Nach sieben Jahren ist nun Schluss. Raffael muss Borussia verlassen. Foto: Poolfotos/Dirk Päffgen

Nächste Woche endet eine Ära: Nach sieben Jahren bei Borussia muss Raffael den Verein verlassen. 200 Pflichtspiele bestritt der gebürtige Brasilianer für die Fohlen, der ‚Maestro‘ war an der sportlichen Entwicklung maßgeblich beteiligt. Dass sein Vertrag nicht verlängert wird hat rein sportliche Gründe. Dennoch: Wir verneigen uns vor einem großen Sportsmann! 


Raffael und Borussia – Das passte auf Anhieb 

Am 01. Juli 2013 begann das Gastspiel von Raffael bei Borussia Mönchengladbach. Zu diesem Zeitpunkt war Lucien Favre noch Trainer am Niederrhein, beide kannten sich aus der Zeit bei Hertha BSC. Es war also ein Wunschtransfer vom Schweizer Fußballlehrer. Aber ein Brasilianer bei Borussia? Ob das gutgeht? Und wie es gut ging! In seiner ersten Saison absolvierte er alle 34 Bundesliga-Spiele und erzielte 14 Tore, so viele wie noch nie in seiner Karriere. 

Raffael erlebte bei den Fohlen seine Blütezeit der Karriere und startete nochmal richtig durch. Schnell etablierte sich der gebürtige Brasilianer als echter Leistungsträger, mit seinem Zauberfuß dribbelte er sich in die Herzen der Fans. Nach dem Abgang von Juan Arango war er der Spieler, der jederzeit den Unterschied machen konnte und für die besonderen Momente sorgte. 

Wenn Raffael am Ball war, wurde es immer gefährlich und vor allem wurde es schön anzusehen. Dass Brasilianer einen Herz für Dribblings und Sahnepässe haben ist kein Geheimnis, aber der ‚Maestro‘ ist kein gewöhnlicher Brasilianer. Während viele seiner Landsleute das Leben in der Öffentlichkeit in vollen Zügen genießen, ist Raffael eher introvertiert. Er ist ein absoluter Familienmensch und bei den Fohlen bekam er ein Umfeld, das perfekt zu ihm passte. 

Verbunden mit Borussia und der Region 

Wie wohl er sich in der Region fühlt zeigt auch die Tatsache, dass er sich und seiner Familie im Raum Neuss ein Anwesen gebaut hat und auch die deutsche Staatsbürgerschaft erlangte. Beim ‚Familien-Verein‘ Borussia blühte der mittlerweile 35-Jährige auf. 

200 Pflichtspiele hat Raffael für die Fohlenelf auf dem Konto, dabei erzielte er 71 Treffer und legte nochmal 35 Tore auf. Dazu kommen zwei Teilnahmen an der Champions League, Erinnerungen die unvergessen bleiben. Doch auch Raffael wird nicht jünger und er bekam den harten Konkurrenzkampf in dieser Saison voll zu spüren. In der fast abgelaufenen Spielzeit kam der ‚Maestro‘ unter Marco Rose nur zehn Mal zum Einsatz, ein Treffer blieb ihm bisher leider verwehrt. 

Kein neuer Vertrag 

Das Engagement von Marco Rose war so etwas wie das Zeichen für einen Umbruch, die Weichen für die nächsten Jahre wurden gelegt. So entschied Borussia nun den zum Ende des Monats auslaufenden Vertrag nicht mehr zu verlängern. Sportlich sicherlich eine vertretbare Entscheidung, menschlich hinterlässt er große Fußstapfen: Raffael hat so viel für den Verein getan und eine Ära geprägt! Trotz seiner Reservistenrolle hat er sich öffentlich nie beschwert, stattdessen hat er sich sogar noch als ‚Papi‘, wie er liebevoll von allen genannt wird, voll in den Dienst der Mannschaft gestellt. 

»Es war eine sportliche Entscheidung. Raffael ist ein Spieler der sehr wichtig ist, aber wir müssen den Spielern in unserem Kader auch Möglichkeiten geben. Wir haben mit Raffael und seinem Berater gesprochen, es waren sehr offene und angenehme Gespräche« äußerte sich Max Eberl zur Entscheidung. Auch hier zeigt sich wieder die wahre Größe des Menschen Raffael, denn Borussia und er »gehen freudig auseinander«. 

Nicht nur in dieser Saison hatte der ‚Maestro‘ auch immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, zuletzt bereitete ihm der Fuß Probleme. Mittlerweile ist Raffael wieder im Training, ein Kurzeinsatz, sein letzter, könnte am Samstagnachmittag im Bereich des möglichen sein. »Er könnte durchaus noch eine Option werden. Wir müssen schauen ob das funktioniert. Aber wenn es so ist, würden wir uns sehr freuen«, gibt Marco Rose die Hoffnung auf den 201. Einsatz des Brasilianers nicht auf. 

Verabschiedung im kleinen Kreis 

Aufgrund der Corona-Pandemie kann sich ‚Papi‘ auch leider nicht in einem vollen Stadion verabschieden, lediglich die Pappkameraden werden nochmal ein Auge auf ihn werfen. Zumindest darf er, genau wie Fabian Johnson und Tobias Strobl, intern ‚tchau‘ sagen. »Nach dem Spiel werden wir sie bei einem Mannschaftsessen verabschieden«, kündigte Borussias Sportdirektor an. 

Wir drücken dem ‚Maestro‘ alle Daumen, dass er morgen Nachmittag noch einmal den Rasen des Borussia-Parks betreten darf und der ganzen Welt sein ‚Zauberfüßchen‘ zeigen kann. Vielleicht meint es der Fußballgott sogar so gut mit ihm, dass er sich mit einem Treffer verabschieden darf. Aber das wäre wohl fast schon wieder zu viel der ganzen Romantik. In diesem Sinne: Obrigado, Raffael! Wir würden uns über eine Rückkehr, egal in welcher Funktion, zu Borussia sehr freuen…