Fassungslosigkeit nach dem verlorenen Derby. Foto: Dirk Päffgen

Hat sich Borussia Mönchengladbach im Derby gegen Köln ganz klassisch verzockt? Nein, sagte Marco Rose nach dem Spiel. Borussias Trainer bemängelte bei der Fohlenelf fehlende Haltung und Grundprinzipien. Fakt ist aber auch, dass das Experiment Rotation ausgerechnet im wichtigen Derby nach hinten losging und in diesen Tagen bei weitem keine Ruhe eingekehrt ist. 

Experiment geht schief 

Als wären die kompletten 90 Minuten zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln nicht schon schwer genug zu ertragen gewesen, wurde die Schmach nach Schlusspfiff erst richtig perfekt. In bester Thuram-Manier rannten die Kölner zur Eckfahne und zelebrierten den berühmten Jubel des Franzosen. »Es tut natürlich weh, wenn die Kölner mit der Eckfahne in unserem Stadion feiern. So ist Fußball, das gehört dazu und das haben wir auch schon bei ihnen gemacht. Das tut uns allen sehr weh«, gestand Christoph Kramer nach der Niederlage im Derby. 

Der Weltmeister von 2014 war eines von insgesamt sieben ‚Rotations-Opfern‘, denn Borussias Trainer wechselte im Gegensatz zum Pokalspiel beim VfB Stuttgart ordentlich durch. Ein gewagtes Experiment, das in einem Spiel mit solche hoher Bedeutung bekanntlich gewaltig nach hinten losgegangen ist. Doch als ‚Ausrede‘, dass man dieses Spiel verloren hat, wollte das nach Schlusspfiff niemand gelten lassen. 

»Wir haben immer gesagt, dass wir einen breiten Kader haben und es alle Jungs verdient haben auf dem Platz zu stehen. Wir haben momentan viele Spiele. Heute haben wir viele einzelne Kleinigkeiten falsch gemacht und haben uns das Leben selber schwer gemacht. Wir haben die bestmögliche Elf auf den Platz gestellt weil wir von unserem Kader überzeugt sind. Bei uns zählt immer das Gesamte. Heute hat es nicht wegen der Rotation nicht funktioniert, sondern wegen einzelnen Dingen die wir nicht richtig gemacht haben«, versuchte Borussias Kapitän Lars Stindl zu erklären. 

Gegentore fielen zu einfach 

Unterstützung bekam er dabei auch von Kramer, dem dieses Argument ebenfalls zu einfach war. »Nach dem Spiel kann man es immer bewerten und sagen, dass es zu viele Wechsel sind. In der Zeit unter Marco Rose haben wir immer viel rotiert, das hat uns richtig gut getan. Heute ist es einmal schief gegangen, das ist keine Frage des Wechsels. Das ist eigentlich quatsch«, so der 29-Jährige. Vielmehr war es »maximal unglücklich«, wie die Fohlen in die Partie gekommen sind. 

Erneut lief Borussia einem Rückstand hinterher, das passiert in den aktuellen Spielen einfach zu oft. Zudem war das Zustandekommen der beiden Gegentreffer viel zu einfach. »Die beiden Gegentore darf man so nicht bekommen. Nach zwei Minuten waren wir in klarer Überzahl, haben aber die tiefen Laufwege nicht aufgenommen. Beim zweiten Tor schenken wir den Kölnern das Tor und bekommen den Ball durch die Beine«, analysierte Marco Rose. Nur zehn Torschüsse gaben die Fohlen im Derby ab, was Rose zur Erkenntnis brachte, dass »die Leistung nicht dazu gereicht hat dieses Spiel zu gewinnen«. 


Einfallslos in der Offensive 

Spielerisch war das von den Borussen definitiv zu wenig und die Derbyniederlage brachte einmal mehr die Erkenntnis, dass der zweite Anzug aktuell definitiv nicht passt. Sinnbildlich ist auch die Tatsache, dass mit Matthias Ginter ein Innenverteidiger die meisten Ballkontakte hatte und dabei einen Bestwert in der laufenden Saison aufstellte (134). Zu allem Überfluss versuchten es die Fohlen anstelle mit Pässen in die Tiefe zunehmend mit Querpässen, brachten es letztlich auf 22 Flanken – ebenfalls Höchstwert in der aktuellen Saison. 

»Unser Plan war es sicherlich nicht gegen tief stehende Kölner mit Flanken zu kommen, aber das gab der Spielverlauf dann nunmal her. Die beiden Tore die wir bekommen haben darf man nicht bekommen, das wissen wir alle. Es ist nicht einfach, weil alle die Erwartungshaltung haben, dass wir gegen Köln gewinnen und die drei Punkte einkalkuliert sind. Man rennt an, es wird unsauber und auch hektisch«, versuchte Christoph Kramer zu erklären. 

Allerdings waren die Fohlen von Beginn an überhaupt nicht anwesend und haben nicht verstanden, worum es im Derby geht. Die Grundtugenden wie Wille, Einsatz und Zweikampfverhalten waren einfach nicht vorhanden, das belegt auch ein Blick in die Statistik. Die Kölner gewannen am Samstagabend 57% aller Zweikämpfe, in der ersten Viertelstunde waren es sogar noch erschreckende 80%. 

»Wir machen uns mit dem Rückstand das Leben selber schwer. Hinten raus waren wir zwar besser im Spiel, aber hatten keine zählbare Chance. Der FC hat es gut verteidigt und nach der Niederlage sind wir zutiefst enttäuscht«, so Lars Stindl. Marco Rose sah es ähnlich wie sein Kapitän. »Man muss Köln gratulieren, sie haben das Spiel so gespielt und gekämpft wie man ein Derby spielen muss. Sie waren in den Zweikämpfen galliger und griffiger als wir. In den entscheidenden Situationen, wo man den Unterschied macht, hatten wir zu oft das Nachsehen«. 

Chance verpasst 

Dennoch schob Borussias Trainer die Niederlage nicht auf sein Rotations-Experiment. »Ich kenne die Jungs, das ist der Kader mit dem wir arbeiten und wir vertrauen ihnen. Die Jungs haben im Training einen sehr guten Eindruck gemacht. Tony Jantschke hat seinen Einsatz mehr als gerechtfertigt und ein sehr gutes Spiel gemacht. Wir arbeiten viel mit Prinzipien und die Jungs wissen worum es geht. In Teilbereichen ging es um das Thema Haltung, da war uns Köln voraus.  Wir schenken zwei Tore her und haben es heute nicht geschafft darauf zu antworten«. 

Die Niederlage war letztlich, das muss man ehrlich gestehen, völlig verdient. Durch die Niederlage des BVB, mit dem Marco Rose immer wieder in Verbindung gebracht wird, hätten die Fohlen im Kampf um die Champions League Boden gutmachen können. Stattdessen liegt Borussia weiter drei Punkte hinter Rang vier, Wolfsburg, der kommende Gegner, hat sogar schon sechs Punkte Vorsprung. Allerdings verpassten es die Beteiligten erneut etwas Ruhe in die Trainerdiskussion zu bringen, stattdessen steht in Mönchengladbach eine eher unruhige Woche bevor…