Marco Rose will mit der Fohlenelf ins DFB-Pokal-Halbfinale. Foto: Poolfotos/Dirk PŠäffgen

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Nur drei Tage nach der Niederlage in Leipzig steht für Borussia Mönchengladbach schon wieder die nächste Aufgabe auf dem Programm. Und die heißt DFB-Pokal. Dort empfingen die Borussen im Viertelfinale die Namenscousine aus Dortmund. Die Fohlenelf will ins Halbfinale einziehen und blendet dafür auch das Drumherum um Marco Rose aus.

Erst am Sonntag aus Leipzig an den linken Niederrhein zurückgekehrt, geht es am Morgen Dienstag schon wieder weiter. Für Borussia Mönchengladbach bietet sich im DFB-Pokal die Möglichkeit, ins Halbfinale einzuziehen. Dafür muss Borussia Dortmund aus dem Weg geräumt werden. Dass man gegen eine solch starke Mannschaft auch gut spielen und gewinnen kann, hat man in der Liga erst kürzlich unter Beweis gestellt.

In der Bundesliga gab es einen 4:2-Sieg im Borussia-Park. Was man denn aus diesem Spiel für Rückschlüsse schließen könne, wollten die Medienvertreter natürlich von Marco Rose am Montag wissen. »Wir nehmen daraus mit, dass wir an einem guten Tag, an dem viele Dinge zusammenpassen, einen Top-Gegner wie Dortmund bezwingen können«, antwortete Rose.

‚Andere Fohlen’ als noch vor Wochen – Gegen den BVB muss alles in die Waagschale

Doch auch der Trainer weiß, dass Pokalspiele ‚andere‘ Spiele sind. Da entscheiden neben der Tagesform auch andere Faktoren. Form und die Performance zum Beispiel. Beides ist im Gegensatz zum damaligen Zeitpunkt bei den Gladbacher Borussen aktuell bekanntlich alles andere als gut. 21 Punkte haben die Borussen bereits nach einer Führung verspielt, seit fünf Spielen ist die Fohlenelf sieglos. Unter Marco Rose hat es eine derartige Negativserie noch nicht gegeben. Im Januar wurden zu Beginn vier von den ersten fünf Spielen gewonnen. In den vergangenen fünf Ligaspielen holten die Fohlen gerade einmal zwei Punkte und rangieren in diesem Zeitraum nur auf Platz 14. In Leipzig gaben die Borussen im zweiten Durchgang keinen einzigen Torschuss ab.

»Damals waren wir richtig im Flow und hatten viel Selbstvertrauen, der BVB hatte damals keine gute Phase. Diesmal sind die Vorzeichen andersherum«, weiß Rose. »Die Dortmunder haben dreimal in Folge gewonnen und sind wieder richtig gut drauf, während wir momentan keine positiven Ergebnisse bekommen. Das schlägt sich natürlich im Gefühl nieder. Deshalb ist es wichtig, dass wir morgen Abend realisieren, dass es ein anderer Wettbewerb ist und wir das K.o.-Spiel als Chance sehen.«

Eine große Chance. Denn gewinnt man dieses Spiel, ist man bekanntlich nur noch ein Spiel vom Endspiel in Berlin entfernt. »Der DFB-Pokal hat einen hohen Stellenwert. Er bietet jeder Mannschaft, die Chance einen Titel zu erringen und sich für das internationale Geschäft zu qualifizieren«, weiß Rose. »Entsprechend ist das Spiel morgen sehr wichtig für uns, weil es auch für uns eine große Chance bietet.«

»Es geht morgen in keiner Weise um Marco Rose«

Dass Rose in diesem Spiel „ausgerechnet“ auf seinem zukünftigen Arbeitgeber trifft und diesem wehtun „muss“, ist für Rose, wenn überhaupt, eher sekundärer Natur. Auch die Berichterstattung um seine Person in Bezug auf das Spiel interessiert ihn kaum. »Ich bin hier in Gladbach voll gefordert und benötige jedes Korn an Energie, um mit den Jungs gemeinsam die aktuelle Situation zu meistern. Drumherum werden immer wieder viele Dinge aufgebaut und es wird viel geredet. Ich beschäftige mich damit aber nicht, lese momentan auch kaum etwas«, sagte Rose.

»Ich empfinde vor der morgigen Partie den gleichen Druck, den ich vor jedem Spiel empfinde. Es geht morgen in keiner Weise um Marco Rose, sondern nur um die Mannschaft und Borussia Mönchengladbach«, unterstrich der 44-Jährige. »Wir kämpfen morgen mit allem, was wir haben, um den Einzug ins Halbfinale.«

Damit das generell gelingen kann, ist auf jeden Fall eine Form nötig, wie sie die Fohlenelf im Januar gezeigt hat. So wie aktuell, beispielswiese in Leipzig, kann und darf das auf keinen Fall laufen. Sonst geht das ‚Unternehmen Halbfinale‘ schief. »Inhaltlich müssen wir gegenüber dem Spiel in Leipzig wieder draufpacken. Wir haben dort in vielen Situationen zu oft nach hinten oder quer gespielt«, schaute Rose nochmal zurück auf Samstag und fügte an: »Daher werden wir versuchen, wieder mutiger zu sein und unser Vertikalspiel zu forcieren. Wir müssen aktiv daran arbeiten, wieder unser Spiel auf den Platz zu bringen, mit viel Emotionalität und Leidenschaft, aber auch mit gutem Fußball, für den wir stehen.«

Stefan Lainer wieder an Bord, Tony Jantschke weiter nicht

Es ist für Rose »aber auch klar, dass es Morgen allerdings ein anderer Wettbewerb ist, darauf sollten sich die Jungs fokussieren«. Personell gestaltet sich die Situation relativ entspannt. Lediglich »Tony Jantschke plagen nach wie vor muskuläre Probleme, er wird morgen ausfallen«, gab Rose bekannt. Dafür kann der 44-Jährige wieder auf Stefan Lainer zurückgreifen. Der Österreicher musste in Leipzig mit muskulären Problemen passen. Jordan Beyer hat es als Vertreter gut gemacht, wird aber wohl wieder auf die Bank müssen.

Wer neben dem Youngster sitzen wird, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall wird Rose wieder die ‚Rotationsmaschine‘ ankurbeln. »Morgen werden wir sicher wieder frisches Personal bringen, weil wir dieses Spiel als sehr wichtig erachten. Wir werden eine Top-Mannschaft aufs Feld schicken, die – wenn nötig auch über 120 Minuten – in der Lage sein wird, viel zu laufen und intensiv zu arbeiten«, versprach Rose. »Sollte nach 60, 70 Minuten bei einem Spieler der Zwirn alle sein, haben wir die Möglichkeit, gute Jungs nachzuschießen.«

Tobias Sippel steht zwischen den Pfosten

Bei einer Personalie legte sich Rose dann aber dann doch schon fest. So wird Tobias Sippel, wie in den bisherigen Pokalspielen auch, wieder von Beginn an auflaufen. »Tobias Sippel wird morgen Abend im Tor stehen, weil er hier seit vielen Jahren einen herausragenden Job macht, er momentan hervorragend drauf ist und er es bislang im Pokal-Wettbewerb sehr gut gemacht hat«, lobte Rose seine Nummer zwei. »Wir schenken ihm großes Vertrauen, deshalb gibt es, nur weil jetzt das Viertelfinale ansteht, keinen Grund, etwas zu ändern.«

»Sippi hat sich das verdient, und ich bin sicher, dass er eine gute Leistung bringen wird«, sagte Rose. »Yann Sommer würde natürlich gerne morgen spielen, dafür ist er Profi. Aber er weiß auch, wie wichtig Sippi ist, und trägt diese Entscheidung daher total mit. Zudem tut Yann eine Pause sicherlich auch gut.«

Egal, wer gegen den BVB zunächst von Beginn an auflaufen wird – alle ‚wahren‘ Borussen müssen  gegen die Namenscousine aus Dortmund von Beginn an voll da sein, die durchaus vorhandenen Qualitäten auf den Rasen bringen und dann alles dafür geben, dass man dem Ziel Berlin wieder ein Stück näher kommt und sich durch ein Weiterkommen – egal wie – frisches Selbstvertrauen für den Endspurt in der Bundesliga holt…