Nico Elvedi spielt inzwischen seit fast sechs Jahren bei Borussia. Foto: Dirk Päffgen

Nico Elvedi gehört bei Borussia Mönchengladbach zum absoluten Stammpersonal. Auch in dieser Spielzeit hat der Innenverteidiger kaum ein Spiel verpasst. Im Interview mit unserer Redaktion spricht der 24-Jährige unter anderem über seinen Bruder Jan, die laufende Spielzeit, das Duell gegen ManCity, seine bisherige Zeit am linken Niederrhein und seine Zukunft.

Fohlen-Hautnah: Nico, zunächst zu den aktuellen Themen: In Stuttgart habt ihr durch eine klare Fehlentscheidung den Sieg geklaut bekommen. Wie schaust Du auf das Spiel zurück? 

Nico Elvedi: Wir haben eine gute, erste Halbzeit gespielt. Nach der Pause sind wir allerdings nicht gut ins Spiel gekommen und hatten in den ersten 25 Minuten nicht mehr allzu viel Ballbesitz. Zum Ende der Partie hat das etwas besser funktioniert. Aber es ist doppelt bitter, dass wir diesen Elfmeter, der keiner war, gegen uns bekommen haben. Es ist ärgerlich, aber nicht mehr zu ändern.

Fohlen-Hautnah: Wie schwer ist es denn, dieses Erlebnis jetzt aus den Köpfen zu bekommen? Am Dienstag wartet ja schon die nächste Aufgabe gegen Bremen… 

Nico Elvedi: Am Montag werden wir das abgehakt haben und konzentrieren uns dann wieder voll auf das Spiel am Dienstag. Es ist nicht das erste Mal, dass man als Fußballer einen derartigen Rückschlag erleidet. Wir können mit der Situation umgehen. Am Dienstag werden wieder voll angreifen. 

Fohlen-Hautnah: In den kommenden Tagen steht die erste Englische Woche des Jahres für euch an, der Spielrhythmus ändert sich wieder. Inwiefern kommt es euch entgegen beziehungsweise wie wichtig war es, im Training mal ein paar Dinge einzustudieren?

Nico Elvedi: Im ‚normalen‘ Trainingsalltag kann man sich natürlich besser auf den Gegner einstellen und vorbereiten, in dem man zum Beispiel bei einem Spiel Elf-gegen-Elf verschiedene Situation simuliert. Ich persönlich mag die Englischen Wochen lieber, da man öfters spielt und weniger trainiert. 

Fohlen-Hautnah: Max Eberl spricht immer von etwas Blechernem. Ist die Chance nach dem Aus des FC Bayern im DFB-Pokal nun größer geworden, diesen Titel zu holen? Apropos Pokal. Dort trefft ihr auch wieder auf den VfB Stuttgart. Inwiefern gibt das Spiel gestern Aufschluss darüber, wie das Pokalspiel laufen könnte? 

Nico Elvedi: Unser Ziel im Pokal ist es, so weit wie möglich zu kommen. Stuttgart ist ein schwerer, aber machbarer Gegner. Vor dem Pokalspiel werden wir dann sicherlich nochmal dieses 2:2 analysieren. Dann werden wir natürlich versuchen, das Spiel zu gewinnen. Dennoch gibt es immer noch genug gute Mannschaften, die den Anspruch haben, den Pokal zu gewinnen, auch wenn Bayern aus dem Pokal ausgeschieden ist. Mit Bayern ist zwar ein großer Favorit ausgeschieden, aber ich denke, dass spielt keine große Rolle. 

Fohlen-Hautnah: Du bist nun seit fast sechs Jahren bei Borussia Mönchengladbach. 2015 bist du vom FC Zürich an den linken Niederrhein gekommen. War das im Nachhinein betrachtet die richtige Entscheidung?

Nico Elvedi: Es war definitiv die richtige Entscheidung. Der Wechsel war das Beste, was ich hätte machen können. Am Anfang gab es sicherlich eine kleine Unsicherheit, weil ich zu einem großen Bundesligaverein gekommen bin. Dann ging es aber schnell, dass ich zu regelmäßigen Einsätzen gekommen bin. Also ich bin sehr glücklich hier. 

Fohlen-Hautnah: Du bist also schon fast sechs Jahre bei Borussia. In diesem Geschäft eine nicht alltägliche Zeit. Was ist der Verein mittlerweile für Dich? Eine zweite Heimat vielleicht?

Nico Elvedi: Ja, das kann man so sagen. Ich bin fast sechs Jahre hier und fühle mich in Gladbach schon heimisch. Ich spiele hier super gerne Fußball und auch das ganze Drumherum passt für mich perfekt.

Fohlen-Hautnah: In dieser Zeit hast Du in Lucien Favre, André Schubert, Dieter Hecking und aktuell Marco Rose vier Trainer gehabt, die auf Dich gesetzt und Dich weiterentwickelt haben. Was hast Du unter Ihnen gelernt und wer hat Dir von dem Quartett am meisten mit auf den Weg gegeben?

Nico Elvedi: Ich kann jetzt nicht genau sagen, welcher Trainer mich am weitesten gebracht hat. Ich habe bei jedem Trainer dazugelernt. André Schubert hat mir das Vertrauen geschenkt und mich langsam an die Bundesliga herangeführt. Dieter Hecking hat mich in die Innenverteidigung gebracht, das war auch nochmal ein großer Schritt in meiner Karriere. Unter Marco Rose hingegen habe ich nochmal einen großen Schritt nach vorne gemacht. Also ich möchte da keinen rauslassen.

Fohlen-Hautnah: Dein aktueller Vertrag läuft noch bis Sommer 2022. Ist es spätestens dann für Dich an der Zeit, eine neue Herausforderung zu suchen oder kannst Du Dir vorstellen, Deinen Vertrag nochmal zu verlängern? Und wenn ja, hat es da schon Gespräche mit Max Eberl gegeben?

Nico Elvedi: Mein Berater steht in Kontakt mit Max Eberl. Ich fühle mich bei Borussia super wohl, mache mir aber natürlich trotzdem Gedanken über meine Karriereplanung. Was ich genau machen werde, weiß ich aktuell noch nicht. Aber wie gesagt: Ich fühle mich sehr wohl und es ist möglich, dass ich noch länger hier bleibe. 

Fohlen-Hautnah: Würde es generell auch eine Rolle für Dich spielen, wie sich die Zukunft von Marco Rose gestaltet?

Nico Elvedi: Davon mache ich mache meine Zukunft nicht abhängig. Für mich ist wichtig, dass ich mich wohl fühle und dass das Gesamtpaket passt. Der Trainer ist da ein kleines Stück im Gesamtpaket. 

Fohlen-Hautnah: Du gehörst bei Borussia zum absoluten Stammpersonal und hast in den letzten Jahren kaum ein Spiel verpasst. Auch bist Du kaum verletzt. Das ist bemerkenswert. Was ist diesbezüglich Dein Erfolgsrezept?

Nico Elvedi: Ich ernähre mich generell und auch während der Englischen Wochen sehr gut, das ist extrem wichtig. Dazu kommt die richtige Regeneration mit Massagen und anderen Einheiten. Man muss einfach absolut professionell sein. Dann ist die Chance größer, dass man mit wenigen Verletzungen zu kämpfen hat.

Fohlen-Hautnah: Seit Sommer 2020 ist Dein Bruder Jan ebenso in Deutschland und spielt in der 2. Liga beim SSV Jahn Regensburg. Bisher hat er alle Spiele über die volle Distanz absolviert. Verwundern wird dich das sicherlich nicht. Traust Du ihm einen derartigen Weg zu, wie Du ihn bisher eingeschlagen hast und wie beurteilst Du seine bisherige Zeit in Regensburg? Ist es dazu so, dass ihr euch wieder öfters seht und auch über eure jeweiligen Leistungen sprecht?

Nico Elvedi: Wir hören sehr oft voneinander, mindestens einmal pro Woche. Ich freue mich sehr für Jan, dass es so gut bei ihm läuft. Ich habe auch schon viele Spiele von ihm gesehen. Er macht das richtig gut. Wenn er so weitermacht, dann wird er sicherlich den Sprung in die Bundesliga schaffen, das würde ich ihm wünschen. 

Fohlen-Hautnah: Im kommenden Sommer findet die verschobene Europameisterschaft statt. In Gruppe A bekommt es die Schweiz mit Italien, der Türkei und Wales zu tun. Bei einem Weiterkommen könnten im Achtelfinale auch die Niederlande, Österreich, Belgien und Russland und die Ukraine die Gegner sein. 2016 seid ihr bei der EM in Frankreich im Achtelfinale ausgeschieden. Das werdet ihr diesmal vermeiden wollen. Was ist für euch möglich bei der EM?

Nico Elvedi: Das ist schwer zu sagen. Wir haben eine sehr gute Mannschaft, mit der wir einiges erreichen können. In der Nations League hat man gesehen, dass wir auch mit großen Mannschaften mithalten können. Unser erstes Ziel ist es natürlich, die Gruppenphase zu überstehen. Danach schauen wir von Spiel zu Spiel und wollen so weit wie möglich kommen. 

Fohlen-Hautnah: Im Gegensatz zu vielen anderen Positionen wird in der Innenverteidigung nicht so viel rotiert. Woran liegt das? Ist ein eingespieltes Duo, wie Du es mit Matthias Ginter bist, das Fundament für ein gutes Spiel? 

Nico Elvedi: Matthias Ginter und ich sind sehr selten verletzt. Hinzu kommt, dass man als Innenverteidiger nicht so ein intensives Spiel hat wie zum Beispiel ein offensiver Spieler. Wir haben nicht so viele intensive Sprints, deshalb geht es auch in den Englischen Wochen ganz gut, dass wir so viele Spiele absolvieren können. 

Fohlen-Hautnah: Im Achtelfinale der Champions League trefft ihr im Februar auf Manchester City. Die Truppe um Pep Guardiola ist nach sechs Siegen und zwei Remis aus den letzten acht Ligaspielen auf dem Vormarsch. Was erwartet euch da also für eine Aufgabe und wie müsst ihr dort auftreten, um den Favoriten zu stürzen?

Nico Elvedi: Auf uns wartet eine sehr schwere Aufgabe. Wir kennen Manchester City schon ein bisschen aus den vorherigen Spielen in der Champions League. Es ist eine absolute Top-Mannschaft und eine schöne Herausforderung für uns. Um da zu bestehen, brauchen wir unsere bestmögliche Leistung. Ich wünsche mir natürlich, dass wir dem großen Manchester City ein Bein stellen können. 

Fohlen-Hautnah: In der Champions League habt ihr vor allen in den Heimspielen gegen Inter Mailand und Real Madrid bewiesen, dass ihr gegen Weltklasse-Mannschaften auf Augenhöhe spielen könnt. Was muss man aus diesen Spielen mitnehmen, um gegen Manchester City erfolgreich zu sein? 

Nico Elvedi: Man kann viel Positives aus den beiden Spielen mitnehmen. In der Schlussphase müssen wir allerdings noch besser verteidigen. Dennoch brauchen wir gegen Manchester City das Selbstvertrauen und den Mut, nach vorne zu spielen. Wir müssen den Ball auch mal über einen längeren Zeitraum halten und dann denke ich, dass wir sie ärgern können. 

Fohlen-Hautnah: Seit einem Jahr beeinflusst Corona unser Leben. Hat Dich die Pandemie in irgendeiner Art und Weise zu einem Umdenken oder dergleichen gebracht?

Nico Elvedi: Mich wurmt es auch, dass die aktuelle Situation so ist wie sie nunmal gerade ist. Auch ohne die Fans ist es bitter, wenn man jedes Mal in einem leeren Stadion spielen muss. Es ist auch schwierig, die Familie zu besuchen. Aber auch diese Zeit werden wir überstehen und werden uns umso mehr freuen, wenn die Normalität wieder zurückkehrt. 

Fohlen-Hautnah: Du sprichst abschließend noch die Fans an. Denkst Du, mit einem ausverkauften Borussia-Park und der Stimmung im Rücken, hätte man die vergebenen Spiele in der Schlussphase anders gestalten können? 

Nico Elvedi: Das ist schwer zu sagen. Aber die Fans können einiges ausmachen und uns pushen, um wirklich bis zur letzten Sekunde alles reinzuhauen. Es ist gut möglich, dass das ein oder andere Tor in der Nachspielzeit nicht gefallen wäre.