Frustrierte Borussen hatten sich in Freiburg selbst geschlagen. Foto: Poolfotos/Dirk Päffgen

Eigentlich hatte Borussia die Partie in Freiburg völlig im Griff. Doch ein schlecht verteidigter Standard und eine unnötige Gelb-Rote Karte kippten das Spiel in die komplett andere Richtung. Kein Wunder, dass alle Beteiligten ziemlich frustriert und angefressen waren. Allerdings hatten sich die Fohlen die Niederlage selbst zuzuschreiben. 


Standard sorgte für Vorentscheidung 

Was haben das Auswärtsspiel in Leipzig und Freiburg gemeinsam? Richtig, die Fohlen beendeten beide Spiele mit zehn Mann und verschenkten am Ende wichtige Punkte. Zwar gelang bei RBL immerhin ein Unentschieden, aber in beiden Partien wurden die Gladbacher nicht für ein über weite Strecken starkes Auswärtsspiel belohnt. Eine starke Halbzeit reicht eben in der Bundesliga nicht, Nachlässigkeiten werden direkt bestraft.

»Der Freistoß selbst darf schon nicht zustande kommen, gegen solche eine Mannschaft die bei Standards so gefährlich ist«, monierte Marco Rose am Freitagabend. Doch als wäre das schon nicht genug, verteidigte seine Mannschaft auch noch ziemlich amateurhaft. »Wir haben den Freistoß sehr schlecht und unaufmerksam verteidigt und haben die nötige Konsequenz vermissen lassen. Den Schuh müssen wir uns anziehen«, fuhr Rose fort. 

Eine starke Halbzeit genügt nicht

Dabei hatte das Spiel in Freiburg so gut angefangen, denn die Fohlen dominierten das Spiel nach belieben. In den ersten 20 Minuten standen rund 70 Prozent Ballbesitz auf der Habenseite. Nachteil: Von schönen Pässen und optischer Dominanz erzielt man keine Tore. »In der ersten Halbzeit haben wir den Ball gut laufen lassen und hatten gute Torchancen. Spielerisch war das super und wir haben uns auch gut reimgekämpft und viele zweite Bälle gewonnen«, so Patrick Herrmann. Doch am Ende brachte es auch nichts, dass es »eines der besseren Spiele in Freiburg war«. 

Mit vielen Großchancen aber keinen Toren ging es in die Pause, das musste erstmal verdaut werden. Denn Marco Rose sprach an, dass die Mannschaft in der Kabine »ein stückweit mit machen Spielsituationen unzufrieden war«. Es kam, wie es kommen musste: Christian Streich wechselte einen Offensivspieler ein und mit seinem ersten Ballkontakt schlug Nils Petersen mitten ins Herz der Borussia. 

»Bei der Standardsituation waren wir sehr unachtsam, dadurch kam Freiburg ins Spiel. Das darf uns nicht passieren«, stellte auch Patrick Herrmann nach der Partie fest. Auch Rose fand, dass »Freiburg das Spiel offener gestaltet hat«. Zwar war das Tor ein Knackpunkt, der endgültige Gnadenstoß erfolgte dann aber wenige Minuten später als Alassane Pléa die Gelb-Rote Karte sah.

Ein unnötiger Platzverweis 

Die zweite Gelbe war eine aus der Kategorie ‚kann man geben, muss man aber nicht‘. Jedoch war die Verwarnung in der ersten Halbzeit mal wieder eine pure Dummheit. Nach einem harmlosen Foul schlug der Franzose den Ball weg und wurde vom Schiedsrichter verwarnt. Gerade nach seinem Platzverweis in Leipzig hätte man sich in dieser Szene sicherlich etwas mehr Taktgefühl beim 27-Jährigen gewünscht. »Mit der Gelb-Roten Karte ist das Spiel dann entschieden«, fand Borussias Trainer. Auch für Yann Sommer war der Platzverweis »ein Knackpunkt, aber die Entscheidung müssen wir akzeptieren«. 

Allerdings war das nicht der einzige Platzverweis, denn auch Max Eberl sah wegen Meckerns die rote Karte. Die komplette Schuld jetzt bei Pléa oder dem Schiedsrichter zu suchen wäre aber falsch, denn die Fohlen ließen in der letzten halben Stunde ein Aufbäumen oder eine Reaktion vermissen. Hier war Borussia einfach nicht mehr ‚gierig‘ genug wie vielleicht die ein oder andere Spitzenmannschaft. So reiste der Troß wieder mal mit leeren Händen aus Freiburg zurück an den Niederrhein. 

Wohin geht die Reise? 

»Ich bin sehr frustriert, so wie nach jeder Niederlage. Im Endspurt, wo es um Ziele geht die man vor Augen hat, ist es noch ärgerlicher. Die Nummer müssen wir erstmal verarbeiten, dann kümmern wir uns ab Montag um München«, wagte Rose schon einen kleinen Ausblick. Borussias Keeper weiß ebenfalls, dass »das Ergebnis für die Ausgangslage nicht perfekt war«. Die Spiele werden weniger, die Aufgaben nicht unbedingt leichter. 

Denn von allen Mannschaften die um die Königsklasse kämpfen, hat die Fohlenelf das vermeintlich schwierigere Restprogramm. Zudem verpassten es die Gladbacher auch ein wichtiges Zeichen an die Konkurrenz zu setzen, denn Leverkusen spielt heute gegen München und hätte durch einen Sieg von Borussia zusätzlich unter Druck gestanden. Sicher ist diese Saison noch alles drin, doch Patrick Herrmann weiß auch, »dass es nicht mehr einfacher wird«…