Rocco Reitz, hier im VfL-Trikot, sammelt aktuell Spielpraxis in Belgien. Foto: Dirk Päffgen.

Seit Sommer diesen Jahres spielt Rocco Reitz auf Leihbasis bei VV St. Truiden. Beim Klub aus der belgischen Jupiler League soll das Eigengewächs vor allem Spielpraxis auf hohem Niveau sammeln, um dann nach seiner Rückkehr in 2022 gestärkt bei Borussia Mönchengladbach im besten Fall durchzustarten. Im Interview mit unserer Redaktion spricht der 19-Jährige unter anderem über seinen Wechsel in die belgische erste Liga, seine ersten Wochen bei St. Truiden und seine Zukunftspläne.

Fohlen-Hautnah: Rocco, Du schnürst seit diesem Sommer leihweise für ein Jahr die Schuhe für den belgischen Erstligisten VVV St. Truiden. Warum hast Du Dich für St. Truiden entschieden und wie kam diese Leihe generell zustande beziehungsweise welcher Plan steckt genau dahinter?

Rocco Reitz: Dadurch, dass ich bei Borussia die halbe Vorbereitung verpasste habe, hatte ich natürlich unter Adi Hütter nicht den besten Start. Das war aber auch meiner Leistung geschuldet, denn ich habe nicht top performed, wie ich mir das gewünscht habe. Dann haben wir uns am Ende der Vorbereitung zusammengesetzt und sind gemeinsam schnell zu dem Schluss gekommen, dass ein Ausleihgeschäft absolut Sinn macht. Mein Berater hat dann super Arbeit geleistet und hat in kürzester Zeit die Möglichkeit bei St. Truiden ermöglicht. Dann hatte ich nach Gesprächen mit dem Trainer direkt ein gutes Gefühl und habe mich für den Wechsel nach Belgien entschieden. Die Mannschaft hat mich von Beginn an sehr gut aufgenommen und hat mir die Eingewöhnung leicht gemacht. Dass ich so auch mal raus aus der Komfortzone und in ein anderes Land komme, ist glaube ich für die persönliche Entwicklung ganz gut. Der Plan ist natürlich der, auf höhst möglichen Niveau so viel wie möglich Spielzeit zu bekommen.

Fohlen-Hautnah: Sint-Truiden ist von Mönchengladbach nicht so weit entfernt. Pendelst Du also täglich von Mönchengladbach aus oder hast Du in Belgien Quartier bezogen?

Rocco Reitz: Von Düsseldorf aus, wo ich mich primär aufhalte, wenn ich in Deutschland bin, sind es circa anderthalb Stunden bis Sint-Truiden. Ich hätte auch täglich pendeln können, aber das wollte ich nicht. Ich habe unweit des Stadions eine schöne Wohnung gefunden, wo ich mich dann unter der Woche aufhalte. Ich fühle mich dort auch wohl. Und wann immer es die Zeit erlaubt, fahre ich nach Düsseldorf zu meiner Familie und Freunden. Sint-Truiden ist eine kleine, aber schöne Stadt. Man kann dort gut abschalten, einen Kaffee trinken und auch mal lecker Essen gehen.

Fohlen-Hautnah: Deine Leihe geht bekanntlich ein Jahr. Wäre dann auch eine Verlängerung des Leihgeschäftes denkbar?

Rocco Reitz: Diese Frage ist mir in Belgien auch schon gestellt worden. Ich habe für ein Jahr bei St. Turiden unterschrieben und habe bis 2024 einen Vertrag bei Borussia. Mein Traum ist es immer noch, mich bei Borussia durchzusetzen und irgendwann eine wichtige Rolle zu spielen. Dazu soll diese Leihe, wenn alles so läuft, wie ich mir das vorstelle, seinen Teil beitragen.

Fohlen-Hautnah: Du hast den Trainer schon angesprochen. Hat es eine Rolle gespielt, dass in Bernd Hollerbach ein deutscher Trainer an der Seitenlinie verantwortlich ist und in wie weit hat er Dich schon weitergebracht?

Rocco Reitz: Natürlich war das für die Entscheidungsfindung ein positiver Aspekt. Mich hat aber gerade seine Arbeit und Philosophie überzeugt. Deshalb habe ich mich für den Verein entschieden. Ich hatte auch noch andere Anfragen war aber der Meinung, dass die belgische Liga für mich zu diesem Zeitpunkt der beste Schritt ist. Und bis jetzt ist das auch der Fall. Ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Bernd Hollerbach ist sowohl als Person als auch als Trainer ein ehrlicher und toller Mensch. Er war auch Profi, hat viel Erfahrung und kann mir sehr viel mit auf den Weg geben. Darüber bin ich sehr froh. Er kann mich auf und neben dem Platz nach vorne bringen.

Fohlen-Hautnah: Was hat Dich denn dahingehend bisher in Deiner Entscheidung bekräftigt?

Rocco Reitz: Ich konnte das vorher natürlich nicht wissen, aber ich habe vermutet, dass das Training sehr physisch betont ist. Das hat sich bestätigt. In Belgien ist die Qualität am Ball zwar nicht so stark wie in der Bundesliga, aber doch besser, als ich gedacht habe. Ich glaube, wenn man das Gefühl bekommt, wichtig für eine Mannschaft zu sein, dann ist das für einen Fußballer generell und in dem fall für mich, ganz wichtig.  

Fohlen-Hautnah: László Bénes und auch Florian Neuhaus sind einen ähnlichen Weg wie Du gegangen und wurden verliehen. Sind die beiden vielleicht auch so etwas wie Vorbilder für dich?

Rocco Reitz: Auf jeden Fall. Gerade auch Flo hat in Düsseldorf gezeigt, wie viel Sinn so eine Leihe macht. Er hat sich dort überragend weiterentwickelt und ist zu diesem klasse Spieler geworden, der er jetzt ist.  

Fohlen-Hautnah: Aktuell rangiert ihr nach 10 Spielen mit 14 Punkten auf Platz 9. Was denkst Du, ist in dieser Spielzeit für euch möglich?

Rocco Reitz: Auf uns wartet jetzt ein straffes Programm mit Spielen unter anderem gegen den FC Brügge, der PSG in der Champions League die Stirn geboten hat, und RSC Anderlecht. Auch da kann man sich mit sehr guten Spielern messen und man kann sich zeigen. Das genau ist mein Ziel. Wir steigern uns auf jeden Fall seit Saisonbeginn von Spiel zu Spiel in allen Belangen und sind auf einem guten Weg. Wir haben eine gute Mannschaft und wenn unsere Entwicklung so weitergeht und wir unsere Leistung immer auf den Platz bringen, sind auf jeden Fall die ersten acht Plätze drin.

Fohlen-Hautnah: In Belgien spielt ihr das Limburg-Derby gegen den KRC Genk. In Deutschland kennst Du zumindest von der Tribüne aus das rheinische Derby. Kann man diese Spiele irgendwie vergleichen? 

Rocco Reitz: Als Gladbacher kann man das Limburg-Derby mit dem rheinischen Derby auf gar keinen Fall vergleichen. Gegen Köln ist es als Fan in der Saison das Spiel der Spiele, das du gewinnen musst und auch willst. Hier ist aber auch schon ordentlich was los, wenn du in Genk in diesem kleinen Stadion spielst.

Fohlen-Hautnah: Bei Borussia ist Eugen Polanski auch für Spieler wie Dich zuständig. Stehst Du mit ihm in Kontakt und besprichst Deine Einsätze, gibt er Dir Feedbacks?

Rocco Reitz: Mit ihm stehe ich in ständigem Kontakt und bespreche mich mit ihm. Eugen machst einen klasse Job. Er schaut sich meine Spiele an, analysiert sie mit mir und gibt mir dann Tipps beziehungsweise ein Feedback. Es ist generell ein super Austausch, der mir guttut.

Fohlen-Hautnah: Mit welchen Erwartungen bist Du diese Aufgabe angegangen und was erhoffst Du Dir persönlich von der Ausleihe beziehungsweise Deiner Zeit in Belgien generell?

Rocco Reitz: Ich möchte mich sowohl auf als auch neben dem Platz weiterentwickeln und Erfahrungen sammeln. Ich möchte regelmäßig spielen und wichtig sein für die Mannschaft, ihr helfen. Dafür gebe ich jeden Tag Gas, um den Trainer zu überzeugen, dass er mich aufstellt. Auch physisch und technisch möchte ich mich weiterentwickeln. Dafür muss ich spielen, denn das Training kann die Wettkampfpraxis nicht ersetzen. 

Fohlen-Hautnah: Bisher hast Du bei sechs Einsätzen 264 Minuten gesammelt und besonders mit Deiner Roten Karte und Deinem Siegtreffer zum Sieg gegen Lüttich für Schlagzeilen gesorgt. Wie fällt Dein Fazit Deiner bisherigen Zeit in Belgien aus?

Rocco Reitz: Die Rote Karte war natürlich blöd vorn mir. Auch wenn ich es als keine Rote Karte angesehen habe. Ich habe noch Luft nach oben, aber bis jetzt läuft es ganz gut. Nach dem Platzverweis habe ich mich mit meinem Tor gegen Lüttich zurückgespielt und es läuft gut. Ich bin halbwegs zufrieden. Das Tor gegen Lüttich werde ich nicht vergessen. Das war ein tolles Gefühl, was mir Auftrieb gegeben hat.

Fohlen-Hautnah: Inwiefern kann man das Niveau in der belgischen Liga mit der Bundesliga vergleichen beziehungsweise gibt es Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Spielweise?

Rocco Reitz: Ich glaube schon, dass die belgische Liga läuferisch sehr betont ist. Bei uns in der Mannschaft sind alle Spieler läuferisch sehr stark. Spielerisch ist die Bundesliga auf einem höheren Niveau, alleine von den Einzelspielern her. In Belgien geht es in den Zweikämpfen aber auch ordentlich zur Sache. Wenn eine Mannschaft Pressing spielt, dann stellen die dich maximal zu. Insgesamt ist es eine schwierige Liga. Da muss man auch schon alles abrufen. 

Fohlen-Hautnah: Wir gehen mal davon aus, dass Du Borussia noch verfolgst. Aktuell machen die „jungen Wilden“ um Joe Scally, Luca Netz, Manu Koné und auch Jordan Beyer auf sich aufmerksam. Adi Hütter vertraut ihnen und sie nutzen die Ausfälle von potenziellen Stammspielern. Siehst Du das auch als Ansporn für Dich?

Rocco Reitz: Absolut. Gerade mit Joe und ‚Jordie’ schreibe ich wöchentlich. Sie haben sich ihre Spiele im Training und durch ihre Leistung maximal verdient. Dass Adi Hütter ihnen vertraut, ist überragend. Und sie zahlen es ihm Woche für Woche zurück. Ich freue mich für die Jungs. Natürlich ist das auch ein Ansporn und Motivation für mich, es dann irgendwann einmal auch so zu schaffen. 

Fohlen-Hautnah: Und wie bewertest Du den Saisonstart unter Adi Hütter und was traust Du ihm mit der Mannschaft zu?

Rocco Reitz: Natürlich schaue ich alle Spiele. Ich hätte vorher nicht unbedingt gesagt, dass wir Dortmund schlagen. Aber die letzten beiden Spiele waren richtig gut. Vor allem waren es wichtige Siege. Es läuft gut und es macht Spaß, den Jungs zuzuschauen. Im DFB-Pokal wird dann der FC Bayern geschlagen und in die nächste Runde eingezogen. Adi Hütter ist ein super Trainer. Er geht super mit den Spielern um und vermittelt ihnen seine Philosophie. Die Spiele gegen Dortmund und Wolfsburg haben gezeigt, was möglich ist. 

Fohlen-Hautnah: Kommen wir mal zum omnipräsenten Thema COVD-19. Du hast Dich im Sommerurlaub mit dem Virus infiziert, trotz Impfung. Zwar schließt das einen schweren Verlauf nahezu aus doch ist es ein Beleg dafür, dass man nach wie vor mit Vorsicht und Rücksicht vorgegangen werden muss und man sich impfen lassen sollte…

Rocco Reitz: Ganz klar. Einmal für sich selber, vor allem aber für seine Mitmenschen. Es ist wichtig, seine Familie, Verwandte, Freunde – generell alle Menschen um sich herum zu schützen. Das tut man, wenn man sich impft. Und auch dann ist es wichtig, mit Umsicht durchs Leben zu gehen. Ich war einmal geimpft und habe mich dann angesteckt. Aber ich hatte relativ Glück, dass es nicht so schlimm war. Aber generell gilt eben, dass man aufpasst und sich an die Regeln hält.

Fohlen-Hautnah: Du bist seit der Geburt Mitglied bei Borussia und schon seit 2009 im Klub. Was ist der Verein also für dich….?

Rocco Reitz: Borussia ist mein zweites Zuhause. Ich kenne dort jeden Stein und jeden Mitarbeiter. Ich fühle mich im Klub sehr wohl und freue mich auch schon, wenn ich wieder da bin. Wenn du ein gutes Miteinander und ein gutes Gefühl hat, wenn man zum Klub kommt, dann performed man einfach am besten. So ist es in einem „normalen“ Beruf ja auch. Wenn man sich wohlfühlt und Spaß hat, kann man seine Top-Leistung abrufen.

Fohlen-Hautnah: Wo muss sich Rocco Reitz denn noch verbessern?

Rocco Reitz: Ich bin erst 19 Jahre alt und kann beziehungsweise muss mich noch in allen Bereichen verbessern, das gilt sowohl für das Spiel gegen als auch das mit dem Ball. Dann kann ich noch torgefährlicher werden und auch mal der Spieler sein, der den Unterschied machen kann.

Fohlen-Hautnah: Bei Borussia stehst Du noch bis 2024 unter Vertrag. Welche Ziele hast Du Dir für diese Zeit gesetzt?

Rocco Reitz: Ich bin kein Fan davon, sich weite und große Ziele zu setzen, sondern eher kleine, die man zeitnah erreichen kann. Einfach bei Borussia in der Mannschaft eine Rolle zu spielen und im Borussia-Park aufzulaufen, ist eines meiner nächsten Ziele und mein Traum.