Trotz einer starken ersten Halbzeit fuhr Borussia mit leeren Händen wieder nach Mönchengladbach. Foto: Poolfotos/Dirk Päffgen

Mal wieder eine gebrauchte Auswärtsfahrt für Borussia Mönchengladbach in Freiburg. Das ist zwar keine neue Erkenntnis, aber die gestrige Niederlage war völlig unnötig. Ein starkes Zeichen im Kampf um die Königsklasse blieb aus, vielmehr schlugen sich die Fohlen am Freitagabend selbst. 


Die Ausgangslage für die Fohlenelf vor dem 30. Spieltag war eigentlich gar nicht so schlecht. Platz vier, punktgleich mit Leverkusen, man konnte am Freitagabend vorlegen und ein wichtiges Signal an die Konkurrenz im Kampf um die Champions League senden. Wäre da nicht schon wieder die ungeliebte Aufgabe SC Freiburg.

Bärenstarke erste Hälfte nicht gekrönt

Allerdings hatte Marco Rose seine Mannschaft zu Beginn sehr gut aufgestellt und es verwunderte nicht, dass es die Mannschaft, die gegen Union Berlin gewonnen hat, auch im Schwarzwald-Stadion richten sollte. Manch einer rieb sich in den ersten 20 Minuten sicherlich etwas verwundert die Augen, denn die Fohlen spielten Freiburg da an die Wand. 70 Prozent zugunsten der in Blau gekleideten Gäste sprachen für sich.

Irgendwie fehlte aber teilweise die letzte Durchschlagskraft, der letzte Pass in die Tiefe. Zwar versuchten es die Borussen immer wieder über die Seite von Ramy Bensebaini, teilweise waren die Flanken aber auch einfach zu ungenau geschlagen. Dennoch: In der ersten Halbzeit machten die Gäste fast alles richtig. Eben nur fast, denn der hochverdiente Treffer blieb trotz bester Chancen aus. So ging man schon mit einem etwas mulmigen Gefühl in die zweite Halbzeit, denn die Freiburger machten zu Beginn des neuen Spielabschnitts einen deutlich aufgeräumteren Eindruck als zuvor.

Schlecht verteidigter Freistoß und Rote Karte von Plea brachen das Genick

Spätestens mit der Einwechslung von Nils Petersen sollte das Signal der Offensive auch bei den Fohlen angekommen sein, kam es aber nicht. Stattdessen durfte der Nationalspieler mit seinem ersten Ballkontakt fast ungestört einköpfen und das Spiel auf den Kopf stellen. Zwar muss man Marco Rose komplett Recht geben, dass seine Hintermannschaft diesen Standard absolut schlecht verteidigte, doch die gewisse Schwäche bei ruhenden Bällen ist mittlerweile schon auffällig. 

Zu allem Überfluss sah dann auch noch Alassane Pléa die Ampelkarte. Über die zweite Gelbe Karte kann man sicherlich streiten, doch die erste war einfach nur dumm. Da wurden unfreiwillig Erinnerungen an das Spiel in Leipzig wach, als der Franzose ebenfalls vom Platz flog. Nun sollte man aber auch nicht allzu sehr auf den 27-Jährigen „einprügeln“, schließlich war er noch eine Woche zuvor der gefeierte Held und hat Borussia mit in diese fantastische Ausgangslage gebracht. 

Stattdessen verpassten es seine Kollegen nämlich, eine Reaktion zu zeigen. Hier trennte sich nämlich am Freitagabend die Spreu vom Weizen: Während sich eine Spitzenmannschaft wie Bayern oder Dortmund vermutlich nochmal in den Hintern getreten hätte, kam von den Fohlen nahezu nichts mehr. Sieht so der absolute Wille für die Champions League aus? Immerhin war noch eine halbe Stunde zu spielen und ein wertvoller Punkt war nur ein Tor entfernt. 

Genau hier liegt die Kunst, eine solch überragende erste Halbzeit auch mal zu Ende zu spielen. Es fehlt aktuell einfach an Konstanz: Von fünf Spielen nach dem Re-Start machte die Fohlenelf zwei gute Spiele, nämlich in Frankfurt und zu Hause gegen Union Berlin. Leider fallen drei unglückliche Auftritte ins Gewicht und könnten am Ende die erhoffte Königsklasse kosten. Zwar sprechen die Akteure in letzter Zeit häufiger von der europäischen Spitzenklasse, dafür bedarf es dann aber auch mal einer konstanteren Leistung.

Vor allem in der Schlussphase kann und darf man sich keine Ausrutscher erlauben. Nächste Woche wartet mit den Bayern das nächste Brett. Zwar konnte Borussia hier in der Vergangenheit fast immer überzeugen, aber auch dieses Spiel muss erstmal gespielt werden. Und so dürfen sich die Konkurrenten aus Leverkusen und Leipzig nach dieser Leistung der Gladbacher wohl wieder verstärkt Hoffnungen auf einen Platz unter den besten Vier machen. 

Marco Rose und die Borussen müssen diese schmerzvolle Niederlage nun aufarbeiten. Bleibt zu hoffen, dass der Punktverlust nicht nur tabellarisch keine nachhaltigen ‚Schäden‘ anrichtet und die Fohlenelf schnell wieder zurück in die Spur findet. Ansonsten „muss“ man sich erneut mit der Europa League zufrieden geben… 

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