Die Fohlenelf zelebrierte Fußball in Kiew und gewann verdient mit 6:0. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Efrem Lukatsky

Mit sage und schreibe 6:0 (!) gewann Borussia Mönchengladbach am Dienstagabend in der Champions League die Partie bei Schachtar Donezk und hat sich nach der Galavorstellung auf Rang eins der Gruppe B katapultiert. In Kiew sorgten Alassane Plea per Dreierpack, Christoph Kramer, Ramy Bensebaini und Lars Stindl für den völlig verdienten der Fohlenelf, die über die gesamten 90 Minuten voll überzeugte.

Borussias Trainer Marco Rose verzichtete in der Ukraine auf Andreas Poulsen (Schulter-OP) Jordan Beyer sowie auf Danis Zakaria (Aufbautraining) und nahm im Vergleich zum Sieg in der Liga gegen Leipzig drei Änderungen in der Startelf vor: Im Sturm bekam Marcus  Thuram den Vorzug vor Breel Embolo und Lars Stindl spielte anstelle von Patrick Herrmann. Zudem musste Siegtorschütze Hannes Wolf auf die Bank, Christoph Kramer spielte von Beginn an. Das Erfreuliche an diesen Fakten war, dass also Nico Elvedi nach seiner Muskelblessur mitwirken konnte.

Traumstart für die Borussia

Bei kühlen Temperaturen um zehn Grad ließen beide Teams ihre jeweiligen Motoren langsam Warmlaufen. Ein wenig mehr Ballbesitz hatten zwar die Hausherren, doch viel konnten sie damit nicht anfangen, weil die in Weiß spielenden Borussen früh störten und so die Angriffsversuche im Keim erstickten. Auf der anderen Seite nutzten die Borussen gleich ihre erste Chance und brachten sich in Führung. Lainer trieb die Kugel über rechts nach vorne und passte dann in die Mitte, wo Plea lauerte und die Kugel aus kurzer Distanz in den Maschen versenkte (8.). Ein toller, überfallartiger Angriff der Fohlenelf, die so mit dem ersten Torschuss gleich in Führung lag.

Kramer legt das 2:0 nach und erzielt das 100. Königsklassentor

Ein Traumstart für die Borussen, die auch nach dem Führungstor nicht zurücksteckten, sondern weiter bissig und agil blieben. Die Belohnung folgte auf dem Fuße. Die Fohlenelf war hellwach und schaltete nach Ballgewinn erneut blitzschnell um. Über Plea und Stindl gelang die Kugel zu Kramer, dessen Schuss aus zwanzig Metern unhaltbar abgefälscht wurde und in die Maschen trudelte – 2:0 für den VfL (17.)!

Mit diesen beiden frühen Treffern waren die Fohlen übrigens nun bei 100 Toren in der Königsklasse angelangt. Eine völlig verdiente Doppel-Führung für die Borussen, die ihre Sache bis dahin exzellent machten und Donezk nur hinterherlaufen ließen. Auf der Gegenseite war Schachtar geschockt und musste sich erstmal schütteln.

Plea sorgt mit einem Traumtor für die Vorentscheidung 

Und ehe sie dazu kommen konnten, legten die Borussen den dritten Treffer nach! Die Fohlenelf befreite sich spielerisch aus Schachtars Pressing und galoppierte nach vorne. Dann fasste sich Plea aus 22 Metern ein Herz und legte die Kugel mit seinem strammen Schuss zum 3:0 ins linke obere Eck – Traumtor (26.)!  Drei Minuten später beinah das erste Tor der Hausherren, doch Sommer war da und wehrte den Schuss von Tete ab (29.). Auf der Gegenseite klärte Keeper Trubin vor Hofmann (33.), ehe Thuram die Kugel nach der fälligen Ecke über die Querbalken köpfte (34.).

Borussia hat noch nicht genug

Auch nach dem 3:0 lehnten sich die Borussen nicht zurück. Im Gegenteil: Es ging weiter überfallartig nach vorne. Kurz vor der Pause war der Drops in New dann auch gelutscht. Nach Ecke von Hofmann scheiterte Bensebaini im Strafraum erst mit seinem Kopfball, um dann den Rebound zu nutzen und die Kugel zum 4:0 über die Linie zu drücken (44.).

Mehr Tore gingen dann erstmal nicht mehr, weil Schiedsrichter Serdar Gözübüyük zum Pausentee bat. Marco Rose konnte voll zufrieden sein mit den ersten 45 Minuten seiner Mannschaft. Es war schlichtweg ein Augenschmaus und ein Genuss, was die Borussen in der ersten Hälfte in Kiew auf die Platte gebracht hatten. Von Beginn an war man da, ließ Donezk keine Luft zum Atmen und versenkte vier von sieben Torschüssen.

Zum zweiten Durchgang ließ Rose seine Fohlen unverändert spielen. Und der 44-Jährige gab ihnen mit auf den Weg, sofort draufzugehen und nicht nachzulassen. Dennoch war es nachvollziehbar, dass die Borussen mit diesem Vorsprung vom Rücken nicht mit Vollgas-Fußball und ‚blind‘ naht vorne liefen. Mit Köpfchen und der nötigen Ruhe ließ man die Kugel laufen und setzte Nadelstiche.

Fohlenelf kontrolliert die Partie, auch Stindl trifft

Auf der Gegenseite hatte der amtierende ukrainische Meister wenig anzubieten und hatte kaum Ideen, um die Fohlenelf vor Aufgaben zu stellen. Hatte Donzek den Ball, fiel Ihnen nicht ein. Zu tun hatte das aber auch mit den Borussen, die weiterhin hellwach warben und Angriffsversuche sorgt zu unterbinden wussten. 

Mittlerweile war fast eine Stunde gespielt und die Borussen hatten in den Kontroll- und Verwaltungsmodus geschaltet, hielten den Gegner aber auch damit gut in Schach. Allerdings hielt sich der Aufwand dafür auch in Grenzen, weil Donzek komplett harmlos war. Dann hatte Thuram das 5:0 auf dem Fuß, doch Bodo hatte rechtzeitig den Fuß dazwischen (58.). Eine Minute später setzte Elvedi einen Abpraller volley über die Torlatte (59.). Der nächste Versuch saß dann aber. Nach Ballverlust von Trubin schnappte sich Plea die Kugel und setzte Stindl mit einem schnellen Zuspiel in Szene. Der Kapitän traf aus dreizehn Metern zum 5:0 (65.).

Plea macht das halbe Dutzend voll

Marco Rose hatte dann schon das kommende Bundesliga-Spiel in Leverkusen am kommenden Sonntagabend im Blick (18:00 Uhr) und schonte ein paar Kräfte. Und dann machte Plea das habe Dutzend voll. Plea wurde bei einem Konter von Thuram perfekt angespielt und schoss den Ball ins linke Eck – 6:0 (78.)! Zwar kam der VAR aufgrund einer vermuteten Abseitsstellung nochmal ins Spiel, aber der Treffer zählte.

Das war der Schlusspunkt und einer bärenstarken Partie der Borussen, die Donezk nicht den Hauch einer Chancen ließen und unter dm Strich hochverdient mit 6:0 (!) gewannen. Diese Leistung und dieses Spiel muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Chapeau, Borussia! 

Die Kurzstatistik zum Spiel:

Schachtar Donezk: Trubin – Dodo, Bondar, Khochloava, Korniyenko – Maycon (69. Stepanenko) – Tete, Marcos Antinio (46. Alan Patrick), Marlos (46. Kovalenko), Solomon – Taison (46. Junior Moraes)

Weiter im Kader: Pyatov (ETW), Shevchenko (ETW), Kryvtsov, Matviienko, Bolbat, Cipriano, Sudakov, Vakula

Borussia Mönchengladbach: Sommer – Lainer (82. Lang), Ginter, Elvedi (82. Jantschke), Bensebaini – Kramer, Neuhaus – Hofmann (75. Lazaro), Stindl (69. Wolf), Thuram – Plea (82. Traoré)

Weiter im Kader: Sippel (ETW), Grün (ETW), Wendt, Bénes, Reitz, Embolo, Herrmann

Tore: 0:1 Plea (8.), 0:2 Kramer (17.), 0:3 Plea (26.), 0:4 Bensebaini (44.), 0:5 Stindl (65.), 0:6 Plea (78.)

Gelbe Karten: Khochloava, Solomon / Lang

Bes. Vorkommnisse: Keine

Schiedsrichter: Serdar Gözübüyük (Niederlande)

Zuschauer: Fehlanzeige (Olympiastadion Kiew)