Im ersten Teil unseres Interviews mit Marcell Jansen haben wir mit ihm über den Übergang vom Fußballer zum Geschäftsmann gesprochen. Im zweiten Teil erzählt er, was für ihn der ausschlaggebende Punkt war, dass er Profi wurde und welche Rolle sein Berater dabei gespielt hat, der später auch Marc-André ter Stegen und Christoph Kramer betreut hat. Außerdem tritt er seit kurzer Zeit selbst wieder gegen den Ball.

Fohlen-Hautnah: Wie kam es jetzt, dass Du wieder für die 3. Mannschaft des HSV aufläufst?

Marcell Jansen: Ich trainiere da in erster Linie mit. Das Trainerteam wollte dann, dass ich einen Pass beantrage. Ich habe dann gesagt, dass sie das halt machen sollen. Ich unterstütze die Jungs, wir haben auch eine öffentliche Gruppe bei „Picue“. Ich habe da riesigen Spaß und es passt, dass ich meine aktuelle Arbeit auch wieder mit dem Fußball verbinden kann. Die Jungs kommen ja selbst alle von der Arbeit ins Training. Es ist schön, den Kabinengeruch wieder zu haben und nach einem langen Tag kaputt zu sein und abends ein Feierabendbierchen zu trinken und nach Hause zu gehen.

Fohlen-Hautnah: Aber Hand aufs Herz: Ein bisschen fehlen Dir die Bundesligastadien doch sicher?

Marcell Jansen: Ich vermisse natürlich das Stadion und die Tatsache, für geile Vereine wie Gladbach oder Hamburg zu spielen, aber das ist halt irgendwann vorbei. Das ist absehbar und trotzdem kann ich ja noch kicken, solange mein Körper noch mitmacht. Ich bin gesund und kann das alles so machen, wie ich es möchte. Ich habe jetzt mein Hobby wieder zurück. Das war zwölf Jahre mein Beruf, den ich total geil fand und auch genossen und gelebt habe, sonst hätte ich das nicht so lange auf dem Niveau machen können. Jetzt bin ich dankbar und glücklich, dass ich mein Hobby wieder habe. Ich fühle mich sauwohl.

Fohlen-Hautnah: Was war denn für Dich der ausschlaggebende Punkt, dass Du es überhaupt erst in den Profibereich geschafft hast?

Marcell Jansen: Ich habe seit jeher ein gutes Team um mich herum, die es wirklich immer gut mit mir meinen und vor allem immer sehr menschlich sind. Angefangen von den Eltern, über die Freunde bis hin zum Berater. Das ist eine Grundvoraussetzung. Man muss ein super stabiles Elternhaus haben und einen Berater, der auch eine zweite Vaterfigur sein kann. Deshalb bin ich super dankbar, weil ich dieses Glück hatte. Durch die Tür musste ich selbst gehen, aber viele meiner Kollegen müssen sich mit anderen Dingen befassen, die nicht so schön sind, wo sie selbst aber gar nichts für können. Das hat alles nichts mit Geld zu tun, sondern immer mit Sozialkompetenz und Bodenhaftung und das ist das Schöne – diese zwei Tugenden kann jeder haben.

Fohlen-Hautnah: Du sprichst die Eltern an, die eine mögliche Karriere ihres Sohnes zum Teil sehr früh im Blick haben…

Marcell Jansen: Mit 14 Jahren sind die Jungs schon in irgendwelchen Internaten. Da passiert halt schon viel mit den Menschen. Die soziale Bindung und Beziehung zu den Eltern und Freunden verändert sich ja drastisch. Dann ist es eine Frage der Standhaftigkeit. Da geht es nicht um die Standhaftigkeit von den jungen Spielern, sondern die der Eltern, wenn es so ein bisschen ins Geschäft geht und Kohle fließt. Da verlieren sich die Eltern schon mal, die ja für den Jungen eigentlich der Halt sein sollen. Die drehen dann plötzlich durch, weil der Vater dann meint, er wäre „King Louis“. Das ist schon nicht so einfach, das darf man auch nicht unterschätzen.

Fohlen-Hautnah: Vor allem müssen viele der Jungs dann schon sehr früh erwachsen sein und darauf hoffen, dass ihr Spielerberater es gut mit ihnen meint. Wie war das bei Dir damals, als es richtig losging?

Marcell Jansen: Was heißt denn Erwachsenwerden? Die sind 20 und müssen teilweise schon erwachsen sein. Jetzt hast du aber kein gutes Umfeld, was nicht so über die Sozialkompetenz verfügt und auf dem Boden geblieben ist, für dich da ist und dir den Rücken freihält, dann will ich auch mal andere Menschen sehen, das ist nicht immer so einfach. Deswegen wünsche ich jedem Spieler gute Freunde und eine gute Wahl, gerade bei seinem Berater und nicht immer unbedingt, dass der Vater der alleinige Berater ist, weil das ist zu emotional. Mein Papa hat auch eine super Ahnung von Fußball und war immer mein Sparringspartner, aber er wusste ganz genau, dass es auch einen Gerd vom Bruch [Berater von Marcell Jansen, Anm. d. Red.] braucht. Aber davon gibt es nur wenige, ganz wenige. Und das ist ein Riesenproblem. Ich verzichte lieber auf einiges an Geld und habe einen Berater, der auch eine Vaterfigur ist und mich durch diese Zeit bringt. Und am Ende hat man dann immer noch Schweinekohle verdient.

Fohlen-Hautnah: Wie ist denn der Kontakt zu Gerd vom Bruch entstanden?