Marco Rose wirkte nach der Niederlage in Augsburg völlig resigniert, schenkt das Spiel am Dienstag schon ab. Foto: Poolfotos/Firo/Päffgen

Nach der Niederlage beim FC Augsburg ist Borussia Mönchengladbach am Tiefpunkt angekommen. Zum sechsten Mal in Folge ging ein Spiel verloren und das, obwohl man sich stark verbessert zeigte. Die Lage spitzt sich immer mehr zu, die kommenden Spiele werden von offizieller Seite schon abgeschenkt. Signale, die keinesfalls überhört werden sollten. Max Eberl sollte seine Entscheidung nochmals überdenken, im Sinne des Vereins. 

Auf Verbesserung folgt Ernüchterung 

»Das ist heute ein echter Scheiß-Tag«, fasste Florian Neuhaus den Abend der Borussen zusammen. Zuvor hatte man mit 1:3 beim FC Augsburg verloren und das, obwohl man sich vor allem zu Beginn des Spiels schon etwas verwundert die Augen rieb – im positiven Sinne. Nicht etwa, weil sich die Fohlen nichts einfallen ließen, sondern dass sie fast schon wie ausgewechselt wirkten. Was allerdings auf der Strecke blieb, war ein Treffer. Die größte Chance vergab Lars Stindl in Form eines Elfmeters. 

Zuvor verwandelte die Fohlenelf alle acht Elfmeter, Borussia Kapitän verschoss seit 2016 keinen Strafstoß mehr. Bis auf den zwischenzeitlichen Ausgleich von Florian Neuhaus wurden die Möglichkeiten aber teilweise kläglich vergeben, mit 28 Torschüssen stellten die Fohlen einen neuen Saisonrekord auf. 

Gefühl war es so etwas wie das letzte Aufbäumen in der ersten Halbzeit. Es wurde versucht, die letzten Kräfte zu mobilisieren um endlich einen Weg aus der Krise zu finden. Geschafft haben es die Borussen aber nicht, was auch an der eklatanten Schwäche im zweiten Spielabschnitt lag. In den vergangenen acht Spielen erzielten die Fohlen in der zweiten Halbzeit lediglich ein Tor, kassierten aber elf Gegentore. Zum Vergleich: Im ersten Spielabschnitt fielen lediglich drei Gegentore. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Gladbacher 61 Torschüsse zuließen, auch gestern in Augsburg sorgten die wenigen Versuche des FCA für reichlich Chaos in der Hintermannschaft. 

Falsche Signale vor Partie in Königsklasse 

Bei allem Respekt vor den Hausherren, ein solch hochwertig gespickter Kader wie der der Fohlenelf muss in der Lage sein, aus den vielen Chancen in irgendeiner Weise Kapital zu schlagen. Vor allem im Hinblick auf die Champions League am Dienstagabend hätte man sich noch ein bisschen Selbstvertrauen holen können. Stattdessen schrillen jetzt am linken Niederrhein die Alarmglocken, zumindest sollten sie es. 

Denn mittlerweile wirkt Marco Rose völlig resigniert, auch an ihm geht die aktuelle Situation selbstverständlich nicht spurlos vorbei. Dennoch: Es ist die Aufgabe eines Trainers, mit positiven Signalen voranzugehen und nicht die Partie gegen Manchester City quasi abzuschreiben. »Das Champions League-Spiel passt uns gar nicht in den Kram. Wir hätten gerne eine Trainingswoche, um uns auf die Kernaufgabe in der Bundesliga vorzubereiten.« Eine äußerst gefährliche und fast schon fahrlässige Aussage. Mit welcher Motivation fliegt Borussia jetzt noch am Montag nach Budapest? 

Während sich Lars Stindl und auch Florian Neuhaus wenigstens noch in Standard-Parolen gaben und die wohl vorerst letzte Königsklassen-Reise in dieser Saison nach dem Motto ‚Wir versuchen das Beste‘ antreten, ist der aktuelle Trainer gedanklich schon woanders.

Eine verwelkte Rose – Wer löst die Blockade? 

Sicherlich gebührt Max Eberl voller Respekt für ein Festhalten an Rose, allerdings hat sich in weiten Teilen des Umfelds dieser Respekt schon in völliges Unverständnis gewandelt. Spätestens nach dieser Aussage sollte Borussias Sportdirektor seine Entscheidung nochmals gründlich überdenken. Es ist unzweifelhaft, dass der tiefe Fall mit der Entscheidung von Marco Rose zu tun hat. In den vergangenen acht Spielen hagelte es wettbewerbsübergreifend unfassbare sieben Niederlagen in Folge. In der Bundesliga holten die Borussen in dieser Zeit nur einen Punkt und stehen damit auf dem letzten Platz in der Formtabelle. Sogar der FC Schalke 04 holte über diesen Zeitraum einen Punkt mehr… Und hat man nach dem 18. Spieltag auf dem fünften Platz gestanden und noch Luft zur Königsklasse geschnuppert, so droht man nach der Pleite in Augsburg im Niemandsland der Tabelle zu versinken.

Es ist offensichtlich, dass die Borussen ein Kopfproblem und eine Blockade haben. Beides muss schnellstmöglich gelöst werden. Am besten geht das natürlich mit Erfolgserlebnissen. Es darf angezweifelt werden, ob das mit Marco Rose noch gelingt. Natürlich sagt Eberl zu Recht, dass es keine Garantie für eine Erfolgsserie gibt, wenn man die im Fußball üblichen Mechanismen anwirft.

Aber schlimmer werden kann es eben auch nicht mehr und so muss man sich hinterher auch nicht vorwerfen lassen, nicht alles versucht zu haben. „Der Verein steht über allem”, hat Max Eberl unter anderem in seinem öffentlichen Brief absolut richtig geschrieben. Und bei dem geht es gerade steil bergab. Wenn der Manager zu dem Entschluss kommt, dass der scheidende Trainer das wider erwartend doch nicht stoppen kann, dann muss er auch im Sinne des Vereins und dessen Wohl handeln. Böse ist ihm dann keiner. Aber er muss eben hinschauen.

Zeit, das sich was dreht! 

Es ist definitiv an der Zeit, das sich was dreht und ändert. Die Königsklasse ist weg, aber Platz sieben ist nach wie vor möglich, vielleicht sogar Platz sechs. Und dieser internationale Strohhalm sollte nicht einfach weggeworfen werden, indem man krampfhaft an einem Coach festhält, der nicht in der Lage zu sein scheint, den Turnaround zu schaffen. Das kommende Bundesliga-Spiel beim FC Schalke muss die letzte Chance sein, in dieser Konstellation noch an die Wende zu glauben – damit nicht alles völlig zusammenfällt, was aktuell eh schon bröckelt.

Unterdessen möchte man sich gar nicht ausdenken was mit der Fohlenelf am Dienstagabend passiert, wenn Pep Guardiola seine Mannschaft so richtig von der Leine lässt. Mit Schalke wartet dann in einer Woche ein Gegner, der eigentlich schon am Boden ist. Das sind die Borussen nach der sechsten Pflichtspielniederlage in Folge jetzt wohl auch, denn das ‚letzte Aufbäumen‘ wurde nicht belohnt. Wenn schon der Trainer nicht mit guten Beispiel voran geht, vielleicht schaffen es ja die Spieler untereinander, sich nun etwas mitzureißen…

Die Lage am Borussia-Park ist gleichzusetzen mit dem Wetter an diesem Wochenende – trist, dunkel und stürmisch. Der Optimismus, dass das Tief alsbald abflautet und verschwindet, ist aktuell leider nicht groß. Es ist eben an der Zeit, dass sich was dreht!