Marcus Thuram und Alassane Plea fehlen gegen Wolfsburg. Foto: Poolfotos/Dirk Päffgen

Viel Zeit blieb Borussia Mönchengladbach nicht, um die schmerzvolle und unnötige Niederlage beim FC Bayern München zu analysieren und zu verdauen, denn bereits am morgigen Dienstag wartet mit dem VfL Wolfsburg die nächste Aufgabe auf die Fohlenelf, die die Königsklasse nach wie vor nicht abgeschrieben hat. Doch dafür muss gegen die Wölfe ein Sieg her. Marco Rose muss dabei auf sein erfolgreiches Sturm-Duo Alassane Plea und Marcus Thuram verzichten.


Für Borussia Mönchengladbach wird die Luft im Kampf um die Champions League im Endspurt immer dünner. Nach der Niederlage beim FC Bayern München rangieren die Borussen nun auf Platz fünf und haben dabei einen Zähler Rückstand auf Bayer Leverkusen. Nur, muss man sagen, denn die Werkself kam im Auswärtsspiel beim FC Schalke nicht über ein 1:1-Remis hinaus.

Somit lebt die Chance für die Borussen, vielleicht in einer Art Foto-Finish doch noch an Leverkusen vorbei zu ziehen, noch. Nur hat man das eben nicht mehr in der eignen Hand. Man muss auf weitere Ausrutscher der Bosz-Elf hoffen, die am Mittwoch den 1. FC Köln empfängt. 

Vielmehr muss man aber zunächst selbst seine Hausaufgaben erledigen und wohl alle Spiele gewinnen, um noch eine Chance zu haben.

»Wir glauben grundsätzlich an uns«

Damit muss man dann im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg anfangen, was auch Marco Rose natürlich klar ist. »Bayer Leverkusen liegt einen Punkt vor uns, aber uns war immer klar, dass es eine enge Kiste wird. Aber wir glauben grundsätzlich an uns, müssen aber natürlich unsere Hausaufgaben machen«, so der 43-Jährige am Montag. »In den letzten beiden Spielen ist uns das gar nicht gelungen. Deswegen wird es morgen an der Zeit sein, dreifach zu punkten.«

Die Fohlenelf wird heiß sein. Zumal man da noch eine Rechnung offen hat, denn das Hinspiel ging mit 1:2 verloren. Doch Obacht: Die Wölfe haben gegen die Fohlen nur eines der letzten acht Bundesligaspiele verloren und können den vierten Auswärtssieg in Folge holen. Und auch bei Flanken in den Strafraum und bei Standardsituationen müssen die Fohlen höllisch aufpassen, denn die Wölfe haben in 2020 bereits zehn Kopfballtore erzielt, in der Hinrunde lediglich eins.

Die Borussen erwartet also eine harte Nuss. »Wolfsburg ist eine Mannschaft, die sehr physisch spielt. Sie spielen mit viel Tempo über die Außen. Also da kommt eine Menge Tempo, Wucht und Power auf uns zu. Das müssen wir verteidigen«, weißt Rose. »Trotzdem wollen wir natürlich auch unsere Chancen suchen und vor allem unser Spiel durchziehen. Darum wird es sicherlich auch gehen.«

Plea, Thuram und Raffael müssen passen – Embolo als letzter Trumpf

Personell geht den Borussen auf der Zielgeraden so langsam die Puste aus. Marco Rose muss gleich drei gewichtige Ausfälle verkraften beziehungsweise kompensieren. Denis Zakaria wird in dieser Spielzeit definitiv nicht mehr zum Einsatz kommen. Der Schweizer hat nach seiner Knieoperation zwar bereits mit der Reha-Phase begonnen, hat aber »noch ein paar Schritte zu gehen«, wie Marco Rose vor dem Spiel in München zu Protokoll gab.

Für das Spiel gegen die Wölfe auch nicht infrage kommen Marcus Thuram und Alassane Plea. Der Ausfall von Marcus Thuram war leider zu erwarten, denn der Franzose knickte bei der Partie in München schon früh um und musste nach nur zehn Minuten ausgewechselt werden. »Marcus wird ausfallen, wir haben Diagnostik betrieben. Es ist nichts kaputt. Die Diagnose ist nicht sonderlich schlimm, trotzdem ist es sehr schmerzhaft. Wahrscheinlich hat er sich etwas gedehnt. Wir müssen weiter schauen, wie sich die Dinge entwickeln«, gab Rose am Montag bekannt. 

Gegen die Bayern musste Alassane Pléa aufgrund seiner Gelbsperre die Partie aus der Ferne beobachten. Auch gegen Wolfsburg fällt Borussias Topscorer aus, wie Rose jetzt bekannt gab. »Alassane Pléa fällt auch aus, er hat sich schon am Freitag eine Muskelverletzung an den Adduktoren zugezogen. Er wird nicht fit«, seufzte Rose. Wie lange das Offensiv-Duo letztlich ausfällt, steht noch nicht fest. Ebenso nicht mitwirken können wird Raffael, der weiterhin mit Fußproblemen zu kämpfen hat. Und auch Fabian Johnson steht nicht zur Verfügung.

So ist Breel Embolo aktuell so etwas wie der Hoffnungsträger in der Offensive und quasi der letzte Trumpf für Marco Rose. Der Schweizer war im Dezember 2019 der Torschütze für die Borussen. Und der Schweizer könnte auch diesmal treffen, denn er wird von Beginn an auflaufen. »Breel hat mir in München gefallen. Er hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt. Er hat so lange, wie ihn die Füße und Beine getragen haben, sehr fleißig und gut gearbeitet. Er war immer wieder an Aktionen beteiligt, die für große Gefahr gesorgt haben«, lobte Rose den Angreifer.

Elvedi wieder dabei, Wendt für Bensebaini – Ginter vor Jubiläum

Gegen die Wölfe wieder mit an Bord ist indes Nico Elvedi. Der Schweizer blieb beim Top-Spiel am Samstagabend in München in der Halbzeitpause in der Kabine und klagte über Übelkeit. »Nico geht es wieder gut. Er hat dort einfach Probleme mit den hohen Temperaturen gehabt. Er ist wieder topfit und kann normal trainieren, das sieht gut aus«, gab Rose Entwarnung.

Auf der anderen Seite wird in der Defensive Ramy Bensebaini nicht zur Verfügung stehen. Der Franzose holte sich an der Isar die fünfte Gelbe Karte ab und muss ein Spiel aussetzen. Oscar Wendt wird seinen Konkurrenten auf der linken Abwehrseite vertreten. Aufpassen müssen unterdessen gleich fünf Borussen. Nico Elvedi, Breel Embolo, Patrick Herrmann und Lars Stindl haben alle vier Gelbe Karten auf dem Konto und müssen bei der nächsten Verwarnung pausieren. Gleiches Schicksal könnte Stefan Lainer ereilen. Der Rechtsverteidiger hat bereits neun Gelbe Karten und muss bei der nächsten ebenso aussetzen.

Bei all den personellen Sorgen gibt es noch einen positiven Fakt. Abwehrchef Matthias Ginter, im Sommer 2017 aus Dortmund an den linken Niederrhein gewechselt, steht vor seinem 100. Pflichtspiel (aktuell 89. Bundesligaspiele) für die Gladbacher Borussen. Dass das Jubiläum ein positives wird, ist ihm und den Borussen durchaus zu wünschen.

»Werden Zuhause mit allem was wir haben um die drei Punkte kämpfen«

Vor allem, dass sicher keiner mehr verletzt. »Wir müssen aufpassen, jetzt haben wir Breel noch vorne. Es darf nicht mehr allzu viel passieren. Die Personalsituation wird schon dünn«, brachte Borussias Trainer die personelle Situation auf den Punkt.

Die vorhandenen Borussen müssen gegen die Wölfe und in den folgenden Spielen noch mal alles aus sich „herausquetschen“, sich ins Zeug legen und die maximale Punkteausbeute an Land ziehen – damit die Chance auf die Königsklasse erhalten bleibt und man auf Konkurrent Leverkusen schauen kann.

Marco Rose ist sowieso überzeugt von seiner Mannschaft und verspricht, dass man alles versuchen und geben wird. »Die Mannschaft wirkt insgesamt stabil. Es geht jetzt in der Konstellation nicht mehr um Schönspielen sondern es geht darum, dass wir zusammenhalten und dass wir das Maximum herausholen. Ich vertraue den Jungs, die da sind total, weil ich weiß, dass die Mannschaft einen Top-Charakter hat«, so Rose. »Die Jungs, die jetzt auf den Platz kommen, haben sich das über gute und loyale Trainingsarbeit verdient. Grundsätzlich ist die Stimmung im Team und drumherum sehr ordentlich. Wir werden Zuhause sicher um die drei Punkte kämpfen, mit allem was wir haben«. Das wird auch nötig sein.