass man sich keine Sorgen machen muss, der Klub könnte in Schieflage geraten. Große Sprünge machen, kann man in diesem Sommer aber nicht. »Wir haben als Verein zweistellige Millionenverluste, unser Eigenkapital schrumpft und wir müssen den Gürtel enger schnallen«, sagt Max Eberl in seinem sportlichen Bericht im aktuellen ‚FohlenEcho – Das Magazin‘. Spieler-Investitionen um die 10 Millionen und aufwärts sind diesen Sommer also nicht drin.

Solides Rechnen und Haushalten zahlt sich mehr denn je aus

Auf der andern Seite ist man aber auch nicht gezwungen, Top-Stars wie Denis Zakaria, den die ‚Rheinische Post‘ mit Manchester City in Verbindung bringt, verkaufen zu müssen. All das sind die Früchte der soliden Arbeit am linken Niederrhein. »Bei Borussia wird seit Jahren außerordentlich sauber gewirtschaftet, das kommt uns nun in Krisenzeiten zugute. Denn Borussia ist, anders als andere, bisher in der Corona-Krise mit einem dicken blauen Auge davongekommen«, sagt Borussias Sportdirektor, der daran mit seinen Transferentscheidungen der letzten Jahre auch großen Anteil hat.

Sowieso muss man cleverer und schneller sein als andere, um seinen Wunschspieler an den Borussia-Park zu bekommen. Und man muss es quasi „aus dem stillen Kämmerlein heraus“ machen, um nicht finanzkräftigere Klubs mit auf den Plan zu bringen Genau dafür ist Max Eberl bekannt. Gerade in dieser Zeit ist das wichtiger denn je. »Wir müssen bei unseren Transfers noch präziser sein als sonst«, weiß Eberl.

Trainingslager und Testspiele – Diesmal ohne Fans

Und genau das versucht der pfiffige Manager in diesen Tagen. Zahlreiche Namen zieren die Gerüchteküche. Eberl ist stets bemüht, den Kader zum Trainingsauftakt beisammen zu haben. Ab Anfang August (der genaue Termin steht noch nicht fest, Anm. d. Red.) bereiten sich die Borussen auf die neue Spielzeit, die mit der 1. DFB-Pokalhauptrunde am Wochenende vom 11. bis 14. September ausgespielt wird (Auslosung am 26. Juli in der ARD-Sportschau, Anm. d. Red.), vor. Vom 17. bis 23. August ist dann in NRW ein Trainingslager geplant. Aufgrund der Hygieneregeln wird dieses allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, ebenso wie die geplanten Testspiele.

Auch wird es in diesem Jahr keine Saisoneröffnung geben, wie man das aus den letzten Jahren gewohnt ist – weil noch bis mindestens Ende Oktober Großveranstaltungen, bei denen Hygieneregeln nicht eingehalten werden können, verboten sind. Und auch dann womöglich schon vorhandene neue Fohlen wird man beim Trainingsauftakt als Trainings-Kiebitz nicht unter die Lupe nehmen können.

Werden Wolf und Pedri Borussen?

Apropos Neuzugänge: Zwei Spieler will man in diesem Sommer an den linken Niederrhein lotsen, das hat Eberl gesagt. Vor allem im vorderen Bereich, denn in der Defensive ist man personell gut aufgestellt und setzt dort auch auf Jordan Beyer und Mamadou Doucouré. Als heißeste Kandidaten gelten derzeit Hannes Wolf von RB Leipzig und Pedro González López, kurz Pedri. Der erst 17-Jährige steht derzeit in Diensten des spanischen Zweitligisten UD Las Palmas und wechselt zur neuen Saison zum Top-Klub FC Barcelona. Wie ‚Sky‘ berichtet, wollen die Katalanen den Mittelfeldmann jedoch direkt ausleihen. Und da sollen die Borussen interessiert sein und bereits „ihren Hut in den Ring geworfen“ haben.

Das Transferfenster öffnet in Spanien jedoch erst am 4. August (Ende am 5. Oktober, Anm. d. Red.), so dass es mit einer Präsentation zum Trainingsauftakt eng werden könnte. Anders wäre es bei Hannes Wolf. Der Österreicher und „Ziehsohn“ von Marco Rose könnte direkt an den linken Niederrhein wechseln. Allerdings, so ist zu lesen, wollen die Borussen den Nationalspieler lediglich ausleihen und sich eine Kaufoption einbauen lassen – die jedoch nicht mit einer fixen, hohen Summe. Sinn machen würde der Transfer allemal. Passt er doch ins Beuteschema der Borussen und ist zudem vor allem bestens vertraut mit Marco Rose.

Poulsen weiter für Austria? Was macht Nicolas?

Auf der Zugangsseite gilt es also noch abzuwarten, wen Max Eberl für die Saison 2020/21 präsentiert. Klar ist, dass Jordan Beyer und Michael Lang von ihren Gastspielen zurückkehren. Während Beyer fester Bestandteil des Kaders sein wird, so wird man Michael Lang wohl keinen der berühmten Steine in den Weg legen, gleiches gilt für Julio Villalba. Für den Paraguayer, der bei den Borussen noch bis 2021 unter Vertrag steht, wird ein Abnehmer gesucht.

In Andreas Poulsen und Moritz Nicolas gibt es zwei Borussen, die nochmals verliehen werden sollen. Poulsen, der jüngst mit Austria Wien die Europa League verpasst hat, könnte ein weiteres Jahr in der österreichischen Hauptstadt bleiben. Die Gespräche mit allen Beteiligsten laufen bereits. »Aufgrund der finanziellen Situation ist eigentlich nichts möglich, wegen der Leihspieler Palmer-Brown und Poulsen haben wir Kontakt mit deren Klubs Manchester City und Gladbach aufgenommen, ich hoffe, dass es möglich ist, dass beide bei uns bleiben«, so Austria-Sportdirektor Peter Stöger in der ‚Kronen-Zeitung‘.

Poulsen jedenfalls, ist nicht abgeneigt, weiter das Trikot der ‚Violetten‘, die am 10. August die Vorbereitung für die neuen Spielzeit aufnehmen, zu tragen. Das dann aber mit neuen Trainer, denn Christian Ilzner ist überraschend zum SK Sturm Graz gewechselt.

Ebenso eine weitere Leihe strebt man gemäß Informationen unserer Redaktion bei Moritz Nicolas an. Da Union Berlin nach dem Abgang von Rafal Gikiewicz wohl auf der Suche nach einer neuen Nummer eins ist, sucht man für das Torwarttalent einen neuen Klub, bei dem die Chance höher ist, dass der Youngster in der kommenden Spielzeit auf viele Einsatzzeiten kommt. Die nächste Leihe muss eine gute sein und besser sitzen als die in Berlin.

In den kommenden Tagen und Wochen bleibt es also spannend, was gerade die Aktivitäten der Borussen auf dem Transfermarkt betrifft. Man darf aber, wie in den vergangenen Jahren auch, guter Dinge sein, dass Max Eberl und Marco Rose alles versuchen und gute Entscheidungen treffen werden, damit die Borussen gut gewappnet und top-vorbereitet in die neuen Saison gehen können.