Patrick Herrmann und die Borussen verschenkten gegen den FCA den Sieg. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de

Lange Gesichter bei Borussia Mönchengladbach nach dem Unentschieden gegen den FC Augsburg. Bis zwei Minuten vor Schluss führten die Fohlen in Überzahl, gaben dann den Sieg noch aus der Hand. In der Analyse wussten die Borussen, dass sie sich da einzig und alleine an die eigenen Nase packen mussten.

Wären im Borussia-Park Zuschauer gewesen, wäre es wohl nach dem Schlusspfiff der Partie gegen den FC Augsburg genauso still gewesen, wie nach diesem Geisterspiel. Man hätte in kopfschüttelnde und verärgerte VfL-Anhänger geschaut. So wie als Beobachter und Anhänger der Fohlenelf am Fernseher. Irgendwie hatte man den Braten gerochen, dass der FCA in Unterzahl doch noch zum ‚Lucky Punch‘ kommen könnte, weil die Borussen auf der Gegenseite reihenweise Chancen liegen ließen. Vor allem Breel Embolo hätte den Sack zumachen müssen. 

Dabei hatte es eigentlich so begonnen, wie man sich das als Mannschaft wünscht und vorstellt. Bereits in der 5. Minute hatte Florian Neuhaus die Borussen mit seinem Treffer in Führung gebracht. Dass sich der Nationalspieler über seinen ersten Saisontreffer hinterher nicht so richtig freuen konnte, lag an der Tatsache, dass die Fohlenelf fahrlässig mit ihren Chancen umging und den FCA trotz Unterzahl aufbaute, anstatt ihm mit weiteren Treffern den Zahn zu ziehen.

Den Sack nicht früh genug zugemacht

»Die Jungs haben die Aufgabe grundsätzlich sehr gut angenommen. Nach der ersten Großchance für Augsburg haben sie das Spiel in den Griff bekommen und sind schnell in Führung gegangen. Leider haben wir es danach verpasst, das zweite Tor nachzulegen«, haderte Marco Rose genau wie Christoph Kramer: »Wir hatten genügend Chancen und hätten früher den Sack zumachen müssen.«

»Als wir nur noch gegen zehn Augsburger gespielt haben, hat mich jedoch mehr gestört, dass wir erschrocken sind, ein bisschen mehr Zeit, auch am Ball zu haben«, sagte Kramer und legte zudem den Finger in die Wunde: »Dann sind wir im eigenen Ballbesitz ein bisschen schläfrig beziehungsweise ein bisschen schlampig geworden. Dadurch haben wir den Gegner ein bisschen aufgebaut.« 

Womit der gegen Augsburg bärenstarke Mittelfeldmann völlig Recht hatte. Je länger das Spiel nur 1:0 für den VfL stand, umso mehr nährte sich die Hoffnung bei der Herrlich-Truppe, vielleicht doch noch einen Punkt ergattern zu können – trotz Unterzahl.

Dass es dann auch so kam, dafür hatte Hannes Wolf die Gründe. »Ich denke, dass wir Phasen im Spiel hatten, in denen wir den Ball gut gehalten und in den richtigen Momenten nach vorne gespielt haben. Es gab aber auch Phasen, in denen wir vogelwild nach vorne gespielt haben«, so der 21-Jährige. »Obwohl wir in Führung und in Überzahl waren, sind wir am Ende in ein paar Konter gelaufen. Das darf uns eigentlich nicht passieren. Es ist aber der ausschlaggebende Punkt dafür, dass wir das Spiel nicht gewonnen haben.«

»Wir müssen in der Schlussphase konzentrierter sein«

Weil sich Ginter und Lainer zwei Minuten vor Schluss im Fünfmeterraum nicht einig waren, was Caligiuri nutzte und die Kugel zum 1:1-Ausgleich in den Maschen versenkte. »Der Gegentreffer darf dann nicht mehr passieren. Das ärgert uns. Bei dem Gegentreffer hat uns die nötige Ruhe gefehlt«, ärgerte sich Yann Sommer, der an diesem Gegentreffer nichts machen konnte.

»Ein abgefälschter Schuss nach einem Konter kann immer mal passieren. Wir hatten aber schon zwei, drei Aktionen vorher, in denen wir Augsburg unnötig an einem Tor haben schnuppern lassen. Wenn wir das 2:0 gemacht hätten, wäre der Drops aber natürlich gelutscht gewesen«, ärgerte sich Kramer. »So eine Partie spielt man mit diesem Spielverlauf 100-mal und spielt wahrscheinlich nur einmal unentschieden.«

Am Ende konnten sich die Borussen „nur“ über sich selbst ärgern, weil sie eben aus den zahlreichen Möglichkeiten kein weiteres Kapital geschlagen und vor allem erneut einen Sieg in der Schlussphase aus den Händen gegeben haben. »Wir müssen die späten Gegentore abstellen, wenn es so häufig passiert, ist es irgendwann auch kein Zufall mehr. Wir müssen in der Schlussphase konzentrierter sein«, legte Sommer den Finger in die Wunde.

»Es ist ein schmerzhafter Lernprozess«

Dass die Köpfe der Borussen dann ob der gefühlten Niederlage eher nach unten gingen, ist nachvollziehbar, aber eben hausgemacht. »Der Frust ist sehr groß, das darf uns nicht passieren«, schüttelte Neuhaus den Kopf.

Apropos. Lange darf das nicht in den Köpfen bleiben und die Borussen müssen sich am Riemen reißen und daran arbeiten, dass das nicht mehr passiert. »Hinten heraus haben wir – und das können wir auch nicht wegdiskutieren – wieder zwei Punkte unnötig weggegeben. Es ist ein schmerzhafter Lernprozess, weil wir in dieser Saison schon viele Punkte auf diese Weise abgegeben haben«, weiß Marco Rose. »Wir müssen mit dem Punkt leben und weiter an den Dingen, die noch nicht so laufen, wie wir uns das vorstellen, arbeiten.«

Und das schnell, denn bereits am kommenden Mittwoch wartet in der Champions League mit Schachtar Donzek eine Mannschaft, die Haare auf den Zähnen haben wird und sich für die 0:6-Klatsche im Hinspiel revanchieren will.