Marco Rose und Borussia bekommen die späten Gegentore nicht abgestellt. Foto: Dirk Päffgen

Borussia entglitten in Stuttgart bedingt durch die Fehlentscheidung von Felix Brych noch in der Nachspielzeit die wichtigen drei Punkte. Die Fohlen konnten den Sieg gegen die Bayern eine Woche zuvor nicht veredeln. Vor allem aber fehlen der Fohlenelf im Kampf um die Königsklasse zwei wichtige Punkte, die Ausrutscher der Mitkonkurrenten blieben ungenutzt. 

Fehlentscheidung brachte viel Frust 

Die Nachspielzeit und Borussia Mönchengladbach werden in dieser Saison keine Freunde mehr, das steht nach dem gestrigen Abend wohl mehr denn je fest. Durch eine Fehlentscheidung wurde den Fohlen der sicher geglaubte Sieg noch geklaut, weshalb Jonas Hofmann nach Abpfiff völlig zurecht außer sich war. »Das ist eine absolute Frechheit, ich weiß nicht was man da denkt. Der Stürmer läuft einfach rückwärts. Das Spiel wurde von zwei, drei Personen entschieden«, ließ der 28-Jährige seinem Frust freien Lauf. 

Marco Rose ließ sich zwar zu keinem so deutlichen Statement wie Borussias Mittelfeld-Motor entlocken, machte aber auch klar, was er von der Entscheidung hielt. Dennoch begann Borussias Trainer damit, dass »man sich grundsätzlich als Verteidiger ein bisschen cleverer anstellen kann«, um dann seine Gedanken kundzutun. »Wenn man die Szene aus unterschiedlichen Winkeln betrachtet sieht man relativ deutlich, dass Anton seinen eigenen Mitspieler ins straucheln bringt und das Kalajdzic in Bensebaini reinfällt«. 

Das Eingreifen des Videoschiedsrichters konnte Rose allerdings genauso wenig verstehen wie die anschließende Elfmeter-Entscheidung gegen seine Mannschaft. »Der Schiedsrichter hat weiterlaufen lassen, ist es also eine klare Fehlentscheidung? Morgen gibt es wahrscheinlich wieder eine Begründung und eine Erklärung des DFB, warum man diesen Elfmeter gegeben hat. Keine klare Fehlentscheidung bedeutete eigentlich, Köln meldet sich nicht«. 

Auch Christoph Kramer haderte mit der Entscheidung in der vierten Minute der Nachspielzeit und fand sogar, dass die Szene »selbst im Mittelfeld kein Foul ist« und kommt zudem Entschluss, dass für dieses vermeintliche Foul ein »Elfmeter gar nicht geht«. Dennoch lag ein Gegentreffer in der Schlussphase in der Luft, der VfB Stuttgart hatte ein ums andere Mal gute Gelegenheiten weil sich die Fohlen viel zu passiv verhielten. 

Stuttgart mit deutlich mehr Torabschlüssen 

»Wir sind schlecht aus der Pause gekommen, Stuttgart war klar besser. Wir waren zu passiv und hatten zu wenig Kontrolle über das Spiel. Hinten raus bekommen wir das Tor nach einer Flanke, die auch nicht so gefährlich war. Im Moment sind wir in einer Phase, wo wir immer mal wieder so ein Tor bekommen«, haderte Marco Rose. Trotzdem hat seine Mannschaft, wie schon gegen Bayern, »viel investiert und leidenschaftlich verteidigt«. Der Lohn blieb diesmal aber, anders als noch eine Woche zuvor, aus. 

Auch ein Blick auf die Statistik verrät: Borussia sorgte für zu wenig Entlastung. Mit 19 zu 8 Torschüssen führten die Hausherren diese Statistik deutlich an, dazu spielte der VfB genau 200 (!) Pässe mehr als die Fohlenelf. »Insgesamt hätten uns im Spiel mehr Ballbesitz deutlich besser getan, Stuttgart hatte eine gute Raumbesetzung und hat uns laufen lassen«, so Kramer. 

Womit der 29-Jährige recht hat, dann er und seine Kollegen liefen über zwei Kilometer mehr und der VfB hatte während der 90 Minuten 60% Ballbesitz. »In der zweiten Halbzeit müssen wir einfach schauen, dass wir mehr den Ball haben. Stuttgart hat es mit viel Wucht gemacht und wir konnten das nicht richtig lösen«, fand Borussias Nummer sechs. So wie auch beim zwischenzeitlichen 1:1, als die Hausherren die Fohlen überrannten und die Gäste vom Niederrhein gar nicht in die Zweikämpfe kamen. Sicherlich war die »Flanke aus dem Halbfeld mit den Laufwegen einfach gut und schwer zu verteidigen«, doch die Borussen machten es den Stuttgartern teilweise auch etwas zu einfach. 

Ausrutscher der Konkurrenz bleiben ungenutzt 

Nachdem die Fohlen gegen Bayern den Sieg über die Zeit retten konnte, gelang dieses ‚Kunststück‘ am Samstagabend nicht zum zweiten mal in Folge. »Nach dem Tor haben wir nicht mehr viel nach vorne kreiert und nur noch verteidigt. Wir haben es schonmal gesagt: Solche Spielen müssen wir auch mal dreckig gewinnen. Normal hätten wir das heute aber auch gemacht, wir wollten den Sieg gegen Bayern veredeln«, so Jonas Hofmann. 

Im, laut Rose, »insgesamt guten Spitzenspiel mit viel Tempo und zwei guten Mannschaften« waren die Fohlen auch lange noch auf der Siegerstraße, bis eben die unsägliche Fehlentscheidung in der Nachspielzeit hinzu kam. Die zwei geklauten Punkte tun Borussia um Kampf um die Champions League richtig weh. Durch die Ausrutscher von Leverkusen, Dortmund und Leipzig hätte die Fohlenelf bis auf zwei Punkte an Platz vier heranrücken können und wäre vor dem wichtigen Spiel gegen die Dortmunder am Freitagabend wieder in Schlagdistanz. 

Nun wartet auf Marco Rose und seine Mannschaft die erste Englische Woche im neuen Jahr mit zwei Heimspielen in Folge. Schon am Dienstagabend kommt Werder Bremen in den Borussia-Park, es bleibt also nicht viel Zeit, den Last-Minute-Ausgleich aus den Köpfen zu bekommen…