Wohin führt der Weg von Marco Rose und Borussia? Beim FCA muss ein Dreier her. Foto: Hufnagel PR

Es liegt eine turbulente Woche hinter Borussia Mönchengladbach. Erst die Pleite gegen Bayer Leverkusen, dann die damit verbundenen immer lauter werdenden ‚Rose-raus‘-Rufe, auf die Max Eberl mit einem offenen Brief an die Fans reagierte. In Augsburg müssen die Borussen jetzt auf dem Platz eine Antwort geben und endlich einen Dreier einfahren. Marco Rose muss dabei auf Christoph Kramer und womöglich auch auf Ramy Bensebaini verzichten.

Viel ist diskutiert und geschrieben worden, in den letzten Tagen. Anlass dazu gab es auch genug. Ob Max Eberl unterdessen mit seiner Entscheidung richtig liegt, an Marco Rose bis zum Saisonende festzuhalten, bleibt abzuwarten. Jedenfalls war es dem Manager noch mal ein Bedürfnis, vor dem Augsburg-Spiel darauf einzugehen.

»Der Brief war für mich ein Anliegen. Ich bin seit zwölf Jahren jetzt hier Sportdirektor und habe mit den Fans viele Höhen, aber auch einige Tiefen miterlebt. Mir war es in dieser Situation ein Bedürfnis, mich direkt an die Fans zu wenden und dann erst an die Öffentlichkeit zu gehen«, sagte Eberl. »Natürlich gibt es in beide Richtungen eine Resonanz, aber für mich war es einfach wichtig, dass ich mal mein Herz ausgeschüttet habe. Ich hoffe und spüre, dass ich die Fans erreicht habe, auch wenn ich nicht alles drehen konnte.«

Offensive braucht mehr Attacke und Durchschlagskraft

Apropos drehen. Es ist absolut an der Zeit, dass sich was dreht. Und zwar vor allem auf dem grünen Rasen, wo die Fohlenelf in den letzten Spielen arg lahmte. Gerade die Offensivabteilung hatte zuletzt kaum etwas zu bieten, um die gegnerischen Defensiven in ‚Angstzustände‘ zu versetzen. »Da haben wir eine Menge Luft nach oben«, weiß Marco Rose. »Aber wir arbeiten daran.«

Was sich der Fußball-Lehrer dann auch prompt mit seiner Mannschaft in dieser Woche getan hat. »Wir hatten gestern ein Torschuss-Training und da ging es auch darum, noch mehr Dynamik in Richtung gegnerisches Tor zu entwickeln und mehr Präsenz in der Box zu haben«, erklärte Rose. »Man muss sich Spiel- und Torglück hart erarbeiten, und wenn es nicht klappt, muss man noch eine Schippe drauflegen und mehr investieren. Das muss den Jungs bewusst sein und da nehme ich sie auch in die Pflicht.«

Pflicht ist auch ein Sieg in Augsburg, um zumindest an den Europa League-Plätzen dranbleiben zu können. Damit das gelingt, müssen die Borussen alles, aber auch alles, in die Waagschale werfen und neben der butternötigen Effizienz auch hinten den Laden dicht halten. Es darf nur in der Augsburger ‚Kiste‘ rappeln.

»Das Vertrauen in die Spieler muss und darf da sein«

Marco Rose ist überzeugt, dass seine Mannschaft dafür alles tun wird und auch mit mentaler Frische an die Aufgabe herangeht. »Wir haben in dieser Woche gut gearbeitet. Unter der Woche haben wir das richtig gut im Griff. Keiner verbietet den Jungs Spielfreude«, so der 44-Jährige und unterstreicht: »Das Vertrauen in die Spieler muss und darf da sein, weil wir grundsätzlich die Qualität besitzen und auch nachgewiesen haben.«

»Trotzdem ist man immer wieder abhängig von Ergebnissen. Vor allem in Phasen, in denen man viel spielt und wenig trainiert. Das heißt, man holt sich die Überzeugung und die Sicherheit über Spiele und positive Ergebnisse. Da tat uns diese Woche mal wieder ganz gut«, so Rose. »Am Ende geht es aber darum, dass die Jungs das auch in Augsburg auf den Platz bringen. Nur Spielfreude wird uns da aber auch nicht reichen. In Augsburg müssen wir dagegenhalten und die Intensität annehmen.

In der Tat. Denn der die Truppe um Leihgabe László Bénes, der übrigens gegen die Borussen auflaufen darf und demzufolge keine Klausel besitzt, nicht gegen seinen Stammklub spielen zu dürfen, benötigt ebenso jeden Punkt und will vor allem zuhause mal wieder gewinnen. Denn die Fuggerstädter gewannen nur eines der letzten neun Bundesliga-Heimspiele. »Der FC Augsburg hat für sich selbst das Ziel hat, in der Bundesliga zu bleiben. Da sind sie zurzeit auf einem anständigen Weg«, befindet Rose und warnt: »Ich erwarte morgen eine Mannschaft, die um ihre Chance kämpft und jedes Mittel wählen wird. Es wird eine Herausforderung, doch wir wollen morgen endlich wieder drei Punkte holen, um selbst wieder ein gutes Gefühl zu bekommen.«

Ohne Kramer, Bensebaini fraglich – Eberl spricht über Doucouré

Auf der Gegenseite sind die Borussen seit acht Spielen gegen den FCA ungeschlagen (vier Siege, vier Remis). An diesem Freitag soll und muss eben der nächste Sieg her. Nicht dabei mithelfen können wird Christoph Kramer, der aufgrund einer Kapselbandverletzung passen muss. Und auch Bei Ramy Bensebaini ist noch nicht sicher, ob er für das Spiel infrage kommt. »Wir müssen die medizinische Untersuchung abwarten, sein Einsatz ist fraglich«, gab Rose bekannt.

Einer, der schon länger fehlt, ist Mamadou Doucouré. Es ist schlichtweg tragisch und kaum zu glauben, was der Youngster in seiner noch jungen Profikarriere alles wegstecken muss. Zuletzt hatten die Borussen ihm eine Auszeit gegönnt, um neue Kraft zu tanken. Doch bei den Borussen ist man weiterhin vom jungen Franzosen überzeugt und hält ihm die Stange – was aller Ehren wert ist und großen Respekt verdient. Wann der Abwehrmann aber wieder auf einem (Bundesliga-) Platz stehen kann, scheint aktuell in den Sternen zu stehen.

»Er hat als sehr junger Mensch bereits eine lange Leidenszeit durchlitten. Er ist nun wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen und nun hoffen wir, dass er mental und körperlich stabil bleibt und uns im Sommer wieder zur Verfügung stehen wird«, gab Eberl Einblicke, schränkte aber ein: »Dennoch kann ich nicht fix sagen, dass ich fest mit ihm planen kann.« Das kann Marco Rose gegen Augsburg aber wieder mit Lars Stindl, der seine Gelbsperre abgesessen hat und auch gleich wieder in die Startelf rücken dürfte.

»Jetzt gilt es, dass wir in die Erfolgsspur zurückkommen«

Eigentlich ist alles gesagt. In Augsburg zählt für die Borussen einzig und alleine ein Sieg. Dann könnte die Kritik an Marco Rose zunächst zumindest etwas verstummen. Damit das gelingt, muss man sich auf die eigenen Stärken besinnen und vor allem auf den Platz bringen und abrufen. Es ist unbestritten, dass die Fohlen die weitaus bessere Qualität haben als die Herrlich-Truppe.

»Wir haben aktuell keine positiven Ergebnisse, und das bedeutet Unruhe und Unzufriedenheit. Daran müssen wir arbeiten. Jedes negative Ergebnis hat in den letzten Tagen natürlich etwas mit uns gemacht«, sagt Rose und fügt an: »Wir haben uns aber jedes Mal wieder aufgerichtet und sind das nächste Spiel angegangen, und so ist es auch vor dem Duell in Augsburg. Jetzt gilt es, dass wir in die Erfolgsspur zurückkommen und wieder ein Bundesligaspiel gewinnen…« Na dann auf geht’s!