Enttäuschte Borussen nach der Niederlage in München. Foto: picture alliance/Peter Schatz/Pool

Dass Borussia Mönchengladbach im Auswärtsspiel beim FC Bayern München leer ausging, hätte nicht sein müssen. Die Fohlenelf begegnete dem Rekordmeister eine Stunde lang mehr als auf Augenhöhe und hätte einen Punkt verdient gehabt. Doch dann brach man ein und vor allem ein folgenschwerer Fehler in der Schlussphase besiegelte die Niederlage an der Isar. Eine, die im Kampf um die Champions League teuer werden könnte.


Die Enttäuschung war groß bei den Borussen nach dem Schlusspfiff in der Allianz-Arena. Mit gesenkten Köpfen verließen sie das weite und leere Rund der Allianz-Arena – und das absolut verständlich. Vier Minuten vor Abpfiff der Partie brachten sich die Borussen um den verdienten Lohn in einer Partie, in der sie eine Stunde lang dem Rekordmeister Aufgaben gestellt hatten und mutig waren. So wie es ihr Trainer im Vorfeld der Partie gefordert hatte.

»Wir haben es in den ersten 60 Minuten, speziell in der ersten Halbzeit sehr gut gemacht. Wir hatten mehr Ballbesitz und haben es geschafft, dass die Bayern nicht in ihren üblichen Ablauf kommen konnten«, lobte Christoph Kramer, der im 4-2-3-1-System den gesperrten Alassane Plea ersetzt hatte. »Wir selbst haben viel Gutes mit dem Ball gemacht und waren griffig drauf.«

Mehr Ballbesitz in Hälfte eins

»Ich hatte vor allem in der ersten Hälfte ein sehr gutes Gefühl. Wir sind gut reingekommen, hatten die Kontrolle gehabt und viel Ballbesitz«, meinte Yann Sommer, der wusste, dass das 0:1 in der 26. Minute ganz klar auf seine Kappe ging. Der Schweizer spielte die Kugel quer genau in die Füße von Joshua Zirkzee, der nur noch einschieben musste. »Da habe ich die falsche Entscheidung getroffen, klarer Fehler von mir«, gab Sommer zu.

Doch die Borussen ließen sich davon nicht beirren. Im Gegenteil. Sie blieben dran, beschäftigen die Bayern und erzwangen dann verdient den Ausgleich, für den Benjamin Pavard mit einem Eigentor kurz vor der Pause gesorgt hatte. »Wir sind zurückgekommen waren weiter mutig und gehen dann mit einem 1:1 in die Pause. Das war wichtig und gut. Da war ich auch nach meinem Bock richtig froh drüber«, sagte Sommer.

Auch nach dem Seitenwechsel knüpften die Borussen zunächst an ihre mehr als ordentliche erste Hälfte an. Es gab sogar Möglichkeiten, um erstmals in Führung zu gehen – die bleiben leider ungenutzt. Hansi Flick hatte natürlich etwas dagegen, brachte frische Kräfte und stellte um. Auch Marco Rose tat das. Dennoch verlor seine Mannschaft dann irgendwie den Faden. Bayern erhöhte den Druck auf die Borussen, die gegen den Ball eine Menge zu tun hatten.

Nach einer Stunde nachgelassen und zu viele Fehler gemacht

»Wir hatten nach einer Viertelstunde in der zweiten Halbzeit zu viele einfache Ballverluste und haben unser Positionsspiel nicht mehr gut aufgezogen. Das hat Bayern dann in die Karten gespielt, da haben sie uns eingeschnürt«, haderte Lars Stindl.

»Ab der 60. Minute, wo Bayern mit voller Kapelle gespielt hat, wurden wir sehr tief hinten reingedrängt. Wir haben es dann leider verpasst, mehr Ballbesitz zu haben. Dann hatten wir zwei, drei entscheidende Ballverluste zu viel«, wusste Kramer »Dann baut sich Welle über Welle auf. Du darfst im Ballbesitz keine Fehler machen, Und das haben wir speziell zwischen der 60. und 70. Minute drei oder viermal gemacht und davon haben wir uns nicht mehr erholt.«

So kam es dann irgendwie, wie es kommen musste. Kurz vor Schluss nutzten die Bayern einen Fehler der Borussen und erzielten den Siegtreffer. »Der FC Bayern hatte Übergewicht, bei uns haben die Kräfte nachgelassen. Aber wir haben uns gewährt gegen die Niederlage und bekommen dann nach hinten raus noch so ein unglückliches Gegentor. Das ist natürlich sehr ärgerlich und sehr enttäuschend«, grummelte Stindl.

Der Kapitän und die Borussen verloren so ein Spiel, dass durchaus hätte zumindest mal Unentschiedne hätte ausgehen können. Aber warum hat das nicht geklappt? »Wir haben einfache und auch unglückliche Tore hergeschenkt. Dann hätten wir unsere Chancen besser nutzen müssen«, analysierte Rose. »Hier in München bekommst du nicht viele Gelegenheiten, aber wir haben uns einige erspielt und die müssen wir eiskalt nutzen. Deswegen haben sich die Jungs mit einer sehr aufopferungsvollen und kämpferischen Leistung nicht belohnt.«

Der Fußball-Lehrer legte aber auch den Finger in die Wunde und wusste: »Trotzdem müssen wir selbstkritisch anmerken, wenn wir solche Spiele gewinnen wollen, dass wir die Kontrolle und die Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum halten müssen. Da geht es dann einfach auch darum, bis zur letzten Minute am Maximum zu verteidigen, auch wenn du müde bist. Das sind Dinge, die wir uns erarbeiten müssen, wenn wir eine Spitzenmannschaft werden wollen.«

»Definitiv müssen drei Siege her«

So wie eben es der FC Bayern München ist, der solche Spiele dann noch für sich entscheiden kann. Für die Fohlenelf war und ist diese bittere Niederlage ein erneuter Rückschlag im Kampf um die Königsklasse – die Luft wird dünner. Bayer Leverkusen hat am Sonntag im Auswärtsspiel auf Schalke die Möglichkeit, sich mit drei Punkten Vorsprung vor die Borussen zu setzen.

Mit einem Sieg oder zumindest einem Punkt hätte die Fohlenelf die Werkself in Zugzwang bringen können. So ist es man nun selbst Schuld. »Definitiv müssen drei Siege her, um noch die Champions League noch zu erreichen«, weiß Sommer. »Wir werden dieses Spiel gut analysieren. Es war vieles gut heute. Ich glaube, es wäre mehr drin gewesen. Aber das bringt uns nichts mehr. Wir müssen nach vorne schauen. Wir müssen die guten Dinge mitnehmen und die letzten drei Spiele mit viel Power und voller Energie angehen. Wir haben noch einiges vor.«

»Natürlich wollten wir heute was mitnehmen, um unsere Position ein Stück weit zu verbessern. Jetzt schauen wir mal, was bei Schalke gegen Leverkusen rauskommt. Zwischen uns und Leverkusen wird es entschieden, wer in die Champions League einzieht. Wir wollen das unbedingt«, hinterließ Stindl keine Zweifel. »Ich glaube, das hat man heute gesehen. Der Wille ist da. Wir haben jetzt noch drei Möglichkeiten. Da werden wir alles reinhauen und hoffen, dass es am Ende reicht.«

Dafür darf man sich aber eben keine Ausrutscher mehr leisten. Davon hat man sich zuletzt viele erlaubt, siehe Freiburg und Bremen. »Wir haben uns in den letzten Wochen in bestimmten Spielen häufig selber geschlagen. Auch heute haben wir unseren Teil dazu beigetragen. Das ist natürlich am Saisonende, wenn es ans Eingemachte geht, eine schwierige Konstellation. Aber wir haben noch drei Spiele und deswegen heißt es jetzt auch Mund abputzen und weitermachen.«