Stefan Lainer gehört bei den Fohlen zum absoluten Stammpersonal. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de

Seit über einem Jahr ist Stefan Lainer nun bei Borussia Mönchengladbach. Im letzten Sommer brachte ihn Marco Rose aus Salzburg mit an den linken Niederrhein. Unter dem Borussen-Coach hat sich der 28-Jährige direkt als unverzichtbare Stammkraft etabliert. Im Interview mit unserer Redaktion spricht der österreichische Nationalspieler unter anderem über seine bisherige Zeit am linken Niederrhein, den Privatmensch Stefan Lainer, die bevorstehende Champions League, Marco Rose und die beiden Landsleute Hannes Wolf und Valentino Lazaro und über die aktuelle Saison.

Fohlen-Hautnah: Stefan, zunächst einmal vielen Dank, dass Du Dir für uns Zeit nimmst. Du bist nun seit über einem Jahr bei Borussia Mönchengladbach. Wie fällt rückblickend auf das vergangene Jahr Dein Fazit aus – sportlich und privat?

Stefan Lainer: Mein Fazit fällt sehr positiv aus. Die Eingewöhnungsphase hat bei mir nicht lange gedauert. Als Mannschaft haben wir versucht, einen neuen Spielstil umzusetzen. Das ist uns mit zunehmender Dauer der Saison auch immer besser gelungen. Wir sind konstanter geworden und waren mit dem Erreichen der Champions League unter dem Strich dann auch sehr erfolgreich. 

Fohlen-Hautnah: Du hast Dich gleich für 5 Jahre an den Verein gebunden. In der heutigen Zeit zwar keine ungewöhnliche Laufzeit, aber schon ein Statement. Warum hast Du Dich für eine derart lange Laufzeit entschieden und gibt es da eine Möglichkeit, vorher unter gewissen Bedingungen „auszusteigen“…?

Stefan Lainer: Grundsätzlich ist es im Fußball immer schwierig zu planen. Sowohl vom Verein als auch von meiner Seite war es aber ein klares Statement, dass wir diesen Vertrag abgeschlossen haben. Borussia ist nicht nur eine Durchlaufstation für mich, sondern langfristig gesehen meine neue Heimat. Wir wollen uns hier etwas erarbeiten und eine Mannschaft aufbauen, die langfristig attraktiven und spannenden Fußball spielt. Dazu möchte ich meinen Teil beitragen. Aus meiner Sicht war das ein klares Statement, dass es keine kurzzeitige Etappe werden soll, sondern dass ich in diesem großartigen Verein Fuß fassen und in den nächsten Jahren größtmöglichen Erfolg haben möchte. 

Fohlen-Hautnah: Kannst Du dir denn vorstellen, nach Deinem Karriereende noch in Deutschland zu bleiben oder schaust Du mit einem Auge auch immer mal wieder nach Österreich?

Stefan Lainer: Ich hoffe, dass mein Karriereende noch ein paar Jahre entfernt ist, deshalb habe ich mir aber noch keine großen Gedanken gemacht. Grundsätzlich bin ich schon einer, der sich immer alles offen hält. Im Leben kann viel Unerwartetes passieren. Wie es nach der Karriere aussieht, kann man noch nicht sagen. 

Fohlen-Hautnah: In der letzten Saison hast Du bis auf drei Spiele alle über die volle Distanz absolviert. Damit dürftest Du mit dem ersten Jahr in Mönchengladbach ja sehr zufrieden sein. Hat Dein erstes Jahr denn auch persönlich die Erwartungen erfüllt?

Stefan Lainer: Ich denke schon. Die Bundesliga ist eine sehr spannende Liga, in der die Dichte sehr hoch ist. Viele Mannschaften haben Ambitionen oben mitzuspielen, das macht es nicht leichter. Umso erfreulicher ist es aber, dass wir das mit einer Veränderung im Kader, aber auch der Art und Weise, wie wir Fußball spielen wollen, schaffen konnten. Dieses Selbstvertrauen müssen wir mit in die neue Saison nehmen, das sollte uns Sicherheit geben. Trotzdem wollen wir gierig bleiben und uns auch in diesem Jahr bestmöglich verkaufen. 

Fohlen-Hautnah: Es ist kein Geheimnis, dass Marco Rose Dich unbedingt bei Borussia sehen wollte. Dieser Wunsch ist ja für ihn in Erfüllung gegangen. Wie ist Dein Verhältnis zu ihm und was zeichnet Marco Rose als Mensch und Trainer aus?

Stefan Lainer: Marco ist ein sehr authentischer Mensch und Trainer, der immer ein direktes und faires Verhältnis anstrebt. Das ist eine sehr positive Eigenschaft, die ich sehr an ihm schätze. Er spricht die Dinge klar an, egal ob positiv oder negativ. Man weiß immer direkt, woran man bei ihm ist, das ist in unserem Business nicht immer selbstverständlich. Ich denke, wenn man als Spieler immer hundert Prozent gibt und sich aufopferungsvoll der Mannschaft unterstellt, dann wird man von Marco auch immer Rückendeckung bekommen und sein vollstes Vertrauen genießen. Er wird niemals jemanden fallen lassen. Eine starke Eigenschaft als Trainer ist, dass er ein sehr gutes Gespür für Themen innerhalb der Mannschaft hat. Er weiß genau, was die Mannschaft gerade braucht. Auch zwischenmenschlich hat er ein sehr gutes Gefühl für die Mannschaft. 

Fohlen-Hautnah: „Seine Entwicklung ist sehr, sehr gut, er spielt ja auch fast jedes Spiel. Das bin ich von ihm gewohnt, weil er einfach eine Maschine ist. Er macht das sehr gut und passt auch super in das Konzept von Gladbach herein. Er hat einen Verein gefunden, der sehr gut zu ihm passt. Bei den Fans wird er sicherlich auch sehr beliebt sein, weil er ein harter Arbeiter ist und einfach nie aufgibt. Das zeichnet ihn aus.“, hat Xaver Schlager jüngst im Interview mit uns gesagt. Worte, die Dich freuen dürften und die auf Dich wie die Faust aufs Auge zutreffen? 

Stefan Lainer: Das Interview habe ich bei euch gelesen, das war ja vor dem Spiel gegen Wolfsburg. Xaver ist ein guter Freund von mir. Ich denke, dass er es in wenigen Worten gut zusammengefasst hat. Natürlich tut es einem in der Seele gut und ist sehr positiv, wenn man so etwas hört und es freut mich, wenn er das so sieht. Er kennt mich sehr gut und dann wird vermutlich wird auch etwas Wahres dran sein. 

Fohlen-Hautnah: In Österreich hast Du alles erreicht, bist viermal Meister und dreimal Pokalsieger mit Salzburg geworden. Mit welchen Zielen bist Du in die deutsche Bundesliga und zu Borussia gekommen?

Stefan Lainer: Ich habe in Österreich so gut wie alles erreicht, deshalb wollte ich eine neue Herausforderung. Bei Borussia wird sehr gut gearbeitet und das Umfeld ist optimal dafür, sich auch nochmal weiterzuentwickeln. In den Ambitionen des Trainers und des Vereins habe ich mich selber auch widergesehen. Ich bin auch sehr ambitioniert und deshalb habe ich ein sehr gutes Gefühl bei dem Wechsel gehabt. Deshalb habe ich da auch gar nicht lange drüber nachdenken müssen. 

Fohlen-Hautnah: Mit Salzburg hast Du zwar Champions League-Qualifikation, aber nicht in der Gruppenphase gespielt. Ist da bei Borussia so etwas wie ein Traum wahr geworden und was ist für Borussia in der Königsklasse möglich?

Stefan Lainer: In Salzburg hätte ich letztes Jahr zum ersten Mal in der Gruppenphase der Champions League gespielt. Das war zunächst sicherlich nicht einfach für mich. Das zeigt aber auch nochmal, wie wichtig mir dieser Schritt war. Jetzt haben wir es im ersten Jahr geschafft, uns für die Champions League zu qualifizieren. Deshalb freut es mich umso mehr, denn es ist für jeden Spieler ein absoluter Traum, in diesem Wettbewerb zu spielen. In der Champions League spielen nur die besten Mannschaften in Europa, darauf freue ich mich. Mit ein bisschen Losglück hoffe ich aber auch, dass wir weiterhin mutigen Fußball spielen und und positive Ergebnisse mitnehmen können. Wir wollen nicht einfach nur mitspielen, sondern auch den einen oder anderen wirklich ärgern. 

Fohlen-Hautnah: Gibt es Wunschgegner für die Auslosung am 01. Oktober und wirst Du sie live vor dem TV verfolgen?

Stefan Lainer: Die werde ich auf jeden Fall mitverfolgen. Mit Wunschgegnern ist es immer schwierig, aber Kaliber wie der FC Liverpool wären ein echtes Highlight. Man muss sich aber auch bewusst sein, dass es mit dem Weiterkommen schwieriger wird, wenn man nur absolute Hochkaräter bekommt. Weiterzukommen sollte aber schon unser Ziel sein, deshalb möchte ich mich gar nicht festlegen. Ich gehe das ganz entspannt an. Wir nehmen das, was kommt. 

Fohlen-Hautnah: Im nächsten Jahr spielst Du im zarten Alter von 28 Jahren mit Österreich Deine erste EM. Wie groß ist die Vorfreude schon jetzt und was rechnest Du Dir/Euch in der Gruppe mit den Niederlanden, Ukraine und einem noch zu ermittelnden Gegner aus?

Stefan Lainer: Ich wäre jetzt auch schon bereit gewesen. Nächstes Jahr sind wir dann aber genauso motiviert wie jetzt. Wir haben eine sehr gute Nationalmannschaft, in uns steckt viel Potenzial und wir können viele überraschen. Ich denke, dass uns nicht viele ganz oben auf dem Zettel haben. Mit diesem kleinen Vorteil als ‚Überraschungsmannschaft‘ wollen wir das auch angehen und so weit wie möglich kommen. 

Fohlen-Hautnah: Was ist Stevie Lainer für ein Typ außerhalb des Platzes? Was macht er in seiner Freizeit, was hört er für Musik? Beschreibe einfach mal den Privatmensch Stefan Lainer…

Stefan Lainer: Der private Stefan ist eigentlich ein guter Ausgleich zu dem Stefan auf dem Platz: Ich bin ein ruhiger Typ und genieße die Zeit mit meinen Liebsten. Ich gehe mit meiner Frau sehr gerne gut essen und auch mit unserem Hund spazieren. Wenn es die Zeit erlaubt, spiele ich zum Entspannen aber auch Gitarre. Im Urlaub spiele ich ganz gerne mit Freunden Tennis. Ich bin zwar für jeden Spaß zu haben, aber als Typ eben etwas ruhiger.

Fohlen-Hautnah: Dein Karriereende ist zum Glück noch etwas entfernt und hoffentlich bleibst Du uns noch lange und verletzungsfrei erhalten. Dennoch: Hast Du schon Pläne für Deine Zeit nach der aktiven Fußballkarriere? Kannst Du dir vorstellen als Trainer oder Manager zu arbeiten? 

Stefan Lainer: Wie ich bereits am Anfang des Interviews gesagt habe, kann man im Leben nicht immer alles vorhersehen. Deshalb nehme ich es oft so, wie es kommt. Es tut sich immer etwas auf. Grundsätzlich finde ich aber beides interessant: Im Leistungssport, vielleicht als Trainer zu bleiben, oder aber mal etwas komplett anderes zu machen und andere Seiten des Lebens zu sehen, als nur die sportliche. Das alles ist grundsätzlich aber noch ein paar Jahre weg. Deshalb kann ich noch nicht genau sagen, wo ich mich in ein paar Jahren sehe. 

Fohlen-Hautnah: In Salzburg hast Du ja auch mit Hannes Wolf gespielt, in der Nationalmannschaft ist Valentino Lazaro Dein Teamkollege. Hast Du vor deren Wechsel zu Borussia mal mit den beiden gesprochen und was sind beides für ein Typ Mensch? Was zeichnet sie aus, was bringen sie für eine Qualität mit in die Mannschaft, die vorher vielleicht nicht nicht vorhanden war. 

Stefan Lainer: Mit beiden habe ich schon seit mehreren Jahren ein sehr gutes Verhältnis, der Kontakt ist nie abgebrochen. Hannes ist ein sehr ehrgeiziger Spieler, der aus einer Niederlage oder einer schlechten Leistung immer stärker hervorgeht und es unbedingt allen zeigen möchte. Er ist ein sehr ehrgeiziger Spieler, der auch maximal erfolgreich sein will. ‚Tino‘ ist ein Spieler, der sehr viel individuelle Qualität mitbringt, die man so schnell nicht findet. Er hat eine hohe Dynamik und all das, was ein Fußballprofi mitbringen muss. Auch er ist eine absolute Verstärkung für uns und auch als Mensch sehr positiv. Leider hat er ein bisschen Verletzungspech. Wenn er und alle anderen wieder auf dem Platz sind, dann haben wir in der Breite eine sehr gute Mannschaft. 

Fohlen-Hautnah: Betrachten wir den Start in die neue Spielzeit: Im Pokal seit ihr souverän eine Runde weiter, gegen den BVB gab es eine 0:3-Niederlage. Wie fällt Dein erstes Fazit aus?

Stefan Lainer: Grundsätzlich war das im Pokal ein sehr engagierter Auftritt der Mannschaft. Es gab keine Zweifel daran, dass wir das Spiel ernst genommen haben. Dementsprechend kam das Ergebnis zustande und war auch in der Höhe verdient. Gegen Dortmund kam der erste Gradmesser schlechthin, gerade in Dortmund. Wir wollen auf das Niveau, dass wir den BVB irgendwann auch mal schlagen können. Aufgrund der verletzten Spieler, die bei uns eine sehr wichtige Rolle einnehmen, war es nicht ganz einfach für uns. Trotzdem haben wir es auf dem Platz sehr gut gemacht, aber uns haben ein paar Prozentpunkte in der individuellen Qualität gefehlt. 

Fohlen-Hautnah: Was rechnest Du dir für das erste Heimspiel gegen Union Berlin am Samstag aus?

Stefan Lainer: Ich freue mich sehr auf das Spiel, am liebsten würde ich jetzt schon spielen. So müssen wir die ganze Woche noch ein 0:3 mitschleppen. Wir wollen jetzt auch punktemäßig gut in die Meisterschaft finden und sind optimistisch, dass wir mit voller Power auftreten werden und drei Punkte holen werden.

Fohlen-Hautnah: Wie groß ist Deine Vorfreude, dass endlich wieder mehr Zuschauer im Borussia-Park zugelassen sind? 10.804 dürfen ja dabei sein. Freust Du Dich auf ein bisschen Stimmung?

Stefan Lainer: Es ist zuletzt wieder deutlich angenehmer gewesen, weil auch die wenigen Zuschauer richtig Stimmung gemacht haben. Das gibt eine extra Motivation und einen extra Schub, das ist sehr wichtig für uns. Das freut uns. 

Fohlen-Hautnah: Kommen wir mal zum omnipräsenten und wichtigen Thema des Weltgeschehens. Die Corona-Pandemie ist nach wie vor allgegenwärtig – vor allem auch in deinem Heimatland. Was hast Du für Dich Lehren aus der Pandemie gezogen und wie schaust du da nach Österreich – geht es Deiner Familie gut?

Stefan Lainer: Danke der Nachfrage. Meiner Familie geht es sehr gut, bisher sind alle gut durchgekommen. Grundsätzlich finde ich schon, dass es wichtig war so zu reagieren, wie die Regierung getan hat. In Österreich war das Gesamtbild am Anfang sehr gut, gerade gehen die Zahlen wieder ein bisschen nach oben. Deutschland und Österreich machen das aber sehr gut, ich fühle mich hier sicher. Auch auf dem Platz fühle ich mich mit all den Hygienemaßnahmen sehr sicher und habe keine Bedenken, dass ich mich anstecken könnte.

Fohlen-Hautnah: Abschließend noch die Frage, was ist in der kommenden Spielzeit für euch möglich und welche Schlagzeile möchtest Du am Saisonende über Borussia lesen? 

Stefan Lainer: Meine Schlagzeile wäre: ‚Auch dieses Jahr konnten die Borussen wieder für Furore sorgen‘. Es macht jetzt keinen Sinn, sich auf etwas festzulegen. Wenn wir aber so eine Schlagzeile lesen würden, dann hätten wir auf jeden Fall viel richtig gemacht. Die Grenzen nach oben sind damit offengelassen.