Ramy Bensebaini nach seinem Tor – Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Efrem Lukatsky

 

Mit einer Gala-Vorstellung fegte Borussia Mönchengladbach Schachtar Donezk vom Platz. Durch den überragenden Sieg in der Champions League führen die Fohlen nun sogar die Gruppe B an. Der gestrige Abend war eine Art Machtdemonstration im Europapokal und perfekt durchgespielt. Vor allem die erste Halbzeit war sicherlich eine der besten Spielabschnitte in der Ära von Marco Rose. 

Von Beginn an spielbestimmend 

Stark gespielt, aber leider nur zwei Punkte mitgenommen: So lautete das Motto von Borussia Mönchengladbach nach den Champions-League-Spielen bei Inter Mailand und gegen Real Madrid. »Wir haben die anderen beiden Spiele ein bisschen begutachtet. Wir wussten, was auf uns zukommt aber auch, dass es Möglichkeiten gibt«, sprach Lars Stindl am Mikrofon von ‚DAZN‘ Schachtar Donezk an. Aber dass die Fohlen solch große Möglichkeiten im Olympiastadion von Kiew bekommen sollten, damit hätte vermutlich keiner gerechnet. 

Schon nach 17 Minuten war die Partie vorentschieden, denn die Fohlenelf legte einen furiosen Start hin. Frühes Pressing, die Ukrainer zu Fehlern zwingen und dann eiskalt zuschlagen. Die Fohlen spielten wie von einem anderen Stern und ließen Donezk absolut keinen Raum, es ging Schlag auf Schlag. »Wir haben von Anfang an keine Zweifel aufkommen lassen, was wir hier vorhaben. Wir waren sehr giftig und haben unseren Gegner sehr früh unter Druck gesetzt. Wir hatten immer wieder Ballgewinne und haben relativ zielstrebig zum Tor gespielt und die Treffer dann in der richtigen Situation auch gemacht«, so Lars Stindl, der selber ein Tor zum höchsten Sieg in der Champions-League beitrug. 

Kramer hadert mit vermeintlichem Treffer 

Schon beim Führungstreffer legte Borussia die Messlatte für den Abend sehr hoch, denn Alassane Pléa wurde von Stefan Lainer sehenswert in Szene gesetzt. Ein toll herausgespielter Treffer. »Wir wollten über die Außen kommen, den Querball spielen und mit viel Präsenz im Sechzehner dann das Tor machen. So hatten wir viele Möglichkeiten«, verriet Borussias Kapitän das Erfolgsrezept. In Kiew erwischte ‚Lasso‘ einen »Sahnetag«, der Franzose erzielte einen, wenn auch nicht lupenreinen, Hattrick und war an einem weiteren Tor direkt beteiligt. 

Christoph Kramer hingegen erzielte zwar das 2:0, sein Schuss war allerdings abgefälscht und deshalb wertete die Uefa den Treffer als Eigentor. »Ich glaube der Schiedsrichter schaut sich das noch mal an und dann wird das sicher für mich gewertet. Der geht auch so rein«, schmunzelte Kramer bei ‚DAZN‘. Der Weltmeister von 2014 war auch ansonsten wieder sehr auffällig, spulte viele Kilometer ab und war ebenfalls am frühen Gegenpressing beteiligt. 

»Wir haben heute viel richtig gemacht und haben Donezk vorher richtig gut analysiert. Wir wussten, sie pressen nicht sehr hoch, spielen aber mit der letzten Abwehrkette sehr hoch. Dadurch haben wir uns auf zweite Bälle konzentriert und waren im Gegenpressing gegen eine spielstarke Mannschaft gut drin. Wir haben viel investiert, denn gegen solche Mannschaften ist es wichtig, selbst den Ball zu haben«, analysierte Kramer den magischen Abend von Kiew. 

»Wir haben in dieser Partie eine Menge, wenn nicht gar alles richtig gemacht«

Letztlich standen 46 Prozent Ballbesitz auf Seiten der Fohlen und starke 20 Torschüsse, dabei gingen 10 direkt aufs Tor. »Wir wollten die Möglichkeiten ausnutzen. Darüber sind wir sehr glücklich und fliegen so gerne morgen zurück«, meinte Lars Stindl. Die Reisetruppe Borussia entschied sich nämlich noch eine weitere Nacht in Kiew zu verbringen. Ansonsten hätten sie den Rückflug nach Köln antreten müssen, um von dort aus nochmals ca. eine Stunde mit dem Bus nach Mönchengladbach zu fahren. Im Hinblick auf die Partie am Sonntag bei Bayer Leverkusen ließen es die Fohlen deshalb etwas ruhiger und entspannter zugehen. 

Apropos: In der zweiten Halbzeit investierte die Fohlenelf verständlicherweise nicht mehr so viel wie noch zuvor im ersten Spielabschnitt. Dennoch sprangen zwei weitere Treffer heraus und die Elf von Marco Rose hatte die Partie völlig im Griff. »Wir hatten auch Phasen, in denen wir Ruhe ins Spiel reingebracht haben um das Spiel nicht zu hektisch zu machen«, stellte Borussias Kapitän klar. Von Donezk kam absolut keine Gegenwehr, vielmehr ließen sich die Ukrainer hängen und hatten nicht den Hauch einer Chance. 

»Wir haben in dieser Partie eine Menge, wenn nicht gar alles richtig gemacht. Die Jungs waren von der ersten Minute an da, haben den Gegner unter Druck gesetzt und dadurch viele Bälle gewonnen. Anfangs brauchten wir noch ein wenig Justierung, doch als die Diagonalbälle hinter die Abwehr kamen, sah das sehr gut aus. Die Mannschaft hat den Matchplan super umgesetzt, doch es gehören natürlich auch intuitive Laufwege, wie der von Alassane Plea vor dem 1:0 dazu, den man natürlich vor dem Spiel nicht besprechen kann. Unsere grundsätzliche Staffelung hat uns heute geholfen, dass wir viele Spieler in der Box hatten und dann haben wir auch sehr gut die Räume zu vielen schönen Toren genutzt«, war Marco Rose dementsprechend zufrieden mit dem Aufritt seiner Mannschaft. 

Nun stehen die Fohlen nach drei Spieltagen an der Tabellenspitze der Gruppe B in der Champions League, das hätte bei diesen namhaften Gegner wohl niemand vorhergesagt. Dennoch drückte Christoph Kramer etwas auf die Euphoriebremse und schaute schon wieder auf das Rückspiel im Borussia-Park. »Wir wissen, dass es in drei Wochen mit einem schweren Spiel gegen Donezk weitergehen wird. Dann haben wir Mannschaften, die auch nicht gerade Laufkundschaft sind. Von daher ist das eine Bestätigung unserer Form, dass wir gerade viel richtig machen.« Auch Lars Stindl weiß, »dass in drei Wochen ein ganz anderes Spiel« auf Borussia zukommt, ist aber erstmal »sehr glücklich das Spiel« bei Schachtar Donezk gewonnen zu haben.