Breel Embolo könnte im Derby eine Option sein. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de

It’s Derbytime! Nach der Niederlage beim BVB und dem Remis gegen Union Berlin will Borussia Mönchengladbach endlich die ersten drei Punkte einfahren. Dazu müssen die Borussen den 1. FC Köln aus dem Weg räumen. Die Statistik spricht klar für die Fohlenelf – Der rheinische Rivale ist so etwas wie der Lieblingsgegner. Gegen den sind aber volle Konzentration und ein anderes Auftreten von Nöten, als noch gegen Union Berlin.

Keine Frage, Borussia Mönchengladbach ist holprig in die neue Bundesliga-Spielzeit gestartet. Ein Punkt aus zwei Spielen sind bisher zu wenig für die Borussen und ihre Ansprüche. Gerade das Remis gegen Union Berlin im Borussia-Park war nicht das, was man sich ausgerechnet hatte und ließ viel vom dem offen, was sich Marco Rose von seiner Mannschaft vorstellt. Die Art und Weise wie das 1:1 zustande kam zeigte, dass noch reichlich Sand im Getriebe ist bei den Borussen. Das haben die Spieler dann hinterher auch eingesehen und haben bei der Analyse der 90 Minuten nicht um den heißen Brei rumgeredet.

Marco Rose hat das alles mit seinen Jungs besprochen und unter der Woche dran gearbeitet. »Die Lehren aus dem Union-Spiel waren, dass wir den Gegner nicht genug bewegt und nicht schnell genug gespielt haben. Zudem hat uns die Konsequenz in Richtung Tor gefehlt«, schaute Marco Rose auf der Pressekonferenz am Donnerstag nochmal zurück.

Statistik spricht für die Borussen

Im Derby am Samstag beim 1. FC Köln soll und muss jetzt in Summe alles besser laufen als gegen die Köpenicker – mit dem Ziel, dass die ersten drei Saisonpunkte auf das Konto der Fohlen fließen. Die Vorzeichen für den ersten Saisonsieg stehen zumindest auf dem Papier gut. Zehn der letzten 14 Bundesliga-Duelle gingen allesamt an die Fohlenelf, die nun im 91. Bundesliga-Derby gegen Köln den 51. Sieg anstrebt. Die Borussen siegten in ihrer Bundesliga-Historie gegen den rheinischen Rivalen am häufigsten (50 Mal) und schossen gegen Köln auch die meisten Tore (177).

Eine Serie, die die Truppe von Trainer Markus Gisdol natürlich zu ihren Gunsten aufpolieren möchte und wohl auch muss. Denn der FC steht nach dem schlechten Start mit zwei Niederlagen unter Druck. Seit mittlerweile zwölf Bundesliga-Spielen ist Köln sieglos (vier Remis, acht Niederlagen). Wann die Negativserie startete? Am 11. März bei der 1:2-Niederlage im Borussia-Park…

Damit diese Serie am Samstag nicht eben ausgerechnet gegen die Fohlenelf endet, hat Marco Rose die Herangehensweise klar definiert. Vor allem müssen die vielen Fehler und Ballverluste auf ein Minimum reduziert werden und ins Offensivspiel gehören die nötige Kreativität und Durchschlagskraft. »Der FC wird sich nicht nur hinten reinstellen, sondern auch in das Spiel investieren. Wir erwarten die Gastgeber sehr aggressiv. Dem müssen wir uns stellen und uns dagegen wehren«, weiß Rose. »Auf der anderen Seite müssen wir aber auch versuchen, unser Spiel durchzuziehen.«

Embolo noch kein Startelfkandidat

Personell sieht Rose so langsam aber sicher wieder Licht am Ende des Tunnels. Auf jeden Fall nicht mit in die Domstadt reisen werden Valentino Lazaro (muskuläre Verletzung in der Wade), Andreas Poulsen (Schulter-OP) und Jordan Beyer, der positiv auf das Corona-Virus getestet worden ist und sich in Quarantäne befindet. Wieder teilintegriert werden konnten in dieser Woche László Bénes und Julio Villalba. Beide Akteure sind für das Wochenende aber ebenso noch kein Thema wie Denis Zakaria, der eh erst nach der nächsten Länderspielpause wieder voll einsatzfähig sein soll.

Dafür könnte aber Breel Embolo wieder ins Geschehen eingreifen. Der Schweizer ist nach seiner überstandenen Verletzung im Sprunggelenk seit Anfang dieser Woche wieder im Mannschaftstraining dabei und könnte gegen Köln eine Option sein. Allerdings auf jeden Fall nicht von Beginn an, da legte sich Rose schon fest. »Breel Embolo ist wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Seine Trainingswoche war ordentlich, aber wir haben ihn noch nicht komplett mittrainieren lassen. Natürlich wollen wir ihn in Köln gerne dabeihaben, aber wir müssen Geduld haben und ein gewisses Maß an Vorsicht walten lassen. Deswegen ist er am Samstag keine Option für die Startelf«, gab Rose bekannt.

Die Borussen werden sich in diesem Zusammenhang auch dafür aussprechen, dass der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic den Angreifer nicht für die anstehenden Länderspiele nominiert. »Wir sind mit dem Schweizer Verband in Kontakt und im Austausch. Breel hat eine wochenlange Auszeit hinter sich und wir sind selbst vorsichtig, ob wir ihn am Samstag in Köln überhaupt spielen lassen wollen. Dementsprechend macht es wenig Sinn, wenn er nächstes Woche Länderspiele bestreitet«, gab Rose zu bedenken. »Natürlich wollen wir allen gerecht werden, aber im Vordergrund steht die Gesundheit des Spielers.«

Derby wohl ohne Fans – »Wissen, was auf uns zukommt«

Apropos Gesundheit. Die hat auch in Zeiten der Corona-Pandemie absoluten Vorrang. Deshalb ist es gut möglich, dass auch das 91. Derby  zu einem Geisterderby wird. »Wir schätzen an einem Derby die Brisanz und die Fans, aber am Ende müssen wir Woche für Woche gucken, wie die aktuelle Situation aussieht«, weiß Rose. »Wegen der Corona-Pandemie dürfen in manche Stadien Fans und in andere nicht. In Köln werden nun wohl keine dabei sein. Das müssen wir akzeptieren.«

Eine Situation, die für die Borussen bekanntlich nicht neu ist. »Wir haben letztes Jahr beide Spiele gegen Köln gewonnen und hatten zudem gegen Köln unser erstes Spiel ohne Zuschauer in der Vereinsgeschichte. Dementsprechend wissen wir, was auf uns zukommt«, sagte Max Eberl. »Da wohl keine Zuschauer da sein werden, ist es ein Derby mit weniger Emotionen von außen und viel eigener Motivation, die wir am Samstag an den Tag legen müssen.«

»Der Druck ist bei mir immer gleich groß«

An Motivation mangelt es gerade für das Spiel nicht.  Die wird auch von Nöten sein, um dann zwei Statistiken nicht gelten zu lassen: Der VfL blieb unter Trainer Marco Rose noch nie drei Bundesligaspiele in Folge sieglos. Gleich zwei Auswärtsniederlagen zum Saisonstart gab es für den VfL zuletzt vor fünf Jahren.

Ob er denn schon jetzt Druck verspüre, wollten die Journalisten wissen. »Eine meiner Lieblingsfragen. Der Druck ist bei mir immer gleich groß. Wir arbeiten in einem Bereich, in dem man Ergebnisse erklären muss, haben Fans, die gerne Siege sehen möchten«, sagte Rose. »Ich versuche aber immer einen pragmatischen Weg zu finden. Sind wir zufrieden mit der Punktzahl? Nein. Können wir besser spielen? Ja. Haben wir ganz schlecht gespielt? Nein.«

»Es geht aber darum, dass wir bessere Ergebnisse haben müssen, um wieder mehr Lockerheit und Leichtigkeit zu bekommen. Das Thema hatten wir in der vergangenen Saison auch und die Aufgabe ist, sich das jetzt wieder zu erarbeiten«, fuhr der 44-Jährige fort.

»Wir wollen dieses Spiel gewinnen und brauchen dafür den Willen und vielleicht nicht unbedingt fußballerische Brillanz«, sagte Max Eberl und gab die Parole aus: Wir wollen uns mit Punkten belohnen und in der Saison ankommen…«