FOHLENHAUTNAH
Interview mit Borussias Kommentator und Social Media-Manager Christian Straßburger

Straßburger: »Jeder Tag bei Borussia ist ein schöner Moment«

Interview
23.03.2020 13:08 Uhr
Christian Straßburger ist bei Borussia vor allem leidenschaftlicher Kommentator beim FohlenRadio.Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de
Verfasst von Andreas Plum und Daniel Schnichels

Christian Straßburger ist nicht ‚nur’ Social Media-Manager von Borussia Mönchengladbach, sondern auch Audio-Redakteur. Und vor allem ist der 30-Jährige Kommentator von Borussias FohlenRadio, wo er Woche für Woche die Fans mit seiner lebhaften Berichterstattung des Spiels die Fans und Zuhörer „mit ins Stadion“ nimmt. Im Gespräch mit unserer Redaktion spricht ‚Strassi‘ unter anderem über sein erstes Geister-Spiel, seine Aufgaben bei Borussia, seine Arbeit als Social Media-Manager, seine Zusammenarbeit mit 'Knippi' und vor allem über "sein" FohlenRadio.

Christian Straßburger: Ich bin ein emotionaler Mensch. Manchmal ist das gut, manchmal bekommt man damit aber auch mal Probleme - sowohl beruflich als auch privat. Ich verstelle mich überhaupt nicht. Ich kann es überhaupt nicht akzeptieren, dass ich in dieser Branche Menschen erlebe, die nicht authentisch sind. Warum sollte oder muss ich mich verstellen. Sei doch so wie du bist. Ich bin emotional und bin auch so am Mikrofon. Ich sage das, was ich denke. Manchmal kommt dann auch was aus mir heraus, was ich in meinem ganzen Leben noch nie so gesagt habe. Wie zum Beispiel „Fußball, du geiles Stück“. Ich habe diese Worte in meinem Leben zuvor noch nie verwendet. Es kam einfach so aus mir heraus. Wie traurig wäre es, wenn ich mir das irgendwann mal aufgeschrieben und gesagt hätte, irgendwann sage ich das mal, wenn es passt. Das wäre mir peinlich. Ich möchte für mein Leben lang authentisch sein und bleiben. Wenn ich das nicht mehr bin, dann sagt das mir bitte. Ich möchte ich sein und nehme mir die Freiheit raus zu sagen, wenn ich nicht mehr ausreiche, dann bin ich auch nicht der Richtige für den jeweiligen Beruf oder die jeweilige Aufgabe.

Fohlen-Hautnah: Du hast auch die eine und andere „Sendung“ mit Knippi. Wie läuft die Zusammenarbeit mit ihm?

Christian Straßburger: Wir kannten uns zunächst nur flüchtig und hatten im Prinzip die gleiche Herangehensweise, Ideen und Aufgaben. Da war es spannend zu sehen, wie das gemeinsam klappen würde. Man hat uns dann quasi in einem Raum eingeschlossen und wir haben den FohlenPodcast gemacht. Da haben wir gemerkt, dass es bei Borussia Platz für uns beide gibt und dass es Sinn macht, wenn Strassi und Knippi da sind. Ich weiß nicht, ob wir uns gesucht haben, aber wir haben uns definitiv gefunden. Knippi ist für mich nicht nur ein Kollege, sondern auch ein Ratgeber, Mentor und einer, der mich noch mehr anregt, ideenreich zu sein, Dinge zu entwickeln und nachzudenken. Wir denken in die gleiche Richtung und sind dabei trotzdem produktiv. Knippi ist mittlerweile ein Freund geworden und ich hoffe, dass er das auch so sieht. Ich möchte ihn in meinem Leben einfach nicht mehr missen.

Fohlen-Hautnah: Du hast es schon angedeutet... Macht es dich stolz, dass du mit dem einen und anderen emotionalen Moment schon oft landesweit Aufmerksamkeit erregt und in den Einslive O-Ton-Charts gestanden hast?

Christian Straßburger: Ich weiß gar nicht so recht, was ich empfinde. Als mir das gesagt wurde, habe ich mich natürlich sehr gefreut. Ich habe aber auch gehofft, dass ich nicht runterfalle wie „Der Stein-Flüsterer“, den Einslive nach drei Jahren in den O-Ton-Charts rausgenommen hat, weil er die Leute nur noch genervt hat. Ich habe gehofft, dass er ein paar Wochen in den O-Ton-Charts ist, wir uns darüber freuen und es dann weitergeht. Denn das ist das Leben. Ich freue mich über gelungene Dinge. Man kann sich dafür aber nichts kaufen. Es geht immer weiter. Übrigens wäre dieser emotionale Moment nicht passiert, wenn Eugen Polanski nicht neben mir gesessen hätte. Wir haben uns gegenseitig die Bälle zugespielt und waren von diesem Fußballspiel so gefesselt, dass uns das zusammengeschweißt hat. Ohne Eugen wäre diese Emotionalität niemals rübergekommen. Davon ab glaube ich, dass er mal ein überragender Trainer wird. Schon heute füllt er seine Aufgabe bei Borussia menschlich und fachlich überragend aus. 

Fohlen-Hautnah: Was ist Deine erste Erinnerung an Borussia?

Christian Straßburger: Der Bökelberg. Ich war als 11-Jähriger kein großer Fußball-Fan, sondern großer Formel1-Fan. Ich wurde dann mitgenommen zum Bökelberg-Stadion. Als ich dann diese Schüssel gesehen habe und im Stadion stand - das war schon total beeindruckend. Damals haben wir 1:0 gewonnen. Das Tor fiel und ich bin in der Nordkurve gefühlte sieben Reihen nach unten gefallen. Das war okay so. Alle waren so emotional und haben sich gefreut, und ich habe mich mitgefreut. Das hat mir gezeigt, dass Borussia Mönchengladbach einfach verbindet. So ist es heute ja auch. 

Fohlen-Hautnah: Was war bisher Dein schönster Moment mit Borussia?

Christian Straßburger: Definitiv das Spiel in Florenz. Das war das erste große Spiel, das ich als Mitarbeiter erleben durfte. Alleine die Stadt, der ganze Tag - das war einfach ein tolles Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Ich kann sagen, dass generell jeder Tag bei Borussia ein schöner Moment ist. In dieser Arbeitszeit kann mir einfach nichts passieren. Wir halten alle zusammen, wir stehen füreinander ein und können über alles sprechen. Das ist wie eine kleine Familie.

Fohlen-Hautnah: Fußballer haben mitunter Vorbilder und Rituale vor einem Spiel? Hast du das beides auch?

Christian Straßburger: Ich habe kein Ritual vor dem Spiel. Ich ziehe morgens, aber das ist grundsätzlich so, erst den rechten Socken, dann den linken an. Wenn ich das mal anders mache, mache ich es wieder neu. Das ist vielleicht ein Tick, hat aber nichts mit einem Spiel zu tun. Vorbilder hatte ich mal. Jetzt orientiere ich mich an sensationellen Kollegen wie Thomas Wagner, Markus Höhner, Wolff Fuss, Jochen Breyer, Tom Bartels und Matthias Opdenhövel. Das sind einfach alles Weltklasse Menschen. Von ihnen brauche ich mir aber nichts anzuschauen, sondern lerne von ihnen und versuche irgendwann einmal auch so gut zu sein, wie sie es in ihrem Fach sind.

Fohlen-Hautnah: Ist die Mannschaft vielleicht manchmal genervt, wenn ihr mit ihnen zu viel Öffentlichkeitsarbeit machen wollt?

Christian Straßburger: Das weiß ich nicht. Aber Öffentlichkeitsarbeit ist eben auch ein Teil des Jobs. Eins kann ich aber sagen. Bei Borussia Mönchengladbach wird niemand zu irgendetwas gezwungen. Es gibt auch keine Spannungen zwischen Medien-Team und Profis, sondern wir sind offen und ehrlich. Was ich sagen kann - wir haben alle ein super Verhältnis. 

Fohlen-Hautnah: Ist Marcus Thuram abseits der Kameras und des Platzes eigentlich immer so cool drauf? Wir finden, dieser Kerl ist eine richtige Erscheinung.

Christian Straßburger: Marcus Thuram ist ein überragender Mensch, ein überragender Typ, ist offen und immer gut gelaunt. Er hat von Minute eins an bei Borussia mit allen gesprochen und alle gleich behandelt. Er hat überhaupt keine Allüren. Er ist weder bei Niederlagen noch bei Siegen anders. Er ist so, wie er sich auf dem Platz zeigt. Er ist immer fokussiert und arbeitet unheimlich viel. Marcus will immer das Beste für sich und Borussia, verliert dabei aber auch nicht den Spaß aus den Augen. Er ist echt richtig cool und als Kerl eine absolute Erscheinung. Ich bin unglaublich glücklich, dass einer wie Marcus Thuram bei Borussia Mönchengladbach ist.  

Fohlen-Hautnah: Hast Du eigentlich Journalismus studiert?

Christian Straßburger: Nein. Ich habe angefangen, Medienkommunikation zu studieren, habe das aber abgebrochen, weil ich in der Zeit Praktika gemacht habe. Zum Beispiel bei Sky und Sport1. Schule und Studium war nichts für mich. Ich habe auch das Abitur gerade so geschafft. Theorie hat mich nie weitergebracht, ich wollte immer praktisch arbeiten und ran ans Mikrofon. Da musste ich natürlich auch am Anfang lernen, Dreck zu fressen. Da war ich am Anfang vielleicht ein wenig arrogant. Das habe ich aber abgelegt. Es mag den einen und anderen geben, der sagt, ich sei arrogant. Aber derjenige kennt mich nicht. Ich bin selbstbewusst, was alles andere als arrogant ist. Ich kann aber nur jedem raten, der im Leben grundsätzlich etwas erreichen will - macht euer Abitur, versucht euer Studium und/oder eure Ausbildung abzuschließen. Ich habe bei Borussia ein Volontariat gemacht und bin somit ausgebildeter Redakteur. Schließt etwas ab in eurem Leben, das halte ich für eminent wichtig.

Fohlen-Hautnah: Wie sehen deine weiteren beruflichen Ziele aus?

Christian Straßburger: Die habe ich ja bereits angesprochen. Ich möchte so lange es möglich ist, bei Borussia bleiben. Aber irgendwann werde ich einfach nur noch Fan sein. Wann das sein wird, kann ich nicht sagen. Fakt ist, dass es irgendwann einmal zu Ende sein wird. Dann möchte ich andere Ziele angreifen und gerne mal für einen TV-Sender im Sport tätig sein. Ich habe auch den Traum, mal das ZDF Sportstudio zu moderieren. Das sind natürlich alles Dinge, die man in seinem Kopf hat. Die haben aber auch andere im Kopf. Aber was wären wir ohne Träume. Ich habe keine Angst davor, solche Träume zu haben. Das, was ich heute mache, waren irgendwann auch mal Träume. Und die habe ich verwirklicht. Wenn du etwas extrem willst, dann kannst du es auch erreichen.

Fohlen-Hautnah: Woher stammt eigentlich der Satz „Habe die Ehre“?

Christian Straßburger: Die Frage ist ganz einfach zu beantworten. Fritz von Thurn und Taxis, eine absolute Ikone im Sportreporter-Bereich, hat sich damals, als ich Praktikant bei Sky war, einen Kommentar von mir angehört. Das Feedback war übrigens alles andere als schön. Er hat mir dann nicht gesagt, wie toll ich wäre - im Gegenteil. Er sagte dann ‚Habe die Ehre‘. Als ich dann damals mit ihm in München das 3:0 zusammen kommentiert habe, hat er den Spruch auch gesagt und sich damit verabschiedet. Ich habe den Spruch dann adaptiert. Ich finde den Spruch ’Habe die Ehre’ einfach toll und nutze ihn auch privat. Das ist auch nicht gespielt. Wenn das Leuten nervt, dann tut mir das leid. Aber das bin ich und ist wie für mich gemacht (lacht).

Fohlen-Hautnah: Auch auf dich könnten in den kommenden Wochen/Monaten englische Wochen zukommen. Die Bundesliga dürfte etwas länger gehen als sonst. Ändert das viel in der Planung?

Christian Straßburger: Das wird nichts an meinen Planungen ändern. Ich habe weder Urlaub, noch irgendwelche Reisen gebucht, weil das in diesem Beruf einfach nicht geht. Da kannst du nicht lange im Voraus planen. Es werden hoffentlich englische Wochen auf uns zukommen, weil das bedeutet, dass sich bald alles wieder normalisiert hat. Bis dahin hoffe ich, dass wir alle gesund sind, bleiben und werden. Wenn dann irgendwann wieder Fußball wichtig wird und ist, dann bin ich bereit für englische Wochen und freue mich jetzt schon darauf.

Fohlen-Hautnah: Abschließend - Wirst du in der kommenden Spielzeit wieder Spiele in der Champions League kommentieren…?

Christian Straßburger: Das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Es ist ein Traum, mal Champions League-Spiele von Borussia zu kommentieren. Ich würde es mir wünschen.