Borussia ging gegen Bayern ‘All in’ und wurde mit einem Sieg belohnt. Foto: Ulrich Hufnagel/Poolfoto via Dirk Päffgen

Mit einem echten Kraftakt rang Borussia die Bayern am Freitagabend nieder und feierte einen verdienten Heimsieg. Dabei überraschten die Fohlen mit unglaublichen Comeback-Qualitäten und spielten die Tore richtig sehenswert heraus und blieben diesmal in der Chancenverwertung eiskalt. Dieser Sieg kann der Fohlenelf jetzt einen richtigen Schub für die nächsten Aufgaben geben. 

Unglücklicher Beginn der Fohlen 

In normalen Zeiten wären am Freitagabend wieder über 54.000 Zuschauer in den Borussia-Park geströmt und hätten das Stadion beim Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München wieder in einen Hexenkessel verwandelt. Doch die Zeiten sind derzeit eben alles andere als normal, also war es, abgesehen von den Rufen der Spieler und Betreuer, wieder mucksmäuschenstill. Auch mit ausverkauften Haus wären die Ränge in der 26. Minute verstummt, die Bayern gingen durch Leon Goretzka mit 2:0 in Führung. 

»Das Spiel fing sehr unglücklich an, bis zum ersten Tor haben wir keinen Torschuss zugelassen. Mit den ersten beiden Toren kassieren wir direkt zwei Tore«, fasste Lars Stindl die Anfangsphase zusammen. Sicherlich sollte man ein Spiel nach solch einer frühen Phase nicht abschreiben, doch ein Zwei-Tore-Rückstand gegen den Rekordmeister war schon eine große Last im Rucksack. 

Hinzu kam die Tatsache, dass sich die Fohlen selbst in diese Situation gebracht haben: Florian Neuhaus verursachte vor dem 1:0 einen völlig unnötigen und vermeidbaren Elfmeter, das wusste der 23-Jährige hinterher auch selbst. »Vor dem Elfmeter für Bayern war ich mit der Hand am Ball. Das war eine blöde und unglückliche Aktion von mir. Es ging so schnell und ich habe die Hand auch noch versucht wegzuziehen.« Dennoch wollte sich Borussias Sechser »nicht lange mit der Aktion beschäftigen und mein Spiel durchziehen«. 

Gladbach zeigt unglaubliche Comeback-Qualitäten 

Nach dem frühen Rückstand nahmen die Borussen aber das Herz und vor allem auch die Beine in die Hand und legten alles in die Waagschale. Insgesamt spulte die Fohlenelf 123km ab, der Rekordmeister lief über sechs Kilometer weniger. »Nach dem Rückstand hatten wir nichts mehr zu verlieren und wollten mutiger spielen. Wir sind draufgegangen, haben die Bälle hoch gewonnen und schnell umgeschaltet«, so Neuhaus zur anschließenden Reaktion. 

Der Matchplan von Marco Rose schien voll aufzugehen, denn seine Mannschaft sollte den überragenden Jonas Hofmann, war an allen drei Toren beteiligt, mit Bällen in die Tiefe füttern. »Wir haben die ersten beiden Tore genau so erzielt, wie wir uns das vorgestellt haben. Dadurch, dass die Bayern hoch verteidigt haben, mussten wir hinter die Kette kommen und haben das insgesamt sehr gut rausgespielt«, meinte Matchwinner Hofmann. Der 28-Jährige leitete dabei das 1:2 selber ein, indem er im Mittelfeld den Ball gewinnen konnte und anschließende auch noch selbst vollendete. 

Hofmann blieb, anders als noch letzte Woche in Bielefeld, vor dem Tor eiskalt. Die Fohlen gaben gegen die Gäste aus München insgesamt acht Torschüsse ab, erzielten dabei drei Treffer. Eine tolle Quote die beweist, dass Gladbach eben auch gnadenlos effektiv sein kann. »Letzte Woche in Bielefeld ist es mir nicht so gut gelungen vor dem Tor ruhig zu bleiben, dafür hat es gegen Bayern umso besser funktioniert. Woran es lag kann ich nicht genau sagen, wichtig ist, dass die Dinger reingegangen sind«, wusste Hofmann nicht um sein Erfolgsgeheimnis. 

Borussia wird für großen Kampf belohnt 

Auch Borussias Trainer gab zu, dass mit »Hoffis Tor viel aufgegangen ist«. Vor allem aber ging die Türe zum ersten Heimsieg im neuen Jahr plötzlich wieder ganz weit auf. Auch deshalb, weil die Fohlen nach der Halbzeitpause einen echten Blitzstart erwischten und den Schwung aus der Schlussphase der ersten Hälfte direkt mitnahmen. Hofmann war dann erneut Ausgangspunkt für einen Treffer, den ausgerechnet Florian Neuhaus erzielte. 

Es war ein Drehbuch wie in Hollywood, dass ausgerechnet der Verursacher des Elfmeters das entscheidende Tor erzielte. »Bei meinem Treffer zum 3:2 hat Jonas den Ball stark übergelegt. Ich bin super happy, dass ich ein Tor erzielen konnte«, war Neuhaus nach der Vorgeschichte erleichtert. Mit zunehmender Spieldauer nahm der Druck des Rekordmeisters zu, doch die Fohlen kämpften mit allen Mitteln gegen das drohende Gegentor. »Nach der Führung haben wir wie die Verrückten gekämpft, um das Ergebnis über die Zeit zu bringen. Wir sind sehr happy über den Sieg und nehmen das gute Gefühl mit in diese nächsten Spiele«, sagte ein glücklicher Yann Sommer über »drei ganz wichtige Punkte«. 

Auch Hofmann fand, dass es am Ende »ein harter Fight« war. Marco Rose war nach dem Heimsieg gegen die Bayern ebenfalls happy, blieb aber gewohnt cool und lässig. »Ich freue mich riesig für die Jungs, sie haben es toll gemacht und der Sieg sollte uns Kraft geben. Aber wir können das Ergebnis richtig einordnen und müssen jetzt dranbleiben, das ist die Kernbotschaft«. Trotzdem fand Borussias Trainer auch, dass es »in der Summe ein verdienter Sieg« war. 

Ein Sieg, extrem wichtig für das Selbstvertrauen und der zum Startschuss eines tollen Jahres 2021 werden kann…