Ich habe da ein bisschen eine kontroverse Meinung. Ich glaube, dass das viele machen, um eine Marke aus sich zu machen. Ich sehe das für nach der Karriere als absolut sinnvoll an, aber eigentlich nur aus finanzieller Sicht. Ich sehe den Sinn dahinter vollkommen und hab da auch gar nichts gegen. Aber insgesamt ist es so, dass man sich immer vergleicht. Das ist kein aktiver Gedanke, aber im Unterbewusstsein vergleicht man sich immer und strebt immer nach mehr und man kann nicht satt werden, weil es immer einen gibt, egal auf welchem Niveau man ist, der mehr Follower hat. (…) Wenn man sich ständig vergleicht, kann man nicht zufrieden sein. (…) Und bei der ganzen Geschichte muss man schon ein bisschen seine Seele und den Körper verkaufen, aber ich sehe den Sinn dahinter.

…seine eigenen Social-Media-Aktivitäten:

Jetzt bei der WM mache ich richtig viel, weil ich die Marke ‚Christoph Kramer‘ gerade vorantreibe (lacht). Das ist für mich eine Testphase. Nach der WM werde ich dann wieder deutlich weniger machen. Aber ich habe es mir jetzt vorgenommen, weil natürlich auch viele Leute an mich herantreten und fragen, ob ich nicht mal Lust auf dieses und jenes hätte. Deswegen habe ich gesagt: Für die WM werde ich es nutzen und gucken, wie das ankommt und wie ich mich dabei fühle, aber das bin nicht ganz ich. Ich fühle mich in der Rolle der Sozialen Medien nicht so unfassbar wohl. Es ist ok, ich mag das auch ab und zu, hab ich gar kein Problem mit. Aber ich sage jetzt nicht: ‚Boah ist das geil!‘

…die beliebte Diskussion über die Körpersprache im Fußball:

Die Körpersprache kommt nur zur Sprache, wenn es nicht läuft. Ich habe gelesen, dass Özil gegen Mexiko eine schlechte Körpersprache hatte. Der hat die gleiche Körpersprache wie zu dem Zeitpunkt, als er dreimal zum ‚Nationalspieler des Jahres‘ gewählt wurde und 2010 wahrscheinlich der beste Spieler des Turniers war. Wenn Mo Salah seine Arme runterzieht und seine Hände damit versteckt und rumrennt wie ein Schluck Wasser in der Kurve, drei Tore schießt, dann sagt danach keiner: Geiles Spiel, drei Tore gemacht, aber die Körpersprache hat mir nicht gefallen. Im Misserfolg holt man sowas immer raus und das finde ich nicht gerecht.

…den Reiz eines Wechsels ins Ausland:

Ich habe an Gladbach schon so ein bisschen mein Herz verloren. Da spiele ich einfach gerne und es ist ja nicht so, dass ich täglich ein Angebot von einem europäischen Topklub bekomme, das muss man auch ganz ehrlich sagen. Aber generell ist es so, dass ich mich in Gladbach unfassbar wohlfühle. Ich liebe den Verein wie er ist, mit allem, was dazu gehört und den Sachen, die vielleicht nicht so rund sind. Auf dem Gehaltsniveau, wo man sich als Fußballer bewegt, sollte man nicht dem Geld hinterherjagen. Am Ende macht das schöne Leben viel mehr aus als ein paar Euros mehr.