Der Schuss ins Glück: Florian Neuhaus erzielt das entscheidende 3:2 für Borussia. Foto: Ulrich Hufnagel/Poolfoto via Dirk Päffgen

Borussia hat am Freitagabend gegen die Bayern überzeugt und ein starkes Comeback gefeiert. Die Fohlen bewiesen den absoluten Willen, den knappen Vorsprung über die Zeit zu retten und haben aus den vielen vergebenen Führungen gelernt. Die drei Tore waren dabei kein Zufall, sondern alle einstudiert. Marco Rose hat es in der kleinen Winterpause geschafft, seine Mannschaft wieder zurück in die Spur zu bringen.

Aufgestanden und ein Ausrufezeichen gesetzt 

Als Leon Goretzka in der 26. Minute aus Sicht von Borussia Mönchengladbach das 0:2 erzielte waren wir uns in der Redaktion eigentlich schon einig: Das wird ganz schwierig gegen eine Top-Mannschaft wie Bayern München, wenn nicht sogar unmöglich. Dabei waren die Fohlen eigentlich gut im Spiel drin, ließen kaum etwas zu und lagen dennoch unglücklich mit zwei Toren zurück. In diese Situation hatten sich die Borussen, auch aufgrund des unnötigen Elfmeters, letztlich aber selbst gebracht. 

Doch wie sich die Mannschaft von Marco Rose aus dieser Ausgangslage befreite ist sehr bemerkenswert. Zu verdanken ist das vor allen zwei Akteuren: Lars Stindl und Jonas Hofmann. Nicht nur, weil das Duo an beiden Treffern in der ersten Halbzeit beteiligt war, sondern auch, weil sie als Leader auf dem Platz voran gingen. Stindl rüttelte immer wieder durch kleinere Aktionen seine Spieler wach, Hofmann erwies sich erneut als, zumindest aktuell, unersetzbar. Der 28-Jährige bereitete seinen ersten Treffer nämlich mit einer starken Balleroberung noch selbst vor. 

Tore waren kein Zufall 

»Wir haben diese Tore im Training trainiert und endlich nochmal die Zeit gehabt, diese Dinge einzustudieren. Dass es direkt funktioniert hat, freut uns umso mehr«, verriet Lars Stindl das kleine Erfolgsgeheimnis am Freitagabend. Schon in unserem Kommentar nach dem Auswärtssieg in Bielefeld haben wir genau die Aussagen des Capitanos thematisiert: Der aktuelle Spielrhythmus kommt den Fohlen definitiv entgegen und Marco Rose hat nach stressigen Wochen endlich nochmal Zeit, in den Trainingseinheiten an der Handschrift der Mannschaft zu arbeiten. 

Hinzu kommt eben auch die Tatsache, dass Rose mit seinen Spielern intensiv die Spiele in der Champions League und Bundesliga aufgearbeitet hat. In der laufenden Liga-Saison vergab die Fohlenelf bereits 16 Punkte nach einer Führung, zu viel im Kampf um die Champions League. Und nach den bärenstarken Auftritten gegen Real Madrid und Inter Mailand in der Königsklasse haben die Borussen auch endlich mal gegen eine Top-Mannschaft einen Sieg eingefahren. 

Borussia hat aus Spielen in der Champions League gelernt 

»Gegen die Top-Mannschaften, die qualitativ nochmals besser aufgestellt sind als wir, müssen wir über Aggressivität kommen und den Gegner nerven. Darüber hinaus muss man die fußballerische Qualität an den Tag bringen, das haben wir gezeigt«, so Borussias Kapitän. Das stellte die Bayern immer wieder vor Probleme, die Münchener kamen mit der Spielweise der Fohlen am Freitagabend nicht zurecht und spielten sich, bis auf Ausnahmen in der Schlussphase, keine allzu großen Chancen heraus. 

Borussia zeigte im Duell gegen den Rekordmeister drei wichtige Eigenschaften: Mentalität, Wille und Kampfgeist. »Die Moral und die Einstellung der Mannschaft stimmt, wir haben nach unserem ersten Tor viel mutiger und aggressiver gespielt und wurden dafür belohnt. Danach haben wir alles reingehauen und verteidigt wie die Wahnsinnigen und gemeinsam so ein Spiel gegen eine absolute Top-Mannschaft über die Zeit gebracht«, war Lars Stindl mehr als happy. 

Dass die Borussen wieder über die nötige Frische verfügen zeigte sich auch im Duell mit dem deutschen Rekordmeister: 123km spulten die Fohlen ab, die Bayern liefen über sechs Kilometer weniger. Borussia ist mental und körperlich wieder genau da, wo sie sein müssen. Das führt letztlich eben auch dazu, dass man wieder Führungen über die Zeit retten kann. »Wir können viele gute Dinge aus dem Spiel ziehen und das wir am Ende so eine knappe Führung über die Zeit gebracht haben, gibt uns viel Energie«, betonte Stindl. 

Dieses Erlebnis kann eine Rückrunde prägen 

Einer dieser Dinge ist die Effektivität: Gingen die Fohlen noch vor einer Woche in Bielefeld kläglich mit ihren Chancen um, nutzten sie gegen die Bayern eiskalt ihre Möglichkeiten. Acht Torschüsse, drei Tore – Auf solch einem hohen Niveau braucht man genau diese Kaltschnäuzigkeit. Vielleicht war der Sieg gegen Bayern eines dieser Schlüsselerlebnisse für den Rest der Saison, das es vermeintlich gebraucht hat. Der Heimsieg vom Freitagabend kann möglicherweise eine ganze Rückrunde prägen und für ordentlich Aufwind sorgen. 

Schöner Nebeneffekt: Mit zwei Siegen im neuen Jahr lässt Marco Rose auch vorerst die Diskussionen um seine Person verstummen. In der aktuellen Form braucht es für den Fußballlehrer nämlich keinen Wechsel zur falschen Borussia, der Schritt wäre bei weitem nicht mehr so groß wie möglicherweise noch vor einigen Jahren. Zudem, mit etwas Humor betrachtet, hat er mit den Fohlen eine siegfähige Truppe die eben auch die Bayern schlagen können. Genau das fehlt den Dortmundern nämlich aktuell…