Ins Straucheln geraten – Oscar Wendt und die Fohlen verloren bei RB. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jan Woitas

Dass Borussia Mönchengladbach in Leipzig nichts geholt hat, ist in Anbetracht der 2:0-Führung kaum zum glauben. In der Nachbetrachtung mussten die Protagonisten aber eingestehen, dass man gerade nach dem Seitenwechsel viel zu wenig gemacht hat und so verdient mit leeren Händen an den linken Niederrhein reist.

90.+3, dann war alles vorbei. In der dritten Minute der Nachspielzeit hatte sich Alexander Sørloth mit leichtem Armeinsatz an Valentino Lazaro vorbeigedrängelt und anschließend zum 3:2-Siegtreffer eingeköpft. Die Borussen beschwerten sich vehement, doch weder Köln noch Schiedsrichter Manuel Gräfe hatten Einwände gegen diesen Körpereinsatz. »Dass der Schiedsrichter die Aktion mit Valentino Lazaro vor dem 2:3 nicht abgepfiffen hat, ist nun mal so. Ich finde schon, dass der Gegenspieler sich damit einen Vorteil verschafft hat, aber wir können die Entscheidung nicht mehr ändern«, gab Sommer hinterher zu Protokoll.

»Wir reden über Fußball, über Zweikampfsport«

Marco Rose hatte sich in der Kabine besagte Szene noch einmal angeschaut und gab dann zu, dass die Entscheidung von Gräfe keine der Kategorie ‚Völlig daneben war’. »Ich muss sagen, dass man das Tor so laufen lassen kann. Wir reden über Fußball, über Zweikampfsport«, sagte Rose.

So kam es, dass Leipzig erstmals in der Bundesliga einen 2-Torerückstand noch in einen Sieg ummünzte und die Borussen zum fünften Mal in Folge ohne Dreier vom Platz schlichen. Das Zustandekommen der neuerlichen Niederlage ist unglücklich, keine Frage. Aber völlig von ungefähr gekommen ist sie auch nicht. Vor allem deshalb nicht, weil die Fohlenelf nach der Pause überhaupt nicht ins Rollen kam – Offensiv-Fußball Fehlanzeige.

Spielerische Armut nach der Pause

Dabei begann die Partie für die Borussen so, wie man sich das auswärts gegen eine solche Top-Mannschaft vorstellt. Fünf Torschüsse gaben die Fohlen vor der Pause ab, zwei davon saßen. Ein starkes Zeichen von Effizienz. Dazu hielten die Borussen Kasten sauber. Eigentlich keine allzu schlechte Ausgangslage für die zweiten 45 Minuten. Doch die gab man leichtfertig wieder her, weil so ziemlich alles fehlte was man braucht, um gegen eine solche selbstbewusste und starke Mannschaft zu bestehen.

Es war klar, dass ‚Die Roten Bullen‘ nach der Pause erpicht sein würden, den Spielstand zu korrigieren. Und zwölf Minuten nach Wiederanpfiff rollte RB dann das Feld von hinten auf und kam zum Anschlusstreffer, nach dem die Borussen im Mittelfeld die Kugel verloren hatten. »Das erste Gegentor bekommen wir zu schnell und zu einfach«, haderte Jonas Hofmann und meinte: »Ich glaube, wenn wir länger die Null gehalten hätten, dann hätten wir nach hinten raus auch mehr Räume bekommen und hätten über unsere schnellen Umschaltspieler vielleicht noch aufs dritte Tor gehen können.«

»… dann ist es oft nur eine Frage der Zeit«

Hätte, hätte, Fahrradkette. Stattdessen sorgte RB für den Ausgleich und eben in der Nachspielzeit noch für den Siegtreffer. »Wir haben in der zweiten Halbheit auch nicht mehr für viel Entlastung sorgen können. Im Endeffekt standen wir schon sehr tief. Wenn man so lange sehr tief steht und immer nur der Defensive hinterherläuft und oft nur reagiert, dann ist es oft nur eine Frage der Zeit bis ein, zwei Tore fallen«, brachte es Hofmann auf den Punkt und fügte an: »Mit einem Punkt wären wir zufrieden gewesen. Nach hinten raus haben wir es dann nicht konsequent genug verteidigt. Dementsprechend müssen wir mit null Punkten nach Hause fahren.«

»Wir haben am Schluss das Ergebnis nicht über die Zeit gebracht. Ich fand, dass wir heute die schlechtere Mannschaft waren«, gab Yann Sommer unumwunden zu. »Vor allem in der zweiten Hälfte hat Leipzig dauerhaft Druck auf uns ausgeübt – RB hat viele Flanken geschlagen und Pässe in die Tiefe gespielt, dadurch waren wir im Dauerstress und hatten zu wenig Entlastung. So haben wir dann das Spiel noch verloren.«

»In der Nachspielzeit noch zu verlieren, ist für die Jungs echt bitter. Natürlich war Leipzig vor allem in der zweiten Hälfte drückend überlegen, auf Grund unserer kämpferischen Leistung hätten wir dennoch ein Remis verdient gehabt«, befand Marco Rose. »Diesen Punkt hätten wir gerne mitgenommen, weil er uns in der aktuellen Situation gutgetan hätte und vor allem fürs Gefühl sehr wichtig gewesen wäre.«

Definitiv. Doch so warten die Borussen seit fünf Spielen auf einen Sieg – und jetzt kommt am kommenden Dienstag Dortmund im DFB-Pokal. So gab Sommer die Marschroute vor: »Wir müssen das Spiel nun abhaken, die richtigen Schlüsse daraus ziehen und dann am Dienstag im Pokal gegen Borussia Dortmund wieder eine gute Leistung zeigen…«